Iitate (japanisch , -mura) ist eine Dorfgemeinde im Landkreis Sōma in der Präfektur Fukushima in Japan. Der Ort ist seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima unbewohnt. Eine Wiederbesiedlung ist ab März 2017 geplant.

Geografie Iitate liegt im Abukuma-Hochland (, Abukuma-kōchi). Die größte Erhebung ist mit 918,5 m der Hanazuka-yama () auf der Westgrenze zu Kawamata.

Größter See ist der Hayama-ko (), der 1991 – 34 Jahre nach der Projektplanung – als Stausee des Mono-Damms (, Mono-damu) entstand. Zufluss ist der Mono-gawa (). Im Süden befindet sich das Nitta-gawa-Flusssystem (), das an seinem Seitenarm Iitoi-gawa () am Iwabe-Damm (, Iwabe-damu) und am Notegami-gawa am Notegami-Damm (, Notegami-damu) – auch Fugane-Damm (, Fugane-damu) genannt – zu zwei viel kleineren Seen gestaut wird.

Die Gemeinde bestand zum Zeitpunkt der Evakuierung aus 20 Ortsteilen, die bis auf Nagadoro () und Warabidaira () alle auf vormoderne Dörfer zurückgehen (siehe Geschichtsabschnitt).

Nachbargemeinden sind Sōma im Nordosten, Minamisōma im Osten, Namie im Süden, Kawamata im Südwesten und Westen und Date im Nordwesten.

Geschichte Die Gemeinde Iitate entstand am 30. September 1956 aus der Vereinigung der beiden Dörfer Iiso () und Ōtate (), von denen auch der Name abgeleitet wurde, ebenso wie es in der Vergangenheit bei diesen beiden Dörfern geschah: Iiso entstand am 1. April 1889 aus Iitoi () und Hiso (), sowie Ōtate am 1. April 1967 aus Ōsu () und Niitate ().

Ōsu wiederum wurde am 1. April 1889 gebildet aus Ōkura (, dt. „großes Lager“) und Sasu (, dt. „notwendige Hilfe“), sowie Niitate aus Kusano (, dt. „Grasfeld“), Yagisawa (, dt. „Fluss mit vielen Bäumen/acht Baumarten“), Ashimata (, dt. „Schilfrohrgabelung“), Sekisawa (, dt. „Barrierefluss“), Numadaira (, dt. „flacher Morast, Morastebene“), Komiya (, dt. „kleiner Schrein“), Itamizawa () und Fukaya (, dt. „tiefes Tal“).

Zudem wurde am 1. April 1967 Ishibashi (, dt. „Steinbrücke“) in Iiso eingemeindet, das am 1. April 1889 gebildet wurde aus Usuishi (, dt. „Mörserstein“), Nimaibashi (, dt. „zwei Brücken“), Maeda (, dt. „Vorreisfeld“), Sugaya (, dt. „notwendiges Schilfgras“), Sekine () und Matsuzuka (, dt. „Kieferngrab(hügel)“).

Diese ursprünglichen 18 Dörfer aus der Zeit vor der nationalen Reorganisation des Gemeindewesens am 1. April 1889 haben mit ihren Namen in den Ortsteilen überlebt, ausgenommen Ashimata, das heute Ashihara (, dt. „Schilfrohrebene“) heißt. Ashi ist homophon mit dem Wort für „Fuß, Bein“, und das Schriftzeichen von mata kann auch „Oberschenkel; Schritt[bereich]“ bezeichnen.

2004 stellte sich die Gemeinde gegen den allgemeinen Eingemeindungstrend, trat aus der Ratsversammlung über die Eingemeindung nach Minamisōma aus und verfolgte seitdem einen Unabhängigkeitskurs.

Tōhoku-Erdbeben und Nuklearkatastrophe 2011 Das Dorf Iwate war nicht direkt vom Tōhoku-Erdbeben am 11. März 2011 betroffen. Doch der vom Erdbeben ausgelöste Tsunami und die daraus resultierende Nuklearkatastrophe von Fukushima führten dazu, dass das gesamte Dorf aufgrund der Kontamination evakuiert werden musste.; Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0).

Schäden und Opfer Die Brand- und Katastrophenschutzbehörde meldete bis zu ihrem 145. Schadensbericht vom 13. März 2012 einen Toten für Iitate als Folge der Tōhoku-Dreifachkatastrophe von 2011, (), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 145. Bericht, 13. März 2012. (), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 124. Bericht, 19. Mai 2011. erhöhte ihre Angabe dann aber in ihrem 146. Schadensbericht vom 28. September 2012 auf 38 Tote (), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 146. Bericht, 28. September 2012. und bis zum 157. Schadensbericht vom 7. März 2018 auf 42 Tote. (), 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency), 157. Bericht, 7. März 2018.

Evakuierung Bekannt wurde Iitate weltweit aufgrund der Folgen der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Trotz einer Entfernung von 40 Kilometern zum havarierten Kernkraftwerk gehörte Iitate zu den am stärksten radioaktiv kontaminierten Gebieten. Bei einer Analyse von Bodenproben in der Präfektur Fukushima wurde auf einem Bauernhof in Iitate die mit Abstand höchste Kontamination nachgewiesen (siehe auch: Hotspot in Iitate im Artikel Strahlungsbelastung durch die Nuklearunfälle von Fukushima).

Die Internationale Atomenergie-Organisation und Greenpeace forderten die japanischen Behörden Ende März 2011 auf, die Evakuierung der Umgebung des Kernkraftwerks auf Iitate auszuweiten. Am 12. April verfügte die japanische Regierung die Evakuierung von Iitate und vier benachbarten Orten. Die Bevölkerung von Iitate betrug mit Stand von 2010 etwa 6100 Einwohner (laut Volkszählung 2010: 6,209). (PDF, japanisch), stat.go.jp (Statistics Japan - Statistics Bureau, Ministry of Internal Affairs and communication), Volkszählung 2010, Zusammenfassung der Ergebnisse für die Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima, URL: https://www.stat.go.jp/data/kokusei/2010/index.html.

Die Evakuierungsanordnung der Regierung nach dem Nuklearunfall aufgrund der hohen Strahlenbelastung betraf das gesamte Dorf Iitate. Etwa 90 % der Bevölkerung wurden aus dem Dorf zu Gebieten innerhalb eines Umkreises von einer Stunde Wegzeit evakuiert, während etwa 10 % der Bevölkerung an Orte außerhalb der Präfektur Fuskushima evakuiert wurden. Bis Ende Mai 2011 mussten alle Bewohner den Ort verlassen. Die Gemeinde von Iitate hatte zwar erwogen, geschlossen an einen einzigen Standort zu ervakuieren, dann aber versucht, die Umsiedlung auf die Bedürfnisse der Dorfbewohner bezüglich ihrer Beschäftigung, Ausbildung und Vermeidung von Einschränkungen im Lebensfeld zu erfüllen. In der Folge kam es bei der Evakuierung zu einer Zerstreuung der Evakuierten von Iitate auf die Zielorte der Evakuierung, wobei die Gesamtzahl der Haushalte durch die Aufteilung der Haushaltsmitglieder auf verschiedene Orte entsprechend von 1.700 vor der Evakuierung auf 3.300 nach der Evakuierung stieg. Laut einer 2012 durchgeführten Umfrage lebten die Familienmitglieder von 65 % der Haushalte an zwei oder mehr und von 23,4 % der Haushalte an drei oder mehr Orten nach ihrer Evakuierung. Lediglich 30 % der Haushalte wurden geschossen evakuiert, viele zogen in Mietwohnungen um. 42,7 % der Befragten gaben an, nur wenige Freunde oder Bekannte in der Nähe und keine echten Gesprächspartner zu haben. Das in einem bäuerlich geprägten Bergland gelegene Dorf Iitate bot gute Bedingungen für eine florierende Landwirtschaft, Viehzucht und Blumenzucht. Vor der Evakuierung hatten regelmäßig Gemeinschaftsveranstaltungen stattgefunden, an denen besonders Frauen und Jugendliche teilgenommen hatten. Nach der Evakuierung führte die eintretende Arbeitslosigkeit und das dauerhafte Verlassen des Dorfes vieler Menschen zu Motivationsverlust und Zerfall der lokalen Gemeinschaft. Der dramatische Schwund der sozialen Netzwerke wird als Gefahr für die Gesundheit der Dorfbewohner angesehen, zumal in Notunterkünften lebende Evakuierte aufgrund ihrer geringeren sozialen Vernetztheit einem höheren Depressionsrisiko ausgesetzt sind. Medien hatten im April 2011 berichtet, dass der mit einem Alter von 102 Jahren älteste Einwohner von Iitate aufgrund des Zwanges zur Evakuierung Suizid begangen habe.

Als Gegenmaßnahme zur Nuklearkatastrophe wurde ein Sperrgebiet um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in einem Umkreis von 20 km ausgewiesen. Es gab jedoch auch jenseits dieses 20-km-Radius viele andere Standorte mit hohen Strahlungswerten, da radioaktive Partikel über den Wind aus dem havarierten Kraftwerk fortgetragen wurden. Zu diesen Orten zählten Iitate sowie 10 weitere Dörfer und Städte, darunter Minamisōma, Naraha, Tomioka, Kawauchi, Ōkuma, Futaba, Namie, Katsurao, Tamura und Kawamata. Diese Regionen wurden entsprechend ihrer radioaktiven Belastung nach der Erlassung der Evakuierungsanordnungen vom 7. Mai 2013 in folgende vier verschiedene Kategorien eingeteilt: Gebiete mit einer Strahlenbelastung von weniger als 20 mSv pro Jahr, die von der Regierung als Schwellenwert für eine dauerhafte Rückkehr behandelt wurde, bildeten die Kategorie 1. Gebiete dieser Kategorie 1 konnten die Einwohner nach eigenem Ermessen und ohne Einsatz von Schutzausrüstung betreten mit der einzigen Einschränkung, dass sie dort nicht übernachten durften. Diese Gebiete waren bereit für eine Aufhebung des Evakuierungsbefehls. In Gebieten mit einer Strahlenbelastung zwischen 20 und 50 mSv pro Jahr (Kategorie 2) war den Einwohnern ein dauerhafter Aufenthalt untersagt. Gebiete mit über 50 mSv pro Jahr (Kategorie 3) wurden als langfristig ungeeignet für eine Rückkehr der Einwohner angesehen. Einen Sonderstatus nahm ein viertes Evakuierungsgebiet ein.

Im Dezember 2012 stimmte das Dorfbüro Iitate mit der Stadtverwaltung von Fukushima darin überein, eine „temporäre Stadt“ in der Stadt Fukushima zu entwickeln. Mit Stand 2014 waren über die Hälfte der Dorfbewohner (etwa 3.800 Menschen) sowie das Dorfbüro von Iitate in die Stadt Fukushima umgezogen. Sozialwohnungen, eine Realschule, ein Kindergarten, landwirtschaftliche Einrichtungen und andere notwendige Infrastruktur wurden errichtet. Es handelte sich um den ersten Fall einer Vereinbarung über eine „temporäre Stadt“, auf die sich zwei Kommunalverwaltungen geeinigt hatten., Lizenz: Creative Commons Attribution CC BY 3.0 IGO.

Rückkehrer Im Juli 2016 nahm die Dorfverwaltung wieder ihre Aufgaben innerhalb des Dorfes auf und registrierte Einwohner durften langfristig im Dorf bleiben. Die Aufhebung der Evakuierungsverordnung und somit Erlaubnis zur Wiederbesiedlung für den größten Teil des Dorfes Iitate wurde für Ende März 2017 geplant. Davon ausgenommen sollten die Gebiete bleiben, in denen die Rückkehr der Bewohner als „schwierig“ erachtet wurde. Die Wiederbesiedlung einer Fläche von 7 % des Gemeindegebiets, die stark kontaminiert wurde, war damit weiterhin ausgeschlossen. Entsprechend wurde am 31. März 2017 die Evakuierungsempfehlung für den größten Teil des Dorfes aufgehoben. (Veröffentlicht am 6. Juli 2017); Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported (CC BY 3.0). Insgesamt hob die japanische Regierung am 31. März und 1. April 2017 die Evakuierungsbefehle für rund 32.000 Einwohner aus den vier strahlenbelasteten Gemeinden Iitate, Kawamata, Namie und Tomioka auf, denen somit wieder erlaubt war, in ihre Häuser zurückzukehren. Die einzigen Orte, die damit noch Gegenstand von Evakuierungsbefehlen waren, waren Futaba und Ōkuma sowie Teile der fünf benachbarten Städte und Dörfer Minamisōma, Iitate, Namie, Tomioka, Katsurao., nippon.com, 24. Mai 2017, von Suzuki Hiroshi.

Zunächst kehrte in den Gebieten, für die die Evakuierungsanordnung aufgehoben wurde, jedoch nur eine begrenzte Anzahl von Einwohnern in ihre ursprüngliche Häuser zurück. Zu den Gründen für das Ausbleiben ihrer Rückkehr zählten eingeschränkte soziale Infrastruktur und begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten sowie Bedenken hinsichtlich der Strahlenbelastung.

Im Dorf Iitate stellte beispielsweise das Sammeln von Sansai (essbare Wildpflanzen und wildwachsende Pilze) ein wichtiges und traditionelles Ereignis für viele Menschen dar. Im ebenfalls nahe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi gelegenen Dorf Kawauchi, wo die Evakuierungsanordnung für alle Dorfgebiete im Jahr 2016 aufgehoben worden war, war jedoch die Anzahl der Menschen, die Sansai sammelten, seit dem Nuklearunfall signifikant gesunken. Die zusätzliche individuelle Strahlenbelastung für Menschen, die in den Bergen Wildpflanzen und Pilze sammelten, war wissenschaftlich mit Stand von 2017 nicht ermittelt worden.

Verkehr Wichtigste Fernverkehrsstraße ist die Nationalstraße 339 nach Iwaki oder Nan’yō.

Iitate ist nicht an das Schienennetz angeschlossen.

Sehenswürdigkeiten mini|Wolfsstatue beim Yamatsumi-Schrein