mini|Luftbild aus 400 m von Walter Mittelholzer (1934)

Walenstadt () ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im Süden des schweizerischen Kantons St. Gallen. Sie liegt am Ostufer des Walensees im Wahlkreis Sarganserland und umfasst die vier Ortsgemeinden Walenstadt, Tscherlach, Berschis und Walenstadtberg. Sie gehört mit 45,81 km² Fläche zu den flächenmässig grösseren GemeindenWalenstadt hat die zwölftgrösste Fläche unter den Gemeinden des Kantons St. Gallen. (Stand 2022.) des Kantons.

Geographie Anhand von Granit- und Verrucanofindlingen sowie Gletscherschliffen lässt sich zeigen, dass im Seeztal zur letzten Eiszeit das Eis die Talsohle bis hoch bedeckte. Als die Eismassen abschmolzen, entstanden reissende Wildbäche, welche noch heute die steilen Abhänge der Churfirsten herunterfallen. Gegen Süden fallen die Churfirsten beinahe senkrecht von nach Walenstadtberg und zum Walensee auf nunmehr ab.

Nördlich von Walenstadt befindet sich Alt St. Johann (Wahlkreis Toggenburg), östlich Grabs (Wahlkreis Werdenberg), südlich Flums und westlich, mit dem Walensee grenzend, die Gemeinde Quarten.

Walensee und die Flüsse mini|Hafen Walenstadts vor 1905 mini|Hafen Walenstadt um 2011 Hauptartikel bezüglich der Linthkorrektur siehe Linthkorrektion. In den Walensee münden von der Walenstadtner Seite aus die Flüsse Seez (frühere Bezeichnung Oo) und der Binnenkanal.

Der einzige Abfluss des Walensees war bis zur sogenannten Linthkorrektur die Maag, in die wiederum die Linth mündete. Aufgrund von Flussverstopfungen gab es in Walenstadt und Weesen im 18. und 19. Jahrhundert vermehrt Überschwemmungen. Der Schweizer Bauingenieur Hans Conrad Escher von der Linth hatte 1811 eine Korrektion vorgeschlagen, die vom Glarnerland kommende Linth in den Walensee zu leiten und einen neuen künstlichen Linthkanal als Ausfluss des Walensees in den Zürichsee zu leiten. Die Fertigstellung der grossen Linthkorrekturen erfolgte 1816. Ab Mitte 1850 wurde die Entsumpfung des Seeztales vorangetrieben. Der frühere Abfluss des Walensees hiess Maag; der Abfluss des Zürichsees heisst immer noch Limmat (eine Verkürzung der Namen Linth/Maag: Limmat).

Klima Walenstadt befindet sich in einer gemässigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt milde 10,5 °C. Die wärmsten Monate sind Juli und August, in denen Temperaturen von durchschnittlich 19,5 °C erreicht werden. Das Klima von Walenstadt ist vom angrenzenden Walensee, dem häufigen Föhn und der Bise geprägt. So kommt es auch vor, dass im Winter zweistellige Temperaturen gemessen werden können, oder die Tagestemperatur im Vergleich zu umliegenden Ortschaften wegen des abkühlenden Walensees langsamer steigt. Es wachsen zum Teil auch Palmen und Südfrüchte, jedoch nicht im gleichen Ausmass wie im noch eine Stufe milderen Quinten. UnterschiedAlle Angaben stammen aus dem Klimaarchiv der Abwasserreinigung ARA Walenstadt. und meteocentrale.ch.

Geschichte mini|Strasse nach Mols um 1826 Die Geschichte von Walenstadt reicht bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück.

Erstmals bezeugt findet sich der Ortsname in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts als Vualahastad (Vu = w; Urkunde in späterer Abschrift). Er ist eine Zusammensetzung aus althochdeutsch walah «Romane, Welscher» (im Plural) und stad «Ufer, Gestade» und bedeutet damit «am Ufer der Rätoromanen» (im Gegensatz zum westlichen Ufer des Walensees, wo schon damals Alemannisch gesprochen wurde). Die heutige Schreibung «-stadt» ist eine spätmittelhochdeutsche und frühneuhochdeutsche Umdeutung von «Stad» (Gestade) auf «Statt» (Stätte) und schliesslich «Stadt».Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld und Neuenburg 2005, S. 950.Walenstadt im St. Galler Namenbuch auf ortsnamen.ch alt=Aussicht über Walenstadt|mini|Aufgenommen im April 2016 mit einer Drohne

In Walenstadt endete im Mittelalter die Wasserstrasse vom Rhein via Zürichsee zum Walensee bis nach Italien. Ab Walenstadt mussten in der Sust am Hafenplatz die Waren von den Schiffen auf Fuhrwerke umgeladen werden. Dies war der einzige Transportweg, da vor 1848 kein Landweg von Weesen nach Walenstadt existierte. Daher hatten die jeweiligen Besitzer von Walenstadt und Weesen den gesamten Warenverkehr unter ihrer Kontrolle. Von dieser Macht wussten die Kyburger und brachten im Mittelalter die beiden Orte in ihren Besitz. Zwischen 1240 und 1260 wurden in Weesen und Walenstadt Stadtmauern gebaut. Tore und Türme und ein eigener Stadtgraben sollten die beiden Städte kriegsicher machen. Graf Rudolf von Habsburg erbte 1271 die kyburgischen Besitzungen. 1462 wurde der Gerichtsbezirk Walenstadt von der habsburgischen Herrschaft Windegg gelöst und von den Ständen der Alten Eidgenossenschaft besetzt. 1483 kauften diese die Grafschaft Sargans vom letzten Grafen von Werdenberg-Sargans und vereinigten diese mit Walenstadt zur Landvogtei Sargans. Bis 1798 wurde Walenstadt von Sargans aus von einem Landvogt verwaltet. Der Stadtrat von Walenstadt behielt jedoch das Niedergericht, während der eidgenössische Landvogt in Sargans die hohe Gerichtsbarkeit ausübte. Am 3. März 1798 entliessen die Eidgenossen Walenstadt in die Freiheit. Durch die erzwungene Annahme der Helvetischen Verfassung wurde diese Unabhängigkeit schon am 4. Juni 1798 durch Inkrafttreten des Gesetzes zur Neubildung der Kantone beendet. Mit diesem Gesetz wurde Walenstadt als Teil der Helvetischen Republik zum neuorganisierten Kanton Linth geschlagen. Durch die Mediation 1803 kam Walenstadt zum neu gegründeten Kanton St. Gallen.

Die ehemaligen habsburgischen Gemeinden Oberterzen, Mols, Walenstadtberg und Walenstadt bildeten den Gerichtsbezirk Walenstadt. Dadurch erhielten Walenstadtner Bürger viele Vorrechte gegenüber den Aus-Burgern. Verwaltet wurde der Gerichtsbezirk durch den Schultheiss und den Stadtrat, der durch Walenstadtner-, Molser- und Oberterzner-Bürger – nicht aber von Walenstadt – vertreten wurde. Weil das Flussbett der Linth sich durch viel Sand und Schlamm erhöht hatte, war der Abfluss des Walensees Anfang der Neuzeit behindert. Mehrere tausend Morgen Land waren in Sumpf verwandelt, die Bevölkerung Walenstadts wurde von der Malaria bedroht.

1952 korrigierte man den Ortsnamen zum heutigen Walenstadt, den alten Namen Wallenstadt kann man noch immer an der Frontseite der Walenstadtner Weberei lesen.

Ortsgemeinden Zur Gemeinde Walenstadt gehören neben Walenstadt die Ortsgemeinden Walenstadtberg, Tscherlach und Berschis. Alle Dörfer sind durch den Bus Sarganserland Werdenberg miteinander verbunden. Zur Ortsgemeinde Walenstadt gehören umfangreiche Nutzflächen in der Ebene, an den Hanglagen sowie beachtliche Waldgebiete. Walenstadt besass seit der Erhebung zum Stadt-Status im 13. Jahrhundert Sonderrechte in politischer und gerichtlicher Hinsicht. Als die Landvogtei Sargans 1798 zerfiel und Napoleons Helvetik dem Untertanenwesen ein Ende machte, wurden alle ausserhalb der Stadt wohnenden zu vollwertigen Bürgern von Walenstadt.

Auf Anregung eines seit Jahrzehnten in Walenstadt ansässigen Schweizer Bürgers haben die Ortsbürger an ihrer Gemeindeversammlung vom 7. März 2008 390 seit mehr als zehn Jahren in Walenstadt wohnhaften Schweizerinnen und Schweizern das Walenstadter Ortsbürgerrecht zuerkannt. Damit verdoppelte sich die in Walenstadt wohnhafte Zahl der Ortsbürger.

Walenstadt mini|hochkant|Das Alte Rathaus nutzt die Ortsgemeinde für den Betrieb eines Ortsmuseums. Mit der Gründung der politischen Gemeinde Walenstadt im Jahre erloschen 1803 die alten Vorrechte der Walenstadter Einburger. Die Ortsgemeinde Walenstadt war noch einige Jahre Trägerin der Schule in der Stadt und unterhielt die Kaplaneipfrund, zwei kleine Armenhäuser und das Sustgebäude am See. Dafür erhielt sie vom Sustbetrieb Abgaben von der Flösserei auf der alten Seez, Zinsen von Allmenden und Alpen sowie die Einnahmen aus den Holzverkäufen.

Die Ortsgemeinde Walenstadt besitzt ca. 60 ha Wiesen und Ackerland, welches an Selbstbewirtschafter verpachtet wird, Industrieland, das im Baurecht vergeben ist, sowie die Alp Brunnen mit 9 ½ Stössen. Als Teilhaberin gehören ihr 124 Stösse Alpanteile auf Siez im Weisstannental, 25 ½ Stösse auf Schwaldis und 4 Stösse auf Büls .

Die drei weiteren Ortsgemeinden

Berschis ist ein Haufendorf im Seeztal am Fuss des St. Georgenbergs. Wahrzeichen ist die Kapelle St. Georg auf dem gleichnamigen Berg. Tscherlach befindet sich ebenfalls im Seeztal, zwischen Berschis und Walenstadt. Sehenswert ist das gotische Kirchlein St. Johannes Evangelist aus dem Jahr 1642. Walenstadtberg liegt oberhalb von Walenstadt. In Knoblisbühl existiert das ehemalige Sanatorium und heutige Rehazentrum Walenstadtberg. Ein berühmtes Bauwerk ist das von Karl Bickel errichtete Paxmal.

Bevölkerung BevölkerungsentwicklungJahr Einwohner Quelle 1850 1868 1900 2994 1950 3349 2000 4532 2010 5255 2020 5698 Verteilung nach Ortschaften Lage der Ortschaften Stand 31. Dezember 2021 200px|zentriert Berschis   687 Tscherlach   346 Walenstadt 4504 Walenstadtberg   222 Total 5759 mini|ohne|Einwohner 1850–2007

Die Bevölkerungsanzahl nahm ab 1980 zu, da in den achtziger Jahren angefangen wurde, Wohnblöcke zu bauen. Auch wurde die Infrastruktur verbessert. Bis heute werden weitere Wohnblöcke und Eigenheime gebaut. Vermehrt geschieht dies im Gebiet Zollacher, in Walenstadtberg und Tscherlach.

Am 31. Dezember 2021 hatte die Ortschaft Walenstadt 4504 Einwohner. Ein Jahr zuvor waren 51,7 % der Gemeindebevölkerung katholisch und 14,7 % evangelisch.Statistikdatenbank STADA2 Wappen Kanton St. Gallen. 2020.

Gemeinderat Der aktuelle Gemeinderat wurde im 2024 für die Legislatur 2025–2029 gewählt und besteht aus fünf Mitgliedern: David Eberle, Gemeindepräsident David Kalberer, Schulpräsident Nicole Lymann-Müller Daniel Giger Beat Walser

Aus den früher drei bestehenden Gemeinden (politische Gemeinde Walenstadt, Schulgemeinde Walenstadt und Berschis) wurde eine sogenannte Einheitsgemeinde gebildet. Das Begehren zur Schaffung der Einheitsgemeinde wurde von zwei in Walenstadt wohnhaften, weitsichtigen Personen eingereicht. Am 22. Oktober 2007 wurde der Bürgerschaft anlässlich einer eigens einberufenen Versammlung die neue «Gemeindeordnung» erläutert. Am 14. beziehungsweise 16. November 2007 haben die Bürger der Primarschulgemeinde Berschis und der Schulgemeinde Walenstadt die Inkorporationsvereinbarung mit der politischen Gemeinde einstimmig genehmigt. Ebenso wurde auch die neue Gemeindeordnung durch die Bürgerschaft ohne Gegenstimmen angenommen. Walenstadt ist inzwischen eine erfolgreiche Einheitsgemeinde.

Seit dem 1. Januar 2021 wird die Schule im Geschäftsleitungsmodell geführt und es gibt keinen Schulrat mehr.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Blick von Walenstadt in Richtung Sargans

Verkehr Individualverkehr Durch die Autobahn A3 ist Walenstadt mit einem Halbanschluss (von und nach Zürich) an das Autobahnnetz angeschlossen. Über die Erweiterung zu einem Vollanschluss wird zurzeit in der Regierung diskutiert. Von Sargans bis nach Murg führt die Hauptstrasse Walenseestrasse, die Walenstadt tangiert. Die Dörfer Berschis, Tscherlach und Walenstadtberg sind durch Hauptstrassen miteinander verbunden. Der Stadtverkehr ist geprägt von der Bahnhofstrasse und den an ihr gelegenen Fachgeschäften. In Stosszeiten verkehren die Fahrzeuge nur stockend, das Problem wird zudem durch einen akuten Parkplatzmangel verstärkt.