mini|Ehemaliges Logo (2008) mini|Plenarsaal vor der Sanierung mini|Plenarsaal nach der Sanierung

Der Landtag von Baden-Württemberg ist das Landesparlament des Landes Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart.

Geschichte Der Landtag von Baden-Württemberg steht in der Tradition demokratischer Vorläufer. Zu Zeiten der Weimarer Republik waren dies der Landtag der Republik Baden und der Landtag des freien Volksstaates Württemberg. Zudem gab es die Hohenzollernsche Lande, die der preußischen Rheinprovinz angehörten und einen Kommunallandtag wählten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Trennung in zwei Besatzungszonen gemäß Zonenprotokoll wurden zunächst drei Länder auf dem Territorium des späteren Landes Baden-Württemberg errichtet.

In der nördlichen US-Besatzungszone wurde die bisher badischen oder württembergischen Gebiete zu einem Land zusammengefasst. Die Verfassunggebende Landesversammlung und der Landtag von Württemberg-Baden tagten von 1946 bis 1952 in Stuttgart. Präsidenten des Landtags von Württemberg-Baden waren 1946 Wilhelm Simpfendörfer und von 1947 bis 1952 Wilhelm Keil. Als Tagungsort diente seit 1947 das 1889 errichtete Eduard-Pfeiffer-Haus der Stiftung Arbeiterheim in der Heusteigstraße 45 in Stuttgart. Im selben Gebäude tagte auch der Landtag von Baden-Württemberg noch bis 1961.

In der französischen Besatzungszone im Süden, bislang mit Hohenzollern dreigeteilt, wurden zwei Länder etabliert und eine Zusammenarbeit mit den Norden weitgehend unterbunden. Die Beratende Landesversammlung und der Landtag von Baden tagten von 1946 bis 1952 im Historischen Kaufhaus von Freiburg im Breisgau. Der Landtag des Landes Württemberg-Hohenzollern trat 1946 zunächst als Beratende Landesversammlung im Kloster Bebenhausen bei Tübingen zusammen.

Eine gemeinsame Wahl zur Verfassunggebenden Landesversammlung fand am 9. März 1952 statt, der neu zu schaffende „Südweststaat“ hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Namen. Das Land Baden-Württemberg wurde am 25. April 1952 gegründet, die Versammlung wurde zum ersten Landtag von Baden-Württemberg.

Gebäude mini|Landtagsgebäude bei Nacht mini|Neuer Eingangsbereich (2017)

Die Gebäude des Landtags von Baden-Württemberg sind das im oberen Schlossgarten gelegene quadratische Haus des Landtags von 1961 und das jenseits der Konrad-Adenauer-Straße liegende 1987 eingeweihte Haus der Abgeordneten. Die beiden Gebäude sind durch einen Fußgänger-Tunnel miteinander verbunden. Errichtet wurde das Landtagsgebäude von Erwin Heinle, Architekt und Hochschulprofessor in Stuttgart, und Horst Linde, dem Leiter der damaligen Bauverwaltung. Diese arbeiteten nach einem Entwurf des Mainzer Architekten Kurt Viertel. Der ursprüngliche Siegerentwurf der Architekten Peter C. von Seidlein und Ulrich Schmidt von Altenstadt wurde 1964 in Tübingen als Universitätsgebäude verwirklicht.Ulrike Pfeil, Alle Labore auf den Berg, Schwäbisches Tagblatt, 3. Juli 2008, Seite 21. Das Innere beider Gebäude wird auch durch Kunstwerke namhafter Künstler geprägt.

Das Gebäude wurde von Herbst 2013 bis zum Frühjahr 2016 von Staab Architekten aus Berlin für 52,1 Millionen Euro umgebaut und saniert.Amber Sayah: Umbau des Landtags in Stuttgart: Der Muff der Jahrzehnte ist raus, in: Stuttgarter Zeitung, 6. Mai 2016 Ziele waren energetische und technische Verbesserungen sowie eine Umgestaltung des Daches des Plenarsaales, den bisher kein Tageslicht erreichte. Volker Staab erhielt für die Generalsanierung den Hugo-Häring-Preis 2018.Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 157 vom 10. Juli 2018, S. 14 Während des Umbaus des Landtagsgebäudes tagte der Landtag vom 25. September 2013 bis zum Frühjahr 2016 im Kunstgebäude.Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 6. Juni 2013Badische Zeitung, 13. Januar 2015, Andreas Böhme: Mit Landtagspräsident Guido Wolf auf der Baustelle des Stuttgarter Landtags Am 11. Mai 2016 fand die konstituierende Sitzung des 16. Landtags von Baden-Württemberg im umgebauten „Haus des Landtags“ statt.

Sitzverteilung in der 18. Wahlperiode Die Wahlperiode des am 8. März 2026 gewählten 18. Landtags dauert vom 1. Mai 2026 bis voraussichtlich zum 30. April 2031. Die konstituierende erste Plenarsitzung fand am 12. Mai 2026 statt.

Fraktion Sitze Direktmandate ZweitmandateGrüne 56 13 43CDU 56 56 0AfD 35 1 34SPD 10 0 10 Gesamt 157 70 87

Landtagspräsidenten

Amtszeit Präsident Partei 1952–1960 Carl Neinhaus CDU 1960–1968 Franz Gurk CDU 1968–1976 Camill Wurz CDU 1976–1980 Erich Ganzenmüller CDU 1980–1982 Lothar Gaa CDU 1982–1992 Erich Schneider CDU 1992–1996 Fritz Hopmeier CDU 1996–2011 Peter Straub CDU 2011 Willi Stächele CDU 2011–2015 Guido Wolf CDU 2015–2016 Wilfried Klenk CDU 2016–2026 Muhterem Aras Grüne seit 2026 Thomas Strobl CDU

In der 18. Wahlperiode gibt es eine stellvertretende Präsidentin, nachdem das Parlament in der 17. Wahlperiode zwei stellvertretende Präsidenten hatte.Nur noch ein Landtagsvizepräsident in Baden-Württemberg – AfD-Protest

Landtagsdirektoren

Amtszeit Direktor 1952–1960 Willy Körner 1961–1963 Friedrich Seethaler (mdWdGb) 1963–1988 Anton Böhringer 1988–1991 Thomas Rösslein 1991–2001 Winfried Grupp 2001–2005 Eberhard Leibing 2005–2011 Ulrich Lochmann 2011–2016 Hubert Wicker 2016–2021 Berthold Frieß seit 2021 Christine Werner

Landtagsfraktionen Die Reihenfolge der nachfolgenden Nennung der Fraktionen richtet sich nach deren erstmaligem Auftreten in der Abfolge der Legislaturperioden seit 1952. Bei gleichzeitigem erstmaligen Erscheinen von Fraktionen innerhalb einer Legislaturperiode richtet sich die Reihenfolge nach deren Fraktionsstärke.

Fraktionsvorsitzende der CDU Die CDU war in allen Landtagen als Fraktion vertreten.

Dauer Vorsitzender 1952–1953 Franz Gurk 1953–1953 Gebhard Müller 1953–1960 Franz Hermann 1960–1968 Camill Wurz 1968–1972 Erich Ganzenmüller 1972–1978 Lothar Späth 1978–1991 Erwin Teufel 1991–2005 Günther Oettinger 2005–2010 Stefan Mappus 2010–2015 Peter HaukGönner verliert Machtkampf um Fraktionsvorsitz, focus.de, aufgerufen am 29. März 2011. 2015–2016 Guido Wolf 2016–2021 Wolfgang Reinhart 2021–2026 Manuel Hagel seit 2026 Tobias Vogt

Fraktionsvorsitzende der SPD Die SPD war in allen Landtagen als Fraktion vertreten.

Dauer Vorsitzender 1952–1961 Alex Möller 1961–1964 Walter Krause und Hermann Veit 1964–1966 Walter Krause 1966–1968 Walter Hirrlinger 1968–1972 Heinz Bühringer 1972–1973 Walter Krause 1973–1976 Rudolf Schieler 1976–1980 Erhard Eppler 1980–1988 Ulrich Lang 1988–1992 Dieter Spöri 1992–2001 Ulrich Maurer 2001–2006 Wolfgang Drexler 2006–2008 Ute Vogt 2008–2016 Claus Schmiedel 2016–2026 Andreas Stoch seit 2026 Sascha Binder

Fraktionsvorsitzende der FDP/DVP Die FDP/DVP war bis 2026 in allen Landtagen als Fraktion vertreten.

Dauer Vorsitzender 1952–1953 Wolfgang Haußmann 1953–1956 Otto Gönnenwein 1956–1960 Eduard Leuze 1960–1964 Walter Nischwitz 1964–1968 Friedrich Stock 1968–1969 Eduard Leuze 1969–1976 Johann Peter Brandenburg 1976–1984 Jürgen Morlok 1985–1988 Hinrich Enderlein 1988–1996 Walter Döring 1996–2004 Ernst Pfister 2004–2009 Ulrich Noll 2009–2026 Hans-Ulrich Rülke

Fraktionsvorsitzende des GB/BHE Der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) war im ersten Landtag (1952–1956) als Fraktion vertreten. Der GB/BHE war im zweiten und dritten Landtag (1956–1964) vertreten.

Dauer Vorsitzender 1952–1954 Karl Mocker 1954–1956 Karl Bartunek 1956–1960 Karl Mocker 1960–1960 Josef Schwarz 1960–1964 Karl Bartunek

Fraktionsvorsitzende der NPD Die NPD war im fünften Landtag (1968–1972) als Fraktion vertreten.

Dauer Vorsitzender 1968–1969 Wilhelm Gutmann 1969–1972 Werner Kuhnt

Fraktionsvorsitzende der Grünen Bündnis 90/Die Grünen (bzw. vor 1993 Die Grünen) sind seit 1980 ununterbrochen im Landtag vertreten.

Dauer Vorsitzender 1980–1983 Wolf-Dieter Hasenclever 1983–1984 Winfried Kretschmann 1984–1988 Fritz Kuhn 1988–1990 Birgitt Bender 1990–1992 Rezzo Schlauch 1992–2000 Fritz Kuhn 2000–2002 Dieter Salomon 2002–2011 Winfried Kretschmann 2011–2016 Edith Sitzmann seit 2016 Andreas Schwarz

Im achten Landtag (1980–1984) hatten die Grünen keinen Fraktionsstatus und firmierten als Landtagsgruppe.

Fraktionsvorsitzender der Republikaner Die Republikaner (REP) waren im elften und zwölften Landtag vertreten. Einziger Fraktionsvorsitzender von 1992 bis 2001 war Rolf Schlierer.

Fraktionsvorsitzende der AfD Die Alternative für Deutschland ist seit 2016 im Landtag vertreten, Fraktionsvorsitzender war zunächst Jörg Meuthen. Nach der Spaltung der Landtagsfraktion im Juli 2016 übernahm Heiner Merz den Fraktionsvorsitz. Fraktionsvorsitzender der abgespaltenen Fraktion Alternative für Baden-Württemberg (ABW) sowie der ab 11. Oktober 2016 wiedervereinigten Fraktion war Meuthen bis zu seinem Wechsel ins Europaparlament.

Dauer Vorsitzender 5/2016 – 7/2016 Jörg Meuthen 7/2016 – 10/2016 AfD: Heiner Merz ABW: Jörg Meuthen 10/2016 – 11/2017 Jörg Meuthen 12/2017 – 12/2022 Bernd Gögel 01/2023 – 04/2026 Anton Baron seit 05/2026 Martin Rothweiler

Wahlverfahren Landtagswahlrecht bis zur Landtagswahl 2021 mini|Landtagswahlkreise 2011

Das Wahlverfahren zum baden-württembergischen Landtag unterschied sich vom Wahlverfahren der meisten Bundesländer bis einschließlich zur Landtagswahl 2021 dadurch, dass keine Landes- oder Bezirkslisten aufgestellt wurden und dass jeder Wähler nur eine Stimme hatte.

Der Landtag mit nominell 120 Abgeordneten wird alle fünf Jahre gewählt. Wer die meisten Stimmen in einem der 70 Wahlkreise erreicht, erhält das Erstmandat für diesen Wahlkreis und zieht in den Landtag ein.

Die 120 Sitze werden landesweit im Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren auf alle Parteien verteilt, die mindestens 5 % der gültigen Stimmen erreicht haben. Danach wurden die Sitze jeder Partei – wieder nach Sainte-Laguë/Schepers – auf die vier Regierungsbezirke verteilt. Bis zur Landtagswahl 2006 wurde für beide zuvor genannten Berechnungsschritte das Sitzzuteilungsverfahren nach D’Hondt angewendet.

Standen einer Partei in einem Regierungsbezirk mehr Sitze zu, als sie hier Erstmandate erreicht hat, wurden die weiteren Sitze der Partei innerhalb des Regierungsbezirks an unterlegene Wahlkreisbewerber zugeteilt. Diese Mandate werden Zweitmandate genannt. Wenn eine Partei in einem Regierungsbezirk mehr Erstmandate erlangte, als ihr hier zustanden, behielt sie diese zusätzlichen Sitze als Überhangmandate, die Zahl der Sitze im Regierungsbezirk wurde so erhöht, dass die Sitzverteilung dem Verhältnis der erreichten Stimmenzahlen wieder entsprach (Ausgleichssitze für die anderen Parteien). (PDF; 41 kB).

Durch den Ausgleich der Überhangmandate gab es in den 1990er Jahren Landtage mit 140–155 Abgeordneten. In der 13. Wahlperiode hatte der Landtag 128 Abgeordnete, in der 14. Wahlperiode 139, in der 15. Wahlperiode 138, in der 16. Wahlperiode 143 und in der 17. Wahlperiode sind es 154.

Das baden-württembergische Wahlverfahren wurde immer wieder als besonders kompliziert kritisiert. Zudem gab es bis zur Landtagswahl 2006 systemische Verzerrungen, weil die Zweitmandate für unterlegene Wahlkreisbewerber in der Reihenfolge der absoluten Stimmenzahlen zugeteilt wurden. Damit gab es insbesondere in Regionen mit starkem Bevölkerungswachstum Wahlkreise, in denen jede der kleineren Parteien Abgeordnete stellte, weil der Wahlkreis insgesamt sehr groß ist und vom Mittel deutlich nach oben abweicht. In anderen Wahlkreisen war es hingegen jenseits des Direktmandats fast unmöglich, gewählt zu werden. Bei der Wahl 2006 hatte der kleinste Wahlkreis Heilbronn 81.073 Wahlberechtigte und stellte einen Abgeordneten, der größte Wahlkreis Tübingen mit 136.406 Wahlberechtigten konnte drei Abgeordnete in den Landtag entsenden. Regierungsbezirke, in denen Überhang- und Ausgleichsmandate vergeben werden, waren im Landtag überproportional vertreten.

Für die Landtagswahl 2011 wurde die Regelung zur Vergabe der Zweitmandate geändert. Seither war nicht mehr die absolute Stimmenzahl, sondern der Stimmenanteil in den Wahlkreisen maßgeblich.