Das naturwissenschaftlich orientierte Galilei-Gymnasium Hamm wurde 1968 als Zweigstelle des Gymnasiums Hammonense gegründet. Zum 1. Januar 1971 wurde das bisherige „Staatliche Gymnasium II“ unter dem Namen „Galilei-Gymnasium Hamm“ verselbstständigt und war damit die erste Schule in Deutschland, die Galileo Galilei als Namenspatron wählte. Mit Studiendirektor Hans-Dieter Voßhage erhielt das jüngste Gymnasium in Hamm seinen ersten Schulleiter. In den ersten Jahren fand der Schulbetrieb in Pavillons auf dem Schulgelände an der Sorauer Straße 20 (seit 2008: Dr.-Voßhage-Straße 1) in Hamm-Norden statt. Erst 1973 konnte mit dem Bau eines eigenen Gebäudes begonnen werden, das 1975 bezogen wurde.

Ein Jahrzehnt später geriet die Schule zweimal in den Fokus der Hammer Kommunalpolitik. Im Zuge der bundesweiten ideologischen Auseinandersetzung um die Ausweitung von Gesamtschulen zulasten des traditionellen dreigliedrigen Schulsystems plante der damals SPD-geführte Rat der Stadt Hamm zunächst, das Galilei-Gymnasium zugunsten einer zu gründenden Gesamtschule „auslaufen“ zu lassen. Nachdem Bürgerproteste dieses Vorgehen erfolgreich verhinderten, wurde 1987 versucht, das Galilei-Gymnasium in das Schulzentrum Rautenstrauchstraße in Bockum-Hövel auszulagern und das Schulgebäude der Gesamtschule zur Verfügung zu stellen. Erneute Protestaktionen konnten auch dies verhindern, sodass stattdessen die Gesamtschule im Schulzentrum errichtet wurde.

Als einziges nördlich der Lippe gelegenes staatliches Gymnasium der Stadt Hamm – die Schule Landschulheim Schloss Heessen ist eine private Institution – ist die Schule heute die zentrale Jugendbildungseinrichtung für die Stadtbezirke Hamm-Bockum-Hövel und Hamm-Heessen einschließlich der ehemaligen Nordenfeldmark, dem heutigen Hamm-Norden. Seit dem Schuljahr 2010/2011 bietet die weiterführende Schule „gebundenen Ganztagsbetrieb“ an.

mini|Luftbild des von den Schülern auch „Galli“ genannten Galilei-Gymnasiums Hamm mini|hochkant|Bild von Galileo Galilei im Eingangsbereich des Galilei-Gymnasiums

Geschichte Gründung (1968) mini|links|Schriftzug „Galilei-Gymnasium“ vor dem Schulgelände mini|links|Schriftzug „Galilei-Gymnasium 1973“ im Eingangsbereich im Inneren der Schule

Zu Beginn der 1960er Jahre begann sich abzuzeichnen, dass das Gymnasium Hammonense den stetig steigenden Schülerzahlen bald nicht mehr gewachsen sein würde. Die Schüleranzahl im Raum Hamm stieg an allen Gymnasien prozentual an. So besuchten 1964 insgesamt 1832 Jungen und Mädchen die damals vier Gymnasien der Stadt, am 15. Januar 1967 waren es schon 2227, am 1. September 1968 dann 2697. Die Verwaltung der Stadt Hamm wandte sich deshalb 1964 an den Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen und bat ihn, der Errichtung eines zweiten staatlichen Gymnasiums zuzustimmen.

Obwohl der Kultusminister dem Anliegen der Stadt aufgeschlossen gegenüberstand und ihm 1968 schließlich zustimmte, verhinderten fehlende Finanzmittel zunächst die Errichtung eines weiteren selbstständigen Gymnasiums. Am 29. März 1968 fand eine Pressekonferenz statt, in deren Rahmen der damalige Leiter des Gymnasiums Hammonense, Oberstudiendirektor Kusian, die Gründung einer Außenstelle seines Gymnasiums zum Beginn des Schuljahres 1968/69 bekannt gab.

Als Standort begann sich bald ein gut 10.000 m² großes städtisches Gelände an der Sorauer Straße herauszukristallisieren, ganz in der Nähe der katholischen Pfarrkirche Maria Königin. Im Gegensatz zu den anderen Hammer Gymnasien, die allesamt südlich der Lippe lagen, wurde dadurch erstmals der Hammer Norden erschlossen, nach der zweiten Stufe der kommunalen Gebietsreform von 1975 dann auch die neuen Stadtbezirke Hamm-Bockum-Hövel und Hamm-Heessen. Da sich in unmittelbarer Nähe bereits eine Hauptschule befand, bestand von Anfang an die Möglichkeit zur Entwicklung eines Schulzentrums.

Ab April 1968 wurden Anmeldungen entgegengenommen. Die Eltern mussten dabei mit dem Risiko leben, ihre Kinder an einer Schule anzumelden, die noch keinerlei Räumlichkeiten, geschweige denn ein eigenes Gebäude hatte. Dennoch wurden etwa 60 Kinder direkt angemeldet, wobei das Staatliche Gymnasium II bei der ersten Anmeldung von dem Vertrauen profitierte, das die Bevölkerung dem Gymnasium Hammonense entgegenbrachte. Rund 50 weitere Kinder wurden der neuen Schule aufgrund der Überfüllung der anderen Gymnasien zugewiesen.

Zum 9. August 1968 wurde der Schulbetrieb auf der „Grünen Wiese“ aufgenommen. Die Schule besaß noch immer keine eigenen Räumlichkeiten, vielmehr waren auf dem Schulgelände Pavillons errichtet worden. Zunächst gab es nur zwei von ihnen, der steigende Platzbedarf, der bereits durch die jährliche Erweiterung der Schule um jeweils eine neue Klasse bedingt war, führte jedoch zwischen 1968 und 1974 zur Aufstellung weiterer Pavillons. So entstand eine abgehobene Anlage, bestehend aus Musikpavillon, naturwissenschaftlichem Pavillon, Lehrer- und Klassenpavillons, die um einen rechteckigen Innenhof angeordnet worden waren. Die Anlage erschien als ausreichend für den Schulbetrieb, blieb aber in vielfacher Hinsicht ein Kompromiss. So konnte der Sportunterricht nur aufgrund der Kooperationsbereitschaft der benachbarten und befreundeten Schulen sowie der Bergbau-AG Westfalen abgehalten werden. Zunächst wurde die TuWa-Halle genutzt, zuletzt fand der Sportunterricht in sechs unterschiedlichen Turnhallen statt: Zeche Radbod, Realschule Bockum-Hövel, Kardinal-van-Galen-Schule, Karlschule, Ludgerischule und Martin-Luther-Schule. Dies brachte zeitraubende Fahrten mit dem Schulbus zu den verschiedenen Hallen mit sich. Auch die Lehrer mussten pendeln, sie wurden mal am Hammonense, mal am Staatlichen Gymnasium II eingesetzt. Überall fehlte es an Fachräumen, zudem mussten in der Pavillonanlage bisweilen „Wanderklassen“ eingerichtet werden. Weder der naturwissenschaftliche noch der musikalische Fachunterricht konnte seine volle Wirksamkeit entfalten, und auch die Verwaltungsräume, der Konferenzraum und die Büchereiräume erwiesen sich als erdrückend eng.

So wurde die Errichtung eines eigenen Schulgebäudes ins Auge gefasst. Sie konnte schließlich ab 1973 verwirklicht werden.Galilei-Gymnasium Hamm, Schulschrift. Jubiläumsausgabe. 25 Jahre Galilei-Gymnasium. Schuljahr 1992/93, Hamm 1993.

Verselbstständigung der Schule (1971) Am 1. Januar 1971 wurde das bisherige Staatliche Gymnasium II unter dem Namen Galilei-Gymnasium verselbstständigt. Erster Direktor wurde Studiendirektor Hans-Dieter Voßhage.

Bau des Schulgebäudes (1973–1975) mini|Schulgebäude mit Blick vom Schulhof

Mit dem 2. Mai 1973 wurde mit dem Bau des heutigen Schulgebäudes begonnen. Der Rohbau mit etwa 50.000 m³ umbauten Raums inklusive der notwendigen Installationen konnte ziemlich genau elf Monate später fertiggestellt werden; das Richtfest wurde am 4. April 1974 abgehalten. Der Umzug von den Pavillons in den Neubau erfolgte zwischen dem 4. und 8. Februar 1975 unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte. Am Samstag, den 8. Februar 1975, konnten die Schüler das neue Haus erstmals offiziell betreten.

Die Fertigstellung des Schulgebäudes fiel zeitlich somit ungefähr mit der Verwirklichung der zweiten Stufe der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen zusammen, in deren Rahmen die bis dahin eigenständigen Städte Bockum-Hövel und Heessen in die Stadt Hamm eingemeindet wurden, die dadurch zur Großstadt wurde. Der Hammer Norden, die frühere Nordenfeldmark seit den Zeiten des Hammer Stadtgründers Adolf I. Graf von der Mark, wurde etwa mittig geteilt und zu gleichen Teilen den beiden neuen, nördlich der Lippe gelegenen Stadtbezirken zugeschlagen. Das Galilei-Gymnasium befindet sich seither auf Bockum-Höveler Gebiet und erschließt auf dem Sektor der Jugendbildung den nördlich der Lippe gelegenen Bereich.

mini|links|Brunnen auf dem Schulhof

Als „letzte Baumaßnahme“ wurde in den Sommerferien des Jahres 1977 von dem Bildhauer Jürgen Suberg aus Bigge-Olsberg der Brunnen auf dem Schulhof aufgestellt. Die Einweihung des Brunnens erfolgte am 16. September 1977.

Weitere Entwicklung bis 1985 mini|Galilei-Gymnasium Hamm

Die erste Entlassungsfeier für 57 Abiturienten fand am 18. Juni 1977 statt. Für das Schuljahr 1979/1980 wurde erstmals das Unterrichtsfach Informatik angeboten. Im Sommer 1980 erfolgten Organisation und Durchführung des 9. Gemeinsamen Sportfestes der Gymnasien Westfalen-Lippe, sogenannte Bannerkämpfe, wobei etwa 4000 Jugendliche und 600 Betreuer an der Veranstaltung teilnehmen.

Am Karfreitag des Jahres 1981 übertrug der WDR einen in der Aula des Galilei-Gymnasiums aufgezeichneten und von Schülern gestalteten Gottesdienst, der dem Thema „Auferstehung“ gewidmet war.

Im Januar 1984 wurde der Verein der Freunde und Förderer des Galilei-Gymnasiums e.V. gegründet.

Eine erste Projektwoche wurde im Sommer des Jahres 1985 durchgeführt. Die Schüler konnten eine Woche lang Interessenschwerpunkte verfolgen, die nicht Bestandteil des regulären Lehrplanes waren. Im Schuljahr 1985/86 nahm das Gymnasium Kontakt mit der Halpatota Junior School in Baddegama/Sri Lanka auf und übernahm für diese die Patenschaft.

Kampf um das Fortbestehen (1985–1987) mini|hochkant|links|Aufkleber „Der Standort muss bleiben“ von 1987

Im ideologischen Kampf um die Ausweitung des Gesamtschulprinzips wurde 1982 ein zehnjähriges Experimentierstadium zum Abschluss gebracht, das die Entscheidung bringen sollte, ob die Gesamtschule das bessere Konzept sei. Im positiven Fall sollte sie als alleinige Schulform eingeführt werden. Die Bewertung blieb jedoch strittig. 1982 endete der Schulversuch Gesamtschule. Je nach parteipolitischer Ausrichtung der Regierung des jeweiligen Bundeslandes wurden die Versuche als erfolgreich angesehen oder für gescheitert erklärt. Insbesondere die SPD befürwortete die flächendeckende Einführung der Gesamtschule unter Aufgabe des bisherigen dreigliedrigen Schulsystems.

Mit Oberbürgermeister Werner Figgen war Hamm zu dieser Zeit bereits seit längerem SPD-geführt. 1984 wurde dann mit Sabine Zech erneut eine Oberbürgermeisterin aus den Reihen der SPD an die Spitze der Stadt gewählt. Am 16. August 1985 wurde der Plan des Stadtrates bekannt, das Galilei-Gymnasium zugunsten einer zu gründenden Gesamtschule „auslaufen“ zu lassen. Daraufhin traten Schüler, Eltern und Lehrer zusammen, um wochenlang anhaltende Protestaktionen zu organisieren und zu koordinieren. Mehr als 13.500 Unterschriften, die sich für den Erhalt der Schule aussprachen, wurden am 22. September 1985 den verantwortlichen Politikern übergeben. Am 11. Dezember 1985 kam es im Rat zu einer Kampfabstimmung, bei der unter Berücksichtigung der Schwere und des Umfangs der Proteste der ursprüngliche Plan fallengelassen wurde.

Am 22. April 1987 wurden Pläne bekannt, das Galilei-Gymnasium in das Schulzentrum Rautenstrauchstraße in Bockum-Hövel auszulagern und das Schulgebäude einer zu installierenden zweiten Gesamtschule zur Verfügung zu stellen. Es war abzusehen, dass dieses Vorgehen sinkende Anmeldezahlen und letztlich die Schließung der Schule wegen Schülermangels bedeutet hätte. Aus diesem Grund formierten sich erneut Protestaktionen, die wiederum zum Erfolg führten, als Oberbürgermeisterin Sabine Zech in der Ratsabstimmung vom 10. Juni 1987 überraschend für den Erhalt des Galilei-Gymnasiums am alten Standort und die Einrichtung der Gesamtschule im Schulzentrum an der Rautenstrauchstraße stimmte und damit dem hauchdünnen Abstimmungsergebnis eine Mehrheit von exakt einer Stimme verschaffte.

Ebenfalls vor dem Hintergrund der Gesamtschuldebatte wurde in dieser Zeit das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium an seinen heutigen Standort in der Nähe des Maximilianparks verlegt. Allerdings erhielt dieses Gymnasium durch den Standortwechsel bessere Räumlichkeiten als zuvor.