Der Landtag des Saarlandes ist das saarländische Landesparlament mit Sitz in der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Geschichte Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet aus dem Deutschen Reich herausgelöst. Zwischen 1920 und 1935 bestand der Landesrat als Volksvertretung und damit als Vorgänger des Landtags des Saarlandes. Während der Zeit des Nationalsozialismus bestand keine saarländische Volksvertretung. Nach der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg wurde das Saarland französisches Protektorat. Am 23. Mai 1947 wurde eine aus 20 Personen bestehende Verfassungskommission eingesetzt. Diese Kommission stand in der Tradition der Ernannten Landtage der anderen deutschen Länder. Am 5. Oktober 1947 wurde eine Verfassunggebende Versammlung gewählt. Diese trat nach der Annahme der Verfassung des Saarlandes in die Rolle des ersten Landtags ein.

Der Landtag des Saarlandes tagt im 1865/1866 für die Saarbrücker Casino-Gesellschaft erbauten Gebäude in der heutigen Franz-Josef-Röder-Straße. Das Gebäude wurde durch den Architekten Julius Carl Raschdorff errichtet, der unter anderem auch den Berliner Dom erbaute.Albert Ruppersberg: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, Geschichte der Städte Saarbrücken und St. Johann 1815–1909, der Stadt Malstatt-Burbach und der vereinigten Stadt Saarbrücken bis zum Jahre 1914, Band III, Teilband 2, 2. Auflage von 1914, Saarbrücken 1914, S. 99.

Sitzverteilung im Landtag seit 1947 Wahltag SitzeSitze nach Parteien Liste der MitgliederSPDCDUAfDDIE LINKEPIRATENGRÜNEFDP/DPSCVP/SVPDDUSPSKPS 5. Oktober 1947 50 — — — — — — 3 28 — 17 2 1. Landtag 30. November 1952 50 — — — — — — — 29 — 17 4 2. Landtag 18. Dezember 1955 50 7 14 — — — — 12 13 — 2 2 3. Landtag 4. Dezember 1960 50 16 19 — — — — 7 6 2 — — 4. Landtag 27. Juni 1965 50 21 23 — — — — 4 2 — — — 5. Landtag 14. Juni 1970 50 23 27 — — — — — — — — — 6. Landtag 4. Mai 1975 50 22 25 — — — — 3 — — — — 7. Landtag 27. April 1980 51 24 23 — — — — 4 — — — — 8. Landtag 10. März 1985 51 26 20 — — — — 5 — — — — 9. Landtag 28. Januar 1990 51 30 18 — — — — 3 — — — — 10. Landtag 16. Oktober 1994 51 27 21 — — — 3 — — — — — 11. Landtag 5. September 1999 51 25 26 — — — — — — — — — 12. Landtag 5. September 2004 51 18 27 — – — 3 3 — — — — 13. Landtag 30. August 2009 51 13 19 — 11 — 3 5 — — — — 14. Landtag 25. März 2012 51 18 19 — 8 4 2 — — — — — 15. Landtag 26. März 2017 51 17 24 3 7 — — — — — — — 16. Landtag 27. März 2022 51 29 19 3 — — — — — — — — 17. Landtag

Wahlergebnisse

+Landtagswahlen im Saarland seit 1947 SPD CDU AfD GRÜNE FDP/DPSBis 1957 DPS (1951 bis 1955 verboten), danach Teil der FDP DIE LINKEBis 2007 als Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) FAMILIE PIRATEN NPD CVP1959 (Teil-)Fusion mit CDU Saar; Ergebnisse ab 1960 Saarländische Volkspartei (SVP) bzw. SVP/CVP DDU KP SPS1956 Fusion mit der DSP zur SPD Saarland Sonstige1947 — — — — 7,6 % — — — — 51,2 % — 8,4 % 32,8 % —1952 — — — — — — — — — 54,7 % — 9,5 % 32,4 % 3,4 %1955 14,3 %Deutsche Sozialdemokratische Partei (DSP) 25,4 % — — 24,2 % — — — — 21,8 % 0,9 % 6,8 % 5,8 % 0,8 %1960 30,0 % 36,6 % — — 13,6 % — — — — 11,4 % 5,0 % — — 3,4 %1965 40,7 % 42,7 % — — 8,3 % — — — — 5,2 % 3,1 % — — —1970 40,8 % 47,8 % — — 4,4 % — — — 3,4 % 0,9 % — — — 2,7 %1975 41,8 % 49,1 % — — 7,4 % — — — 0,7 % — — — — 1,0 %1980 45,4 % 44,0 % — 2,9 % 6,9 % — — — — — — — — 0,8 %1985 49,2 % 37,3 % — 2,5 % 10,0 % — — — 0,7 % — — — — 0,3 %1990 54,4 % 33,4 % — 2,6 % 5,6 % — 0,2 % — 0,2 % — — — — 3,4 %1994 49,4 % 38,6 % — 5,5 % 2,1 % — 0,5 % — — — — — — 3,9 %1999 44,4 % 45,5 % — 3,2 % 2,6 % 0,8 % 1,0 % — — — — — — 2,5 %2004 30,8 % 47,5 % — 5,6 % 5,2 % 2,3 % 3,0 % — 4,0 % — — — — 1,6 %2009 24,5 % 34,5 % — 5,9 % 9,2 % 21,3 % 2,0 % — 1,5 % — — — — 1,1 %2012 30,6 % 35,2 % — 5,0 % 1,2 % 16,1 % 1,7 % 7,4 % 1,2 % — — — — 1,5 %2017 29,6 % 40,7 % 6,2 % 4,0 % 3,3 % 12,8 % 0,8 % 0,7 % 0,7 % — — — — 1,2 %2022 43,5 % 28,5 % 5,7 % 4,995 % 4,8 % 2,6 % 0,8 % 0,3 % — — — — — 8,8 % Regierungsparteien = fett; nicht im Landtag vertretene Parteien = kursiv

Fußnoten

Seit Niedersachsen 2026 die Berechnungsmethode auf Sainte-Laguë/Schepers umgestellt hat, ist das Saarland das letzte Bundesland, in dem die Landtagssitze nach dem D’Hondt-Verfahren vergeben werden.

Präsidenten des Landtags +Präsidenten des Landtags des SaarlandesPräsidentFraktionAmtszeitAnmerkungJohannes HoffmannCVP1947Präsident der Gesetzgebenden Versammlung des SaarlandesPeter ZimmerSPS1947–1956Heinrich SchneiderDPS1956Wilhelm KratzCDU1957–1959Julius von LautzCDU1959Alfons DawoCDU1959–1961Josef SchmittCDU1961–1966Hans MaurerCDU1966–1974im Amt verstorbenFranz SchneiderCDU1974–1975Ludwig SchnurCDU1975–1980Albrecht HeroldSPD1980–1994Hans KasperSPD1994–1999Hans LeyCDU1999–2015im Amt verstorbenKlaus MeiserCDU2015–2018am 12. Februar 2018 zurückgetretenStephan ToscaniCDU2018–2022Heike WinzentSPDseit 2022

Ausschüsse In der 16. Wahlperiode wurden folgende Ausschüsse und Unterausschüsse gebildet: Ausschuss für Bildung, Kultur und Medien Ausschuss für Eingaben Unterausschuss für Datenschutz und Informationsfreiheit Ausschuss für Europa und Fragen des Interregionalen Parlamentarierrates Ausschuss für Finanzen und Haushaltsfragen Unterausschuss zur Prüfung der Haushaltsrechnung Ausschuss für Fragen des Verfassungsschutzes Ausschuss für Grubensicherheit und Nachbergbau Ausschuss für Inneres und Sport Unterausschuss für Bauen Ausschuss für Justiz, Verfassungs- und Rechtsfragen sowie Wahlprüfung Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Technologie

Bezahlung Die Mitglieder des Landtages erhalten eine monatliche Abgeordnetenentschädigung in Höhe von derzeit (November 2021) 6.238 Euro. Im Februar 2013 stellte der Rechnungshof des Saarlandes fest, dass „mehr als 70 Prozent“ der Abgeordneten verfassungswidrige Zulagen erhielten, für die keine gesetzliche Grundlage existiert.Saarbrücker Zeitung: Rechnungshof rügt Ausgaben im Saar-Landtag, Sa./So. 23./24. Februar 2013, S. 1 Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler stehen die saarländischen Abgeordneten mit 3,13 Euro pro Einwohner auf Rang 14 aller deutschen Parlamente. Nur die Abgeordneten der Bundesländer Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen erhalten ein höheres Abgeordnetengehalt bzw. -entschädigung durch die Bürger.Saarbrücker Zeitung, Nr. 97, 26. April 2013, S. A2

Baugeschichte des Landtagsgebäudes Saarbrücker Casino-Gesellschaft mini|Saarbrücker Casino-Gesellschafts-Haus, Eintrittskarte zur großen Fasnachts-Redoute der Saarbrücker Fasnachtsvereinigung „Momus“ am 26. Februar 1848 im alten Casino-Saal in der Wilhelm-Heinrich-Straße (Stadtarchiv Saarbrücken) Der heutige Landtag des Saarlandes war ursprünglich das Gesellschaftshaus der Alt-Saarbrücker und St. Johanner Casino-Gesellschaft. Die Casino-Gesellschaft geht auf einen in den Jahren zwischen 1770 und 1780 entstandenen Abendgesellschaftsverein der Saarbrücker Beamten- und Kaufmannschaft zurück. Bereits im Jahr 1796 hatten 19 ihrer Mitglieder eine Geselligkeitsvereinigung gegründet. Zunächst bezog der Verein ein erstes „Casino“ in der Wilhelmstraße, übersiedelte dann in die Altneugasse und fand etwa ab 1817 ein Veranstaltungshaus in der heutigen Wilhelm-Heinrich-Straße. Bau des Casino-Gebäudes durch Raschdorff mini|Casino in Saarbrücken, Fassade an der Herrengarten-Allee, Zeitschrift für Bauwesen 1869 mini|Casino in Saarbrücken, Nordwestfront und Grundrisse, Zeitschrift für Bauwesen 1869 mini|Casino in Saarbrücken, Südostfront und Längendurchschnitt, Zeitschrift für Bauwesen 1869 Nachdem die Gesellschaft in den 1850er Jahren zahlenmäßig angewachsen war, beschloss man am 7. Mai 1864, an der Herrengartenallee über dem Saarufer einen Neubau zu errichten. Die „Herrengärthen“ waren die Fläche der von Hofgärtner Köllner im 18. Jahrhundert angelegten Gärten hinter dem Saarbrücker Schloss. In einem zum Bau eines neuen Gesellschaftshauses ausgeschriebenen Architektenwettbewerb erhielt Julius Carl Raschdorff, damals Stadtbaumeister von Köln, den ersten Preis. Die Grundfläche des Gebäudes sollte 4.300 bis 4.500 Quadratfuß (425 bis 450 Quadratmeter) nicht übersteigen, ebenso sollten die Baukosten nicht mehr als 6½ Reichstaler pro Quadratfuß betragen. Im Erdgeschoss waren an Räumen verlangt: Ein größeres und ein kleineres Gesellschaftszimmer. Dabei sollte das größere Gesellschaftszimmer einen Ausgang auf die Gartenterrasse haben. Ein Billard- und ein Spielzimmer Ein Lese- und ein Bücherzimmer Eine Portierloge Ein Buffetraum mit Speiseaufzug Eine Herrengarderobe Ein Zimmer für den Ökonomen

Das obere Stockwerk sollte folgende Räume umfassen: Einen Tanzsaal mit Musikergalerie von ca. 2.000 Quadratfuß (200 Quadratmeter; heute der Plenarsaal des saarländischen Landtages) Einen Damensalon mit Toilettenzimmer und Zubehör Einen Speisesaal oder auch zwei Speisesäle mit Buffetzimmer und Speiseaufzug in der Nähe des Tanzsaales.

Für das ganze Gebäude war ein Untergeschoss verlangt. Dort sollten Küche und Hauswirtschaftsräume sowie der Weinkeller eingerichtet werden. Auch sollten hier oder in einem Obergeschoss die Dienstwohnung für den Ökonomen sowie mehrere Stuben für das Gesinde eingerichtet werden.August Krohn: Saarbrücker Kasino-Chronik 1796–1896. Saarbrücken 1896. Die Bauausführung leitete Baumeister Julius Emmerich aus Trier. Das Gebäude wurde von Februar 1865 bis zum 1. Oktober 1866 errichtet und kostete zusammen mit einer Kegelbahn und der umfangreichen Möblierung 66.000 Reichstaler. Zunächst erfolgte im Oktober 1866 der Bezug der unteren Räume, im Dezember waren auch die oberen Räume fertiggestellt.

Durch die städtebaulichen Veränderungen – insbesondere durch den Straßenbau nach dem Zweiten Weltkrieg und den Bau der Stadtautobahn im Jahr 1963 – nimmt man heute das Gebäude aus wesentlich veränderter Perspektive wahr. Raschdorffs Entwurf eines „40 Fuß“ tiefen Zugangs durch einen gestalteten Vorgarten mit großzügiger Freitreppe und zentralem Springbrunnen sowie seitlichen Pergolen (Raschdorff nennt sie „Veranden“) wurde nicht vollständig ausgeführt, ist aber für die Vermittlung der Grundidee des Gebäudes aufschlussreich. Die Terrassenanlage, so Raschdorff, „… erhebt sich 3 Fuß über das Straßenniveau, ist von der Herrengartenallee vermittelst einer Freitreppe erreichbar; enthält in der Mittelaxe eine kleine, durch ein Blumenbosquet eingeschlossene Fontaine, rechts und links Veranden. Der Raum, ohne Pflanzungen, nur mit einigen Orangen- und Lorbeerbäumen besetzt, ist möglichst frei gehalten für Sitzplätze und den Aufenthalt im Freien.“Julius Carl Raschdorff: Casinogebäude in Saarbrücken, in: Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 19, 1869, S. 195.Julius Carl Raschdorff: Aufzeichnungen aus dem Leben und Schaffen des Architekten Professor J. C. Raschdorff, Königl. Geheimer Regierungsrat, Dombaumeister zu Berlin, Berlin 1903. Raschdorffs Vorstellung von einem Einzelgebäude in mediterran-arkadischer Landschaft lehnt sich an ländliche Villenbauten der italienischen Renaissance an, wie sie etwa Andrea Palladio im 16. Jahrhundert z. B. bei der Villa Emo in Vedelago geschaffen hatte. Für die Lage einer von Pergolen gesäumten Villa am Wasser könnte Carl Friedrich Schinkels in den Jahren 1824/1825 errichtetes Casinogebäude im Park Klein-Glienicke Inspirationsquelle gewesen sein. Die ursprüngliche Ansicht des Saarbrücker Casino-Gebäudes, das bald Teil eines herrschaftlichen Villenviertels am linken Saarufer wurde, erschließt sich am ehesten noch vom Beginn der Alten Brücke in St. Johann oder von der gegenüberliegenden Saarseite, wobei das mittlerweile erhöhte Straßenniveau der heutigen Franz-Josef-Röder-Straße den ursprünglichen Eindruck stark schmälert. Auch fehlen die zwischen Saarufer und Casino vermittelnden Alleebäume und die Gartenanlagen.