mini|Ziegel mit Stempel der Legio II Italica aus Enns mini|Antoninian des Gallienus, Avers: GALLIENVS AVGRevers: LEG II ITAL VI P VI F mini|Die Kapitolinische Wölfin mit den Zwillingen Romulus und Remus (Kapitolsmuseum Rom)

Die Legio II Italica pia fidelis („die Italische Zweite Legion, die fromme und treue“) war eine Legion der römischen Armee.

Sie wurde im Auftrag Mark Aurels um das Jahr 165 n. Chr. (gemeinsam mit der Legio III Italica) zur Verstärkung der Donaulegionen ausgehoben. Die Legion war bis 170 in Dalmatien und bis zu ihrer Auflösung, Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr., in Noricum stationiert.

Als Symbol führte die Legion die Kapitolinische Wölfin, der unter Gallienus die legendären Gründer Roms, die Zwillinge Romulus und Remus hinzugefügt wurden. Dies ist unter anderem von Münzen bekannt, die unter Septimius Severus und Gallienus als Anerkennung für die Loyalität der II. Italica ausgegeben wurden.

Kommandostruktur mini|Ziegelstempel der Legio II Italica, gefunden in Wien Vor der Stationierung der Legion galt Noricum als provincia inermis, also ohne Legionsbesatzung, und wurde von Präsidialprokuratoren aus dem Ritterstand regiert (procurator Augusti [Augustorum] provinciae Noricae). Der Befehlshaber der Legion, ein legatus legionis aus dem Stand der Senatoren, war seit dem späten 2. Jahrhundert auch Statthalter der Provinz Noricum. Die Amtsbezeichnung hierfür lautete legatus Augusti [Augustorum] pro praetore provinciae Noricae. Dessen Amtszeit belief sich in der Regel auf ein bis zwei Jahre. Danach stiegen sie meist zu Konsuln auf (consul designatus). Der erste namentlich bekannte senatorische Legionskommandant/Statthalter für Noricum war Gaius Memmius Fidus Iulius Albius, der in den Jahren 190/191 dieses Amt bekleidete. Der Statthalter hatte für Verwaltungs- und Logistikaufgaben einen umfangreichen Stab (officium) aus Offizieren und Soldaten zur Verfügung. Seine Residenz befand sich im Legionslager Albing danach in Lauriacum/Enns und in Ovilavis/Wels.

Ab der Regierung des Gallienus, wurden die senatorischen Statthalter zunehmend wieder durch Männer aus dem Ritterstand ersetzt, die agentes vices praesides, die zuerst nur als Stellvertreter des senatorischen Statthalters in Erscheinung traten. Danach übernahm ein Präfekt die Führung der Legion in Enns (praefectus legionis). Ab den 90er Jahren des 3. Jahrhunderts wurden duces zu überregionalen Befehlshabern der norischen und oberpannonischen Provinzstreitkräfte ernannt, die Legionspräfekten sanken auf den Status von örtlichen Unterführern bzw. einfachen Festungskommandanten herab.

Funktion mini|Relief, das eine Szene aus den Markomannenkriegen darstellt: Mark Aurel als Reitersieger, der die Unterwerfung von Barbarenhäuptlingen entgegennimmt. Zuerst mit dem Schutz Italiens, Dalmatiens und der östlichen Alpenregionen befasst, bekämpfte die Legion (als strategische Reserve) ab 170 die Stämme der Markomannen, Quaden und Jazygen die massiv die Donauprovinzen Raetia, Pannonia, Moesia und Dacia, zum Teil auch Noricum bedrängten, im 3. Jahrhundert vor allem die Juthungen und Alamannen. Weiters stellte die Legion zusammen mit anderen Alen und Kohorten der Grenztruppen die Leibgarde des Statthalters, die singulares in Lauriacum und Ovilava. Aber auch noch in anderen Teilen der Provinz waren zahlreiche ihrer Legionäre in Verwaltungs- und Kontrollämtern tätig. Durch den kurzfristigen Zuzug von mehr als 6000 römischen Bürgern in Noricum trug die Legion wohl auch wesentlich zur weiteren Romanisierung dieser Provinz bei. Sie sicherte bis in die Spätantike – auf mehrere Standorte verteilt – mit Hilfe ihr zugeteilter Marineeinheiten den Limes an der oberen Donau.

Zudem nahm die Legio II Italica eine ausgeprägte Funktion als „Baulegion“ wahr, die weit über ihr engeres Operationsgebiet am Norischen Limes staatliche Bauprojekte mit Material wie Ziegeln versorgte. Ihre Ziegelstempel lassen sich bis nach Niedergermanien nachweisen, beispielsweise im Kastell Divitia (heute Köln-Deutz) nachweisen. In der Spätantike trat die Legion zudem in der Produktion von Schilden hervor.Stefan Groh: Die Lager der Legio II Italica. In: Der Limes. Nachrichtenblatt der Deutschen Limeskommission. Jahrgang 18, 2024, S. 22–27, hier S. 26 (PDF).

Entwicklung Als große Truppenteile der Donauarmee für den Partherkrieg von 161 bis 166 in den Osten des Reiches abgezogen werden mussten, ordnete Kaiser Mark Aurel die Neuaufstellung von zwei Legionen in Oberitalien an, um den Grenzschutz am Donaulimes angesichts drohender Auseinandersetzungen mit germanischen und sarmatischen Stämmen und der Schwächung der Grenztruppen durch die durch zurückkehrende Truppen aus dem Osten eingeschleppte sogenannte Antoninische Pest wieder zu verstärken. Auch ihr Beiname lässt annehmen, dass ihr Hauptrekrutierungsgebiet das bevölkerungsreiche Oberitalien war. = 13640 = Hermann Dessau, Inscriptiones Latinae selectae 1098; missus ad iuventutem per Italiam legendam.

2. Jahrhundert mini|Kaiser Mark Aurel (Kopie einer Reiterstatue in Tulln) Mit der Aufstellung (dilectus) der beiden neuen Legionen wurden Marcus Claudius Fronto, Gnaeus Iulius Verus und Tiberius Claudius Proculus Cornelianus beauftragt. Fronto war Ende 165/Anfang 166 Konsul, daher müssen die Aushebungen im Spätherbst begonnen haben. Infolge der Anwesenheit der beiden Kaiser Mark Aurel und Lucius Verus 168 in ihrem Hauptquartier bei Aquileia ist davon auszugehen, dass auch die Ausbildung der neuen Rekruten hier stattgefunden hat und von den beiden Herrschern persönlich beaufsichtigt wurde.

Da die Legion 166 durch die schon erwähnte Epidemie zunächst noch nicht voll einsatzfähig war, verblieb sie noch einige Zeit im Rahmen eines Sonderkommandos im Hinterland, um den Alpenostrand, Noricum, Pannonien und vor allem Italien gegen Übergriffe der Stämme aus dem Norden zu schützen. Vermutlich hatte die II. Italica auch noch kein festes Lager, sondern lag in wechselnden Stützpunkten. a–d. Die Anwesenheit von Legionären der II. Italica in Poetovio, Pula und anderen Orten ist zwar bewiesen, konnte aber nicht exakt datiert werden.

Zunächst stand die Legion unter dem Befehl des Quintus Antistius Adventus, der um 168 das Amt eines leg(atus) Aug(ustus) at praetenturum Italiae et Alpium bekleidete. = Dessau 8977 Nach dem plötzlichen Tod seines Mitregenten Lucius Verrus (169) musste Mark Aurel nach Rom zurückkehren, traf aber vorher noch alle Vorbereitungen für die schon lang geplante Offensive in die transdanubischen Stammesgebiete. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde die Legion wieder etwas weiter nach Norden verlegt und erbaute bei Ločica ob Savinji in Slowenien zusammen mit der ala Antoniniana ihr erstes bekanntes Standlager. Noch vor 170 wurde ihr der Beiname pia (d. h. die fromme und pflichtbewusste) verliehen.. Er wurde aber ab 191 immer mehr durch den Beinamen Italica verdrängt.Gerhard Winkler: Noricum und Rom In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Band II, 6, de Gruyter, Berlin 1977, S. 232–235. Die Legion stellte im Jahr 170 (zusammen mit der Legio III Italica) u. a. eine Vexillation für den Bau eines 60 m langen Abschnittes der Befestigungsanlagen der dalmatinischen Hafenstadt Salona/Solin ab.

Vexillationes leg(ionum) II piae et III concordiae ped(es) (ducentos) sub cura P. Aelii Amyntioni (centurionis) frumentari leg(ionis) II Traian(ae) „(Die) Abteilungen der Legionen II Pia und III Concors (haben) 200 Fuß (der Mauer erbaut), unter der Aufsicht von Publius Aelius Amyntionus, dem Centurio für die Getreideversorgung der Legio II Traiana fortis“.

Die Stammesverbände der Markomannen und Quaden überquerten 171 die Donau und drangen durch die Julischen Alpen bis nach Oberitalien vor, wo sie Opitergium (Oderzo) zerstörten und sogar Aquileia belagerten.Ammianus Marcellinus 29,6,1. Weiter im Osten schlossen sich Jazygen, Roxolanen und Sarmaten an und setzten ebenfalls über die Donau, einige ihrer Streifscharen gelangten bis in die griechischen Kerngebiete. Zu ihrer Bekämpfung wurde die Legion 172 daher erstmals in den Nahbereich des östlichen Alpenraums verlegt. Mark Aurel übernahm persönlich die zentrale Leitung des Feldzuges und schlug sein Hauptquartier in Carnuntum auf. Unter dem Kommando von Claudius Pompeianus und Helvius PertinaxHistoria Augusta, Pertinax 2, 4–6. wurde sie in den Markomannenkriegen eingesetzt und es gelang die Invasoren unter großen Anstrengungen wieder über die Donau zurückzuwerfen und bis in ihre Siedlungsgebiete vorzudringen (um 193). Bei diesen Kämpfen ereignete sich auch das sogenannte Regenwunder, das die Legio I Adiutrix aus dem Belagerungsring der Quaden befreite.Werner Jobst: 11. Juni 172 n. Chr. Der Tag des Blitz- und Regenwunders im Quadenland, Sitzungsberichte d. Akad.d.Wissenschaften, phil.hist.Klasse 335, Wien 1978. Die Tatsache, dass auch eine pannonische Legion am Feldzug teilnahm, lässt darauf schließen, dass die II. Italica bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht an die Donau vorgerückt war.Gerhard Winkler: 2003, S. 132.

mini|Ziegelstempel der Legio II Italica aus dem Kastell Zeiselmauer, Beispiel für deren Bautätigkeit Anscheinend hielt sich die Legion aber nur kurzzeitig im Lager Ločica auf, ehe sie um 174/175, wieder zusammen mit der Ala Antoniniana, in ihr erstes Lager auf norischen Boden, Albing, verlegt wurde. Dort stand sie unter dem Befehl des legatus leg II Italicae et alae Antoninianae Quintus Herennius Silvius Maximus.. Mark Aurel starb am 17. März 180, sein Nachfolger Commodus schloss mit den Barbaren einen Friedensvertrag, woraufhin sich die militärische Lage wieder entspannte. Nach dem Ende der Kämpfe kehrte die Legion nach Noricum zurück und entfaltete dort eine rege Bautätigkeit..

mini|Kaiser Septimius Severus, Münchner Glyptothek In den Kämpfen des sogenannten zweiten Vierkaiserjahres zwischen den Kontrahenten Septimius Severus, dem Statthalter von Oberpannonien, Pescennius Niger und Clodius Albinus um den Kaiserthron schlugen sich die norischen und raetischen Provinzialen in den Städten zwar auf die Seite des Albinus, die Legion hingegen blieb Severus treu, weswegen er sie mit dem Ehrennamen fidelis (die treue und zuverlässige) auszeichnete. Im Jahr 193 marschierte die II Italica Pia Fidelis auch mit seinem Heer nach Rom, wo er seine Macht weiter konsolidierte, die anmaßenden und stets zu Aufständen bereiten Prätorianer auflöste und aus seinen eigenen Truppen eine neue Garde bildete, für die auch Angehörige der II. Italica ausgewählt wurden. Später setzte Severus die II. Italica noch erfolgreich in seinem Feldzug gegen die Parther ein.. Eine Vexillation begleitete ihn 208–211 auch auf seinem letzten und verlustreichen Feldzug in den unwirtlichen Norden Britanniens.

3. Jahrhundert mini|Modell des Legionslagers Lauriacum, Blick aus SO, Römermuseum Enns