Burgas ([], ) ist mit Einwohnern (Stand: ) die viertgrößte Stadt Bulgariens. Die Stadt ist der Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz Burgas sowie der Gemeinde Burgas. Als Industrie- und Hafenstadt ist sie das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum des gesamten Südostens von Bulgarien.

Westlich der Stadt ist mit LUKoil Neftochim die größte Erdölraffinerie Südosteuropas und der größte Arbeitgeber Bulgariens angesiedelt. Durch die gute Verkehrsanbindung auf Straßen, Schienen und Gewässern ist Burgas einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Landes. Der Hafen Burgas ist der größte Hafen und einzige Rohölhafen Bulgariens sowie der Heimathafen der bulgarischen Übersee-Fischfangflotte, der Schwarzmeermarine und der Küstenwache. Die Stadt ist das Zentrum der bulgarischen Fischfang- und Fischverarbeitungsindustrie. Der Flughafen Burgas ist nach dem Flughafen Sofia der meistfrequentierte Flughafen Bulgariens.

Burgas ist eine touristisch überregional bekannte Stadt. Die geografische Lage mit mehreren unter Naturschutz stehenden Seen sowie dem Schwarzen Meer zieht ebenso wie auch die antiken und mittelalterlichen Siedlungen und die Festivals nicht nur Besucher aus den Balkanländern, sondern aus ganz Europa und Asien an. Die Kathedrale der Heiligen Brüder Kiril und Methodius und das Naturschutzgebiet Poda wurden in die Liste der 100 nationalen touristischen Objekte in Bulgarien aufgenommen. Das Kloster Sweta Anastasia auf der vorgelagerten gleichnamigen Insel ist das einzige im Schwarzen Meer erhaltene mittelalterliche Inselkloster.

Geographie mini|Burgas (Satellitenfoto) – Ein Großteil der Stadt befindet sich zwischen den drei Seen und dem Schwarzen Meer (rechts)

Lage Burgas liegt in der Burgasebene, östlich der Oberthrakischen Tiefebene in der Bucht von Burgas, an der westlichen Küste des Schwarzen Meeres. In der Bucht von Burgas befindet sich die kleine bewohnte Insel Sweta Anastasia, die ebenfalls zum Stadtgebiet gehört. Die Bucht und die Stadt sind der westlichste Punkt des Schwarzen Meeres.

Die Hafenstadt ist umgeben vom Schwarzen Meer und drei Seen, dem Burgas-See, dem Mandra-See und dem Atanassow-See, die gemeinsam mit weiteren Gewässern die Seenlandschaft Burgasseen bilden. Zwischen dem Mandra-See und dem Burgas-See befindet sich der 209 Meter hohe Berg Warli brjag, der höchste Punkt der Stadt. Zu diesem Gebiet gehört auch das größte Stadtviertel Meden Rudnik. Der Burgas-See liegt zwischen den Vierteln Gorno Eserowo, Dolno Eserowo, Slawejkow, Akacijte und Pobeda. Am Ufer des Atanassow-Sees liegen die Viertel Sorniza, Isgrew, Lasur und Sarafowo. Die Viertel Banewo und Wetren befinden sich in den Ausläufern des Balkangebirges. Auf der zwischen dem Schwarzen Meer und dem Burgas-See gelegenen Nehrung Kumluka liegen die Viertel Pobeda und Akacijte sowie Teile der Industriezone Süd. Eine weitere Nehrung mit Dünen, die Teil des Stadtstrandes ist, trennt den Atanassow-See vom Schwarzen Meer.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden, die alle in der Provinz Burgas liegen, grenzen an die Stadt Burgas:

Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Burgas besteht aus der Kernstadt und den Stadtteilen (bzw. Ortsteilen) und diese aus Vierteln. Die Ortsteile und Viertel sind historisch gewachsen, wurden als vorherige Gemeindeorte eingegliedert, traten nach einem Referendum der Stadt bei oder wurden ihr bei Gemeindereformen zugeschlagen. Außer der Innenstadt (Zentrum) gehören folgende Stadtteile zur Kernstadt: Bratja Miladinowi, Wasraschdane und Lasur. Zu den weiteren Wohngebieten werden die Stadtteile Meden Rudnik, P. R. Slawejkow, Sorniza, Isgrew und die Stadtviertel Akacijte, Gorno Eserowo, Dolno Eserowo, Losowo, Pobeda, Sarafowo und Kraimorie gezählt. Seit 2009 sind die ehemaligen Gemeindedörfer Banewo (mit den Mineralbädern von Burgas) und Wetren Stadtviertel von Burgas.

Administrativ ist die Stadt Burgas in sechs territoriale Direktionen (TD) unterteilt. Diese umfassen neun Stadtviertel (Pobeda, Banewo, Losowo, Wetren, Akacijte, Sarafowo, Dolno Esserowo, Gorno Esserowo, Kraimorie), sieben Stadtteile (Meden Rudnik, Sorniza, Isgrew, Slawejkow, Bratja Miladinowi, Wasraschdane und Lasur), zwei Siedlungen (Fischersiedlung und Villensiedlung Alatepe), das Stadtzentrum und die Insel Sweta Anastasia. Die TD Wasraschdane umfasst Pobeda und Akacijte sowie die zwischen dem Burgas-See und dem Mandra-See liegenden Meden Rudnik und Gorno Eserowo. In der TD Isgrew sind Isgrew, Sorniza und Sarafowo zusammengeschlossen, die auf beiden Seiten des Atanasow-Sees liegen. Die TD Primorie umfasst das Stadtzentrum, die Viertel Wasraschdane und Kraimorie, die einen Zugang zum Meer haben, die Fischersiedlung in der Bucht Tschengene Skele, den Park Rossenez, die Villensiedlung Alatepe () und die Insel Sweta Anastasia. In der TD Oswoboschdenie befinden sich die nördlich des Burgas-Sees gelegenen Slawejkow und Losowo sowie Banewo und Wetren. Die TD Sora umfasst die zentral gelegenen Lasur und Bratja Mladinowi, die TD Dolno Eserowo besteht nur aus dem gleichnamigen Stadtviertel.

Klima Das Klima in Burgas ist trocken und gemäßigt kontinental mit Meereseinfluss. Der Sommer ist heiß, dank der Meeresnähe mit einer ständigen Brise dennoch angenehm. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen betragen 28,4 °C und die des Meeres 24,7 °C. Die Anzahl der Sonnentage im Sommer liegt zwischen 24 und 27 bei 10 bis 11 Sonnenstunden täglich. Der Herbst ist durch den Einfluss des Schwarzen Meers im Vergleich zum Rest des Landes lang, warm und regenarm.

Der Winter ist kühl und meistens ohne Schneefall. Die Tagestemperaturen liegen in dieser Jahreszeit im Durchschnitt bei 8,1 °C, die des Meeres bei 7,4 °C. Der Frühling tritt meist einen Monat später als im Rest des Landes ein und ist kürzer.

Ökologie/Umwelt In den 1980er Jahren stellte die Verschmutzung der Luft und der Abwässer ein großes Problem dar. Ursachen waren eine fehlende Umweltpolitik und die Nichteinhaltung ökologischer Standards seitens der in der kommunistischen Zeit errichteten Industrie. Die Reinigungsanlagen für Abwässer wurden in der Planwirtschaft nicht ausgebaut, die vorhandenen waren dem raschen Bevölkerungswachstum nicht gewachsen und wurden vernachlässigt. Die industriellen Abwässer führten Ende der 1980er Jahre, verstärkt durch die der ehemaligen Flüchtlingslager, im Burgas-See zu einer ökologischen Katastrophe. Die Tierbestände im ehemals fischreichsten See Bulgariens gingen beinahe gänzlich zugrunde. Auch die Schwarzmeerküste wurde durch Auslaufen von kleineren Mengen Rohöl aus Öltankern und durch die Abwässer der petrochemischen Werke mehrmals in Mitleidenschaft gezogen. In dieser Zeit war das gesamte Stadtgebiet der ständigen Luftverschmutzung durch überhöhte Konzentrationen von Schwefelwasserstoff (H2S), Feinstaub und Schwefeldioxid (SO2) ausgesetzt, die vor allem durch die Emissionen der Raffinerie und anderer Betriebe der Chemiebranche verursacht wurden. 1996 gab es in der Stadt Proteste wegen der ökologischen Lage.Artikel. In: Osteuropa: Zeitschrift für Gegenwartsfragen des Ostens, Band 47, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde. Deutsche Verlags-Anstalt, 1997, S. 329.Francis W. Carter, David Turnock: Environmental problems in Eastern Europe. In: Routledge natural environment – problems and management series. 2. Ausgabe. Verlag Routledge, 1996, ISBN 0-415-13757-8, S. 58–59.Nikolova/Panaiotov, S. 37, S. 504.

Mit dem Ende des Kommunismus wurden mehrere Projekte zur Verbesserung der Ökologie der Stadt ins Leben gerufen.Lidia Cholpanova, Nikola Kazanski, Ralitsa Tsacheva: Bulgarian environmental projects 1992–1995. Pensoft Publishers, 1995.David Turnock: The East European economy in context: communism and transition. Verlag Routledge, 1997, S. 333. 1992 wurde in der Stadtverwaltung die Abteilung Ökologie eingerichtet, welche die Projekte und die Überwachung in diesem Bereich koordiniert. Seit Anfang der 1990er Jahre wurden zudem stationäre und mobile Überwachungs- und Kontrolleinheiten gebildet. Die heute in Burgas verwendeten fünf stationären Luftüberwachungsstationen sind die einzigen ortsgebundenen Stationen im Land. Das Überwachungs- und Kontrollsystem ist das einzige in Bulgarien, dass einzelne Emissionsverursacher bestimmen kann. Zwischen Ende der 1980er bis Ende der 1990er wurden mehrere Naturschutzgebiete eingerichtet und seit 2005 über 220 Millionen Lewa (ca. 110 Millionen Euro) in Projekte zur Verbesserung der Kanalisation, Wasserversorgung und Wasserverarbeitung in der Stadt investiert. Unter anderem wurde 2010 eine zusätzliche Kläranlage im größten Stadtviertel Meden Rudnik gebaut und kleinere Stadtteile mit dem zentralen Abwassersystem verbunden. 2012 begann der Ausbau des Abwassersystems in Meden Rudnik.

Diese Maßnahmen verbesserten neben dem Strukturwandel und den Investitionen zur Eindämmung der Luft- und Abwasserverschmutzung durch die betroffenen Unternehmen die ökologische Lage der Stadt und des Umlandes enorm. Dennoch werden vor allem in den Vierteln Dolno Eserowo und Losowo noch überdurchschnittliche Konzentrationen von Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxid in der Luft nachgewiesen. Diese Werte haben aber eine sinkende Tendenz und werden durch eine bestimmte meteorologische Situation erklärt, bei der der Wind Luftpartikel aus der nahen Raffinerie herüberträgt. Die Raffinerie, der Möbelhersteller Kronospan und der zunehmende Kfz-Verkehr gehören zu den größten Emissionsverursachern. Da Burgas ein wichtiger Transportknotenpunkt ist, sind für den Transitverkehr mehrere Projekte geplant.

Im Jahre 2008 fand zum Bau der Burgas-Alexandroupolis-Ölpipeline in Burgas ein Referendum statt. 96,75 Prozent der Abstimmenden sprachen sich gegen den Bau der Ölpipeline aus. Das erste Referendum in der neuzeitlichen Geschichte Bulgariens war allerdings für die bulgarische Regierung nicht bindend, da die Beteiligung bei nur 27,09 Prozent und 51.225 gültigen Stimmen lag.

2010 erhielt die Stadtverwaltung bei einem Projekt zum integrierten Ausbau des öffentlichen Verkehrs eine EU-Unterstützung in Höhe von 70 Millionen Euro. Damit konnte der veraltete Fuhrpark des städtischen Transportunternehmens Burgasbus komplett erneuert, das Netz der Oberleitungsbusse erweitert und bis zu 20 km Fahrradwege gebaut werden, was Burgas eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet in Bulgarien bescherte. Im November 2011 gab die Stadtverwaltung ihre Ziele innerhalb des Covenant of Mayors zur Steigerung der Energieeffizienz und Nutzung nachhaltiger Energiequellen bekannt. Burgas will demnach bis 2020 den Energieverbrauch um 27 Prozent und die CO2-Emissionen um 25 Prozent reduzieren und die Nutzung erneuerbarer Energie um 26 Prozent steigern. Im selben Jahr wurde Burgas wegen seines Engagements im Bereich Umwelt und nachhaltiger Entwicklung zur umweltfreundlichsten Stadt Bulgariens gekürt.

Natur Gewässer mini|Der Mandra-See im Winter

Durch die Stadt fließen die Flüsse Ajtoska, Rusokastrenska, Sredezka, Isworska und Tscharlijska. Die ersten beiden münden in den Burgas-See, der Sredezka und der Isworska in den Mandra-See und der Tscharlijska in den Atanassow-See. Von den drei Seen, welche die Stadt umgeben, besitzt der Atanassow-See den höchsten Salzgehalt, gefolgt vom Burgas-See. Dagegen befindet sich im Mandra-See nur Süßwasser, obwohl er durch einen natürlichen Kanal mit dem Schwarzen Meer verbunden ist. Der Burgas-See und der Mandra-See sind so genannte Limane. Sie sind durch das Aufstauen von Flussgewässern und einen nacheiszeitlichen Anstieg des Meeresspiegels, der zur Überflutung der Mündungsgebiete führte, entstanden. Der Burgas-See, der größte bulgarische See, nimmt eine Fläche von 27,6 km² und der Mandra-See von 10 km² ein. Das Wasservolumen der beiden Seen beträgt 19 bzw. 11 Millionen Kubikmeter.