Die Straßenbahn Mönchengladbach entstand aus einer seit 1881 als Verbindung zwischen Mönchengladbach (damals noch Gladbach) und Rheydt betriebenen Pferdebahn. Ab 1900 wurde das Netz elektrifiziert und ausgebaut. 1901 wurde der Betrieb zwischen den damaligen Städten München-Gladbach und Rheydt aufgeteilt. Abgesehen von einer kurzen Phase zwischen 1929 und 1933 blieben die beiden Betriebe bis zu ihrer Stilllegung getrennt. Die letzte Strecke der zuletzt durch die Stadtwerke Mönchengladbach betriebenen Straßenbahn wurde 1969 eingestellt, die Rheydter Straßenbahn beendete ihren Betrieb bereits zehn Jahre früher.
Pferdebahn Erste Bestrebungen der beiden Städte Gladbach und Rheydt, eine Verbindung zwischen ihnen zu schaffen, gehen auf das Jahr 1876 zurück. In diesem Jahr beschlossen die Räte beider Städte den Bau einer Pferdebahn. Eine ursprünglich erwogene Dampfstraßenbahn lehnte man nach zahlreichen Besichtigungen vorhandener Bahnen ab. Am 10. Februar 1881 erhielt der Berliner Bankier Ludwig Lübke von der Stadt Gladbach eine Konzession zum Bau einer Verbindung. Die Stadt Rheydt stimmte dieser ebenfalls zu. Am 17. Juni begannen die Bauarbeiten in Gladbach und am 8. Juli in Rheydt. Die ersten Fahrten wurden ab 28. Juli durchgeführt. Offizieller Start war der 10. August 1881. Geplant war die Eröffnung allerdings schon für den 2. August. Da sich die beiden Städte aber nicht über einen Tarif einigen konnten, musste erst die Bezirksregierung zwischen beiden vermitteln und einen Kompromiss finden. Die Strecke war insgesamt 5,2 Kilometer lang, begann in Rheydt an der Kreuzung Odenkirchener Straße/Limitenstraße und führte durch die Odenkirchener Straße, den Marienplatz, die Friedrich-Ebert-Straße, die Rheydter Straße, die Dessauer Straße, die Viktoriastraße, den Berliner Platz, die Lüpertzender Straße, den heutigen Bismarckplatz, die Bismarckstraße, die Hindenburgstraße, den Alten Markt und die Sandradstraße bis zur Aachener Straße in Gladbach.
Die Strecke wurde mit insgesamt 14 Wagen und 50 Pferden betrieben, die sich in einem Depot in der heutigen Rheydter Straße 317 befanden. Gefahren wurde an Werktagen zwischen 7:20 Uhr bis 20:00 Uhr und an Wochenenden bis 22:00 Uhr. Der Tarif lag bei 10, 15 und 20 Pfennig. Um diesen Takt auf der eingleisigen Strecke in Regelspur zu ermöglichen, gab es zahlreiche Ausweichstellen. An Kreuzungen war die Geschwindigkeit auf 5 km/h beschränkt, auf freier Strecke waren 12 km/h erlaubt.
Bis 1882 betrieb Ludwig Lübke die Bahn auf eigene Rechnung, dann veräußerte er sie an die Deutsche Lokal- und Straßenbahngesellschaft aus Dortmund. Die beiden Orte weigerten sich allerdings, die Konzession an die Gesellschaft zu übertragen und somit verblieb Ludwig Lübke als Ansprechpartner. Als dieser am 10. Februar 1883 verstarb, vererbte er die Konzession an seine Frau und Kinder, über die nun die Verbindung zwischen der Gesellschaft und den Städten lief. Bis zum 2. Juli 1894 ging die Konzession an die Allgemeinen Lokal- und Straßenbahngesellschaft, wie die Deutsche Lokal- und Straßenbahngesellschaft nun hieß. Mit der Konzession war auch die Erneuerung des Streckennetzes und die Elektrifizierung bis zum 1. Oktober 1898 verbunden.
Im Jahr 1897 erwarben allerdings die beiden Städte die Bahn. München-Gladbach zahlte 228.000 Goldmark und Rheydt 116.000 Goldmark. Die beiden Städte betrieben die Bahn bis zu ihrer vollständigen Elektrifizierung gemeinsam und teilten sich die Kosten und Einnahmen im Verhältnis 2:1. Der Vorstand der Bahn war allerdings paritätisch besetzt. Er umfasste beide Oberbürgermeister und jeweils fünf Stadträte.
Elektrische Straßenbahn Elektrifizierung und Netzausbau Zwecks Elektrifizierung der Pferdebahn schlossen die beiden Städte am 7. Februar 1899 mit den beiden Firmen Max Schorch & Cie. (heute Deutsche Continental Gasgesellschaft) aus Mönchengladbach und Siemens & Halske Verträge ab, die auch die Einrichtung zweier Elektrizitätswerke beinhalteten. Die Bauarbeiten für die Kraftwerke begannen am 16. März 1899 und waren am 10. November 1899 in Rheydt und am 1. Mai 1900 in München-Gladbach abgeschlossen.
Gleichzeitig plante man das Netz zu erweitern und schrieb folgende Strecken aus:
Stadt Strecke Länge in km München-Gladbach Alter Markt – Hardt 6,76 Hardt – Waldniel 5,50 Lürrip – Bahnhofstraße – Krefelder Straße 2,60 Alter Markt – Viersener Straße 0,30 Markt – Regentenstraße – Eicken – Hoven – Kloster Neuwerk 5,10 Rundstrecke 3,15 Rheydt Marienplatz – Bahnhof Rheydt Marienplatz – Mülfort – Odenkirchen Morr – Marienplatz – Geneicken – Giesenkirchen
Nach Verhandlungen mit der Firma Siemens kam man zur Überzeugung, dass die geplanten Strecken nicht rentabel zu betreiben seien. Da man einen Mischbetrieb mit elektrischen Straßenbahnen auf der einen und dampf- oder akkumulatorbetriebenen Bahnen auf der anderen Seite nicht für sinnvoll erachtete, entschied man sich für eine Reduzierung der Planungen. Übrig blieben die Strecken zwischen den beiden Orten beginnend in Hardt über Waldhausen, Alter Markt, Wallstraße, Regentenstraße, Bahnhofstraße, Lüpertzender Straße, Rheydter Straße, Rheydt, Mülfort nach Odenkirchen und die Strecke von der Viersener Straße über den Markt, die Krefelder Straße nach Eicken in Mönchengladbach und die Strecke von Geneicken über die Stresemannstraße nach Morr in Rheydt.
Am 13. Juni 1899 begann die Firma Siemens mit den Arbeiten zur Erweiterung des Netzes. Parallel dazu begann man das bis dahin regelspurige Pferdebahnnetz auf Meterspur umzubauen, was erhebliche Nachteile für die Kunden mit sich brachte. Durch die Umspurung erhoffte man sich eine weitere Verbesserung des Wirtschaftlichkeit. Es wurden 1900 folgende Strecken eröffnet:
Eröffnungsdatum Ort Strecke Streckenlänge München-Gladbach Krefelder Straße – Eickener Straße 0,77 km München-Gladbach Alter Markt – Aachener Straße – Brückenstraße 1,59 km München-Gladbach Dahlener Straße – Barbarossastraße 0,19 km Rheydt Mülfort – Odenkirchen 2,70 km Rheydt/München-Gladbach Odenkirchen – Mönchengladbach Hauptbahnhof Rheydt Dahlener Straße – Stresemannstraße – Bahnhof Geneicken 2,60 km Rheydt Friedrich-Wilhelm-Straße – Bahnhofstraße – Bahnhof Rheydt 0,28 km Rheydt Bahnhof Geneicken – Damaschkestraße 2,60 km München-Gladbach Waldhausen – Hardt
Am 1. Oktober 1901 wurde dann der gemeinsame Betrieb durch die Stadt München-Gladbach gekündigt und die beiden Gemeinden betrieben die auf ihrem Gebiet liegenden Bahnen in Eigenregie. Folgende, farbig gekennzeichneten Linien wurden zum 30. September 1901 eingerichtet und gemeinsam betrieben:
Linie M. Gladbach Bahnhof – Rheydt – Odenkirchen M. Gladbach Bahnhof – Rheydt Elektrizitätswerk – Krefelder Straße – Markt – Barbarossaplatz Eickener Straße – Schwogenstraße – Krefelder Straße – Markt – Waldhausen
Straßenbahn München-Gladbach 1900–1928
Nach der Trennung verkehrten neben den gemeinsamen folgende Linien nur auf dem Stadtgebiet von München-Gladbach:
Linie Elektrizitätswerk – Markt – Volksgarten Eicken – Waldhausen – Hardt
Am 1. Februar 1901 führte man probeweise Gepäckbeförderung auf der Strecke nach Hardt ein. Da diese von den Kunden kaum genutzt wurde, stellte man den Service kurze Zeit später wieder ein. Die gleichzeitig aufgenommene Beförderung von Postsendungen auf der Strecke nach Hardt hielt sich hingegen bis 1929. Nachdem die Bautätigkeit rund eineinhalb Jahre geruht hatte, wurden 1902 wieder neue Strecken eröffnet:
Eröffnungsdatum Strecke Länge Rheydter Straße – Hofstraße – Hardterbroich – Erzbergerstraße – Volksgartenstraße – Volksgarten 2,40 km Aachener Straße – Geroplatz – Rheydter Straße 1,65 km Bahnhof – Kaiser-Friedrich-Halle 0,58 km Eickener Straße – Schwogenstraße – Konzenstraße 0,39 km Hardt – Burgwaldniel 5,15 km Dahlener Straße – Hittastraße – Rheindahlener Straße – Fürsorgeheim 3,45 km Fürsorgeheim – Rheindahlen 3,15 km
Somit hatte man bis 1910 ein Netz errichtet, das sechs Linien umfasste, von denen zwei zusammen mit der Stadt Rheydt betrieben wurden. Am 14. Mai 1910 schloss man eine bestehende Lücke im Netz, indem man durch die Erzbergerstraße Gleise zwischen dem Königsplatz und der Volksgartenstraße verlegte. Diese Strecke wurde von der gelben Linie befahren, die nun als Ringlinie durch die Stadt verkehrte.
Zu dieser Zeit kamen schon erste Ideen auf, in der Region Rhein-Ruhr ein Netz von Schnellbahnstrecken zu errichten. Geplant waren Verbindungen von München-Gladbach nach Düsseldorf und nach Köln. Die geplante Konzession wurde allerdings nicht erteilt, da das zuständige Ministerium auf Drängen der Preußischen Staatseisenbahn, die eine Konkurrenz befürchtete, diese ablehnte. Stattdessen wurden zwei Verbindungen nach Lürrip und Neuwerk ausgeführt. Beide wurden am 15. August 1910 eröffnet und waren 1,68 Kilometer (nach Lürrip) und 3,76 Kilometer (zur Niersbrücke) lang.
Ab dem 28. Oktober 1913 bekamen die bisher mit Farben gekennzeichneten Linien zusätzlich Nummern.
Linie Strecke Farbe 1 Kaiser-Friedrich-Halle – Odenkirchen weiß 2 Kaiser-Friedrich-Halle – Rheydt grün 3 Eicken – Waldniel rot 5 Rundbahn gelb 7 Neersen – Rheindahlen violett 9 Lürrip – Viersen – Süchteln blau 11 Viersen – Dülken weiß
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges bekam auch die Straßenbahn in München-Gladbach die Einschränkungen zu spüren. Es wurde männliches Personal abgezogen, das durch Frauen ersetzt werden musste, und es kamen Aufgaben für den Transport von Waren hinzu. Im Laufe des Krieges wurden zwei Anschlüsse an die Gleise der Staatsbahn in Speick und in der Krefelder Straße hergestellt. Bis zur Besetzung durch belgische Truppen 1919 hatte man sechs Unternehmen mit Gleisanschlüssen versehen und hierzu zwölf Güterwagen sowie drei Rollwagen beschafft.
Infolge der Besetzung und der Erbringung der Reparationsleistung durch Kohlelieferungen kam es immer mehr zu Engpässen in der Stromerzeugung. So musste 1919 die Ringlinie und 1920 mehrere Linien in die Vororte eingestellt werden. Um die Versorgung des Kraftwerkes mit Kohle zu sichern, stellte man eine 3,4 Kilometer lange Gleisverbindung von Schiefbahn in Richtung Neuwerk her. Nachdem man diese Strecke am 13. Juni 1919 elektrifiziert hatte, konnte auf ihr auch Personenverkehr durchgeführt werden. Da die Reichsbahn die Querung ihrer Gleise untersagt hatte, mussten die Fahrgäste am Bahnübergang in einen Pendelzug in Richtung Krefeld umsteigen. Da dieser durch die Mönchengladbacher Straßenbahn betrieben wurde, kam es dann in Schiefbahn zu einem weiteren Umsteigevorgang in eine Linie der Straßenbahn Krefeld. Erst ab dem 4. März 1923 konnte die Strecke durchgehend befahren werden. Da die Reichsbahn unter Repressalien der belgischen Besatzung zu leiden hatte, die sich negativ auf ihren Zugverkehr und die Fahrgastzahlen auswirkte, verbot sie vom 20. Oktober 1923 an wieder die Querung ihrer Gleise, da die Fahrgäste vermehrt auf die Straßenbahn auswichen. Nach dem Ende des Verbotes am 25. Januar 1925 beschlossen beide Verkehrsbetriebe eine durchgehende Linie einzurichten, die beide Unternehmen betrieben.
Trotz der Einschränkungen durch die Kriegsfolgen arbeitete man weiter an großen Plänen. So plante die Straßenbahn München-Gladbach zusammen mit der Straßenbahn Aachen eine Strecke von Aachen über Alsdorf, Würselen, Linnich, Lövenich, Erkelenz und Rheindahlen nach München-Gladbach zu realisieren. Da Materialknappheit die Umsetzung verzögerte, etablierte sich dort eine Omnibuslinie, die später den Bau der Strecke verhinderte.
Nach einigen Verbesserungen an den Wagen und der Verlängerung von drei Strecken verfügte die Straßenbahn 1928 über insgesamt zehn Linien mit einer Gesamtlänge von 83,1 Kilometern.
Vereinigte Städtebahn