Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Geschäftsverteilungspläne des Geheimen Staatspolizeiamtes (Gestapa) in Berlin als der Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo).
Übersicht über die Geschäftsverteilungspläne Überliefert sind die folgenden Geschäftsverteilungspläne der Geheimen Staatspolizei:
Geschäftsverteilungsplan der Abteilung I des Polizeipräsidiums Berlin vom Herbst 1931 Geschäftsverteilungsplan der Abteilung I des Polizeipräsidiums Berlin vom Dezember 1932 Geschäftsverteilungsplan vom 19. Juni 1933 Geschäftsverteilungsplan vom 22. Januar 1934 Geschäftsverteilungsplan vom 25. Oktober 1934 Geschäftsverteilungsplan vom 1. Oktober 1935 Geschäftsverteilungsplan vom 1. Januar 1938 Geschäftsverteilungsplan von 1. Juli 1939 Geschäftsverteilungsplan vom 1. Oktober 1940 Geschäftsverteilungsplan vom März 1941
Geschäftsverteilungsplan der Abteilung I des Polizeipräsidiums Berlin vom Herbst 1931 Dieser Geschäftsverteilungsplan hat sich im Nachlass von Johannes Stumm erhalten und wurde 1983 von Christoph Graf in seiner Habilitation veröffentlicht.Graf: Politische Polizei, S. 401–403.
Leiter: Regierungsdirektor Fritz Goehrke Vertreter des Leiters: Regierungsrat Erich Prawitz Dezernat 1: Einrichtung der politischen Polizei, der Landeskriminalpolizeistelle und des Landeskriminalpolizeiamtes. Verfassungssachen: Ausnahmezustand, Vereins- und Versammlungswesen im Allgemeinen, Schutz des Staates im Allgemeinen Dezernent: Polizeirat Kurt Mittasch Dezernat 2: Freie Meinungsäußerung und Presse (Pressepolizei). Schutz des Staates gegen Angriffe durch die Presse Dezernent: Polizeirat Max Weimann Dezernat 3: Bearbeitung aller Angelegenheiten betreffend Organisation und Betätigung der KPD und Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO), ausgenommen die beim Dezernat 4 aufgeführten Angelegenheiten Dezernent: Regierungsassessor David Arian Dezernat 4: Bearbeitung aller Angelegenheiten betreffend Organisation und Betätigung der linksradikalen, nichtkommunistischen Bewegung (insbesondere Anarchisten, Syndikalisten, Kommunistische Arbeiterpartei, Allgemeine Arbeiter-Union, USPD) b) Aus der kommunistischen Bewegung: aa) Der Kommunistischen internationale und der ausländischen Kommunisten bb) Des Kommunistischen Jungverbandes [und ähnlicher Jugendorganisationen] cc) Der Neben- oder Hilfsorganisationen der kommunistischen Bewegung [Aufzählung] Dezernent Regierungsassessor Heinrich Schnitzler Dezernat: 5: Partei- und Vereinswesen sowie politische Bewegungen, soweit nicht die Dezernate 1, 3, 4, 6, und 7 in Frage kommen. Bahnschutz, Sicherung amtlicher Personen und Einrichtungen, Fremdenlegionssachen Dezernent: Regierungsrat Friedrich von Werder Dezernat 6: Rechtsradikale Partei- und Vereinswesen, rechtsradikale politische Bewegungen und Bestrebungen sowie rechtsradikale Kultur und Wirtschaftspolitik, soweit nicht Dezernat 7 in Frage kommt. Dezernent: Regierungsassessor Oscar Oesterle Dezernat 7: Organisation, Bestrebungen und Betätigung der NSDAP Dezernent: Regierungsassessor Hans Joachim Schoch Dezernat 8: Landesverrat und Spionageabwehr Dezernent: Regierungsrat Friedrich von Werder Dezernat 9: Kultur- und Wirtschaftspolitik, insbesondere die gewerkschaftliche Arbeiterbewegung, soweit nicht Dezernat 3, 4, 6, und 7 in Frage kommen, Technische Nothilfe Dezernent: Regierungsrat Erich Prawitz Außendienst (I Ad) Leiter: Regierungsdirektor Fritz Scherler Inspektion I: Pressesachen Inspektionsleiter: Kriminalkommissar Karl Futh Inspektion II: Linksradikale Parteien und Organisationen, Russen und Polen Inspektionsleiter: Kriminalkommissar Reinhold Heller Inspektion III: Rechtsradikale Parteien und Organisationen Inspektionsleiter: Kriminalpolizeirat Johannes Stumm Inspektion IV: Waffenschutzdienst, Gewerkschaften, Vereine, Ausländer, Inspektionsleiter: Kriminalpolizeirat Wilhelm Bonatz Inspektion V: Spionagesachen, Landesverrat Inspektionsleiter: Kriminalkommissar Abt
Geschäftsverteilungsplan der Abteilung I des Polizeipräsidiums Berlin vom Dezember 1932 Der im Dezember 1932 niedergeschriebene letzte Geschäftsverteilungsplan der Abteilung I der Berliner Polizei als der Vorgängerinstitution des Geheimen Staatspolizeiamtes wurde von Christoph Graf im Nachlass von Albert Grzesinski gefunden und gekürzt in seinem Buch Politische Polizei zwischen Demokratie und Diktatur wiedergegeben.Christoph Graf: Politische Polizei zwischen Demokratie und Diktatur. S. 409 f.
Abteilungsleiter: Regierungsdirektor Kretzschmar Vertreter: Landrat a.W. Traugott Bredow Dezernat H: Generalien etc. Dezernent: Polizeiamtmann Hartmann Dezernat 1: Pressesachen, Vereine, Waffen etc. Dezernent: Polizeirat Albert Reinke Dezernat 2a: Parteipolitische Seite der KPD Dezernent: Regierungsassessor Siegel Dezernat 2b: Wehr-, Kampf- und Sportorganisationen der KPD Dezernent: Regierungsassessor Hans Bolz Dezernat 2c: Internationaler Kommunismus, kommunistische Jugendorganisationen Dezernent: Regierungsrat Gerhard Bode Dezernat 2d: Gewerkschaftliche Organisationen der KPD Dezernent: Regierungsassessor Förster Dezernat 2e: Kulturelle Organisationen der KPD, Zersetzung in der Reichswehr und Schutzpolizei Regierungsassessor Heinrich Schnitzler Dezernat 3: Parteien und Organisationen von SPD-DNVP, Gewerkschaftsbewegungen etc. Regierungsrat Beker Dezernat 4: NSDAP inklusive aller Organisationen dieser Richtung Dezernent: Regierungsrat Becker Dezernat 5: Landesverräterische Bestrebungen, Spionageabwehr etc. Dezernent: Polizeirat Kurt Mittasch
Geschäftsverteilungsplan vom 19. Juni 1933 Der älteste bekannte Geschäftsverteilungsplan der Gestapo ist datiert auf den 19. Juni 1933. Dieser zeigt eine Unterteilung des Geheimen Staatspolizeiamtes in neun beziehungsweise zehn römisch nummerierte Dezernate. Eine Ausnahme stellt das Schutzhaftdezernat IIa dar, das nach Johannes Tuchels Meinung nachträglich eingebaut wurde und somit – wohl weil „eine eigene Dezernatsnummer[...] nicht mehr zu vergeben“ war – eine abweichende Bezeichnung erhielt. Tuchel hält es – anders als Graf, der nur neun Dezernate zählt – trotz dieser Formalie für geboten, es als vollwertiges Dezernat und nicht etwa als Anhängsel des Dezernates II anzusehen, dem es, da es einen eigenen Dezernenten hatte, keineswegs unterstellt war.Johannes Tuchel, Reinold Schattenfroh: Zentrale des Terrors. Prinz-Albrecht-Str. 8. Das Hauptquartier der Gestapo. Berlin 1987, S. 70.
Im Geschäftsverteilungsplan sind 41 Beamte namentlich verzeichnet. Nicht erfasst ist der bereits damals sehr umfangreiche Außendienst. Die Zahl der vom Innenministerium und von anderen Polizeidienststellen herangezogenen Beamten für den Außendienst ist auf Grundlage des vorhandenen Aktenmaterials nicht mehr eruierbar. Die von Diels nach dem Krieg angegebene Zahl von 250 Gestapo-Mitarbeitern in der Frühphase der Institution – darunter 90 im Außendienst tätige Personen – hält Tuchel für „mit Sicherheit zu niedrig gegriffen“.Johannes Tuchel, Reinold Schattenfroh: Zentrale des Terrors. Prinz-Albrecht-Str. 8. Das Hauptquartier der Gestapo. Berlin 1987, S. 71.
Allgemein lassen sich dem Plan nicht nur der erste organisatorische Aufbau des Amtes, sondern auch die Schwerpunkte seiner Tätigkeit entnehmen.
Leiter des Geheimen Staatspolizeiamtes: Oberregierungsrat Rudolf Diels (ab 15. November 1933 kurzzeitig durch Paul Hinkler ersetzt), Zimmer 103 Stellvertreter: Staatsanwaltschaftsrat Hans Volk, Zimmer 101 Vorzimmer, Zimmer 102 Amtmann: Personalangelegenheiten der mittleren und unteren Beamten, der Angestellten und Lohnempfänger, Geschäftsgang Allgemein, Aktenverwaltung, Bücherei, Aufzeichnung der Eingänge, Kanzlei, Empfang und Verwaltung der Schreibmaterialien, einschließlich der Schreibmaschinen, Formulare und Fotoartikel, Zuteilung der Kanzleiarbeiten, Vervielfältigungsapparat, Abholung und Besorgung der Ein- und Ausgänge Polizeiinspektor Lewerenz, Zimmer 127 Parteiobersekretär Janne, Zimmer 128 Polizeiobersekretär Schünke, Zimmer 141 Verteilungsstelle: Ministerialregistrator Burdach, Zimmer 129 Kanzleiinspektor Böhm, Zimmer 135 Auskunft: Polizeiamtsmeister Koch, Zimmer 143 Wirtschaftsstelle: Geschäftsbedürfnisse, Fernsprechungsangelegenheiten, alle Wirtschafts-, Kassen- und Rechnungsangelegenheiten, Besoldungsangelegenheiten für Beamte, Angestellte und Lohnempfänger, Reise- und Umzugskosten, Notstandsbeihilfen, Unterstützungen, Verwaltung der Mittel für den Geheimen Nachrichtendienst für Preußen Polizeiobersekretär Widder, Zimmer 130 Polizeiobersekretär Meier, Zimmer 131 Dezernat I: „Generalien, Einrichtung der Politischen Polizei, Gesetze, Verordnungen, Erlasse und Verfügungen auf dem Gebiet der Politischen Polizei, Rechtsprechung, Verfassungsangelegenheiten, Militärischer Ausnahmezustand, Grenz- und Landesschutz, Bahn- und Postschutz, Militärsachen, Personalangelegenheiten der höheren Beamten, der oberen Verwaltungsbeamten und der oberen Kriminalbeamten, Verkehr mit ausländischen Behörden“ (häufig als Verwaltung und Recht abgekürzt) Dezernent: Regierungsassessor Heinrich Schnitzler, Zimmer 107 Bearbeiter: Polizeipraktikant Gerkensmeyer, Zimmer 106 Dezernat II: Pressepolizei (Verbote und Beschlagnahmen), Verwertung beschlagnahmten Eigentums, Justitiar, Beschlagnahme der Kraftwagen und Krafträder Dezernent: Regierungsassessor Franz Janich, Zimmer 202 Bearbeiter: Polizeiobersekretäre Betterman und Lemke, Zimmer 210, Polizeipraktikant Kryschak, Zimmer 201a Dezernat IIa: Beschränkung der persönlichen Freiheit (Schutzhaft) Dezernent: Staatsanwaltschaftsrat Hans Mittelbach, Zimmer 211a Bearbeiter: Polizeipraktikant Samuel, Zimmer 211 Gehilfe: Polizeisekretär Waldemar Wuthe, Zimmer 211 Dezernat III: Internationaler Bolschewismus, allgemeine Kommunistensachen Dezernent: Regierungsassessor Hans Schneppel, Zimmer 203 Bearbeiter: Polizeiobersekretäre Kranz und Pieper Gehilfe: Polizeisekretär Roggen, Zimmer 204 Dezernat IV: „DNVP einschließlich aller Nebenorganisationen und rechtsoppositionellen Bewegungen (Schwarze Front usw.), Politische Bewegungen Berlin, Brandenburg, Pommern, Grenzmark, Ostpreußen und Schlesien, Staatspolizeistelle Berlin“ Dezernent: Regierungsassessor Gerhard Kessler, Zimmer 124 Bearbeiter: Polizeiobersekretär Nowack, Zimmer 125 Dezernat V: „SPD einschließlich aller sozialdemokratischen Nebenorganisationen, Politische Bewegungen Rheinprovinz, Westfalen, Hessen-Nassau, Sigmaringen, Wirtschaftspolitik (Werksabotage)“ Dezernent: Regierungsassessor Walter Peche, Zimmer 215 Bearbeiter: Polizeiobersekretäre Nynke [richtig Franz Nyncke] und Ernst Storkebaum sowie Polizeisekretär Grünberg, Zimmer 213 Dezernat VI: „Agrarpolitik, Sozialpolitik, Funksachen; Politische Bewegungen Hannover, Sachsen, Schleswig-Holstein, Nationale Minderheiten, Saargebiet, Memelland, Danzig und Österreich“ Dezernent: Heinz Richter-Brohm, Zimmer 219Aronson nennt ihn fälschlich Richter-Blohm. Bearbeiter: Polizeipraktikant Baberske, Zimmer 217 Dezernat VII: „Zentrum einschließlich aller Nebenorganisationen, Kulturpolitik, Kulturbolschewismus, sämtliche politischen Bewegungen, soweit sie nicht zur Zuständigkeit eines anderen Dezernats gehören“ Dezernent: Gerichtsassessor Heinz Preussner, Zimmer 212 Bearbeiter: Polizeipraktikant Lüders, Zimmer 214 Dezernat VIII: „Landesverrat, Verrat von militärischen Geheimnissen, Wirtschaftsspionage, Zersetzung in Reichswehr, Schutzpolizei und Wehrverbänden“ Dezernent: Gerichtsassessor Walter Graeschke, Zimmer 227 Bearbeiter: Polizeipraktikant Rosenhahn und Polizeiinspektor Maluche, Zimmer 239, Polizeiobersekretär Böhmer, Zimmer 237, Polizeipraktikant Jarosch, Zimmer 240 Dezernat IX: Ausschreitungen, Sprengstoff, Attentate, Waffensachen, Sicherungen, Ausländer, Emigranten, Juden, Freimaurer Dezernent: Gerichtsassessor Wilhelm Ludwig, Zimmer 208 Bearbeiter: Polizeiobersekretär Müller und Polizeipraktikant Paul Matzke, Zimmer 207
Geschäftsverteilungsplan vom 22. Januar 1934