mini|hochkant=1.3|Hans-Dietrich-Genscher-Haus, 2016

Das Hans-Dietrich-Genscher-Haus (HDGH) im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks, Reinhardtstraße 14–16, ist seit 1999 der Sitz der Bundesgeschäftsstelle der FDP.

Geschichte des Gebäudes Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1834–1921) erwarb im Oktober 1886 das Gebäude in der Karlstraße 29 (nunmehr Reinhardtstraße 14). Zusätzlich erwarb er im November 1889 noch die beiden Nachbargrundstücke Karlstraße 28 und 30. Den gesamten Komplex stellte der Fürst als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und späterer Ordenspriester dem Dominikanerorden zur Verfügung. Die Dominikanerinnen begannen daraufhin 1889 mit dem Betrieb des „St. Maria-Viktoria-Krankenhauses“.

Nachdem die Gewerbegebäude für den Krankenhausbetrieb zu eng wurden, riss man sie ab. Der heutige Bau wurde an ihrer Stelle von 1908 bis 1912 nach Entwürfen von Caspar Clemens Pickel errichtet. Am 11. März 1912 wurden das neuerrichtete Krankenhaus und die zugeordnete St. Maria-Victoria-Kirche eröffnet. 1927 unterhielten die über 60 Dominikanerinnen mehr als 400 Betten für die Betreuung der Kranken.

Zehn Jahre nach der Einweihung zeigten sich Risse im Gewölbe der Kirche und im Krankenhaus. 1935 hatten die Schäden solche Ausmaße angenommen, dass das Krankenhaus ohne Renovierungsarbeiten nicht weiterbetrieben werden konnte. Nach der Renovierung konnte zwar das Krankenhaus noch betrieben werden, allerdings fehlten die Mittel für die Restaurierung der Kirche. Die Kirche wurde 1938 abgerissen. Wegen der finanziellen Notsituation des Ordens und der Repressalien der Nationalsozialisten musste der Krankenhausbetrieb am 30. September 1938 eingestellt werden.

Danach siedelte sich die Landesbauernschaft Kurmark im Gebäude an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude als Verlagshaus für den Deutschen Bauernverlag und den Deutschen Landwirtschaftsverlag bis 1992 genutzt.

In der Zeit der DDR waren darin der Deutsche Bauernverlag und der Deutsche Landwirtschaftsverlag untergebracht, die zur Blockpartei DBD gehörten.

Nutzung durch die FDP Die FDP nutzt das denkmalgeschützte Gebäude seit der Einweihung am 9. Juli 1999.Die Zeit der Baracken ist endgültig vorbei. In: Bonner General-Anzeiger. 17. Juli 1999, S. 3. Bis 2017 war die Bundesgeschäftsstelle – wie zuvor schon die Bonner Parteizentrale – nach dem ehemaligen FDP-Bundesvorsitzenden Thomas Dehler benannt. Am 11. März 2017 beschloss die FDP, das Gebäude zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher umzubenennen.

Das Hans-Dietrich-Genscher-Haus beherbergt neben der Bundesgeschäftsstelle der FDP zahlreiche ihr nahestehende Institutionen und Unternehmen. Darunter auch die Bundesgeschäftsstelle der Jungen Liberalen.

Seit 2021 läuft am Bonner Landgericht eine Klage der Reinhardtstraßenhöfe GmbH & Co. KG gegen die FDP. Jahrelang lagerte die FDP millionenschwere Risiken aus ihren Immobiliengeschäften in die private Kommanditgesellschaft aus, die dahinterstehende Investoren­familie konnte dank der Verluste von erheblichen Steuervorteilen profitieren. Nun will diese ihren Kommanditanteil um rund 2,4 Millionen Euro erhöhen, was dazu führen würde, dass sie mit 51,5 % Mehrheitseigner am Hans-Dietrich-Genscher Haus wäre. Die FDP versucht dies zu verhindern.

Literatur Hans-Wolfgang Hoffmann: Wie Parteien hausen. In: Cicero. April 2004, S. 132 f.

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