mini|Stadtwappen von Leipzig

Die Geschichte Leipzigs wurde von seiner Bedeutung als Handelsplatz geprägt. Bereits früh hatte es durch die günstige Lage am Schnittpunkt der Handelswege und durch Messeprivilegien eine herausragende Position im Warenhandel, später auch im Buchdruck und -handel inne. Leipzig war nie Residenzstadt oder Bischofssitz und stets städtebürgerlich geprägt. Die 1409 gegründete Universität Leipzig ist eine der ältesten Universitäten auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Im 19. und 20. Jahrhundert wuchs Leipzig stark an und war zeitweise nach Berlin, Hamburg und Breslau die viertgrößte deutsche Stadt noch vor München. Als industrieller Standort hat sie seit der Wiedervereinigung an Bedeutung verloren, behauptet sich aber als Messe- und Universitätsstadt und durch ihr kulturelles Erbe.

Vorgeschichte Die ältesten Hinweise auf die Besiedlung des Leipziger Stadtgebiets datieren aus der Jungsteinzeit. Auf dem Matthäikirchhof wurden Hinterlassenschaften der bandkeramischen Kultur entdeckt. Auch Funde der Kugelamphorenkultur sind bekannt. Bronzezeitliche Urnen mit Leichenbrand wurden auf den Geländen des Südfriedhofes und des ehemaligen Dominikaner-Klosters gefunden. Kaiserzeitliche Funde elbgermanischen Typus in der Gegend in und um Leipzig werden gewöhnlich als Hinterlassenschaften des suebischen Stammes der Hermunduren gedeutet.

Der griechische Mathematiker und Astronom Claudius Ptolemäus schuf im zweiten Jahrhundert nach Christus mit der Geographike Hyphegesis einen Atlas der damals bekannten Welt. Die Karte zu „Germania magna“ (Großgermanien), die er mit Unterstützung von Landvermessern der römischen Armee in Germanien zeichnete, enthält neben Angaben zu zahlreichen Gebirgen, Flüssen und Inseln die Namen von 94 Orten auf dem Gebiet der Germania magna, darunter auch die Siedlung „Aregelia“. Gemäß der Interpretation eines interdisziplinären Forscherteams des Instituts für Geodäsie und Geoinformationstechnik der Technischen Universität Berlin unter Leitung von Dieter Lelgemann soll die Stadt Aregelia auf dem Gebiet von Leipzig gelegen haben.Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann: Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ "Atlas der Oikumene". Wissenschaftl. Buchgesell., Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-24525-3.

Bis zum Jahr 531 gehörte der Raum der späteren Stadt Leipzig zum Königreich der Thüringer. Nach der Niederlage gegen die Franken verließen die Thüringer die Region zwischen Elbe, Saale und Mulde. Um ca. 600 besiedelten dann Slawen dieses Gebiet und vermischten sich mit den verbliebenen Thüringern. Erstmals schriftlich belegt wurde die Anwesenheit der Sorben in der burgundischen Fredegar-Chronik aus dem Jahr 631. Die Region um Leipzig wurde als „Chutizi“ bezeichnet.

Nach mehreren kleineren Auseinandersetzungen mit den Franken fielen diese in die Gebiete der Slawenstämme ein und gründeten zum Beispiel das Bistum Erfurt. Weitere Vorstöße folgten gegen die Sachsen, und so wurden mehrere Kastelle (zum Beispiel Magdeburg und Halle) gegründet, um Einfälle von sorbischer Seite unterbinden zu können.

Leipzig im Mittelalter – Von der ostfränkischen Burgsiedlung zur Stadt Namensherkunft Der Name Leipzig wird üblicherweise als „Ort der Linden“ gedeutet, abgeleitet aus einer slawischen Form *Lipьsko (vgl. lipa „Linde“), wozu auch die heutigen Benennungen Leipzigs in den slawischen Nachbarsprachen (tschech. Lipsko, sorb., poln. Lipsk) passen. Namenkundliche Untersuchungen der letzten Jahre haben dies allerdings in Zweifel gezogen, da die ältesten Belege (wie Libzi) bis 1185 konsequent die Schreibungen -b- in der Wurzel und -(i)z(i) in der Endung zeigen – beides nur schwer mit der Deutung *Lipьsko vereinbar. Karlheinz Hengst bietet stattdessen einen Vergleich mit der slawischen Wurzel lib- an, erstens belegt in der Bedeutung „schwanken, wogen“ (wegen unsicherem, sumpfigem Gelände?), zweitens als „schmal, schlank, schwach“ (d. h. auf einer schmalen Stelle trockenen Landes?). Für beides finden sich aber ungewöhnlicherweise so gut wie keine vergleichbaren Ortsnamen im slawischen Sprachraum, sodass der Kern des Namens möglicherweise noch aus vorslawischer Zeit stammt. Ihr mag letztlich eine indogermanische Wurzel *leiH- „gießen, fließen, tröpfeln“ zugrunde liegen, die sich auf die vielen Fließgewässer um die Leipziger Altstadt (Elster, Pleiße, Parthe) beziehen könnte. Diese wäre dann von den Slawen mit einer eigenen Endung (z. B. -ьc oder -ica, später -z geschrieben) versehen worden. Hans Walther sieht in Libzi der Endung wegen einen slawischen Personenplural (-ьcy), also eine Ortsangabe nach Bewohnern („(bei) den Lib-Leuten“). Zur Zeit der deutschen Landnahme schließlich, als der Bestandteil Lib- schon lange nicht mehr verstanden wurde, wäre der Name dann sekundär an die viel häufigeren Ortsnamen mit lipa „Linde“ angeschlossen worden.Karlheinz Hengst: Der Name Leipzig. In: Ernst Eichler u. Hans Walther: Alt-Leipzig und das Leipziger Land. Ein historisch-geographisches Namenbuch zur Frühzeit im Elster-Pleißen-Land im Rahmen der Sprach- und Siedlungsgeschichte. Leipzig 2010, S. 134–140; Hans Walther: Leipzigs Name im Lichte seiner Frühüberlieferung. Ebd., S. 129–133.

Anfänge und Wachstum Wahrscheinlich war das Leipziger Land im frühen 8. Jahrhundert wieder besiedelt, das Gebiet des späteren Stadtkerns erweisen zwei unbefestigte Siedlungen im 9. Jahrhundert als bewohnt.

mini|Ersterwähnung Leipzigs in der Chronik des Thietmar von Merseburg

Am Anfang des 10. Jahrhunderts wurden mehrere ostfränkische Burgen an den Standorten ehemaliger sorbischer Dörfer errichtet, wie auch bei Lipsk, wo sich die Sorben am Bau der Burg Leipzig zu beteiligen hatten, so dass diese wahrscheinlich schon 929 fertiggestellt wurde. Nach Forschungen des Archäologen Herbert Küas war die hochmittelalterliche Leipziger Reichsburg, oder „castrum Lipsk“ (nicht zu verwechseln mit der später errichteten spätmittelalterlichen Pleißenburg) eine streng rechteckige großflächige Anlage am Rand des Stadtkerns.Abbildung der mittelalterlichen Burg Leipzig als Rekonstruktionsversuch von Herbert Küas in: „Das frühe Leipzig“, Sax-Verlag, Beucha 2003, ISBN 3-934544-49-5 Sie hatte eine Grundfläche von ungefähr 150 × 90 Metern, wobei die Mauer etwa eine Stärke von 3,50 m hatte und eine Höhe von 30 m. Im Zentrum der Anlage befand sich ein Wehrturm. Die gesamte Burg war in mehrere Unterburgen und eine Hauptburg unterteilt, welche durch vorgelagerte Bastionen geschützt wurden. Die Lage der Burg ist umstritten. Aufgrund des Flurnamens „Alteburg“ vermuteten sie viele Forscher in der Partheaue, in der Nähe der heutigen Lortzingstraße. Im Gebiet des Matthäikirchhofs ist eine Burg erst 1216 durch die Pegauer Annalen bezeugt. Eine mit einem Graben befestigte Vorburgsiedlung (Suburbium) befand sich zwischen Großer Fleischergasse und Hainstraße. Die älteste Keramik stammt hier aus dem ausgehenden 9. Jahrhundert.

Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Kapellen erbaut, so zum Beispiel die Petruskapelle oder die der irisch-schottischen Mönche nach dem Vorbild des Mutterklosters St. Bonifatius in Erfurt. Es entstand die „urbs Libzi“, wie sie Thietmar von Merseburg im Jahr 1015 in seiner Chronik erstmals nennt. Er gab den Sterbeort des Bischofs von Meißen, Eidos I., mit urbs Libzi an, eine vier Hektar große Siedlung, wie jüngste Grabungen erwiesen. Im 11. Jahrhundert fand eine Erweiterung der Siedlung nach Südosten statt.

mini|hochkant=0.5|Der Leipziger Stadtbrief

Als Gründungsjahr der Stadt wird dennoch das Jahr 1165 angesehen: die überlieferte Urkunde, der sogenannte Stadtbrief, mit der Markgraf Otto der Reiche von Meißen dem Ort an der Kreuzung der Via Regia mit der Via Imperii das Stadtrecht und das Marktprivileg erteilt, trägt indessen kein Datum und wurde wahrscheinlich erst nachträglich angefertigt.

Der erste Nachweis der Münzstätte Leipzig ist mit BrakteatenVgl. Walter Schwinkowski: Münz- und Geldgeschichte der Mark Meißen und der Münzen der weltlichen Herren nach meißnischer Art vor der Groschenprägung – 1. Teil: Abbildungstafeln. Frankfurt (Main), 1931 des Markgrafen Otto des Reichen erbracht worden. Die erste urkundliche Erwähnung einer Leipziger Münze erfolgte um 1220.

An der Spitze der Stadt standen ursprünglich Vögte als Vertreter des Landesherrn. Seit dem 13. Jahrhundert übernahm ein einheimischer Schultheiß (scultetus) die Leitung der Stadt. Ihm standen Beisitzer (consules) zur Seite. Ab 1301 übernahmen Bürgermeister und „Rat“ die Regierung. Der Rat bestand aus 12 bis 15 Mitgliedern, die jährlich wechselten. Seit dem 15. Jahrhundert wurden die Ratsämter auf Lebenszeit vergeben.

Die älteste erhaltene Stadtpfarrkirche, St. Nikolai, wurde ab 1165 erbaut. 1212 kam die Thomaskirche hinzu, gleichzeitig wurde der Thomanerchor gegründet. Im Lauf des 13. Jahrhunderts wurden auch mehrere Klöster gegründet, darunter das Thomaskloster als Chorherrenstift der Augustiner und das Zisterzienserinnenkloster St. Georg.

Das älteste Krankenhaus der Stadt – erstmals erwähnt als Spittal sente Jorgen – wurde 1212 als Teil des Thomasklosters gegründet. Es diente der Aufnahme von Kranken, aber auch von Pilgern und Obdachlosen. 1439 wurde es von der Stadt gekauft. Aus ihm ging das heutige Klinikum St. Georg hervor.

Im Jahre 1409 wurde die „Alma Mater Lipsiensis“, die Universität Leipzig, als eine der ältesten deutschen Universitäten gegründet. An der Prager Karls-Universität waren die Stimmrechte der Universitäts-Nationen verändert worden und es gab Spannungen zwischen traditionellen und hussitisch eingestellten Theologen, weshalb die deutschen Professoren und Studenten nach Leipzig auszogen.

Durch die 1485 unterzeichnete Leipziger Teilung fiel Leipzig zusammen mit den östlichen wettinischen Besitzungen der albertinischen Linie zu.

Leipziger Messe Im Mittelalter liegen auch die Ursprünge der Leipziger Messe. Im Jahre 1190 wurden die Oster- und Michaelismärkte bestätigt, 1268 das Geleitschutzprivileg erlassen. Diese Privilegien legten den Grundstein für den Aufstieg des Leipziger Fernhandels. Durch ein Privileg des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. wurden sie 1497 zur Reichsmesse erhoben. Erweitert wurde das Messeprivileg durch das Stapelrecht. Zudem wurde eine Strafe von 50 Goldmark über jede Stadt verhängt, die gegen die Vormachtstellung des Leipziger Marktes verstieß. Die Bestimmungen des königlichen Privilegs gingen insbesondere zulasten anderer regionaler Handelszentren wie Erfurt, Halle und Magdeburg.

Auch nach 1497 gab es Versuche, die Herausbildung der Dominanz Leipzigs im regionalen und Fernhandel zu hintertreiben. So richteten Frankfurt/Oder, Naumburg, Annaberg und Erfurt weitere oder neue Märkte ein und verstießen damit gegen das Privileg. 1515 wurde deshalb eine Urkunde vom Papst eingeholt, welche nun auch kirchliche Strafen androhte. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Leipzig stetig vom eher lokalen beziehungsweise regionalen Handelsplatz zum internationalen Messestandort. Vor allem im Ost-West-Handel nahm es eine bedeutende Rolle ein.

Frühe Neuzeit mini|Belagerung von Leipzig im Jahr 1547 mini|Belagerung durch Heinrich von Holk während des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1632 mini|Leipzig 1615 mini|Luftansicht in der Mitte des 17. Jahrhunderts (nicht genordet)