Die Pflanzengattung Kranzenziane (Gentianella) gehört zur Familie der Enziangewächse (Gentianaceae). Diese Gattung ist mit etwa 250 Arten weltweit verbreitet, alleine in Südamerika gibt es etwa 170 Arten.

Beschreibung mini|links|Illustration aus Flora Antarctica, Tafel CXV von Gentianella magellanica

Vegetative Merkmale Gentianella-Arten wachsen als ein- bis zweijährige oder seltener ausdauernde krautige Pflanzen.

Die Laubblätter sind kreuzgegenständig oder seltener wirtelig in grundständigen Blattrosetten oder am Stängel verteilt angeordnet. Die Blattspreiten sind einfach.

Generative Merkmale Die Blüten stehen endständig einzeln oder in zymösen Blütenständen zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vier- oder fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier oder fünf Kelchblätter sind verwachsen. Beim Kelch ist keine Verbindungshaut (im Unterschied zu vielen Gentiana-Arten) vorhanden. Die vier oder fünf Kronblätter sind röhrig oder trichterförmig verwachsen. Anders als bei vielen Gentiana-Arten sind keine Faltenlappen (Plicae) zwischen den Kronzipfeln, Anhängsel oder gefranste Schuppen an der Kronblattbasis vorhanden. Es sind Nektarien an der Basis der Kronröhre vorhanden. Es ist nur ein Kreis mit vier oder fünf Staubblättern vorhanden. Die Staubblätter sind an der Kronröhre inseriert und ragen nicht aus der Kronröhre heraus. Falls ein Griffel erkennbar ist, dann ist er nur kurz. Die Narbe ist zweilappig.

Die zweiklappige Kapselfrucht enthalten vielen Samen. Die Samenoberfläche ist glatt bis warzig.

Systematik und Verbreitung mini|Gentianella antarctica auf Campbell Island mini|Kelch-Kranzenzian (Gentianella anisodonta) mini|Blüte von Gentianella auriculata mini|Habitus und Blüten von Gentianella azurea mini|Deutscher Fransenenzian(Gentianella germanica) mini|Habitus und Blütenstand von Gentianella montesinosii im Habitat mini|Böhmischer Enzian(Gentianella praecox) mini|Ausschnitt eines Blütenstands von Gentianalla quinquefolia mini|Habitus und Blütenstand von Gentianella weberbaueri im Habitat

Taxonomie Die Gattung Gentianella wurde 1794 durch Conrad Moench in Methodus Plantas Horti Botanici et Agri Marburgensis : a staminum situ describendi, S. 482 mit der Typusart Gentianella tetrandra aufgestellt. Der Gattungsname Gentianella ist ein Diminutiv und bedeutet einfach direkt übersetzt der „Kleine Enzian“. Typusart ist Gentianella tetrandra . Synonyme für Gentianella nom. cons. sind: Aliopsis , Aloitis , Arctogentia , Chionogentias , Parajaeschkea , Pitygentias , Selatium .

Äußere Systematik und botanische Geschichte Die Gattung Gentianella gehört zur Subtribus Swertiinae aus der Tribus Gentianeae innerhalb der Familie Gentianaceae. Umfang, Anzahl von Gattungen in der Subtribus Swertiinae werden noch fortlaufend diskutiert.

Früher wurden die Kranzenziane (Gentianella) zur Gattung der Enziane (Gentiana) hinzugerechnet, diese beiden Gattungen gehören aber entsprechend molekulargenetischer Daten in unterschiedliche Subtribus. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal ist, dass bei allen in Mitteleuropa heimischen Gentianella-Arten im Schlund der Blütenkrone eine gefranste und mit Leitbündeln versorgte Schuppe pro Kronzipfel vorhanden ist. Es wird dadurch eine Art Kranz gebildet (siehe Name „Kranzenzian“). Bei außereuropäischen Arten können diese Schlundschuppen auch fehlen. Von den Kranzenzianen wurden später noch die Fransenenziane (Gentianopsis) mit am Rand gefransten Kronzipfeln und die Haarschlünde (Comastoma) mit ebenfalls gefransten, aber anatomisch anders gebauten Schlundschuppen abgetrennt. Doch dieses Merkmal der Schuppen im Schlund wird durch molekulargenetischen Daten nicht mehr anerkannt und deshalb enthält eine monophyletische Gattung Gentianella s. l. insgesamt viel mehr Arten auch aus bisher anderen Gattungen.

Verbreitung Diese Gattung ist mit etwa 250 Arten weltweit verbreitet. Die Gentianella-Arten gedeihen in gemäßigten, arktischen und alpinen Gebieten der Nordhalbkugel und auch in großen Höhenlagen in Australien, Neuseeland und Südamerika. Außerdem kommen Arten in den Gemäßigten Gebieten von Neuseeland, Australien, Eurasien, Nordamerika und im nordwestlichen Afrika vor.

Die meisten Gentianella-Arten, mit etwa 170 (Stand 2021), kommen in den Anden Südamerikas vor. Alleine in Peru gibt es 100 Arten, die oft nur in sehr kleinen Arealen vorkommen und oft gefährdet sind.

Ausgewählte Arten und ihre Verbreitung Es gibt je nach Autor 125 bis 250 Arten in der Gattung Kranzenziane (Gentianella): Gentianella acuta : Sie ist in Nordamerika, im östlichen Russland, in der Mongolei, der Inneren Mongolei und in den chinesischen Provinzen Hebei, Heilongjiang, Jilin, Liaoning, Ningxia, Shaanxi, Shandong sowie Shanxi weitverbreitet. Bitterer Fransenenzian (Gentianella amarella ): Er ist Nordamerika und Europa verbreitet. Gentianella angustiflora : Sie kommt in Kaschmir, Nepal und Tibet vor. Kelch-Kranzenzian (Gentianella anisodonta ): Seine Heimat ist Österreich, die Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien und die Türkei. Gentianella anomala : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3400 bis 4200 Metern in den chinesischen Provinzen Sichuan sowie nordwestlichen Yunnan. Gentianella antarctica : Sie kommt in Neuseeland vor. Gentianella arenaria : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3400 bis 5400 Metern im nördlichen Tibet und in den chinesischen Provinzen Gansu sowie Qinghai. Rauer Kranzenzian (Gentianella aspera ) Gentianella aurea : Sie kommt in Grönland und in Eurasien vor. Gentianella auriculata : Sie kommt in Alaska und an den Küsten Sibiriens, auf der Halbinsel Kamtschatka sowie im nördlichen Japan vor. Österreichischer Kranzenzian (Gentianella austriaca ) Gentianella azurea : Sie ist in Kasachstan, Kirgisistan, Bhutan, der Mongolei, Sibirien, Tibet und in den chinesischen Provinzen Gansu, Qinghai, nordwestlichen Sichuan, nordwestlichen Yunnan sowie in Xinjiang verbreitet. Feld-Kranzenzian (Gentianella campestris ) Engadin-Kranzenzian (Gentianella engadinensis ): Er kommt in der Schweiz, in Italien und Bulgarien vor. Gentianella gentianoides : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2700 bis 4200 Metern in den chinesischen Provinzen südliches Sichuan, nordöstliches sowie westliches Yunnan. Deutscher Fransenenzian (Gentianella germanica ) Gentianella heterosepala : Die zwei Unterarten kommen in den westlichen USA und im zentralen Mexiko vor. Karpaten-Kranzenzian (Gentianella lutescens ) Gentianella microcalyx : Sie kommt im US-Bundesstaat Arizona und in den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua, Coahuila, Durango sowie Sonora vor. Gentianella moorcroftiana : Sie ist in Afghanistan, Pakistan, Indien, Kaschmir, Nepal und Tibet verbreitet. Gentianella montesinosii : Sie wurde 2025 aus der peruanischen Region Huánuco erstbeschrieben.James Pringle: Gentianella montesinosii (Gentianaceae, Gentianeae, Swertiinae), a New Species from Peru. In: Novon, A Journal for Botanical Nomenclature, Volume 27, Issue 4, 2019, S. 248–252. doi:10.3417/2019357 Zwergenzian (Gentianella nana , Syn.: Comastoma nanum ): Es ist ein Endemit der Ostalpen und kommt in Österreich, Italien und Kroatien. Haar-Kranzenzian (Gentianella pilosa ): Seine Heimat ist Italien und Slowenien. Böhmischer Enzian (Gentianella praecox , Syn.: Gentianella bohemica ): Er kommt in Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen vor. Gentianella propinqua : Die zwei Unterarten kommen in Nordamerika und nordöstlichen Sibirien vor. Gentianella pygmaea : Sie ist in Tadschikistan, Kirgisistan, Sikkim, Indien, Tibet und in den chinesischen Provinzen Qinghai, Sichuan sowie in Xinjiang verbreitet. Gentianella quinquefolia : Die zwei Unterarten kommen in zentralen bis östlichen Nordamerika in Kanada und in den USA vor. Ästiger Kranzenzian (Gentianella ramosa ): Er kommt in Frankreich, Italien und in der Schweiz vor. Rätisch-Kranzenzian, oder irreführend Deutscher Kranzenzian genannt (Gentianella rhaetica ) Gentianella tayacajensis : Sie wurde 2025 aus der peruanischen Provinz Tayacajace erstbeschrieben.Susy Castillo, Hamilton Beltran, James Pringle: Gentianella tayacajensis (Gentianaceae), a new species from Perú. In: Darwiniana, nueva serie, Volume 13, Juni 2025, S. 145–152. doi:10.14522/darwiniana.2025.131.1266 Zarter Enzian, Zarter Fransenenzian (Gentianella tenella , Syn.: Comastoma tenellum ): Er ist in Europa verbreitet. Gentianella tortuosa : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2000 bis 3400 Metern in den westlichen US-Bundesstaaten Colorado, Nevada sowie Utah. Gentianella turkestanorum : Sie ist in Kasachstan, Tadschikistan, Russland, in der Mongolei und in Xinjiang verbreitet. Sumpf-Kranzenzian (Gentianella uliginosa , Syn.: Gentiana uliginosa , Gentiana amarella subsp. uliginosa , Gentiana amarella subsp. uliginosa , Gentianella amarella subsp. uliginosa ) Gentianella umbellata : Sie kommt vom Kaukasusraum bis Pakistan vor. Gentianella weberbaueri : Sie kommt in Peru vor. Gentianella wislizeni : Sie kommt in den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua sowie Durango vor und es gibt wenige Fundorte in Arizona. Gentianella wrightii : Sie kommt im US-Bundesstaat New Mexico und in den mexikanischen Bundesstaaten Chihuahua, Sinaloa sowie Sonora vor.

Quellen Ting-nung Ho, James S. Pringle: Gentianaceae.: Gentianella, S. 136 ff. - textgleich online wie gedrucktes Werk, Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9. (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik) Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America, North of Mexico, Volume 14: Magnoliophyta: Gentianaceae to Hydroleaceae, Oxford University Press, New York, 2023, ISBN 978-0-19-769146-5. Gentianella, S. 55–60 – textgleich online wie gedrucktes Werk. (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik) Eintrag bei der Gentianaceae-Website. Klaus Bernhard von Hagen, Joachim W. Kadereit: The phylogeny of Gentianella (Gentianaceae) and its colonization of the southern hemisphere as revealed by nuclear and chloroplast DNA sequence variation. In: Organisms Diversity Evol., Volume 1, 2001, S. 61–79. Lena Struwe, Joachim W. Kadereit, Jens Klackenberg, Siwert Nilsson, Mike Thiv, Klaus Bernhard von Hagen, Victor A. Albert: Systematics, character evolution, and biogeography of Gentianaceae, including a new tribal and subtribal classification. S. 21–309. In: Lena Struwe, Victor A. Albert (Herausgeber): Gentianaceae: Systematics and Natural History, Cambridge University Press, Cambridge, 2002. Simon Pfanzelt, Jan Ptáček, Petr Sklenář, K. Bernhard von Hagen, Dirk Albach: Genome Size in South American Gentianella (Gentianaceae, Swertiinae), with a Special Emphasis on Species from the Bolivian and Ecuadorian Andes. In: Annals of the Missouri Botanical Garden, Volume 106, März 2021, S. 31–46. doi:10.3417/2020610

Einzelnachweise Ting-nung Ho, James S. Pringle: Gentianaceae. Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9. Gentianella, S. 136 ff. - textgleich online wie gedrucktes Werk. Karol Marhold, 2011+: Gentianaceae. Datenblatt Gentianella In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. James Pringle: Four New Species of Gentianella (Gentianaceae, Gentianeae, Swertiinae) from Peru, with a Review of the Taxonomy of the Genus. In: Novon: A Journal for Botanical Nomenclature, Volume 25, 2017, S. 451–466. doi:10.3417/2016001 Simon Pfanzelt, Jan Ptáček, Petr Sklenář, K. Bernhard von Hagen, Dirk Albach: Genome Size in South American Gentianella (Gentianaceae, Swertiinae), with a Special Emphasis on Species from the Bolivian and Ecuadorian Andes. In: Annals of the Missouri Botanical Garden, Volume 106, März 2021, S. 31–46. doi:10.3417/2020610