mini|Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr. mini|Notitia dignitatum: Die Kastelle und Festungsstädte Salectium (Saletium, Seltz), Tabernae (Rheinzabern), Vicus Iulius (Germersheim), Nemetum (Speyer), Altaripa (Altrip), Vangionum (Civitas Vangionum, Worms), Mogontiacum (Mainz), Bingium (Bingen), Bodobrica (Boppard), Confluentes (Koblenz) und Antonaco (Antunnacum, Andernach), die unter dem Kommando des Dux Mogontiacensis standen.

Der Dux Mogontiacensis (wörtlich: „Heerführer der Mainzer Region“) war ein hoher Offizier in der weströmischen Armee und Oberkommandierender des Grenzheeres (Limitanei) in der Provinz Germania prima.

Definition, Funktion und Kommandobereich Das Amt wird nur in der Notitia dignitatumNotitia dignitatum Occ.I, VI und XLI. erwähnt. Er unterstand dem Magister Peditum Praesentalis (Oberbefehlshaber der Infanterie) des Westreiches.Notitia dignitatum Occ. VI. Am kaiserlichen Hof zählte der Dux zur höchsten Rangklasse der viri spectabiles. Der Militärbezirk des Dux Mogontiacensis umfasste die Rheingrenze zwischen Seltz und Andernach.Ralf Scharf: Der Dux Mogontiacensis und die Notitia Dignitatum, S. 1.

Entwicklung Um das Jahr 300 ordnete Diokletian (284–305) die Provinzen neu und trennte die zivile und militärische Verwaltung. Seit der Mitte des 4. Jahrhunderts kam es wiederholt zu Einfällen der Alamannen, die zeitweilig linksrheinische Gebiete und Garnisonen besetzten.Ralf Scharf: Der Dux Mogontiacensis und die Notitia Dignitatum, S. 17–22. Das Feldheer unterstand dem Comes per utramque Germaniam.Ralf Scharf: Der Dux Mogontiacensis und die Notitia Dignitatum, S. 28–35. Die Grenzverteidigung in der Provinz Germania prima oblag ursprünglich dem Dux Germaniae primae.Notitia dignitatum Occ. I. und V. Gegen Ende des 4. oder Anfang des 5. Jahrhunderts wurde sein Kommandobereich unter dem Dux Mogontiacensis, der dem römischen RitterstandRalf Scharf: Der Dux Mogontiacensis und die Notitia Dignitatum, S. 10. angehörte, und dem Comes tractus Argentoratensis mit Sitz in Mainz bzw. Straßburg aufgeteilt.Tagungsbericht zu dem internationalen Kolloquium „Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen – Nuclei spätantikfrühmittelalterlichen Lebens?“, Bayerische Akademie der Wissenschaften, 2006, PDF (353 kB).

Kaiser Valentinian I. (364–375) ließ seit 369 noch einmal ein umfassendes Bauprogramm zur Verstärkung des Donau-Iller-Rhein-Limes durchführen und die Garnisonsorte des Mainzer Dukats stärker befestigen oder neu errichten. Die neuen Limitaneinheiten wurden offenbar aus infanteristischen Legiones palatinae (Garde) und Comitatenses sowie Auxilia palatina des gallischen Feldheeres herausgelöst und an den Rhein verlegt. Die einzelnen Einheiten hatten eine Mannschaftsstärke von etwa 400 Mann.Ralf Scharf: Der Dux Mogontiacensis und die Notitia Dignitatum, S. 37–43. Nach anderer Auffassung wurde das Mainzer Dukat erst 396 von Stilicho, anlässlich einer Reise an den RheinDenis van Berchem: On some chapters of the Notitia Dignitatum relating to the defence of Gaul and Britain. In: American Journal of Philology 76, 1955, S. 141. oder möglicherweise nach dem Germaneneinfall von 406/407 eingerichtet.Jürgen Oldenstein: Kastell Alzey, S. 307.

In der älteren Forschung wurde zumeist die Auffassung vertreten, dass die römische Grenzverteidigung im Bereich des Mainzer Dukats durch die eindringenden Vandalen, Alanen und Sueben im Jahr 406/407 weitgehend vernichtet war und die verbliebenen Einheiten dem mobilen Feldheer eingegliedert wurden. In der jüngeren Forschung wird zum Teil die Meinung geäußert, dass die römische Verwaltung, gestützt auf burgundische Foederaten, bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts, möglicherweise bis zum Ende des Weströmischen Reiches 476/480 existierte.

Verwaltungsstab Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter:

Princeps ex officiis magistrorum militum praesentalium alternis annis (Kanzleileiter, der vom Magister militum jährlich ernannt wurde) Numerarius a parte peditum semper (Kassenführer aus der Armee) Commentariensis a parte peditum semper (Buchführer, Rechtskundiger aus der Armee) Adiutor (Helfer) Subadiuva (untergeordnete Helfer) Regerendarius (Verwaltung) Exceptores (Juristen) Singulares et reliqui officiales (Garde und sonstige Beamte)

Truppen

Neben dem Verwaltungsstab standen dem Dux noch elf Präfekten und die von ihnen kommandierten Limitaneieinheiten zur Verfügung (sub dispositione).Notitia dignitatum Occ. XLI. Die Truppenliste stellt wahrscheinlich den Mannschaftsstand unter Konstantin III. (407–411) oder Constantius III. (seit 412 der eigentliche Regent) dar. Daneben bestanden weitere Kastelle, wie Alteium (Kastell Alzey), in denen Foederaten (Verbündete) stationiert waren, die jedoch als nicht-römische bzw. irreguläre Truppenverbände in der Notitia dignitatum unberücksichtigt blieben. Die Herkunft der Truppen ist – ebenso wie der Zeitpunkt ihrer Stationierung – in der Forschung umstritten.

Distributio Numerorum Die Notitia dignitatum beinhaltet noch die alten Offiziersränge und Organisationsstrukturen aus der ersten Tetrarchie, die offensichtlich bis zum Zusammenbruch des Westreichs gültig blieben. In der Auflistung der dem Dux unterstellten Einheiten wird folgender Offiziersrang genannt:

Praefectus: Dieser Rang (= „mit der Verantwortung betraut“) bezeichnete in der spätrömischen Armee sowohl einen Kommandeur einer Kavallerie- oder Flotteneinheit (praefectus classis) als auch einer Infanteriekohorte. In der Kaiserzeit wurden dieser Rang den Kommandeuren der Hilfstruppenkohorten verliehen, die Offiziere der Kavallerieeinheiten bezeichnete man als praefecti equitum. In der mittleren Kaiserzeit befehligte ein Praefectus Kavallerieeinheiten verschiedener Stärke, ala quingenaria (500 Mann) und ala miliaria (1000 Mann). Letzteres kam eher selten vor. In diesem Fall stand ihr Präfekt rangmäßig über den anderen Hilfstruppenkommandanten. Er wurde meist von Angehörigen des Ritterstandes bekleidet, die zur römischen Oberschicht zählten und über den notwendigen Reichtum und Status verfügten, um größere Truppenkontingente zu befehligen. Während der chaotischen Zustände in der Mitte des 3. Jahrhunderts wurden die Aristokraten aus militärischen Positionen entfernt. Anstelle der senatorischen Legati wurden die Legionen nun von einem praepositus agentes vice legati oder praefectus legionis kommandiert, in die nun auch Männer aus den unteren Gesellschaftsschichten befördert werden konnten. Der militärische Rang wurde im späten 4. Jahrhundert n. Chr. abgeschafft, als die römische Armee noch einmal umorganisiert wurde. Praefecti dienten dann u. a. als Generalquartiermeister am Hof des Kaisers. Unter Konstantin I. dem Großen (312–337) wurden auch die vier Prätorianerpräfekten ihrer militärischen Funktionen enthoben, aber sie behielten ihre Justiz- und Finanzzuständigkeiten und zählten zu den höchsten Amtsträgern der Reichsverwaltung.

Laut der ND Occ. standen dem Dux folgende Einheiten zur Verfügung:sub dispositione