Die Tagesschau (Eigenschreibweise: tagesschau) ist eine Nachrichtensendung der ARD, die von ARD-aktuell in Hamburg produziert und täglich mehrmals im Ersten, auf tagesschau24 und online ausgestrahlt wird. Darüber hinaus läuft die Hauptausgabe um 20 Uhr zusätzlich in den meisten Dritten Fernsehprogrammen, Spartenkanälen und Inforadios der ARD. Die Fernsehsendung ist Teil der multimedialen Nachrichtenmarke tagesschau.

Die Tagesschau ist die älteste noch bestehende Sendung im deutschen Fernsehen und nach der Aktuellen Kamera die zweitälteste deutsche Nachrichtensendung. Redaktion und Produktion der Tagesschau sind beim NDR (zuvor beim NWDR) in Hamburg angesiedelt. Es werden bis zu 20 Ausgaben pro Tag erstellt und ausgestrahlt. Die Hauptausgabe um 20 Uhr erreicht täglich etwa zehn Millionen, teils bis zu 18 Millionen Menschen.

Geschichte mini|Logo der Tagesschau ab 1956

Im Herbst 1951 schloss der NWDR mit der Neuen Deutschen Wochenschau einen Vertrag: Aus dem Filmmaterial der Wochenschau sollte der erste und zunächst einzige Redakteur Martin S. Svoboda mit zwei Schnittmeisterinnen eine Aktualitätenschau für das geplante Fernsehprogramm zusammenstellen. Im Keller des heutigen Hamburger Warburg-Hauses in der Heilwigstraße 116 arbeitete das kleine Team; die Filmrolle brachte Svoboda mit der U-Bahn zum Heiligengeistfeld, denn vom dortigen Weltkriegsbunker aus wurde gesendet.

Erste Sendungen Die erste Tagesschau startete offiziell am 26. Dezember 1952,Die Nachrichtensendung, die der NWDR einen Tag zuvor im Programm für Berlin ausgestrahlt hatte, hieß nicht Tagesschau. Siehe: einen Tag nach dem Programmstart des NWDR-Fernsehens im Nordprogramm des SendersAn den ersten Sendetagen war das NWDR-Programm noch dreigeteilt: Je eines für den Norden, den Westen und für Berlin. und fünf Tage nach der Erstausgabe ihres DDR-Pendants Aktuelle Kamera. Im NWDR-Versuchsprogramm lief die Tagesschau zuvor schon ab dem 4. Januar 1952 zunächst unter dem Namen Fernseh-Filmbericht und ab 1. November als TagesschauAngabe der Tagesschau selbst. In: fernsehserien.de, abgerufen am 10. Januar 2025.  – nach abweichender Angabe erfolgte die Umbenennung bereits im August.Axel Schneider: Programm vom Montag, dem 29. Dezember 1952. In: tvprogramme.net. Anfangs wurden wöchentlich drei Ausgaben gesendet, montags, mittwochs und freitags um 20 Uhr (dazwischen wurde die Tagesschau um 22 Uhr wiederholt). Das Programm erreichte anfangs etwa 1000 Zuschauer. Thema der ersten Tagesschausendung war die Koreareise Eisenhowers, die schon mehrere Wochen zurücklag, das Richtfest für die Fernsehstudios in Hamburg-Lokstedt, eine Eisrevue und das Fußballspiel Deutschland gegen Jugoslawien. Die erste, von 1952 bis 1956 regelmäßig als Titelfanfare der Tagesschau eingesetzte Melodie war das Stück Leinen los von Wolfgang Friebe.

Der Unterschied zur Wochenschau lag vor allem darin, dass die Tagesschau aktueller und schneller war. Sie bestand jedoch ebenfalls aus Filmberichten und Standbildern ohne Nachrichtensprecher und mit einer für Filme typischen, der Filmhandlung folgenden live gesprochenen Kommentarstimme (Sprecher Cay Dietrich Voss) aus dem Off. Bis 1953 stammte das gesamte Material von der Wochenschau. Inhaltlich herrschte ein Mix aus Katastrophen, Sport und „bunten Nachrichten“ vor, die Politik spielte eine untergeordnete Rolle. Die Unterhaltung stand im Vordergrund.Nea Matzen, Christian Radler: Die Tagesschau. Zur Geschichte einer Nachrichtensendung. UVK, Konstanz 2009, ISBN 978-3-86764-143-2, S. 64.

Als Zusammenfassung der Tagesschau wurde ab dem 4. Januar 1953 sonntags der Wochenspiegel ausgestrahlt.

1955–1970 1955 wurde die Redaktion nach Hamburg-Lokstedt verlegt, wo der NDR seine ersten Fernsehgebäude errichtete; der Vertrag mit der Wochenschau lief aus. Jetzt lieferten vor allem Agenturen Filmbilder, und im Oktober 1958 begann der Nachrichtenaustausch der Eurovision. Seit 1. Oktober 1956 sendete die Tagesschau täglich montags bis samstags; sie bestand weiterhin nur aus Filmen. Ab dem 2. März 1959 lieferte der NDR-Hörfunk einen fünfminütigen Wortblock dazu; Karl-Heinz Köpcke war der erste Nachrichtensprecher. Aus der filmischen Nachricht wurde die illustrierte Wortnachricht – das ist die heute noch gültige Form. „Für Millionen deutscher Staatsbürger ist die Tagesschau des Deutschen Fernsehens zu einer selbstverständlichen Gewohnheit geworden“, schrieb 1962 der damalige ARD-Vorsitzende Hans Bausch zum zehnten Jubiläum der Sendung, die seit September 1961 auch sonntags zu sehen ist. „Keine Sendung des Deutschen Fernsehens und keine Sendereihe hat eine so beständig hohe Zuschauerquote aufzuweisen wie dieser tägliche Fernseh-Nachrichtendienst.“

Seit 1960 existiert eine eigene Wetterredaktion, die im Hessischen Rundfunk angesiedelt ist. Die erste Wettervorhersage lief unter der Bezeichnung Das Wetter von morgen am 1. März 1960. Die Daten werden vom Deutschen Wetterdienst bezogen.50 Jahre „Tagesschau“-Wetterkarte aus Frankfurt., Hörfunk: Meldung vom 23. Februar 2010. Zunächst wurde auf den Wetterkarten Deutschland in den Grenzen von 1937 dargestellt. Nachdem dies geändert wurde, protestierten die Vertriebenenverbände.

Seit den Anfängen wird jede Tagesschau-Sendung mit einem Gongschlag eingeleitet. Die ab 1956 verwendete und später mehrfach abgewandelte Erkennungsmusik der Tagesschau entstammt der Komposition Hammond-Fantasie von Hans Carste und wurde von Rudolf Kühn für das Rundfunkorchester arrangiert. Zwischen beiden Komponisten kam es ab 1967 zum Rechtsstreit über beider Anteil an dem Werk. Die Interpretation der Erkennungsmelodie passte sich in den kommenden Jahren dem Zeitgeist immer wieder an.

1970–2000 Seit 29. März 1970Augsburger Allgemeine, 29. März 2010, Rubrik Das Datum. sendet die Tagesschau in Farbe, das Design wurde verändert, Illustrationen sollten die Nachrichtenthemen verdeutlichen. Seit demselben Tag verzichtet die Redaktion bei der Wetterkarte auf die alten Reichsgrenzen.

Ab Januar 1972 wurde das Blue-Screen-Verfahren zur Projektion von veränderbaren Bildern auf den künstlichen Studiohintergrund eingesetzt.

Ab 1976 trat als erste Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff auf.

Im Januar 1978 ging die erste Tagesthemen-Sendung über den Bildschirm. Mit dem neuen Format etablierte die ARD ein längeres News-Format am späten Abend, das meist 30 Minuten dauert. Neben aktuellen Geschehnissen beleuchtet die Sendung die Hintergründe im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehen. Hanns Joachim Friedrichs, ab Oktober 1985 einer der beiden Tagesthemen-Moderatoren, war bald „Mister Tagesthemen“ und wie Karl-Heinz Köpcke ein Markenzeichen für journalistische Qualität.

Am 25. Juli 1988 fiel die Tagesschau aus Hamburg (NDR) um 20 Uhr aus. Ein durch die damalige Rundfunk-Gewerkschaft RFFU (Rundfunk-Fernseh-Film-Union) organisierter Warnstreik hatte erstmals in der Geschichte der ARD die Ausstrahlung der Sendung verhindert. Ersatzweise wurde die Tagesschau kurzfristig vom Bayerischen Rundfunk in München produziert und ausgestrahlt. Sprecher dieser Ausgabe war Michael Winter. Zur Begründung hieß es in dieser Sendung, die Tagesschau werde „heute wegen höherer Gewalt aus München“ gesendet.Mitschnitt der Sendung auf youtube.com, YouTube.

1992 startete das Frühstücksfernsehen mit Tagesschau-Ausgaben im Halbstunden-Takt. Ab dem 1. März 1995 ersetzte das moderierte Nachtmagazin die Nachtausgabe der Tagesschau. 1997 kam die moderierte Tagesschau um Fünf am Nachmittag, der schnell weitere lange Ausgaben um 12 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr folgten. Vom 1. Januar 2000 bis zum 19. April 2014 wurde die traditionelle Eröffnungsfanfare mit einer ähnlichen, aber markant geänderten Melodie gespielt, bei der sich die letzten vier der insgesamt sechs Töne von der Ursprungsversion unterschieden.

2000–2014 2001 schloss Das Erste die Nachtlücke mit zwei aktuell produzierten Tagesschau-Sendungen gegen 2:30 Uhr und 4:45 Uhr – die Tagesschau wurde zum 24-Stunden-Betrieb.

Nach dem Neubau des ARD-aktuell-Komplexes auf dem Gelände des NDR in Hamburg-Lokstedt gab es bis 2014 zwei nahezu baugleiche Studios. Im ersten, größeren wurden die Sendungen für das Erste-Programm produziert sowie die Nacht- und Wochenendausgaben der Tagesschau in 100 Sekunden. Aus dem zweiten Studio wurde täglich das Programm von tagesschau24 gesendet. Im Bedarfs- oder Notfall konnte dieses Studio als Ersatz für das erste Studio genutzt werden. Bei Überschneidungen im Sendebetrieb, wenn sich im Ersten beispielsweise die 20-Uhr-Ausgabe verschiebt, diese in den Dritten Programmen der ARD aber pünktlich starten muss, waren beide Studios gleichzeitig in Benutzung.

mini|Newsroom der Redaktion ARD-aktuell, der „Maschinenraum“ für die Tagesschau Bei ARD-aktuell – so heißt die Redaktion seit 1977 – arbeiteten 2005 etwa 90 Redakteure. Sie produzieren Tagesschau-Ausgaben für Das Erste und den digitalen Kanal tagesschau24, täglich eine Tagesthemen-Ausgabe, von Montag bis Freitag gegen 0 Uhr oder später ein Nachtmagazin und sonntags den Wochenspiegel – an einem normalen Werktag sind das 240 Minuten Programm. Sondersendungen bei wichtigen Ereignissen gehören zur Routine; nach der Ausstrahlung sind die Sendungen unter tagesschau.de im Internet zu sehen. Dort lässt sich die 20-Uhr-Ausgabe als Podcast-Format (Audio und Video) herunterladen. Die Tagesschau wird mindestens seit 2005 auch als Live-Stream auf tagesschau.de gesendet.tagesschau.de: So nutzen Sie die Medien auf tagesschau.de. Abgerufen am 19. Juni 2010.Dominik Schöneberg: Fernsehen im Internet: Streaming-Angebote der ARD. 16. Oktober 2005. Abgerufen am 19. Juni 2010.

Zum 20. Juni 2005 wurde das Design der Sendung erneut gewechselt und die Nachrichten aus einem neuen Studio gesendet. Seitdem verlesen die Tagesschau-Sprecherinnen und -Sprecher die Meldungen nicht mehr sitzend, sondern stehend.

Die Tagesschau wird seit dem 1. Juli 2007 in 16:9 ausgestrahlt. Außerdem gibt es im Rahmen der neuen ARD-Digitalstrategie eine Tagesschau in 100 Sekunden, die seit dem 16. Juli 2007 per Handy und im Internet abrufbar ist. Diese wird von 9 bis 21 Uhr stündlich aktualisiert. Seit Februar 2008 wurde das Nachrichtenangebot von EinsExtra (heute: tagesschau24) ausgeweitet., ard.de, 19. Juni 2007.

Am 31. Dezember 2010 wurde die 20.000. 20-Uhr-Sendung der Tagesschau ausgestrahlt.

mini|alt=Kurze Unterbrechung (Dieser Beitrag darf im Internet aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden) – tagesschau.de|Text des Wartebildschirms während einer Unterbrechung des Tagesschau-Live-Streams auf tagesschau.de aus „rechtlichen Gründen“ am 17. Juni 2010. Sowohl der im Internet verfügbare Live-Stream als auch die als „Online-Stream“ oder Podcast abrufbare Fassung der Tagesschau unterscheiden sich von der zuvor bzw. zeitgleich gesendeten Fernsehversion. Manche Beiträge – insbesondere Beiträge aus der Rubrik Sport – werden entweder komplett ausgeklammert oder ein Wartebildschirm eingeblendet. In diesem Falle wird mitgeteilt: „Kurze Unterbrechung (Dieser Beitrag darf im Internet aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden)“. Andere Beiträge werden vor der Veröffentlichung im Internet redaktionell nachgebessert. In diesem Falle wird mitgeteilt: „Hinweis: Der Beitrag ‚XY‘ wurde nachträglich bearbeitet“.Tagesschauunterbrechung aus rechtlichen Gründen Text des Wartebildschirms.

Das Durchschnittsalter der Zuschauer beträgt 61 Jahre (Stand: 2013).

Seit 2014 mini|Studio der Tagesschau seit 2014

Seit dem 19. April 2014 wird aus dem aktuellen Tagesschau-Studio gesendet., auf tagesschau.de, 15. April 2014, abgerufen am 18. April 2014. Das zentrale Element des neuen Studios ist eine 19 Meter lange, gewölbte Medienwand, die von der Rückseite mit sieben Projektoren bespielt wird. Auf ihr wird der Hintergrund dargestellt. Sie bildet sowohl mit dem Moderator als auch dem Studio ein geschlossenes Gesamtbild. Ein Computer überarbeitet dabei Verzerrungen in Echtzeit.