Mein Jahr in der Provence () ist ein von Peter Mayle geschriebener Reisebericht, der 1989 veröffentlicht wurde, seit 1992 in deutscher Übersetzung vorliegt, und autobiographische Elemente beinhaltet.

Er handelt von Peter Mayle und seiner Frau, die Anfang der 1980er Jahre ein Jahr ihres Lebens beschreiben, das sie in der Provence verbracht haben. Der Leser bekommt Einblick in das tägliche Leben und die Herausforderungen, die sie bewältigen müssen. Mayles Werk war ein großer Erfolg und wurde weltweit in über 17 Sprachen übersetzt. Darüber hinaus wird das Buch neben seinen Nachfolgern auch als Musterbeispiel einer literarischen Initialzündung transkultureller Genusssteigerung im Zuge der Erschließung Globaler Märkte angesehen, die die Esskultur des Vereinigten Königreichs maßgeblich beeinflusse und die kulturelle Identität zumindest bei den im Ausland lebenden Briten wandeln könne.Allison James: Cooking the Books. Global or locals identities in contemporary British food cultures. S. 77ff., darin Diskurs 2: Expatriate Food.; David Howes: Cross-cultural consumption: global markets, local realities. Routledge, London 1996, ISBN 0-415-13889-2, S. 84ff. miniatur|Lage der historischen Provence innerhalb Frankreichs miniatur|Die moderne Region Provence-Alpes-Côte d’Azur im Südosten Frankreichs

Struktur und Inhalt Statt in Kapitel ist das Buch in Monate unterteilt, die das Jahr der Mayles in der Provence erzählen. miniatur|Ménerbes miniatur|Trüffel

Januar Die Mayles bauen sich in der Provence ein neues Leben auf. Sie kaufen sich im Dorf Ménerbes ein Haus und treffen auf die ersten Handwerker, die ihnen bei der Renovierung ihres Hauses helfen. Sie lernen viel über die Sprache und die Landwirtschaft in der Provence und meistern ihren ersten Behördengang in Frankreich.

Februar Peter Mayle und seine Frau müssen sich an die rauen, ungewohnten Wetterbedingungen gewöhnen. Die Arbeiten an ihrem Haus gehen nur schleppend voran. Sie treffen sich mit ihrem Architekten und mit ihren neuen Handwerkern und geben sich den örtlichen kulinarischen Spezialitäten hin.

März Die Mayles machen Bekanntschaft mit dem exzentrischen Monsieur Massot. Außerdem werden sie in die Welt der Trüffel eingeführt. Ende März erhalten sie einen anonymen Anruf.

April Es stellt sich heraus, dass der unbekannte Anrufer Tony, ein Geschäftsmann aus London, ist. Dieser ist an Grundstücken in der Provence interessiert und braucht Mayles Hilfe, da er kaum Französisch spricht und versteht. Mayle begleitet ihn zu einem Makler, schämt sich dort jedoch für Tonys arrogantes Verhalten.

Mai Der Monat beginnt mit einer Fahrradtour. Auch die Arbeiten am Haus dauern noch an. Die Mayles machen die Bekanntschaft mit australischen Studenten, die auf Feldern arbeiten und Kirschen pflücken und, im Gegensatz zu den Mayles, einen negativen Eindruck von der Provence haben. Sie empfangen ihre ersten Gäste und erkennen, dass sie von jetzt an keine Touristen mehr sind.

Juni In Cavaillon findet ein Akkordeonwettbewerb statt. Die Mayles beobachten in einem Café das Verhalten typischer französischer Studenten, worüber sie sich köstlich amüsieren. Außerdem treffen sie zufällig auf ein flüchtig bekanntes Ehepaar aus London. Sie laden die beiden, Ted und Susan, zu sich nach Hause ein. Susan hat Probleme mit dem Essen und dem Klima in der Provence. Die Mayles sind froh darüber, dass sie besser mit den Lebensumständen in der Provence zurechtkommen.

Juli miniatur|Boule-Kugeln miniatur|Abtei von Sénanque und Lavendelfeld im Département Vaucluse Mayle zählt verschiedene stereotype Bilder von Belgiern, Franzosen, Schweizern, Engländern und Deutschen auf. Zudem erhält das Ehepaar Mayle Besuch von ihrem guten alten Freund Benett, der als leicht chaotisch und ungeschickt beschrieben wird. Sie leben sich immer mehr in die französische Kultur ein und lernen u. a. das für das Land typische Boule-Spiel kennen.

August miniatur|Gordes Die Sommerurlaubszeit bricht an und Tausende von Touristen reisen in den Lubéron. Die Mayles besuchen eine typische französische „dinner-party“ in Gordes,Auch diese Episode verführt englischsprachige Reiseführer dazu, den ohnehin historischen Ort zu besuchen; vgl. James O’Reilly, Tara Austen Weaver: Travelers’ Tales Provence: True Stories. Travelers’ Tales, San Francisco 2003, S. 203f. auf der sie sich zunächst unwohl fühlen, jedoch einiges über die Art und Weise erfahren, wie Franzosen feiern. Im August findet auch ein großes Ziegenrennen statt, welches sich die Mayles begeistert ansehen.

September Ab September wird es wieder ruhig im Lubéron und die Touristen reisen ab. Die Arbeit an der Zentralheizung des Ehepaares wird abgeschlossen und sie sind endlich gewappnet für den bevorstehenden Winter. Die Jagdsaison beginnt und Peter Mayle besucht einen Weinspezialisten der Region, dem er viele Weine abkauft.

Oktober Mayle macht einen Ausflug nach Cavaillon, wo er in die Bäckerei „Chez Auzet“ geht und viele, für ihn bis dahin völlig unbekannte, Brotsorten und Backwaren kennenlernt. Zu Hause hat das Ehepaar mit einer Ameisenplage zu kämpfen, während das Wetter regnerisch, stürmisch und trüb wird.

November Das Ehepaar wird zum „chevaliers' dinner“ eingeladen. Hierbei handelt es sich um ein formelles Fest, bei dem sie Wein trinken, speisen und tanzen. Der Leser erfährt beispielsweise, dass Olivenöl, welches in England als Luxus gilt, in Frankreich als gewöhnlich angesehen wird.

Dezember Weihnachten naht, und die Mayles laden alle Handwerker, die an den Renovierungsarbeiten ihres Hauses mitwirken, einschließlich derer Frauen, zu einer Feier bei sich daheim ein. Auch die Arbeiten an ihrem Haus werden endlich abgeschlossen. An Heiligabend sitzen die Mayles zusammen und sind sich einig, dass sie sich in ihrem Haus und in der Provence wohl fühlen und dass sie weiterhin an diesem Ort leben wollen.

Figuren miniatur|Ratatouille, eine Spezialität der Provence miniatur|Grand Luberon Peter Mayle Der Autor schwärmt für die französische Küche. Den kulturellen Eindrücken und Erfahrungen begegnet er offen. Zu Beginn des Buches hat Mayle noch Schwierigkeiten mit der französischen Sprache. Im Verlauf der Geschichte aber beobachtet der Leser seine Anpassung an die Kultur, die Traditionen und Bräuche. Als Hauptperson ist er die einzige Figur, bei der eine Entwicklung deutlich wird.

Mrs Mayle Der Leser erfährt nie ihren Namen, Peter Mayle redet meist von „wir“ und „uns“. Sie begleitet ihren Mann gern auf Wochenmärkte und teilt seine Liebe zu der „cuisine provencale“.

Faustin und Henriette Das Ehepaar sind die Nachbarn der Mayles. Sie bewirtschaften das Weingut, das Peter Mayle und seine Frau mit dem Haus gekauft haben. Auf benachbarten Bauernhöfen hilft der etwas derbe Faustin mit der Schlachtung von Tieren. Nichtsdestotrotz ist er ein sympathischer, weichherziger Mensch. Seine Frau und er teilen traditionelle Ansichten und verurteilen Touristen, die Weinanbauflächen zu Tennis- oder Golfplätzen umbauen lassen. Er ist ein leidenschaftlicher Weinbauer und stolz auf sein Anbaugebiet, sowie auf seine Frau Henriette, die ihn tatkräftig unterstützt.

Antoine Massot Der Nachbar Massot wirkt auf den Leser eher ungepflegt. Er lebt mit seinen bissigen Hunden in einem düsteren Haus nahe dem der Mayles und geht gerne jagen. Meist scheint er fremdenfeindlich gegenüber Touristen, besonders den Deutschen. Dies rührt aus seiner Abneigung gegen die Camper, die angeblich auf seinem Grundstück oder in freier Natur ihren Müll zurücklassen. Im Dorf hat er den Ruf eines „schrulligen“ Alten, Mayle betont jedoch, dass er Massot trotz seiner Eigenarten gut leiden kann.

Monsieur Menicucci Der Chef-Klempner ist allzeit zur Stelle, wenn ein Problem bei den Mayles am Haus auftritt. Der hilfsbereite Handwerker vermittelt den Mayles Didier mit dessen Handwerkerteam für den Innenausbau ihres Hauses. Seine Zuverlässigkeit hängt aber stark von der von ihm empfundenen Dringlichkeit ab.

Didier Didier leitet den Handwerkertrupp, der die meisten Renovierungsarbeiten am Haus der Mayles vornimmt. Seine Zeitangaben deuten darauf hin, dass er auf Pünktlichkeit weniger Wert legt als auf Prestigegewinn oder Verdienst.

Gäste aus England Viele Freunde, aber auch weitläufige Bekannte fragen nach einer Unterkunft in dem Haus der Mayles, um einen günstigen Urlaub in der Provence machen zu können. Oft werden die Besucher lästig und können sich schwer in das Leben der Mayles einfinden, da sie nur eine kurze Zeit als Touristen dort verbringen. miniatur|Petit Luberon

Rezeption, Auswirkungen und Kritiken Peter Mayles Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und es gibt Verfilmungen seiner Werke Ein guter Jahrgang (Ein gutes Jahr) und „A Year in Provence“. Mayle hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten: 1989 wurde seinem Werk „A Year in Provence“ der British Book Award für die beste Reisegeschichte des Jahres verliehen und 1992 ernannte der British Book Award Peter Mayle zum Autor des Jahres. Zudem ist Mayle Träger des Titels „Chevalier de la Légion d'honneur“ (ein französischer Verdienstorden), welcher ihm von der französischen Regierung verliehen wurde.

Ménerbes wurde mit dem Buch über die Grenzen Frankreichs hin bekannt und als Tourismusziel attraktiv,Elaine Dutka: Seven Days in Provence. In: Los Angeles Magazine, Januar 2000, S. 60ff.Harvey A. Levenstein: We'll always have Paris: American tourists in France since 1930. University of Chicago Press, Chicago 2004, S. 267f. obwohl es nach Auffassung mancher Kenner der Provence in der Enge des Städtchen kaum etwas überdurchschnittlich kulturhistorisch relevantes zu besichtigen gibt.Dana Facaros, Michael Pauls: Provence. Cadogan Guides, London 2006, S. 216. Einige Stimmen behaupten jedoch auch, dass Mayles Werke das Luberon als Urlaubsziel für immer ruiniert habe.Janette Norton: Walking in Provence. Cicerone Press Limited, Milnthorpe 2003, S. 33. Die Vielzahl der ihn dort aufsuchenden Touristen, die unvermittelt auf seiner eigenen Terrasse auftauchten, vertrieb die Eheleute Mayle nach einigen Jahren jedoch selbst aus dem Ort und in die noble Umgebung der Hamptons,Monica Larner: Working and Living France. Cadogan Guides, London 2007, S. 109. bevor sie sich nach vier Jahren in Lourmarin wieder in der Provence niederließen. Diesmal jedoch hütete er sich vor nachvollziehbaren Lagebeschreibungen seines Wohnortes. In jedem modernen Reiseführer werden weiterhin seine Bücher als Einstiegslektüre gepriesen.Pam Stagg, Neville Walker: Provence Spirallo Reiseführer: Magazin. Infos und Tipps. Touren. Reiseatlas. National Geographic Society/Dumont, Ostfildern 2009. S. 51.Nicola Williams: Frankreich. Dumont, Ostfildern 2007, S. 930.