mini|hochkant=1.5|Königin Elisabeth mit Fuchsmütze bzw. -haube (2005)

Eine Pelzmütze ist eine winterliche Kopfbedeckung aus Fell (Mütze = süddeutsch und österreichisch teilweise Haube, auch Kappe). Entsprechend dem Sprachgebrauch bei textilen Kopfbedeckungen wird eine Fellmütze mit Rand als Pelzhut bezeichnet.

Bei den klassischen Damen- und Herrenpelzmützen werden die einfache Form und die mit geteiltem doppeltem Rand unterschieden, bei dem der Hinterrand über die Ohren gezogen werden kann. Auch haben Mützen mit Schirm, die sogenannten Jagd- oder Hubertusmützen, inzwischen Eingang in die allgemeine Mode gefunden.

Mit der gewerblichen Anfertigung von Pelz-Kopfbedeckungen beschäftigen sich vor allem die Gewerke der Modisten und Kürschner.

Allgemein Pelz-Kopfbedeckungen unterscheiden sich nach Form und der Pelzart, aus der sie gearbeitet sind. Beides kann durch den Verwendungszweck, Tracht (regional, berufsbezogen) oder, vor allem in neuer Zeit, durch die Mode beeinflusst oder bestimmt sein. Insbesondere für die historische Mütze kommt die örtliche Verfügbarkeit des Fellmaterials hinzu. Die Pelzmütze- und der Pelzhut sind den kälteren Gegenden vorbehalten, im Sommer und in Gebieten ohne Winter taucht Pelz höchstens gelegentlich als Kopfschmuck auf, besonders in historischer Kleidung als Trophäe einheimischer Jäger, ohne wärmenden Zweck. Pelzhüte und Kappen waren in besonderem Ausmaß nach 1945, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, für einige Jahrzehnte ein wichtiger Bestandteil vor allem auch der deutschen Hut- und der zu der Zeit besonders florierenden Pelzmode.

mini|hochkant=0.7|Zuschnitt für drei Mützenformen aus Sealbisamfell (1895)

Arbeitstechnik Weiche, nicht versteifte Pelzmützen werden nach einem Schnittmuster zugeschnitten (Fachbegriff: Abgleichen). Meist wird das Fell nach dem Anbrachen, dem Entfernen eventueller Schadstellen, gespannt, um es zu glätten und um die Fellfläche optimal auszunutzen. Die abgeglichenen Mützenteile werden mit der Pelznähmaschine oder einer überwendlichen Handnaht zusammengefügt und die Nähte anschließend geglättet. In der Regel werden sie mit Stoff abgefüttert, eventuell zusätzlich wattiert. Außer bei kapuzenartigen und flach am Kopf anliegenden Formen werden sie zum besseren Halt und als Schutz gegen das Ausdehnen mit einem der Hutweite entsprechenden Hutband versehen.

Für feste Modelle werden die Felle auf den Block (Mützenblock, Kappenblock, Kappenstock) geheftet und darauf in Form geschnitten. Nach dem Nähen werden sie feucht, mit dem Haar nach außen, über den Block gezogen und festgezweckt, mit Stecknadeln und Zweckzange beziehungsweise einem Hand-, Elektro- oder Drucklufttacker. Individuelle Details (Falten, imitierte Ohrenklappen etc.) werden dabei mit Pappstreifen ausgeformt. Für besonders hochwertige Verarbeitungen kann gleichzeitig eine Klebegaze mit eingebracht werden, die nach dem Trocknen eine besonders weiche und leichte Kappe ergibt. Anstelle dieses früher regelmäßig verwendeten, im nassen Zustand klebenden Steiftülls oder der Steifgaze wird als Unterstoff heute meist ein gitterförmiges Kunststoffgeflecht benutzt.

Geschichte mini|hochkant=0.8|Priesterin mit Leopardenhut (Knossos, 1600 v. Chr.)

Felle mit daranbelassenen Köpfen und Fellköpfe gehörten schon in frühester Zeit in vielen Ländern zu den mythischen Kopfbedeckungen und zu Kopfschmuck von Jägern und Kriegern. Der „Zauberer“ der Höhlenmalereien von Trois Frères in Ariège trägt ein Bisonfell mit Kopfteil, als Maske und Mütze verwendet. Das Nebeneinander von jägerischer Tarnung und kultischer Felltracht blieb über Jahrtausende bestehen. Germanische Krieger trugen gelegentlich eine Wolfsmaske mit Wolfsschwanz, ägyptische Priester zumindest im Kult eine Hundemaske. Assyrische Tänzer maskierten sich beim Kriegstanz mitunter mit Löwenmasken. Altkretische Priesterinnen trugen junge Leoparden als Kopfschmuck, eine kretische Priesterin hat ihren Hut sogar mit einem ausgestopften Jungleoparden verziert. In Indien übernahmen die Mitanni aus Pfauenbälgen gearbeitete Masken. Fellmasken mit nichtritualem Gebrauch zeigen beispielsweise Jagdmasken auf ägyptischen Paletten der Frühzeit. In Mittelamerika waren bei Mixteken und Maya und in Südamerika bei den Stämmen auf der Paracas-Halbinsel Masken oder Hüte aus Jaguarfell Bestandteile der Kult- und Kriegstrachten.B. Brentjes: Pelz- und Felltachten des Altertums. In: Das Pelzgewerbe. Jg. XIX, Neue Folge, 1968 Nr. 2, S. 31–34.

Pelzmützen gehören zu den ältesten Kopfbedeckungen zumindest kalter Gegenden. In Pfahlbautenüberresten fand man Kopfbedeckungen, von denen man annimmt, dass sie aus Fischotterfellen gefertigt wurden. Im Hallstätter Salzbergwerk wurde eine ganz mit Salz überkrustete Fellmütze gefunden, die etwa aus der Zeit um 2000 v. Chr. stammt, also der Bronzezeit. Im Mittelalter und der Neuzeit waren Kopfbedeckungen aus Pelz ein augenfälliges Statussymbol, wenn sie aus exklusiven Fellen, wie zum Beispiel Zobel, gearbeitet waren.

Um 700 v. Chr. schlug der griechische Dichter Hesiod für den Winter vor: „Für die Füße Sandalen aus Ochsenfell, um die Brust einen Umhang aus Zickelfell und auf dem Kopf eine flache Pelzmütze, die auch die Ohren schützt.“Eva Nienholdt: Pelz in der europäischen Kleidung. Vorgeschichtliche Zeit bis zur Gegenwart. In: Das Pelzgewerbe. Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, Hefte Jg. VI / Neue Folge 1955 Nr. 2 bis Jg. IX / Neue Folge 1958 Nr. 6. --- 1955 Heft Nr. 2, S. 65, Primärquelle: Fougerat, S. 255–256. mini|links|Kopfschmuck mit Zobel, mongolische Aristokratin (Anfang 20. Jh.) Noch heute besitzt in den kalten Teilen Asiens – etwa der Mongolei – fast jeder Bewohner eine Mütze aus Pelz. Sie ist häufig aus Materialien gearbeitet, die Hirtenvölkern ohnehin zur Verfügung stehen, wie Lammfell oder Ziegenfell.

Einfache Mützen aus Lamm- oder Schaffell wurden in ländlichen Gegenden anfangs häufig von den Schäfern und Bauern selbst angefertigt. Da die Kürschner jedoch über die Möglichkeit einer fachgerechteren Gerbung der Felle verfügten, dürften diese im Lauf der Zeit auch dort meist die Herstellung übernommen haben. Mit der modernen Pelzmode, etwa nach 1860, wurden die Pelzkappen- und Hutformen raffinierter, sie benötigten zur Herstellung jetzt häufig spezielle Holzformen, je nach Mode in beständig neuen Modellen. Damit wurde die Produktion für den einzelnen Kürschner meist unlukrativ. Bei den wenigen Stücken, die er von einem Modell verkaufte, konnte es passieren, dass der aufwändig herzustellende Holzblock mehr kostete als ihm die darauf gearbeiteten Pelzkappen an Nutzen einbrachten. Dies schuf die Grundlage für Pelzhut-Spezialbetriebe, die Kürschner, Hut- und Textilgeschäfte und Warenhäuser, aber auch die Haute Couture beliefern.

mini|hochkant=0.7|Der Hofnarr von Ferrara mit pelzverbrämter Mütze (etwa 1445)

In Mitteleuropa waren die Winterkopfbedeckungen oft mit Pelz gefüttert oder verbrämt. Hartmann von Aue schreibt in seinem Iwein um das Jahr 1200, dass Greise im Winter Hüte aus Fuchspelz tragen sollten.Nienholdt, 1955 Nr. 3, S. 96: V. 6535: sô soltens sich behueten mit rûhen vuhs hüeten vor dem houbetvroste Aus der im Mittelalter nur leicht gebauschten und häufig mit Kreuzbügeln und einem Knopf in der Mitte versehenen Mütze entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine hochstehende Krempe, die oft aus Pelz, bei vornehmen Männern aus Hermelin, bestand. Auch der sogenannte Pfauenhut, der vor allem von höheren Ständen zur Jagd getragen wurde, hatte häufig eine pelzverbrämte Krempe.Nienholdt, 1955 Nr. 3, S. 96.

Aus der hochmittelalterlichen Tracht wurden die Mützen und Hüte mit Pelzrändern übernommen und weiterentwickelt. Der Landmann trug weiter einen schmalkrempigen Hut aus Fuchspelz oder Schaffell. Soweit in den alten Bildern erkennbar – ähnliche, angeraute Filzhüte waren zu der Zeit aktuell – finden sich in der Modetracht des 15. Jahrhunderts – in der zweiten Hälfte bereits weniger – schmal- oder breitkrempige Pelzhüte.Nienholdt, 1955 Nr. 5, S. 166.

Auch im 16. Jahrhundert wurden die Pelzhüte beibehalten. Sie spiegelten, maßvoller als davor, die übrige Kleidung im modischen Wandel wider. Die Hüte wurden flacher, die Krempe lief entweder rundum oder wurde nach vorn oder nach hinten hochgeschlagen. Das Barett, die wesentliche Kopftracht des 16. Jahrhunderts, hatte oft ebenfalls eine meist in zwei Hälften zerfallende Pelzkrempe. Pelzmützen wurden von beiden Geschlechtern gleichermaßen getragen, lokale Abweichungen waren kaum festzustellen. Der französische Philosoph Michel de Montaigne schrieb über Lindau: In der ganzen Gegend tragen die Frauen Pelzhüte oder Mützen, die es auch bei uns gibt. Die äußere Seite aus einem angemessenen Pelz, etwa Grauwerk, die innere aus Lammfell. Eine solche Mütze kostete nicht mehr als drei kleine Silbermünzen. Die Öffnungen, die unsere Mützen vorn haben, tragen sie hinten, so dass man ihre krausen Haare sieht.Nienholdt, 1956 Nr. 1, S. 24. Mitte des 16. Jahrhunderts zeigt sich auch in den Hutformen der Übergang zur übrigen spanischen Mode, beispielsweise als ein dem hohen spanischen Hut gleichender Pelzhut.Nienholdt, 1956 Nr. 1, S. 19.

Im Jahr 1640, das war noch während des Dreißigjährigen Krieges, sah sich der Rat von Leipzig genötigt, gemäß der damaligen Standes- und Kleiderordnungen den Handwerker- und Handelsfrauen das Tragen kostbarer Zobel- und Hermelinmützen zu verbieten.Konrad Haumann: Kostümgeschichtlicher Streifzug durch die Jahrhunderte. In: Der Rauchwarenmarkt. Berlin, 13. März 1943.

mini|hochkant=0.7|Pelzgefütterter Hausrock und Pelzmütze (Deutschland 1775) mini|Herren-Pelzmütze (Breslau, 1917)

Zum etwa im 17. Jahrhundert aufgekommenen pelzgefütterten Hausrock, ein Kleidungsstück, das sich bis zum Aufkommen moderner Heizanlagen hielt, gehörte öfters auch eine entsprechend Pelz- oder pelzverbrämte Mütze.Nienholdt, 1956 Nr. 6, S. 237–238.

Während der Pelz in den Trachtenmützen und -hauben, auch der konservativen städtischen Trachten, blieb, ist er in den modischen Kopfbedeckungen des 18. Jahrhunderts kaum verwendet worden. Stattdessen thronten auf den hochgetürmten Frisuren Stoffhauben oder breitkrempige Hüte, üppig mit Feder- oder Blumenschmuck garniert. Nur gelegentlich wurde als Kopfputz etwas feiner Pelz verwendet, wie etwa Hermelin. Erst um die Wende zu 1900 wurde eine dem Mantel gleiche Verbrämung der Kopfbedeckungen häufiger.Nienholdt, 1956 Nr. 6, S. 243–244.