Die heutige Orgel wurde im Jahre 1866 von Friedrich Ladegast erbaut. In der Dorfkirche Biederitz (Einheitsgemeinde Biederitz, Landkreis Jerichower Land, Sachsen-Anhalt), die auch als Evangelische Kirche Biederitz bezeichnet wird, steht sie seit 1997.Walter Ladegast (Hrsg.): Friedrich Ladegast; Der Orgelbauer von Weissenfels. Weidling Stockach, 1998. ISBN 3-922095-34-8. S. 152 ff. Die Orgel befindet sich auf der Westempore.

Geschichte Reubke-Orgel 1868 kaufte die Kirchengemeinde eine für Buckau gebaute romantische Orgel der Firma Reubke aus Hausneindorf.

Beyer-Orgel Als sich um die Jahrhundertwende Biederitz vom armen Dorf zum Villenvorort Magdeburgs entwickelte, wuchs der Wunsch nach einer neuen Orgel. 1912 baute die Magdeburger Orgelbaufirma Eduard Beyer eine neue, pneumatische Orgel in den alten Reubke-Prospekt ein. Diese Orgel war schon in den 1930er Jahren überholungsbedürftig. Seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre war sie nicht mehr spielbar. Es erfolgte die Bestellung einer neuen Orgel bei der Firma Brode in Heiligenstadt, die in den alten Prospekt eingebaut werden sollte. Die Beyer-Orgel wurde 1989 demontiert, um einen Neubau vorzubereiten. Die Wende verhinderte das Projekt und der Vertrag mit der Fa. Brode wurde storniert. Somit war die Biederitzer Kirche seit 1989 ohne Orgel.

Ladegast-Orgel 1989 wurde die Biederitzer Kantorei gegründet, 1990 der Biederitzer Musiksommer ins Leben gerufen. Zur Verbesserung der musikalischen Möglichkeiten in den Gottesdiensten und Konzerten fehlte eine Orgel. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, die Ladegast-Orgel in die Biederitzer Kirche zu integrieren.

Friedrich Ladegast baute diese Orgel 1866 ursprünglich für die Kirche in Plennschütz bei Weißenfels. Anfang der 1980er Jahre musste die Plennschützer Kirche wegen schwerwiegender Feuchtigkeitsproblemen aufgegeben werden. Deswegen wurde sie in das nördliche Seitenschiff des Güstrower Doms umgesetzt.

Für die Umsetzung der Ladegast-Orgel in die Biederitzer Kirche sprachen mehrere Gründe: Die Biederitzer Kirche entsprach mit ihrem einfachen Saalraum und ihrer hufeisenförmigen Empore der Plennschützer Kirche. Das Ursprungsland der Orgel ist Sachsen-Anhalt. Die Biederitzer Orgelgeschichte begann in der Romantik. Auch dieser Umstand sprach für die romantische Ladegast-Orgel. Adolf Reubke zählte neben Friedrich Ladegast zu den bedeutendsten deutschen Orgelbauern jener Richtung.

Für den Kauf einer Orgel wurde der Förderkreis Biederitzer Kantorei e. V. gegründet. Im Jahre 1996 wurde die Ladegast-Orgel von Güstrow nach Biederitz überführt. Die Umsetzung und Restaurierung erfolgten durch die Orgelwerkstatt Wegscheider. Die Orgel wurde im Juni 1997 eingeweiht.Wissenswertes über die Ladegastorgel

Seitdem erklingt die Ladegast-Orgel sowohl im Gottesdienst als auch in Konzerten des Biederitzer Musiksommers, unter anderem in der einmal jährlich stattfindenden Biederitzer Tastennacht und in der Reihe 30 Minuten Orgelmusik.

Disposition

I Hauptwerk C–f31. Bordun 16′ ab G2. Prinzipal 8′3. Gedackt 8′4. Oktave 4′5. Gedackt 4′6. Oktave 2′7. Mixtur III II Hinterwerk C–f38. Gambe 8′9. Flauto amabile 8′10. Flauto dolce 4′ Pedal C–d111. Subbass 16′12. Cello 8′ (Holz)

Koppeln: II/I, I/P

Technische Daten Höhe: 3,76 m Breite: 3,17 Tiefe mit Orgelbank: 2,70 m

Organisten Der zuständige Organist für die Evangelische Kirche Biederitz ist Kantor Michael Scholl.

Gastorganisten Seit 1997 musizierten eine Reihe von Organisten auf der Ladegast-Orgel, solistisch oder in Kombination mit anderen Instrumenten.

Organist/Organistin Jahr Bemerkung Barry Jordan 1997, 1999, 2001, 2003, 2004, 2005, 2006, 2008 Christoph Mehner 2002 im Konzert mit Gerd Fischer (Trompete), Alexander Pfeiffer (Trompete), Christoph Schäbe (Pauken) Christopher Lichtenstein 2009, 2011, 2012 Daniel Beilschmidt 2008, 2009 Frank Zimpel 2010 Gottfried Sembdner 2003 im Konzert mit Andreas Hartmann (Violine), Alexander Braun (Violoncello) Gregor Meyer 2007 Johannes Unger 2006, 2009 Matthias Eisenberg 1997, 2000 Matthias Mück 2002, 2006, 2007, 2009, 2012 Michael Schönheit 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2007 2007: im Konzert mit Gotthold Schwarz (Bariton) Pavel Cerný 2005 Pier Damiano Peretti 2008 Stefan Nusser 1997, 1998, 1999, 2001, 2004, 2005, 2006, 2010, 2011, 2012 1997: zum Einweihungskonzert Wolfgang Seifen 2001, 2004, 2009 Rainer Nikorowitsch 1997, 1999, 2000, 2001, 2002 solo, in Gottesdiensten und im Konzert mit Gabriele Nikorowitsch (Querflöte) Martin Rost 1998 Dorlies Bunge 1998 Jürgen Geißler 1997, 1998, 1999 1997: zur Orgelweihe Paul Gerhard Schumann 1997, 1998, 1999 Jürgen Irmscher 1998 Ralf Wosch 1999 Astrid Rau 1999 Christoph Krummacher 1999 Peter Behrendt 1999, 2000, 2008, 2010 Jens Goldhardt 2000 im Konzert mit Ralf Benschu (Saxofon) Per Ryden 2000 Hans-Günther Wauer 2000 im Konzert mit Warnfried Altmann (Saxofon) und Hermann Naehring (Schlagwerk) Jörg Lehmann 2002 im Konzert mit Denin Dragon (Panflöte) Cornelia Frenkel 2000 Marzin Szelest 2000 Hendrikje Pesch 2003 Tobias Börngen 2004 Stefan Kießling 2005 Andre Hummel 2007 im Konzert mit Berit Hummel (Flöte) Monika Fischer 1997 Elke Schneider und Volker Jaekel 2012 Das Berliner Organisten-Duo zu vier Händen und vier Füßen Andreas Petzold in mehreren Gottesdiensten

Aufnahmen 1998 erschien eine CD mit dem Titel Antonín Dvořák – Messe D-dur Op. 86 für Soli, Chor und Orgel. Orgelwerke an der Biederitzer Ladegast-Orgel. Organist Stefan Nusser ist darauf mit Orgelwerken von August Gottfried Ritter, Theophil Forchhammer, Engelbert Humperdinck, Christian Friedrich Ehrlich, Rudolph Palme, Johann Gottlob Töpfer, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Liszt zu hören.

Literatur Förderkreis Biederitzer Kantorei: Die Ladegast-Orgel in der evangelischen Kirche Biederitz. Festschrift zur Einweihung – Juni 1997. Christian Scholl: Die evangelische Kirche in Biederitz. Kirchenführer. 1998.

Siehe auch Liste von Orgelregistern Liste der Orgelbauer

Einzelnachweise

Kategorie:Biederitz Biederitz Kategorie:Erbaut in den 1860er Jahren Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Orgellandschaft Sachsen-Anhalt