mini|Gottlob Friedrich August Bercht – Portrait von 1838 Gottlob Friedrich August Bercht (* 30. Juli 1790 in Niederwerbig bei Treuenbrietzen, Königreich Preußen; † 29. Mai 1861 in Darmstadt, Großherzogtum Hessen) war ein deutscher Publizist, Lyriker und Historiker.
Leben August Bercht wurde als Sohn des Pfarrers Johann Christoph Valentin Bercht (1749–1800) aus Barby1763 bis 1769 in Schulpforta, 1771 in Wittenberg durch den Dekan Johann Friedrich Hiller zum Magister promoviert, 1779 in Wittenberg ordiniert, Pastor in Niederwerbig, † in Kreuma bei Delitzsch; wohl Sohn des Königlich adjungierten Postmeisters und Zollverwalters Simon Andreas Bercht aus Coßwig, 1719 Bürger zu Treuenbrietzen. und der Johanna Charlotte Bercht, geb. Kypke (1759–1818) aus Grünewalde bei SchönebeckTochter von Geleitsmann Johann Friedrich Leberecht Kypke (1728–1767) aus Grünewalde und Marie Dorothee Charlotte Koch aus Zerbst; vgl. Heinrich Kypke: Kurze Chronik der Familie Kypke. o. O. 1900/04, S. 84f, 87 und Ergänzungsheft S. 12 und 15. geboren.Günter Weimer (Hrsg.): As memórias de Joahann Carl Dreher e de Heinrich Georg Bercht. Escola Superior de Teologia e Espiritualidade Franciscana, Porto Alegre 1988, S. 90. Sein Vater war 1779 bis 1793 Pfarrer in Niederwerbig, danach bis zu seinem Tod Pfarrer in Kreuma. August Berchts Bruder Karl Wilhelm Ferdinand Bercht (1797–1875)Vater von Johann Ludwig Heinrich Bercht (1834–1908), 1854 nach Südamerika ausgewandert, ab 1870 argentinischer Generalkonsul in Wien, Großvater von Adolf Heinrich Bercht, Bürgermeister von Klagenfurt; Anton Kreuzer: Kärntner. Biographische Skizzen. Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft, 1999, S. 103–105 und 139–141. lebte in DresdenLeipziger Zeitung. Nr. 256 vom 30. December 1818, S. 2992 (Google-Books). und Zarrentin.Staats- und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. No. 204 vom 22. Dezember 1820 (Google-Books).
Ausbildung und Tätigkeit als Hauslehrer August Bercht besuchte vom 3. Oktober 1803 bis zum 12. April 1808 die Landesschule PfortaMax Hoffmann (Hrsg.): Pförtner Stammbuch 1543-1893 zur 350jährigen Stiftungsfeier der königlichen Landesschule Pforta. Weidmann, Berlin 1893, S. 326 (Google-Books); vgl. S. 264f (Einträge zum Vater und zu einem Onkel „Gottlob Friedrich Bercht (* um 1751), B(ürger)M(eister) und Adv(okat) in B(arby), … später in Zschortau“). und immatrikulierte sich am 21. Mai 1808 für ein Studium der Philologie und Geschichte an der Universität Leipzig, wo er 1810 zum Dr. phil. promoviert wurde. 1812 veröffentlichte er eine kleine Studie über die Belagerung von Marseille durch Gaius Iulius Caesar im Jahr 49 v. Chr. (De bello civili 2.14; Cassius Dio, Römische Geschichte 41.25.2; Marcus Annaeus Lucanus, Pharsalia 3,375-508; Titus Livius, Ab urbe condita, periocha 110). Für eine gemeinsame Bearbeitung der von der Jablonowskischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig gestellten Preisaufgabe Des Annalisten Wittekind Leben, Schriften, die davon vorhandenen Handschriften, Ausgaben und eine neue zweckmäßige Ausgabe seiner Annalen wurde der Preis 1810 an Bercht und Georg Ludwig Adolph Eduard von den Brincken (1791–1869) aus ClausthalImmatrikuliert in Leipzig am 6. Mai 1809; später braunschweigischer Geheimer Kammerrat und Probst zu Clus und Brunshausen, erwarb 1850 Schloss Gebesee. verliehen. Beide Preisträger waren Mitglieder der von Hans Karl Dippoldt (1783–1811)Aus Grimma, Studium in Leipzig und Jena, 1809 Kustos der Universitätsbibliothek Leipzig, 1810 Professor für Geschichte am Gymnasium Danzig. gegründeten Historischen Gesellschaft.Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung 7,4 (1810), Sp. 684 (Google-Books).
Nach seinem Universitätsbesuch wurde Bercht Hauslehrer bei der Familie von Graf Friedrich Abraham Wilhelm von Arnim-Boitzenburg (1767–1812) in Berlin. In dieser Zeit hat „er mehr oder weniger Umgang gepflogen mit Schleiermacher, Hemdorf,Ludwig Friedrich Hemdorf (1774–1816), Philologe, seit 1796 Subrektor am Köllnischen Gymnasium in Berlin, 1810 Professor für klassische Philologie an der Berliner Universität, später in Breslau und Halle. Rühs, Reimer, Buttmann, Eiselen, Hofprediger Sack, Bernhardi, Stägemann und andern ehrenwerthen Männern freisinniger Richtung“.Gerd Eilers: Meine Wanderung durchs Leben. Band II. F. A. Brockhaus, Leipzig 1857, S. 48.
Befreiungskriege 1813 schloss sich Bercht dem Lützowschen Freikorps an.Dietmar Grypa (Bearb.): Gesamtausgabe des Briefwechsels von Leopold von Ranke. Band I. de Gruyter, Berlin 2016, S. 1174. Im selben Korps dienten der jüdische Arzt Salomon Friedrich Stiebel (Deckname: Baer) und der Pädagoge Wilhelm Heinrich Ackermann, mit denen zusammen er ein Vierteljahrhundert später an Erinnerungsfeiern von Kriegsfreiwilligen in Köln und in Frankfurt am Main teilnahm. Auch der „Lützower Jäger“ Friedrich Fröbel war ihm bekannt.August Neuhaus: Auszüge aus den Briefen des Lützower Jägers Friedrich Wilhelm August Fröbel aus dem Feldzuge von 1813/14 an Prof. Christian Samuel Weiss. In: Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum (1913), S. 99–169, bes. Brief vom 28. September 1813, S. 149. August Bercht nahm an der Schlacht bei Waterloo (Belle-Alliance) teil und gehörte 1815 als Lieutenant des 2. Westpreußischen Regiments den Besatzungstruppen in Paris an.Allgemeine Zeitung. Nr. 282, vom 9. Oktober 1815, S. 1133 (Google-Books). Zusammen mit Eugen von Vaerst wurde er bei Maréchal d’Empire François-Christophe Kellermann einquartiert. Bercht verfasste einige Gedichte über Ereignisse in den Befreiungskriegen, die in Anthologien und Schulbüchern abgedruckt wurden.
Publizistische Tätigkeit in Paris, Koblenz und Bremen August Bercht war Redakteur der Deutschen Feldzeitung in Paris,Bruno Jahn (Bearb.): Die deutschsprachige Presse. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. Band I. K. G. Saur, München 2005, S. 78 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). die Friedrich Christoph Förster und er auf Veranlassung von General August Neidhardt von Gneisenau herausgaben.Friedrich Christoph Förster: Neuere und neueste preußische Geschichte. Band V. Gustav Hempel, Berlin 1866, S. 1241 (Google-Books).Karl Goedeke, Herbert Jacob (Hrsg.): Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band VIII. Akademie Verlag, Berlin 2011, S. 187. Schon nach der zweiten Ausgabe wurde das Blatt auf Betreiben des alliierten Polizeichefs in Paris Justus von Gruner eingestellt. Bercht wurde Mitarbeiter am Rheinischen Merkur von Josef Görres in Koblenz. Im Februar 1816 wurde er auf Empfehlung von Görres und Ernst Moritz Arndt hin durch den bremischen Gesandten bei der Bundesversammlung in Frankfurt am Main (später Bürgermeister) Johann Smidt als Schriftleiter der staatseigenen Bremer Zeitung engagiert, vom Bremer Senat mit 1000 Reichstalern jährlich besoldetLothar Dittmer: Beamtenkonservativismus und Modernisierung. Franz Steiner, Stuttgart 1992, S. 203 Anm. 667. und am 5. Februar 1817 durch Ernennung zum „außerordentlichen Professor der Philosophie“ den Lehrern an der Gelehrtenschule gleichgestellt.Rolf Engelsing: Massenpublikum und Journalistentum im 19. Jahrhundert in Nordwestdeutschland. Duncker und Humblot, Berlin 1966, S. 168. „Bergt, Doctor, Redacteur der Bremer Zeitung“ wohnte in der Knochenhauerstraße Nr. 40.Caspar Hinrich Schreiber Witwe (Hrsg.): Neues Bremisches Adreß-Buch auf das Jahr 1817. Carl Schünemann, Bremen 1817, S. 26 (Digitalisat).Das Haus war im Besitz von Christine Elisabeth Höpken († 1823), Witwe des Kaufmanns Georg Wilhelm Papendieck (1763–1806) aus Hannover.
Brecht vertrat eine eher nationalliberale Linie, beschränkte sich aber meist auf die Wiedergabe von Nachrichten aus anderen Zeitungen, die er gelegentlich glossierte.Heinrich Tidemann: Die Zensur in Bremen von ihren Anfängen bis zu den Karlsbader Beschlüssen 1819. In: Bremisches Jahrbuch Reihe A, 30 (1926), S. 311–394, bes. S. 369. Dennoch gab es bald offizielle Beschwerden anderer Staaten (Dänemark, Kurhessen, Spanien, Hannover, Frankreich, Hamburg u. a.) beim Bremer Senat über einzelne Berichte der Bremer Zeitung.Heinrich Tidemann: Die Zensur in Bremen von ihren Anfängen bis zu den Karlsbader Beschlüssen 1819. In: Bremisches Jahrbuch Reihe A, 30 (1926), S. 311–394, bes. S. 370 u. ö. mit Beispielen. Ein Beitrag Berchts von 1817 über den 13. Artikel der Deutschen Bundesakte („In allen Bundesstaaten wird eine landständische Verfassung stattfinden“)Bremer Zeitung, Ausgabe Nr. 329 vom 25. November 1817 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München) u. ö.; Nicola Wurthmann: Senatoren, Freunde und Familie. Herrschaftsstrukturen und Selbstverständnis der Bremer Elite zwischen Tradition und Moderne (1813–1848). (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien Hansestadt Bremen 69). Staatsarchiv, Bremen 2009, S. 336. war als offizielle Verlautbarung missverstanden worden und beeinflusste die Debatte im Bundestag und die Verfassungsbestrebungen in Bayern und Württemberg („Württembergischer Verfassungsstreit“). Dieser und andere Artikel Berchts hatten vor allem in Österreich Anstoß erregt, und die Bremer Zeitung war dort im Frühjahr 1818 unter Zensur gestellt worden.Friedrich von Gentz: Gegen die Bremer Zeitung. In: Der Oesterreichische Beobachter. Nr. 154 vom 3. Juni 1818, S. 834–838 (Digitalisat der Österreichischen Nationalbibliothek Wien) = Gustav Schlesier (Hrsg.): Kleinere Schriften von Friedrich von Gentz. Band II. Heinrich Hoff, Mannheim 1839, S. 45–59 (Google-Books). Mit Joseph Anton Pilat vom Oesterreichischen Beobachter, einem Sprachrohr des österreichischen Staatskanzlers Klemens Wenzel Lothar von Metternich, lieferte sich Bercht „eine regelrechte Pressefehde“.Heinrich Tidemann: Die Zensur in Bremen von ihren Anfängen bis zu den Karlsbader Beschlüssen 1819. In: Bremisches Jahrbuch Reihe A, 30 (1926), S. 311–394, bes. S. 378.
Nach einer Beschwerde des preußischen Gesandten bei den Hansestädten Graf August Otto von Grote erhielt Bercht am 31. Dezember 1817 einen strengen Verweis, den er in der Zeitung abdrucken musste.Heinrich Tidemann: Die Zensur in Bremen von ihren Anfängen bis zu den Karlsbader Beschlüssen 1819. In: Bremisches Jahrbuch Reihe A, 30 (1926), S. 311–394, bes. S. 376. Durch einen Artikel in der Nr. 111 vom 21. April 1818Bremer Zeitung, Ausgabe Nr. 111 vom 21. April 1818 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). zog sich Bercht vollends den Unmut Johann Smidts zu, der deswegen mit dem österreichischen Gesandten beim Deutschen Bund in Frankfurt Johann Rudolf von Buol-Schauenstein heftig aneinandergeriet.Heinrich Tidemann: Die Zensur in Bremen von ihren Anfängen bis zu den Karlsbader Beschlüssen 1819. In: Bremisches Jahrbuch Reihe A, 30 (1926), S. 311–394, bes. S. 379–387. Am 30. Dezember 1818 wurden auf Vorschlag des Scholarchen (Schulsenators) Gottlieb Friedrich Carl Horn (1772–1844) allgemeine Instruktionen für die Art der Redaktionsführung erlassen und ein neuer, einschränkenderer Kontrakt mit Bercht geschlossen.Heinrich Tidemann: Die Zensur in Bremen von ihren Anfängen bis zu den Karlsbader Beschlüssen 1819. In: Bremisches Jahrbuch Reihe A, 30 (1926), S. 311–394, bes. S. 388–394. Letztlich auf Druck Metternichs endet 1819 schließlich das Engagement von Bercht in Bremen,Andreas Schulz: Vormundschaft und Protektion. Eliten und Bürger in Bremen 1750–1880. Oldenbourg, München 2002, S. 308f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). er nahm eine auswärtige, schlechter bezahlte Stelle an. Berchts Nachfolger bei der Bremer Zeitung wurde Karl Iken.
Intermezzo als Lehrer in Kreuznach