mini|Ein klassischer Strohhut thumb|Junger Mann mit Florentiner Strohhut Ein Strohhut ist eine Kopfbedeckung aus Stroh oder anderen als Stroh bezeichneten Materialien, die vor allem zum Sonnenschutz gebraucht wird.

Die Herstellung erfolgt meistens als Strohflechterei, ein Strohhut wird normalerweise geflochten, er kann aber auch aus sogenannten Mottlets,Natürliche Materialien: Stroh auf hutlexikon.de, abgerufen am 11. März 2017. mehrere Meter langen Zöpfen aus Stroh (oder auch anderem Material), zusammengesetzt werden. Möglich ist auch eine spezielle Variante aus zusammengenähten Strohhalmen (Halm-Strohhut, Chevalier-Hut, Yeddo).Der Röhrlihut (Halm-Strohhut) (PDF), auf strohstiftung.ch, abgerufen am 26. April 2018.Der letzte Strohmann In: Schweizer LandLiebe. Sommer 2011, S. 58–65, auf marcelhuwyler.wordpress.com, abgerufen am 26. April 2018.Craftsman keeps straw skills alive auf swissinfo.ch, abgerufen am 26. April 2018. Mit dieser Technik ist es möglich, auch brüchigere Getreide­stroh-Sorten zu verwenden. Die Herstellung erfolgte früher zumeist in Heimarbeit.

Allgemeines mini|Strohhutpresse von 1878 Der Strohhut stellt vielleicht eine der ältesten in Afrika, Asien und Europa gebräuchlichen Kopfbedeckungen dar, deren Form sich zudem in den Jahrhunderten teilweise kaum veränderte. So bildete er die traditionelle Kopfbedeckung des Stammes der Sachsen im 10. Jahrhundert. mini|hochkant|Fredy Budzinski, deutscher Journalist und Radsportler und John Stol, niederländischer Radrennfahrer (r.) mit der typischen „Kreissäge“ mini|hochkant|Porträtaufnahme mit Strohhut im Fotostudio in Győr (um 1900) Eine um 1900 aufgekommene Männermode war der kleine runde Florentiner Strohhut, der wegen seiner Kreisform und seines gezackten Randes auch Kreissäge genannt wurde. Wegen seiner Herkunft von den Seeleuten wurde er im englischen Raum auch Boater, im französischen Canotier oder Matelote genannt. Er gehörte sowohl zur kompletten Sonntagsausstattung des perfekten Gentleman als auch zu den Accessoires bei Bällen und Tanzveranstaltungen. Er ist eine bis heute oft genutzte Kopfbedeckung für US-amerikanische Barbershop-Ensembles. Nicht zu verwechseln ist dieser Strohhut mit dem Florentinerhut für Damen, einem flachen, breitkrempigen Hut, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerhut beliebt war.

Lindenberg im Allgäu war bis 1945 Zentrum der deutschen Strohhutindustrie, 1913 betrug dort die Jahresproduktion über 5 Millionen Stück.Deutsche Strohhutindustrie auf lindenberg.de, abgerufen am 18. März 2016.

Im niedersächsischen Twistringen, südwestlich von Bremen gelegen, gab es bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine florierende Strohhutindustrie, von der noch heute Reste bestehen. Das ortsansässige Museum der Strohverarbeitung dokumentiert die Geschichte und Entwicklung dieser Industrie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart.Strohmuseum auf strohmuseum.de, abgerufen am 18. März 2016. Dort ist auch der größte Strohhut der Welt zu bestaunen, der mit einem Durchmesser von etwa 5,5 Metern ins Guinness-Buch der Rekorde einging; es handelt sich um einen Hut des Typs Kreissäge in zwanzigfacher Vergrößerung.

In Panama wird der Pintao als traditioneller Strohhut getragen.

Verwendete Materialien Häufig verwendete Stroharten sind:Mary Brooks Picken: A Dictionary of Costume and Fashion: Dover Publications, 1998, ISBN 978-0-486-14160-2. auf kopka.de, abgerufen am 13. März 2016. Toquillastroh: (Panamahut) Weizenstroh: (bekannte Sorten sind Milanstroh, Tuscan, Leghorn) Buntalstroh: auch Parabuntal von der Buripalme von den Philippinen, wird aus den Stängeln der ungeöffneten Blätter hergestellt. Bakustroh: dieses wird aus den jungen Stielen der Talipotpalme hergestellt, kommt meist aus Malabar und Sri Lanka. Shantungstroh: welches aus high-performance Papier gewonnen wird,Mary Lisa Gavenas: The Fairchild Encyclopedia of Menswear. Fairchild Books, 2008, ISBN 978-1-56367-465-5, S. 327. ursprünglich wurde es aus Buntal hergestellt.Ida Tomshinsky: The Chronicle of Hats in Enjoyable Quotes: Xlibris Corporation, 2013, ISBN 978-1-4797-9908-4, S. 28. Toyostroh: wird aus mit Cellophan beschichtetem Japanpapier hergestellt. Bangorastroh: wird aus billigem Japanpapier hergestellt. verschiedene Papiergeflechte: aus Viscose (Schweizer Paglinastroh auf letom.eu, abgerufen am 14. März 2016.) oder z. B. aus gewachsten „Silkpaper“-Streifen (nicht zu verwechseln mit Seidenpapier) sowie Reispapier. Raffia: Sisal: auch Parasisal (2x2 gewoben) Ramie: wird selten alleine verwendet, meist mit verschiedenen Chemiefasern gemischt, um die Eigenschaften zu verbessern. Jute: Seegras: (Xian) Visca: einem künstlichen Stroh aus Viscose. Rushstraw: wird aus Binsen (engl. Rush Grass, Sedges, BulrushElaine Nowick: Historical Common Names of Great Plains Plants, with Scientific Names Index: Volume II, Lulu.com, 2015, ISBN 978-1-60962-060-8, S. 136, 380, 428.Bulrush (PDF; 9 MB), abgerufen am 19. März 2016.) (Juncus effesus, Juncus polycephalus) sowie Riedgräsern (engl. Bulrush, Sedge Grass) Gewöhnliche Teichbinse, Simsen, Echter Papyrus auf letom.eu, abgerufen am 18. März 2016.Bulrush hat auf wealddown.co.uk, abgerufen am 18. März 2016. und Rohrkolben Typha domingensis, (Syn.: Th. angustata) (engl. Bulrush oder Cattail) auf pepersack.de, abgerufen am 18. März 2016.Rohrkolben-Strohhut auf etsy.com, abgerufen am 19. März 2016. sowie aus Schilfrohr (engl. Common Reed) auf antique-gown.com, abgerufen am 18. März 2016. hergestellt. Abacá: (Sinamayhut) Hanffasern: künstliches Stroh: wird aus Polypropylen PP, Polyethylen PEJackie Worrell: Information for use in determining whether to continue designation of certain headwear of straw as articles eligible for duty-free treatment under the generalized system of preferences: United States International Trade Commission, 1982, S. 5. sowie aus verschiedenen Mischungen von PP, PE, Acryl, Polyester, Polyamiden (Nylon), Ramie und PapierPP Stroh auf villagehatshop.com, abgerufen am 16. März 2016. hergestellt. andere Strohfasern die meistens in asiatischen Kegelhüten verwendet werden, sind aus verschiedenen Palmarten (Schopfpalmen, Rattan, Hanfpalmen, Dattelpalmen), aus Grassorten Arundinaria (engl. Cane), BambusBeverly Chico: Hats and Headwear around the World: A Cultural Encyclopedia. ABC-Clio, 2013, ISBN 978-1-61069-062-1, S. 115, 259. oder aus Reisstroh (Kasahut) auf traditionscustom.com, abgerufen am 19. März 2016. hergestellt. Chip Straw:Brenda Grantland (Hrsg.): Hatatorium: An Essential Guide for Hat Collectors. 2011, ISBN 978-0-9847859-0-2, S. 56. wurde aus verschiedenen Kiefernhölzern, Schwarz-Pappel (Lombardische-Pappel) oder aus Silber-Weide (engl. Willow) gewonnen. Historisch wurde es recht häufig verwendet,Chipstraw auf georgianindex.net, aufgerufen am 16. März 2016. heutzutage wird es praktisch nicht mehr verwendet.

Siehe auch Asiatischer Kegelhut Bollenhut Matelot Strohhut-Emil Fulbehut One Piece (Strohhutbande) Strohhutfest Sombrero Porkpie

Weblinks

Strohhüte: Herstellungsverfahren und Material Herstellung eines Strohhutes in Kals am Großglockner, historisches Filmdokument aus der Österreichischen Mediathek

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Kopfbedeckung Kategorie:Hut Hut