miniatur|hochkant|St. Laurentius (Westseite) miniatur|Infotafel an der Kirche hochkant|miniatur|Kleine Kapelle auf dem Kirchengelände Die St.-Laurentius-Kirche ist ein römisch-katholischer Sakralbau in Mintard, einem Ortsteil der Stadt Mülheim an der Ruhr.

mini|St. Laurentius Mintard Innenansicht

Geschichte Die Pfarrkirche St. Laurentius wurde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet im Zusammenhang mit der Gründung der Pfarrei. Vom Ende des Jahrhunderts stammen die ältesten Teile der Ausstattung: die Theophilus-Glocke und der Taufstein aus Namurer Blaubasalt. Auch der Kirchturm ist nicht älter. Für die Auffassung, dass bereits im 9. Jahrhundert eine Pfarrkirche in Mintard bestanden habe, beruft man sich auf die sog. Regenbirgische Urkunde, die auf 873 datiert wurde. Dieses Dokument ist seit 1909 als Fälschung aus der Zeit um 1200 erwiesen.Wissenschaftliche Edition mit Darstellung der Fälschungsnachweise in: Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, bearb. von Erich Wisplinghoff: Düsseldorf 1972 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 57), Bd. 2, S. 69–71 Nr. 178; zur Datierung der Fälschung: Hugo Weidenhaupt: Das Kanonissenstift Gerresheim 870–1400, in: Düsseldorfer Jahrbuch 46, 1954, S. 1–120, hier: S. 30f. Das Laurentius-Patrozinium ist erst im 16. Jahrhundert urkundlich belegt.Friedrich Wilhelm Oediger: Die Erzdiözese Köln um 1300. Heft 2: Die Kirchen des Archidiakonats Xanten (Erläuterungen zum Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, Bd. 9, Heft 2), Bonn 1969, S. 227f. Anm. 1. Wie die Kirche vor dem Wiederaufbau 1660/61 ausgesehen hat, könnte nur durch Grabung erkundet werden. Für in der Literatur behauptete Veränderungen im 14. JahrhundertErstmals bei Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz 3,1), Düsseldorf 1894, Nachdruck Warburg 1995, S. 152f. gibt es keinen Beleg.1302/1303 wurde die Pfarrkirche dem Stift Gerresheim inkorporiert – die Äbtissin hatte schon vorher das Patronat – was u. a. Verlust eines Teils der Einkünfte der Pfarrei bedeutete.

Im 17. und 18. Jahrhundert war die Kirche Grablege von Adelsfamilien der Umgebung.

1660/61 wurde sie nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wieder neu aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie am 22. Juli 1942 durch eine Luftmine so zerstört, dass sie behördlich geschlossen werden musste. Nach provisorischer Instandsetzung konnte sie am Dreikönigstag 1946 wieder eingeweiht und somit zum Gottesdienst benutzt werden. 1961 wurde das 300-jährige Jubiläum der jetzigen Kirche gefeiert.

An der Zugehörigkeit der Kirchengemeinde zum Seelsorgebereich Kettwig/Mintard, dem Dekanat Ratingen und der Erzdiözese Köln änderte sich durch die Eingemeindung von Mintard in die Stadt Mülheim an der Ruhr im Jahre 1975 nichts, da die Pfarrgrenzen bei Einrichtung des Bistums Essen 1956 festgelegt und bei der Eingemeindung nicht geändert wurden; sie orientieren sich weiterhin an den bei Errichtung gültigen politischen Verwaltungsgrenzen. So gehört die Gemeinde (Essen-)Kettwig/(Mülheim-)Mintard zum Erzbistum Köln, während die übrigen Stadtteile von Essen und Mülheim zum Bistum Essen gehören.

Am 1. Januar 2011 entstand die Pfarrgemeinde „St. Peter und Laurentius, Essen-Kettwig“.Kirche St.Laurentius auf den Seiten der Pfarrgemeinde St. Peter und Laurentius Sie ist der Zusammenschluss (Fusion) mehrerer Gemeinden mit den Kirchen St. Peter, St. Laurentius, St. Joseph, St. Matthias sowie der Kapelle Maria im Maien. Die vorher bestehenden Kirchengemeinden wurden aufgelöst.

Architektur Im Jahre 1890 wurde die Kirche durch den Architekten Fischer aus Wuppertal-Elberfeld verändert. Dabei wurden an den Turmseiten zwei Anbauten hinzugefügt und das Hauptportal erneuert. Seitdem hat das Hauptschiff der Hallenkirche ein Tonnengewölbe, die Seitenschiffe haben flache Putzdecken.

Im Jahre 1972 sind schließlich das gesamte Kirchenschiff, die Altäre und Altarbilder restauriert worden. Heute ist die Kirche wieder wohlgestaltet und sehr gepflegt, weshalb sie gerne als Hochzeitskirche ausgewählt wird.

Glocken Die drei historischen Glocken wurden im Jahre 1999 vollständig restauriert (geschweißt). Die große romanische Glocke in schwerer Rippe stammt von einem unbekannten Gießer aus der Zeit um 1180–1190. Sie ist eine der ältesten und größten romanischen Glocken des Rheinlands und wird heute ausschließlich als Festtagsglocke verwendet. Die Klangfarbe der Glocke „ist herb, fast dämonisch mit deutlich singendem Unterton und reich besetztem Mixturbereich“Kurt Kramer: Die Glocke und ihr Geläute. Deutscher Kunstverlag, 2. Auflage, 1988.. ÜbersichtGlockendatenbank createsoundscape.de: Kath. Pfarrkirche St. Laurentius in Mülheim-Mintard in Mülheim an der Ruhr Glocke Name Gießer Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton(HT-) 1 Dreifaltigkeit unbekannt 12. Jh. 1074 mm 700 kg g′±0 2 Jesus / Johannes Dederich von Coellen 1546 910 mm 450 kg a′+8 3 Jesus / Maria / Johannes Conrad Baseler 1437 743 mm 285 kg c″+1

Literatur Johannes Paul Arand: St. Laurentius, Mülheim-Mintard. In: Geschichtsverein Mülheim an der Ruhr (Hrsg.): Zeugen der Stadtgeschichte. Baudenkmäler und historische Orte in Mülheim an der Ruhr. Klartext, Essen 2008, ISBN 978-3-89861-784-0, S. 30–37. Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt und Kreises Düsseldorf. Düsseldorf 1894 (Nachdr. Warburg 1995), Digital.: https://archive.org/details/DieKunstdenkmaelerDerRheinprovinz.Band3StadtDuesseldorf, S. 152 f.

Brigide Schwarz: Die Pfarrkirche von Mintard im Mittelalter: Kirche – Pfarrsprengel – Geistliche. Ebd. S. 11–68.

Weblinks

Johannes Paul Arand: Sankt Laurentius in Mintard Verein „Wir in Mintard“

Einzelnachweise

Laurentius Laurentius Kategorie:Laurentiuskirche Kategorie:Kirchengebäude im Erzbistum Köln Mintard