Die Stadt Sassnitz (bis zum 2. Februar 1993 Saßnitz) ist ein staatlich anerkannter Erholungsort an der Ostsee. Sie liegt auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel Rügen und gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland).
Über viele Jahrhunderte war es vor allem ein kleiner Fischerort, um 1890 kamen ein größerer Hafen und der Eisenbahnanschluss hinzu. Die als Königslinie () bezeichnete frühere Eisenbahnfährverbindung zwischen Sassnitz und Trelleborg war die kürzeste direkte Fährverbindung zwischen Deutschland und Schweden. Sassnitz wurde zum gefragten Fährort und Seebad. Der Ort erhielt erst 1957 Stadtrecht und ist damit die zweitjüngste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern sowie nach dem Hauptort Bergen auf Rügen die zweitgrößte auf Rügen.
Sassnitz erhielt 2012 den UNESCO-Weltnaturerbe-Titel für die reichhaltigen Buchenurwälder im Nationalpark Jasmund. Nordöstlich an die Kernstadt angrenzend beginnt die Kreideküste. Zudem ist Sassnitz für seine Bäderarchitektur im Kurviertel sowie für den Fährhafen Sassnitz im südlichen Ortsteil Mukran bekannt.
Geographie Lage mini|hochkant=1.5|Sassnitz (2011) mini|links|Kreidefelsen nahe Sassnitz mini|Fischerboote im Stadthafen mini|Der Katamaran Skane Jet bediente Herbst 2020 bis Herbst 2024 die Strecke Sassnitz-Ystad. Das Stadtgebiet von Sassnitz erstreckt sich im Nordosten der Insel Rügen, im östlichen Teil der Halbinsel Jasmund bis zur Schmalen Heide im Süden. Große Teile des Stadtgebiets bedecken verschiedene Waldformen mit ihren typischen Lebensräumen. Eine Besonderheit ist der Wald an den Küstenhängen. Hier gibt es seltene Gehölze wie Wildbirne, Wildapfel und Eiben. Die Stadt liegt am Küstenhang am Südende der Stubnitz, einem siebeneinhalb Kilometer langen und bis zu vier Kilometer breiten Buchenwald. Die verbleibenden Flächen sind Moore, Strand, Wiesen, Weiden sowie Siedlungsbereiche. Im Süden des Stadtgebietes bei Mukran befinden sich die Wostevitzer Teiche, eine unter Naturschutz stehende sumpfige Senke. Durch das bebaute Stadtgebiet fließt der Steinbach.
Für ihre Region bildet die Stadt Sassnitz ein Grundzentrum, mit Teilfunktionen eines Mittelzentrums (u. a. durch den Fährhafen mit internationalen Verbindungen). – zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren; abgerufen am 12. Juli 2015.
Stadtgliederung Die Stadt Sassnitz besteht aus folgenden Ortsteilen:Hauptsatzung der Stadt Sassnitz, § 1 (PDF)
Ortslagen Dwasieden Krampas Lancken Lenz Wedding
Geschichte mini|Großsteingrab in der Stubnitz nördlich von Sassnitz mini|Hotels an der Strandpromenade mit Seebrücke mini|Alter Fährhafen mit Stadtsilhouette mini|Altstadt, im Hintergrund der Nationalpark Jasmund mini|HMS Otus im Sassnitzer Hafen Frühgeschichte und Mittelalter Der Name Sassnitz geht vermutlich auf ein slawisches Wort zurück, das Kiefer bedeutetHanswilhelm Haefs: Ortsnamen und Ortsgeschichten auf Rügen. München 2003, S. 84. (heute , und ). Die Gegend um Sassnitz ist eine alte Ansiedlung seit dem Neolithikum und der Bronzezeit. Zahlreiche Großstein- und Hügelgräber belegen dies. Die nördlich der Stadt gelegenen Burgwälle am „Hengst“ und der Buddenhagener „Schloßberg“ verweisen wie viele andere archäologische Funde auf die Besiedlung in der Slawenzeit.
19. Jahrhundert Erst 1906 wurden das Bauern- und Fischerdörfchen Crampas und das Fischerdorf Saßnitz zur Gemeinde Saßnitz zusammengeführt. Die Fischerei war (und ist) bedeutsam. Der Wunsch vieler städtischer Bürger nach Erholung an der See führte Ende des 19. Jahrhunderts zu einer raschen und starken Belebung an den Küsten der Ost- und Nordsee, so auch auf Rügen. Schon 1824 reiste die Familie des Berliner Theologen Friedrich Schleiermacher zu einem Badeaufenthalt nach Saßnitz.
Theodor Fontane benannte in seinem Buch Effi Briest den Liebhaber Major von Crampas nach dem Fischerdorf auf Rügen, schrieb über den Herthasee mit seinen wendischen Opfersteinen und ließ im Buch den Ausspruch tätigen: „Nach Rügen reisen heißt nach Saßnitz reisen.“Theodor Fontane: Effi Briest. Anhang zur Entstehung. dtv, 1995, ISBN 3-423-02366-X, S. 355 zu S. 104 und S. 280. Johannes Brahms und Kaiser Wilhelm waren weitere illustre Besucher.
1871 wurde die Straße nach Saßnitz ausgebaut, 1891 wurde der Ort von Bergen aus an das Eisenbahnnetz angeschlossen, ab 1878 gab es eine Schiffsverbindung nach Stettin, von 1887 bis 1896 modernisierte Adolph von Hansemann die Stadt auf eigene Kosten, unter anderem ließ er den Fischereihafen anlegen. Mit dem Hafenausbau 1889 unterhielt Saßnitz Seeverbindungen nach Rønne (Bornholm), Trelleborg und Memel. Mit dem Seitenraddampfer Freia wurde 1897 die neue Postdampferlinie Saßnitz–Trelleborg eröffnet.Die neue Postdampferlinie Saßnitz – Trelleborg. In: Archiv für Post und Telegraphie (APT), 1897, 25. Jahrgang, Nr. 10, S. 301; . Die neuen Verbindungen ließen den Ort schnell wachsen. Die Kreideindustrie wurde ausgebaut, Fische und Fischprodukte bestimmten das Arbeitsleben und der Tourismus wuchs, wobei sich andere Orte mit Stränden besser entwickelten.
20. und 21. Jahrhundert Anfang des 20. Jahrhunderts entstand die Strandpromenade mit einer Seebrücke.Die kaputte Sassnitzer Promenade. In: Ostsee-Zeitung, 3. Februar 2024. Die typische Bäderarchitektur mit Pensionen und Hotels prägte das Erscheinungsbild des Ortes in dieser Zeit. 1905 zählte man rund 22.000 Kurgäste. Nach Aufnahme der Fähr- und Postdampferlinien wurde Saßnitz ein Beamtenort mit den entsprechenden neuen Wohnhäusern.
1935/1936 entstand eine Schulungsburg der NSDAP, die von der Deutschen Arbeitsfront genutzt wurde. Ihr Architekt war Julius Schulte-Frohlinde. Im Zweiten Weltkrieg wurde daraus ein Lazarett, nach 1945 war das Krankenhaus Saßnitz darin untergebracht, der Abriss erfolgte 1996.
Vom Frühjahr 1945 bis zum Kriegsende im Mai 1945 existierte in Saßnitz ein Außenlager des KZ Ravensbrück. Die nur rund 20 Quadratmeter große, eingezäunte und bewachte KZ-Baracke befand sich am Ende des ehemaligen Wedding-Parks nahe dem heutigen Karl-Liebknecht-Ring. Die Häftlinge, die mehrheitlich den Zeugen Jehovas angehörten, wurden als Handwerker dem Forschungsinstitut der Reichs-Arbeits-Gemeinschaft für Verwertung der Meeresalgen für Volksgesundheit und gegen Mangelkrankheiten zugewiesen. Kommandant des Außenlagers war der emeritierte Professor, Maler und Bildhauer SS-Oberführer Arnold Waldschmidt unter Leitung des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes.Hölle auf 18 Quadratmetern. In: Ostseezeitung Rügen, 3. Februar 2006. Heute erinnern mehrere Stolpersteine in der Stadt an die Häftlinge.
Ab Ende Februar 1945 wurde Saßnitz für Flüchtlinge aus dem Osten zunehmend zum Ausweichhafen für das überlastete Swinemünde. In der Nacht vom 6. auf den 7. März 1945 erfolgte auf die Stadt und die im Hafen und auf Reede liegenden Schiffe ein britischer Bombenangriff mit 191 Lancaster-Bombern. Dabei wurden 17 Fahrzeuge versenkt, darunter das im Fährbett liegende Lazarettschiff Robert Möhring (353 Tote) und auf der Reede der Zerstörer Z 28 (150 Tote). Insgesamt starben bei dem 20-minütigen Angriff etwa 1200 Menschen. Es wurden 537 Wohnungen zerstört, die Ost-Mole sowie Kaianlagen schwer beschädigt.Heinz Lehmann, Renate Meyer: Rügen A-Z. Wähmann-Verlag, Schwerin 1977, S. 75.
1949 wurde der VEB Fischkombinat Saßnitz am Hafen errichtet und beschäftigte bis zu 2200 Arbeiter. Der VEB Fischwerk Saßnitz mit dem Betriebsteil Lauterbach wurde zum zweitgrößten Nahrungsgüterwerk der DDR. 1977 wurden 150.000 Tonnen Fischkonserven, 3000 Tonnen Präserven und 500 Tonnen Räucherwaren hergestellt. Zwischen Saßnitz und Dargast bestand zu DDR-Zeiten das Pionierlager „Pablo Neruda“ für die Kinder von VEB-Betriebsangehörigen.
1957 erhielt Saßnitz das Stadtrecht. Die Fischindustrie wurde ausgebaut; die Pensionshäuser jedoch verfielen zunehmend, weil die Urlauber die Sandstrände im Süden und Norden der Insel vorzogen.
Um 1977 hatte die Fischfangflotte von Saßnitz 48 26,5-m-Kutter, 15 Frosttrawler und zwei Kühl- und Transportschiffe. Sie landete jährlich über 60.000 Tonnen Fisch an.
1984 entstand in Mukran ein neuer Hafen für den Eisenbahnfährverkehr zwischen der DDR und der Sowjetunion. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 wurde der Fährhafen Saßnitz für die Verbindungen in den gesamten Ostseeraum umstrukturiert.
Ab 1991 wurde der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Die Häuser der Bäderarchitektur wurden renoviert und weitgehend einheitlich in weiß gehalten. Der Altstadthafen wurde ab 2000 in die städtebauliche Stadtsanierung einbezogen.
2007 wurde eine 274 m lange Hängebrücke für Fußgänger eingeweiht, die das Stadtzentrum zwischen Bahnhof, Rügen-Galerie, Kurhotel und Hauptstraße mit dem Sassnitzer Hafen verbindet.
Von 1952 bis 1955 gehörte Saßnitz zum Kreis Bergen im neu gegründeten DDR-Bezirk Rostock. Der Kreis Bergen wurde am 1. Januar 1956 mit dem Kreis Putbus zum Kreis Rügen vereinigt. Zu diesem Kreis im Bezirk Rostock gehörte Saßnitz von 1956 bis 1990 bis 2011 zum Landkreis Rügen im Land Mecklenburg-Vorpommern. Seit der Kreisgebietsreform 2011 liegt die Stadt im Landkreis Vorpommern-Rügen.
Im August 2020 forderten Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson, drei Kongressabgeordnete des US-Senats, Frank Kracht, den Bürgermeister von Sassnitz, auf, die Unterstützung der öffentlichen Hafengesellschaft von Sassnitz für das Projekt Nord Stream 2 zu beenden, und drohten, dass die USA andernfalls rechtliche und wirtschaftliche Sanktionen gegen ihn und zwei weitere Beteiligte verhängen würden. Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, nannte den Brief einen Erpressungsversuch; Jürgen Trittin bezeichnete ihn als wirtschaftliche Kriegserklärung.Zacharias Zacharakis: Der Bürgermeister und das Geisterschiff. Zeit Online, 11. August 2020. Christoph Sackmann: Ostsee-Bürgermeister trotzt USA im Gas-Streit: „Lassen uns nicht einschüchtern“. In: Focus, 23. August 2020. Seither bekräftigte auch die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Zustimmung zum Projekt: Sie wolle sich mit Hochdruck dafür einsetzten, Sanktionen abzuwenden.Anne Lena Mösken: Showdown in Sassnitz. In: Berliner Zeitung, 21. September 2020, S. 3. Kommentar: Der Artikel stellt detailliert dar, wie sich die Einbeziehung von Sassnitz in die Gaspipeline Nord Stream 2 auf die Stadt und die Politik auswirken.
Aufgrund des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022 wurde die Zertifizierung und Inbetriebnahme ausgesetzt. Durch einen Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines im September 2022 wurden sowohl Nord Stream 1 als auch Nord Stream 2 schwer beschädigt. Als Alternative entstand 2023/2024 das LNG-Terminal Mukran, das über eine etwa 50 Kilometer lange Ostsee-Anbindungs-Leitung (OAL) an das landseitige Gasfernleitungsnetz nahe dem Industriehafen Lubmin angebunden wurde.
Bevölkerung Jahr Einwohner Anmerkungen 1818 108 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 4: P–S. Halle 1823, S. 214, Ziffer 675; . 1867 235 am 3. Dezember, davon 57 im Bauerndorf (Alt-)Saßnitz und 178 im Badeort Saßnitz 1871 222 am 1. Dezember, davon 51 im Bauerndorf (sämtlich Evangelische) und 171 im Badeort (170 Evangelische, ein Katholik)Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Königliches Statistisches Bureau, Berlin 1874, S. 180–181, Ziffern 54 und 55; books.google.de 1885 332 1905 1842 evangelische Einwohner, 22.000 Kurgäste 1925 3987 1933 4899 1939 7826
Jahr Einwohner 1950 7.410 1957 12.284 1971 13.676 1981 14.944 Jahr Einwohner 1990 13.032 1995 12.241 2000 11.637 2005 10.813 2010 10.366 2015 9.560 Jahr Einwohner 2020 9.191 2021 9.064 2022 9.067 2023 9.040 2024 8.893