Ein Turban (; türkisch sarık, italienisch turbante, über persisch dulband, auch TulbendBrockhaus) ist eine Kopfbedeckung vorislamischen Ursprungs, die im Islam und in der Geschichte des Orients eine große Bedeutung hat. Der Turban besteht aus einem oder mehreren langen Stoffstreifen, die nach einer speziellen Methode um den Kopf oder eine darunter getragene Kappe () gewickelt werden. Getragen werden Turbane hauptsächlich in muslimischen Ländern und in Teilen Indiens in zahlreichen lokalen Varianten. mini|Mann mit Turban im indischen Panaji (2008)
Turbane und ähnliche Kopfbedeckungen mini|Maya-Malerei in Bonampak: Würdenträger mit Turban Der Turban der Sikh wird Dastar genannt. Die als „Palästinensertuch“ bekannte Kufiya wird oft wie ein Turban gewickelt getragen. Der Schesch (Tagelmust) der Tuareg wird oft mit dem Turban verwechselt. Der Kavuk, der im Osmanischen Reich getragen wurde, war Zeichen für die Gesellschaftsschicht, zu der der Träger gehörte, beziehungsweise welches Amt er innehatte. Bei den Kurden in der Autonomen Region Kurdistan bestimmt die Farbe des Camanes () zum Teil die regionale und politische Zugehörigkeit. Auch bei den verschiedenen Völkerschaften der Maya und anderer Andenvölker gab es turbanähnliche Kopfbedeckungen („turbante“), sie werden aber von Frauen und eng an den Kopf anliegend getragen.
Der Turban in der Antike und vor dem Islam Statuen aus dem antiken Palmyra zeigen römische Frauen, die einen Turban trugen. Darüber trugen sie zumeist einen Schleier oder Mantel. Palmyra war damals jedoch keine Ausnahme. Auf erhalten gebliebenen Steinreliefs in Persepolis sind Personen mit Turban-artiger Kopfbedeckung zu erkennen.Persepolis, Apadana, North Stairs, Central Relief. Online aufrufbar Im Zoroastrismus ist das Tragen einer Kopfbedeckung Pflicht gewesen, weshalb Zoroastrier auch meist einen Turban trugen.Ervad (Dr.) Hoshang J. Bhadha: Effect of Wearing Cap on Zarathustri Urvaan. Online aufrufbar Mit dem Auftauchen des Islams wurde der Turban dann erst zum Distinktionsmerkmal zwischen Arabern und Nicht-Arabern und zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen.
Angeblicher Turban Mohammeds Im Topkapı-Palast in Istanbul wird ein Turban gezeigt, der dem islamischen Religionsstifter zugeschrieben wird.Emāme ḥażrat-e ʿalī (ʿ) dar laḥẓe żarab ḫordan? + ʿaks. http://web.archive.org/web/20170602072222/http://namnak.com/عمامه-حضرت-علی-ع.p17382 [02.06.2017].
Aussehen Farben Der Turban war in der Geschichte immer wieder Veränderungen unterworfen, wobei insbesondere die Farben wechselten. Hier eine Liste mit den wichtigsten Ereignissen. Einige Hadīthe berichten von verschiedenen brennenden Turbanen. Muhammad, ʿAbdallāh ibn ʿAbbās, ʿAbdallāh ibn ʿAmr, ʿAbdallāh ibn al-Hārith, Muhammad ibn al-Hanafīya und al-Hasan al-Basrī sind laut Berichten alle mit einem brennenden Turban gesehen worden.al-Laun al-ʿamāʾim al-maʾṯūra. http://web.archive.org/web/20170717204703/http://tanzeemulirshad.com/sister-detail.php?id=741 [17.07.2017]. Übereinstimmend wird berichtet, dass Muhammad bei der Eroberung Mekkas einen schwarzen Turban trug.Āšenāyī bā farhang-e ʿemāme-ye pīči-ye rūḥānīyūn/fīlm-e āmūzeš-e ʿemāme-ye pīči. http://web.archive.org/web/20170717201138/http://www.parsine.com/fa/news/128672/آشنایی-با-فرهنگ-عمامه-پیچی-روحانیون-فیلم-آموزش-عمامه-پیچی j[17.07.2017].al-Laun al-ʿamāʾim al-maʾṯūra. http://web.archive.org/web/20170717204703/http://tanzeemulirshad.com/sister-detail.php?id=741 [17.07.2017].Zād al-maʿād fī-hadyi ḫair al-ʿibād - malābisu-hu ṣallā allāh ʿalai-hi wa-s-salam. http://www.al-islam.com/portal.aspx?pageid=241&Words=عمامة&Type=phrase&Level=exact&ID=13527&Return=http%3a%2f%2fwww.al-islam.com%2fPortals%2fal-islam_com%2fportal.aspx%3fpageid%3d1284%26Words%3dعمامة%26Level%3dexact%26Type%3dphrase%26SectionName%3dPage%26ContentLanguage%3d1%26Page%3d0%26SectionID%3d5 [30.05.2017]. Die Muhādschirūn sollen bei ihrer Ankunft in Medina ebenfalls schwarze Turbane getragen haben.al-Laun al-ʿamāʾim al-maʾṯūra. http://web.archive.org/web/20170717204703/http://tanzeemulirshad.com/sister-detail.php?id=741 [17.07.2017]. Außerdem gab es nach Muhammads Ableben eine Vielzahl von wichtigen Persönlichkeiten, die auch einen schwarzen Turban trugen: beispielsweise ʿAlī ibn Abī Tālib, ʿUmar, Muʿāwiya I., Anas ibn Mālik, al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muttalib und al-Hasan al-Basrī.al-Laun al-ʿamāʾim al-maʾṯūra. http://web.archive.org/web/20170717204703/http://tanzeemulirshad.com/sister-detail.php?id=741 [17.07.2017].Āšenāyī bā farhang-e ʿemāme pīči-ye rūḥānīyūn/fīlm-e āmūzeš-e ʿemāme pīči. http://web.archive.org/web/20170717201138/http://www.parsine.com/fa/news/128672/آشنایی-با-فرهنگ-عمامه-پیچی-روحانیون-فیلم-آموزش-عمامه-پیچی j[17.07.2017]. Deshalb befahlen die Abbasiden den Muslimen das Tragen eines schwarzen Turbans.Āšenāyī bā farhang-e ʿemāme pīči-ye rūḥānīyūn/fīlm-e āmūzeš-e ʿemāme pīči. http://web.archive.org/web/20170717201138/http://www.parsine.com/fa/news/128672/آشنایی-با-فرهنگ-عمامه-پیچی-روحانیون-فیلم-آموزش-عمامه-پیچی j[17.07.2017]. Wichtige Persönlichkeiten in der islamischen Geschichte bekleideten sich oft mit einem weißen Turban.Āšenāyī bā farhang-e ʿemāme pīči-ye rūḥānīyūn/fīlm-e āmūzeš-e ʿemāme pīči. http://web.archive.org/web/20170717201138/http://www.parsine.com/fa/news/128672/آشنایی-با-فرهنگ-عمامه-پیچی-روحانیون-فیلم-آموزش-عمامه-پیچی j[17.07.2017]. Die Farbe der Anhänger des achten schiitischen Imāms, ʿAlī ibn Mūsā ar-Ridā, war grün. Deshalb verbreitete sich um 800 der grüne Turban.Āšenāyī bā farhang-e ʿemāme pīči-ye rūḥānīyūn/fīlm-e āmūzeš-e ʿemāme pīči. http://web.archive.org/web/20170717201138/http://www.parsine.com/fa/news/128672/آشنایی-با-فرهنگ-عمامه-پیچی-روحانیون-فیلم-آموزش-عمامه-پیچی j[17.07.2017]. Einen gelben Turban mussten seit der Zeit al-Mutawakkils Dhimmīs tragen.Scheiner: Vom Gelben Flicken zum Judenstern?, S. 20.
Formen In europäischen Kunstwerken dominiert der hohe Turban, wie er unter den Osmanen dominant war. Er kennzeichnet sich dadurch aus, dass er höher als breit war, um in vielen Fällen Platz für Schmuck zu haben.
Der Turban bei islamischen Riten Ignaz Goldziher verweist in einem Artikel zur „Entblößung des Hauptes“ auf ein Hadīth, welches Muslime anweist, während des Ganges zum Freitagsgebet, des Gebets selbst, während der Vorprediger die Minbar aufsteigt und die Chutba vorträgt, ihren Turban nicht abzulegen. Dies solle auch nicht während großer Hitze geschehen.Goldziher: Die Entblößung des Hauptes. 1905, S. 301. Abgesehen von diesem Hadīth vertreten auch islamische Gelehrte wie Raschīd Ridā die Meinung, dass die Kopfbedeckung beim Gebet verpflichtend ist. Allerdings, so stellt Goldziher klar, benutzt Raschīd Rīda das Wort erforderlich (arab.: maṭlūb), aber unterlässt die Verwendung der Floskel Bedingung des Gebets (šarṭ aṣ-ṣalāt). Ridā ist somit nicht der Ansicht, dass ein Gebet ohne Turban nichtig ist, sondern lediglich tadelnswert.Goldziher: Die Entblößung des Hauptes. 1905, S. 302–303. In modernen Zeiten wird dies jedoch anders aufgefasst. Während des Gebets ist es beispielsweise laut einer Fatwā des katarischen Religionsministeriums nicht notwendig, dass ein Mann sein Haupt bedeckt.al-ʿimāma fī-ṣ-ṣalāt wa-ḫāriǧu-hu. http://fatwa.islamweb.net/fatwa/index.php?page=showfatwa&Option=FatwaId&Id=57793&RecID=28&srchwords=%C7%E1%DA%E3%C7%E3%C9&R1=1&R2=0 [03.06.2017]. Bei inbrünstigen Bittgebeten (duʿā) war es in der Geschichte hingegen die Regel, dass Männer ihren Turban abnahmen. So berichtete der Reisende Ibn Dschubair von einer Szene, welche er in Medina sah. Die Menschen dort warfen auf Anweisung ihres Predigers nach einem Gebet am Grabe Muhammads ihren Turban in die Luft, streckten die Hände nach dem Grab aus und begannen zu weinen, um ihn um Gnade anzuflehen.Goldziher: Die Entblößung des Hauptes. 1905, S. 303–304. Während des Ihrām ist es nach einem Hadīth den Gläubigen strengstens verboten, einen Turban oder andere Arten der Kopfbedeckung zu tragen. Sinn des Ihrāms sei es schließlich die eigene Demut vor Gott unter Beweis zu stellen. Auch der Besiegte musste vor dem Sieger ohne Turban auftreten. Da die Kleidungsvorschriften während des Ihrāms gleichbedeutend mit der Nachahmung der Totenkleidung ist, leiten einige islamische Rechtsgelehrte daraus ab, dass man bei der Bestattung eines verstorbenen Muslims ihn nicht mit einem Turban bekleiden darf.
Der Turban als Distinktionsmerkmal In der Geschichte diente der Turban häufig zur Unterscheidung zwischen Anhängern von verschiedenen Religionen, Frauen und Männern oder sozialer Klassen. Nachfolgend ein Überblick.
Muslime und „Ungläubige“ Der Turban wurde in der islamischen Tradition zum „Zeichen des Islams“ (sīmā al-islām) und zum „Trenner zwischen Glaube und Unglaube“ (ḥāǧiza bain al-kufr wa-l-īmān).Majda, Stillman und Stillmann: Libās in The Encyclopaedia of Islam. Second Edition. Dhimmīs hatten die Pflicht, sich von Muslimen zu unterscheiden (ghiyār). Nicht ganz klar ist allerdings, wann solche Regeln Eingang in die islamische Rechtsprechung gefunden haben. Koran und Hadīthe dienen dafür nicht als Grundlage, da sich darin nichts findet, was auf solche Gesetze hinweisen könnte.Yarbrough, Luke: Origins of the ghiyār in Journal of the American Oriental Society, Vol. 134, No. 1 (2014), S. 113 Lange ging die westliche Forschung davon aus, dass solche Gesetze auf den umayyadischen Kalifen ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz zurückgehen.Tritton, A. S.: The Caliphs and their Non-Muslim Subjects. Frank Class & Co. Ltd., London, 1970 (Islam and the Muslim World, Nr. 14), S. 116.Levy-Rubin, Milka: Non-Muslims in the early Islamic Empire: from surrender to coexistence. Cambridge [u. a.], Cambridge Univ. Press, 2011, S. 88 + 89 + 92. Neue Forschung zeigt aber, dass es nicht genau einzuordnen ist, wer genau diese Gesetze auf den Weg brachte. Zwar wird anerkannt, dass viele Erlasse auf ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz zurückgehen. Allerdings kann nicht nachgewiesen werden, dass dies für alle der Fall ist.Yarbrough: Origins of the ghiyār, S. 113f Der islamische Geschichtsschreiber al-Balādhurī schreibt zwar, dass ʿUmar ibn ʿAbd al-ʿAzīz es den Dhimmīs verboten hatte, einen Turban zu tragen oder sonst in irgendeiner Art und Weise den Muslimen in ihrer Kleidung nachzueifern.Yarbrough: Origins of the ghiyār, S. 116–117 Dem stimmt der Hadīth-Gelehrte ʿAbd ar-Rāziq as-Sanʿānī zu und schreibt, dass es den Christen verboten war, einen Turban (ʿisb) zu tragen.as-Sanʿānī, ʿAbd ar-Rāziq: al-Muṣannaf fī-l-ḥadīṯ, Band 6, S. 61. Ibn ʿAsākir schreibt hingegen nichts von einem Turban, sondern nennt lediglich den Tailasān (ein Stück Stoff, welches um den Turban gelegt wird), welchen Christen nicht tragen durften.Ibn ʿAsākir: Taʾrīḫ madīnat Dimašq, Band 2, S. 185. Yarbrough übersetzt in seinem Artikel fälschlicherweise, dass Christen dies tragen mussten.Yarbrough: Origins of the ghiyār, S. 117
Auch Hārūn ar-Raschīd verbot es den Dhimmīs, den Turban oder den Tailasān zu tragen.Majda, Stillman und Stillmann: Libās in The Encyclopaedia of Islam. Second Edition. Zu dieser Zeit sollten sie bereits die Qalānsuwa (eine große Mütze) tragen.Tritton: The Caliphs and their Non-Muslim Subjects, S. 117.