Tragant (Astragalus) ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Mit etwa 1600 bis 3000 Arten ist sie die größte Gattung innerhalb der Gefäßpflanzen. Sie ist über den größten Teil der Nordhalbkugel (Holarktis) verbreitet. Aus einigen Arten wird das Verdickungsmittel TraganthVgl. auch Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 157 (Tragacantha). gewonnen.

Beschreibung mini|links|Illustration: links: Sand-Tragant (Astragalus arenarius) undrechts: Bärenschote (Astragalus glycyphyllos) mini|Früchte und Samen von Astragalus hamosus mini|Astragalus alopecurus mini|Südlicher Tragant (Astragalus australis) mini|Astragalus beckwithii mini|Astragalus bisulcatus mini|Astragalus calycosus mini|Astragalus danicus mini|Astragalus exscapus mini|Astragalus lentiginosus mini|Astragalus newberryi mini|Astragalus nitidiflorus mini|Astragalus onobrychis mini|Astragalus purshii mini|Astragalus sinicus

Vegetative Merkmale Tragant-Arten sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder Halbsträucher bis Sträucher. In Mitteleuropa sind alle Arten ausdauernde, krautige Pflanzen mit verholztem Rhizom. Manche Arten sind bedornt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind behaart oder kahl; die weißen oder schwarzen Haare (Trichome) sind basifix und einfach oder symmetrisch oder asymmetrisch und zweiästig (wie eine Kompassnadel).

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind paarig oder unpaarig gefiedert, die mitteleuropäischen stets unpaarig. Selten stehen die Fiederblättchen quirlig auf dem Blattstiel. Die Fiederblättchen sind ganzrandig. Die grünen oder häutigen Nebenblätter können frei, mit dem Blattstiel verwachsen oder untereinander verwachsen sein; sie besitzen am Rand oft winzige, fast sitzende Drüsen.

Blütenstände und Blüten Seitenständig auf Blütenstandsschäften oder sitzend sind wenige bis viele Blüten in kopfigen, traubigen oder ährigen Blütenständen dicht oder locker angeordnet. Die relativ großen Tragblätter besitzen oft winzige, fast sitzende Drüsen. Es sind manchmal Deckblätter vorhanden. Blütenstiele sind deutlich vorhanden oder fehlen fast.

Die zwittrigen, zygomorphen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf kahlen oder selten behaarten Kelchblätter sind röhren- oder glockenförmig verwachsen mit fünf gleichen bis ungleichen Kelchzähnen, die meist innen behaart sind. Die Blütenkrone besitzt die typische Form der Schmetterlingsblüte. Die fünf freien Kronblätter sind weiß, gelb, violett oder purpurn und lang, seltener kurz genagelt. Die meist mehr oder weniger deutlich genagelte Fahne besitzt ein meist ausgerandetes, seltener gerundetes oberes Ende. Die meist schmalen Flügel sind geöhrt. Das Schiffchen ist stumpf. Das oberste der zehn Staubblätter ist meist frei. Die Staubbeutel sind alle gleich. Der sitzende oder gestielte, einzelne Fruchtknoten enthält meist viele Samenanlagen. Die Griffel sind selten unterhalb oder an der Narbe behaart. Die Narben sind meist kahl.

Früchte und Samen Die je nach Art sehr unterschiedlichen Hülsenfrüchte sind kahl oder behaart, aufgedunsen, meist auf der Unterseite gekielt und auf der Oberseite gerillt, einfächerig oder durch eine falsche Scheidewand teilweise oder vollständig zweifächrig; sie enthalten mehrere Samen. Die Fruchtwand ist häutig, lederig oder manchmal hart, dann erscheint die Frucht nussartig. Die haltbaren Kelchblätter sind manchmal zur Fruchtzeit aufgeblasen.

Die in der Regel relativ kleinen Samen sind hart und kugelig, linsenförmig, nierenförmig oder rechtwinklig-nierenförmig und besitzen bei manchen Arten Anhängsel (estrophiolat).

Blüten- und Ausbreitungsökologie Die Blüten sind Schmetterlingsblumen und haben einen einfachen Klappmechanismus. Flügel und Schiffchen sind gelenkig verbunden. Hummeln und andere langrüsselige Apoiden sind die häufigsten Bestäuber, im Gebirge auch Schmetterlinge. Bei Astragalus frigidus kann Selbstbestäubung erfolgen.Stengelloser Tragant - Astragalus exscapus bei pflanzen-deutschland.de, abgerufen am 24. Mai 2018.

Bei manchen Arten können die aufgeblasenen Hülsenfrüchte durch den Wind ausgebreitet werden. Bei anderen Arten werden Tiere zur Ausbreitung angelockt (Endozoochorie). Der genaue Ausbreitungsmechanismus ist für viele Arten nicht bekannt.Gewürze der Bibel: Tragant / Tragakant(-Harz) bei flusenkram.de, S. 2002, abgerufen am 24. Mai 2018.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Astragalus wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum aufgestellt. Astragalus christianus wurde 1905 durch Per Axel Rydberg als Lectotypus-Art festgelegt. Synonyme für Astragalus sind: Acanthophaca , Aragallus , Astenolobium , Astracantha , Atelophragma , Barnebyella , Batidophaca , Brachyphragma , Cnemidophacos , Contortuplicata , Cryptorrhynchus , Ctenophyllum , Cystium , Didymopelta , Diholcos , Diplotheca , Geoprumnon , Gynophoraria , Hamosa , Hedyphylla , Hesperastragalus , Hesperonix , Holcophacos , Homalobus , Jonesiella , Kentrophyta , Kiapasia , Lonchophaca , Microphacos , Mystirophora , Neodielsia , Oedicephalus , Onix , Ophiocarpus , Orophaca , Oxyglottis , Phaca , Phacomene , Phacopsis , Pisophaca , Poecilocarpus , Pterophacos , Sewerzowia , Thium , Tragacantha und Xylophacos

Der Gattungsname Astragalus wurde bereits in der Antike als Pflanzenname benutzt. Er gehört zum griechischen Wort astragalos für „Halswirbel, Sprungbein und daraus hergestellte Würfel“. Möglicherweise bezieht sich der Name auf die Form der Samen.

Der deutsche Gattungsname Tragant stammt von griechisch-lateinisch tragacantha (‚Bocksdorn‘).Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 367.

Das Zentrum der Verbreitung liegt in Eurasien. Die Gattung kommt auch in Nord- und Südamerika sowie im tropischen Afrika vor.

Äußere Systematik Die Gattung Astragalus gehört zur Untertribus Astragalinae aus der Tribus Galegeae in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Innere Systematik Sie ist eine der artenreichsten Bedecktsamer-Gattungen und umfasst 1600 bis 3000 Arten. Etwa 2500 Arten kommen in der Alten Welt und etwa 500 Arten in der Neuen Welt vor. Etwa 400 Arten in 59 Sektionen gibt es in China, davon kommen etwa 221 nur dort vor. Sie gedeihen in fast allen Gebieten der Nordhalbkugel.

Gontcharov hat die Gattung 1965 in neun Untergattungen mit 103 Sektionen unterteilt, die in der alten Welt vorkommen: Untergattung Phaca mit 19 Sektionen (auch in Nordamerika) Untergattung Caprinus mit 17 Sektionen Untergattung Hypoglottis mit drei Sektionen (auch in Nordamerika) Untergattung Trimeniaeus mit 13 Sektionen (auch in Nordamerika) Untergattung Tragacantha mit drei Sektionen Untergattung Calycophysa mit neun Sektionen Untergattung Cercidothrix mit 31 Sektionen (auch in Nordamerika) Untergattung Epiglottis mit einer Sektion Untergattung Calycocystis mit sieben Sektionen

Neben den vier oben genannten Untergattungen kommen in Nordamerika noch folgende Gruppen vor, die von Barneby (1964) als „Phalanxe“ bezeichnet wurden: Untergattung Homalobi mit 46 Sektionen und 194 Arten Untergattung Piptolobi mit 35 Sektionen und 192 Arten Untergattung Orophaca mit zwei Sektionen und sieben Arten

In Südamerika gibt es über 100 Arten, die nicht in den obigen Klassifikationen enthalten sind.

Einige Autoren unterteilen die Gattung Astragalus in 13 Untergattungen mit etwa 220 Sektionen: Untergattung Phaca mit etwa 24 bis 26 Sektionen Untergattung Caprinus mit etwa 17 Sektionen Untergattung Hypoglottis mit etwa 4 bis 5 Sektionen Untergattung Trimeniaeus mit etwa 17 bis 18 Sektionen Untergattung Tragacantha mit etwa 8 Sektionen Untergattung Cercidothrix mit etwa 32 bis 34 Sektionen Untergattung Calycophysa mit etwa 10 Sektionen Untergattung Calycocystis mit 8 Sektionen Untergattung Epiglottis mit 4 Sektionen Untergattung Pogonophace mit 3 Sektionen Untergattung Homalobi mit 46 Sektionen Untergattung Piptolobi mit 35 Sektionen Untergattung Orophaca mit 2 Sektionen

Arten Europäische Arten In Europa gibt es 127 Arten, wovon folgende in Mitteleuropa vorkommen:

In Deutschland und Österreich vorkommend: Alpen-Tragant (Astragalus alpinus ) Sand-Tragant (Astragalus arenarius ) Südlicher Tragant (Astragalus australis ) Kicher-Tragant (Astragalus cicer ) Dänischer Tragant (Astragalus danicus ) Boden-Tragant, Stängelloser Tragant (Astragalus exscapus ) Gletscher-Tragant, Kälte-Tragant (Astragalus frigidus ) Bärenschote, Süß-Tragant (Astragalus glycyphyllos ) Esparsetten-Tragant, Langfahnen-Tragant (Astragalus onobrychis ) Hänge-Tragant, Blasen-Tragant (Astragalus penduliflorus )

Zusätzlich in Österreich und Südtirol vorkommend: Rau-Tragant (Astragalus asper ) Österreich-Tragant (Astragalus austriacus ) Liege-Tragant (Astragalus depressus ) Purpur-Tragant (Astragalus hypoglottis ) Lienz-Tragant (Astragalus leontinus ) Montpellier-Tragant (Astragalus monspessulanus ) Norwegen-Tragant (Astragalus norvegicus ) Dorn-Tragant (Astragalus sempervirens ) Furchen-Tragant (Astragalus sulcatus ) Aufgeblasener Tragant (Astragalus vesicarius )

Weitere europäische Arten: Astragalus alopecurus Astragalus angustifolius Astragalus aquilanus Astragalus austroaegaeus Kaffeewicke (Astragalus boeticus ) Astragalus depressus Astragalus echinatus Astragalus epiglottis Haken-Tragant (Astragalus hamosus ) Astragalus idaeus Astragalus nummularius Sägehülse (Astragalus pelecinus ; Syn.: Biserrula pelecinus ) Astragalus peregrinus Astragalus sinaicus Marseille-Tragant (Astragalus tragacantha , Syn.: Astragalus massiliensis )

Außereuropäische altweltliche Arten (Auswahl) In der Alten Welt kommen außerdem u. a. folgende Arten vor: Astragalus friederikeanus (Südtürkei). Astragalus sarcocolla Vgl. www.gbif.org. Astragalus sinicus

Neuweltliche Arten (Auswahl) Astragalus crassicarpus (Nordamerika). Astragalus phoenix (Nevada, USA)

Geschichte Verwendung