mini|Altes Aschenhaus in Zwieslerwaldhaus, Niederbayern Ein Aschenhaus (auch: Aschenhütte oder Pottaschhütte) war ein Nebenbetrieb frühneuzeitlicher Glashütten. Diese benötigten als Ausgangsstoffe zur Glasherstellung nebst Quarz und Kalk auch Pottasche. Letztere diente als Flussmittel, das heißt, durch ihre Beimengung zum Quarzsand wurde dessen sehr hoher Schmelzpunkt deutlich abgesenkt. Zur Erzeugung der Pottasche richteten die Hütten in ihrer Nachbarschaft Aschenhäuser ein, in denen von Aschenbrennern das Salz aus Pflanzen- und Holzasche in Wasser in Lösung gebracht wurde, das dann verdampft wurde; den gesamten Prozess bezeichnet man als Auslaugen.
Der Zeitzeuge Lukas Grünenwald, Lehrer und Heimatforscher, berichtet aus seinen Erinnerungen an seine Jugendzeit in Dernbach (Pfalz)Helmut Seebach: Altes Handwerk und Gewerbe in der Pfalz. Band 3: Pfälzerwald. Waldbauern, Waldarbeiter, Waldprodukte- und Holzwarenhandel, Waldindustrie und Holztransport. Bachstelz-Verlag, Annweiler-Queichhambach u. a. 1994, ISBN 3-924115-13-3, S. 116.:
Der Holzbedarf bei der Pottascheherstellung war außerordentlich hoch (Rodungen notwendig), weshalb die Glashütten häufig in ausgedehnten Wäldern angesiedelt wurden (Waldglas, ein HolzascheglasDieter Sicker: Großes Geheimnis Glas, Chem. Unserer Zeit, S. 379, 6/2024, Wiley-VCH). Viele Ortsnamen enden daher bis heute auf -rode oder -roda. So ergibt sich aus den Unterlagen der Waldglashütte von Spiegelberg in den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen (1705–1822 in Betrieb) ein jährlicher Bedarf an Pottasche von rund 800 Zentnern. Da ein Festmeter Holz (rund 750 kg) nur 1 kg Pottasche ergab, mussten somit jährlich für den Pottaschenbedarf nur dieser Glashütte rund 40.000 Festmeter Holz eingeschlagen werden.
Noch heute erinnern die Namen von Siedlungen an einstige Aschenhäuser bzw. Aschenhütten (siehe Aschenhütte). So lauten in Baden-Württemberg etwa die Namen von gleich zwei Wohnplätzen im Bereich der Gemeinde Mainhardt Aschenhütte; in Bayreuth ist die Pottaschhütte als Straßennamen erhalten geblieben. Aschenhausen oder Aschenhof (bei Suhl) erinnern an die Pottaschegewinnung in Mitteldeutschland.
Literatur Marianne Hasenmayer: Die Glashütten im Mainhardter Wald und in den Löwensteiner Bergen. In: Paul Strähle (Hrsg.): Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. 4. überarbeitete und ergänzte Auflage. Theiss, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-2033-6, S. 108–128 (Natur – Heimat – Wandern).
Einzelnachweise
Kategorie:Glasherstellung Kategorie:Geschichte der Waldnutzung Kategorie:Geschichte des Glases Kategorie:Wirtschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit