mini|Fahne mit Logo WBF des Wassersportvereins Buckau-Fermersleben mini|Bootsschuppen westlich des Hafens in Fermersleben mini|Slipanlage im Hafen Fermersleben mini|Baracke mit der Geschäftsstelle des Vereins im Fermersleber Hafengebiet Der Wassersportverein Buckau-Fermersleben e. V. ist der größte Wassersportverein Sachsen-Anhalts. Sportler des Vereins gewannen in der Vergangenheit diverse nationale Meistertitel. Mit seiner Nachwuchsarbeit brachte der Verein auch spätere Olympiasieger hervor.
Vereinsarbeit Der Verein gliedert sich in die Abteilungen Segeln, Kanu und Drachenboot, die jeweils auch im Wettkampfbetrieb engagiert sind. Mit 348 Mitgliedern (Stand 2011) ist er der größte Wassersportverein Sachsen-Anhalts.Holger Beierke, Der WBF heute in Der Wassersportverein Buckau-Fermersleben Teil 1 1911–1961, Magdeburg 2011, Seite 8 Der Vereinssitz befindet sich in der Nähe der Elbe im Magdeburger Stadtteil Fermersleben auf dem Katzenwerder. Neben der Anlage um den vom Verein betriebenen Hafen Fermersleben am Elbkilometer 322, mit Zugang zur Elbe und zum Salbker See II, verfügt der Verein auch über eine Wassersportanlage in Plaue in Brandenburg an der Havel. Auch der westlich des Fermersleber Vereinsgeländes gelegene Salbker See II wird durch den Verein betrieben.
Geschichte Gründung Der Verein wurde 1911 als Schwimm- und Ruderverein Fermersleben (S.u.R.V.) gegründet. Im näheren Umfeld des heutigen Hafen Fermersleben betrieben August und Paul Michaelis neben der Fähre Fermersleben auch eine Flussbadeanstalt und Gaststätte. Die neun Gründungsmitglieder gehörten zu den regelmäßigen Gästen der Badeanstalt und wollten den Schwimmsport organisiert auch im Wettkampf betreiben. Der Verein nahm zunächst an Schwimmveranstaltungen in der Region teil. Neben den Schwimmdisziplinen wurde auch „Figuren legen“, Langstreckentauchen und Wasserball geübt. Am 23. März 1913 begann der kleine Verein ein erstes Clubhaus zu bauen, welches bei einer Länge von 15 Metern und einer Breite von 3 Metern Platz für drei Ruderboote bot. Da das Geld für das Bauholz nicht reichte, pfändete der Gerichtsvollzieher beim Vereinsmitglied Gustav Lindenbeck die zur Absicherung verpfändeten Möbel. 1914 zählte der Verein 30 Mitglieder. Der Monatsbeitrag betrug 0,50 Mark. Viele Mitglieder wurden im Ersten Weltkrieg zum Kriegsdienst eingezogen. Trotz der schwierigen Zeit baute Vereinsmitglied Willi Welsch im Jahr 1915 das erste im Verein betriebene Segelboot, 1917 war Otto Krüger Eigentümer des ersten Paddelboots des Vereins. Im gleichen Jahr wurde im Verein eine Frauenabteilung gegründet, die auch bald an kleineren Wettbewerben teilnahm. Die Mitgliederzahl stieg an, wobei die Mitglieder überwiegend aus den Stadtteilen Buckau und Fermersleben kamen. Ende 1918 zählte der Verein bereits 200 Mitglieder. Aus Material einer abgerissenen Seilerei in Frohse wurde eine neue Steganlage gebaut.
Teil der Arbeitersportbewegung Der Verein verstand sich als Teil der Arbeitersportbewegung und gehörte zum im Herbst 1919 gegründeten Arbeiter-Wassersportverband. In Magdeburg hatten sich drei Arbeiterwassersportvereine, darunter auch Fermersleben, zum Freien Wassersportverein Groß Magdeburg zusammengeschlossen. Die Schwimmer des nun sehr mitgliederstarken vereinigten Vereins hatten jetzt auch Anspruch auf Trainingsstunden im Wilhelmsbad, dem einzigen Hallenbad der Stadt. Die Abteilung Buckau-Fermersleben schaffte die ersten richtigen Ruderboote an. 1920 wurde das Bootshaus und auch zwei der drei Ruderboote durch ein Frühjahrshochwasser zerstört. 1921 kündigte Fährmann Michaelis den Pachtvertrag für das Gelände auf dem sich das Bootshaus befand. Der Verein erwarb eine Wiese auf dem noch heute vom Verein genutzten Gelände. Jährlich mussten jedoch weiterhin 60 Mark an Michaelis für die Benutzung eines Weges gezahlt werden. Der Verein stellte für Badestellen der Region Magdeburg die zu Rettungsschwimmern ausgebildete Bademeister. Für die Schüler der örtlichen Schule wurde Schwimmunterricht angeboten. Auch regionale Turnvereine wie Vorwärts Fermersleben und Turnverein Fichte waren im Sommer Gäste des Vereins, wobei im Gegenzug im Winter die Turnhallen dieser Vereine auch den Wassersportlern zur Verfügung standen.
Mit Mitteln aus einer veranstalteten Sportlotterie wurde 1922 das stark beschädigte Bootshaus durch ein neues Gebäude von 12 mal 8 Metern ersetzt. Das neue Gebäude entstand auf einem einen Meter hohen Sockel. Auf behördliche Weisung mussten die Pfeiler unter dem Haus auf zwei Meter erhöht werden. Neben Umkleidekabinen und Bootsliegeplätzen befanden sich dort auch eine kleine Theke. Am 16. August 1923 wurde das Gebäude bei einem als Wirbelsturm beschriebenen Sturm umgestoßen. Die im Haus befindlichen Gäste, darunter viele Kinder, blieben jedoch größtenteils unverletzt. Pläne ein massives Gebäude zu errichten scheiterten jedoch, da das Bauwerk im Überflutungsgebiet rechtlich nicht möglich erschien. miniatur|Schwimmendes Vereinsheim in den 1920er Jahren Der Vereinsvorsitzende Paul Schrader schlug den Bau eines schwimmenden Bootshauses vor. Im Zuge von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der sogenannten Notstandsarbeit wurde das Projekt tatsächlich umgesetzt. Der Bau begann bei großen Anteilen von Eigenleistung auf einer Werft, wo der Prahm am 14. März 1924 auf die Hellinge gelegt wurde. Parallel dazu wurden die beabsichtigten Aufbauten in einem Schafstall eines Fermersleber Bauernhofes vorgefertigt. Noch vor Pfingsten 1924 fand der Stapellauf des 50 Meter langen, 7 Meter breiten und 0,98 Meter hohen stählernen Unterbaus statt. Der Prahm wurde dann zur Buhne vor dem Katzenwerder am Elbkilometer 322 geschleppt. Bis August 1924 entstand auf dem Prahm eine Gaststätte sowie eine Wohnung für den Wirt und seine Familie. Am Tag vor der Einweihungsfeier riss der Prahm sich während eine Sturms los und drehte sich quer in die Elbe. Mit Mühe gelang es den Prahm zu bergen und einen Verlust zu verhindern. Das Hausboot wurde am Kopfende der Buhne im Strom befestigt. Zwischen dem Bootshaus und dem Elbufer befand sich mit einer Breite von 8 Metern die 50-Meter-Schwimmbahn mit dem Wasserballfeld. Bis zum Ufer war dann noch ein weiterer Abstand von 8 bis 10 Metern. Am Nordende des Prahms entstand ein 3 und ein 5 Meter-Sprungturm. Alle drei Jahre musste der Prahm auf einer Werft inspiziert werden. Im Winter wurde der Prahm in den Sülzehafen nach Buckau geschleppt.
In diesem Jahr bauten Mitglieder des Vereins vier Segelboote. Auch in den folgenden Jahren wurde eine große Zahl an Booten im Eigenbau hergestellt. Der Vereinsvorsitzende Paul Schrader war auch politisch engagiert. Er war hauptamtlicher Sekretär des Arbeiter-Sport-Kartells und Mitglied im städtischen Ausschuss für Leibesübungen, wo er sich für die Belange der Arbeitersportvereine der Stadt einsetzte.
1925 erwarb der Verein ein weiteres angrenzendes Grundstück. Die finanzielle Belastung, der Verein war mit 20.000 Mark verschuldet, konnte durch die auf 400 bis 600 angestiegene Mitgliederzahl bewältigt werden. Sechs Mitglieder des Vereins unternahmen 1925 eine Wanderfahrt in Richtung Konstantinopel, die unter tragischen Umständen abgebrochen werden musste, da das Mitglied Ernst Otto nach einem Fieberanfall das Zelt verließ und dann vermisst blieb.
Die Segler des Vereins beteiligten sich an verschiedenen Regatten mit allerdings eher schlechten Ergebnissen, was sich aus der geringeren Erfahrung und den ungenügenden materiellen Voraussetzungen erklären dürfte. Die übliche Regattastrecke der Segler startete an der Südspitze der Rotehorninsel, dem sogenannten Langen Heinrich und gingen vorbei an den am Elbufer liegenden Bootshäusern stromauf bis zur Wendemarke die in etwa in Höhe des Mönchsgrabens lag.
mini|hochkant|Oberbürgermeister Hermann Beims (SPD) 1927 spaltete sich eine Gruppe Ruderer vom Verein ab und gründeten in Buckau den Verein Freiheit. Der Rudersport wurde danach im Verein Buckau Fermersleben nicht mehr betrieben. Der Verein Freiheit wurde 1933 durch die Nationalsozialisten zur Auflösung gezwungen. Der Kanusport wurde hingegen intensiviert. Ende des Jahres 1928 wurden 15 neue Paddelboote gebaut. Hinzu kam der Bau von 6 Wanderjollen. Am 18. Juli 1929 wurden die neuen Boote im Beisein des Magdeburger Oberbürgermeisters Hermann Beims getauft. Beims segelte eine Stunde auf einem Vereinsboot mit. Er spendete aus seinem Privatvermögen 100 Mark für den Bau eines Kanuvierers. Der Kanuvierer wurde dann am 4. Mai 1930 eingeweiht. Bei Kanuregatten konnte der Verein Erfolge verbuchen. Trainer der Kanuten war ab 1930 Rudi Baumgarten.
Die Vereinsmitglieder beteiligten sich regelmäßig an Veranstaltungen der Arbeitersportbewegung. So fanden zu den Reichs-Arbeiter-Sporttagen Umzüge statt. Im Verein hatte man eine Schalmeienkapelle gegründet. Während der Demonstration wurde der Zug von Randalierern angegriffen. Die Kapelle brach die Musik ab und klärte handgreiflich die Situation, bevor Polizei oder andere Demonstranten eingreifen konnten. Allerdings wurde der Umzug ab da ohne Musik fortgesetzt, da auch einige Instrumente gelitten hatten. Der Verein engagierte sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Die Kanuten führten sogenannte Propagandafahrten nach Schönebeck (Elbe) durch, wo gemeinsam mit Schönebecker Arbeitervereinen Veranstaltungen gegen die Nationalsozialisten durchführte. Auch Literatur- und Diskussionsabende wurden veranstaltet.
1930 verfügte der Verein bereits über 30 Paddel- und 18 Segelboote. Zur Unterbringung wurde ein transportabler 20 mal 7,5 Meter großer Bootsschuppen angeschafft, der im Winter an eine hochwassersichere Stelle umgesetzt werden musste. Am 14. Juni 1931 wurde das 20. Gründungsjubiläum des Vereins gefeiert.
Die politische Situation wurde immer angespannter. 1932 kam es vor, dass zehn bis zwölf uniformierte Mitglieder der NSDAP auf dem Vereinsbootshaus randalierten. Am Fahnenmast des Vereins hatten sie die Hakenkreuzflagge gehisst. Das Gastwirtsehepaar Nohr und der Schwimmmeister Harald Wirnlein wurden gezwungen den Hitlergruß zu zeigen. Nach diesem Vorfall organisierte der Verein die Einteilung von Wachen. Auch zu anderen Anlässen soll es gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben haben.Heinz Tietge, Der Wassersportverein Buckau-Fermersleben, Teil 1 1911–1961, Magdeburg 2011, Seite 60
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden Fahnen und auch mehrere Boote des Vereins versteckt. Arbeitersportvereinen wurde die Teilnahme an Wettkämpfen verboten. Es drohte ein Verbot des Vereins und die Beschlagnahme des Vereinseigentums. Um das Überleben des Vereins zu sichern, entschloss man sich auf die Bedingungen der neuen Machthaber nach außen hin einzugehen. Der bisherige Vorsitzende Paul Schrader trat formal aus dem Verein aus, blieb dem Verein jedoch verbunden. Das Vorstandsmitglied Wilhelm Klare trat, in Abstimmung mit dem Vorstand, in die NSDAP ein, um so nach außen als Vereinsführer auftreten zu können. Die Mitgliederversammlung beschloss am 4. August 1933 dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen beizutreten. Die Maßnahmen hatten Erfolg, eine Auflösung des Vereins konnte unterbleiben. Am 21. Oktober 1933 wurde der Verein mit dem Namen Wassersportverein Buckau-Fermersleben e. V. in das Vereinsregister eingetragen. Die Wettkampfsperre dauerte aber noch einige Zeit an. Nach Aufhebung der Sperre nahm der Verein ab 1935 einen Aufschwung. Viele Mitglieder die zur Umgehung der Wettkampfsperre bei anderen Vereinen tätig gewesen waren kehrten zurück. Sowohl Schwimmer, Kanuten als auch Segler nahmen an Wettkämpfen teil und konnten auch Erfolge erzielen.