mini|Linguistische Karte Aragoniens (Aragonés rot) mini|Historische Entwicklung des Aragonesischen Die aragonesische Sprache (aragonesisch und spanisch aragonés) zählt zu den romanischen SprachenFrancho Nagore Laín: Gramática de la lengua aragonesa, 1989, S. 25. und wird nur noch in einigen Hochtälern der spanischen Pyrenäen im Norden der Provinz Huesca (aragonesisch Uesca) gesprochen, die gemeinsam mit den Provinzen Teruel und Saragossa die autonome Region Aragonien bildet. Die Anzahl der Sprecher wird auf etwa 12.000 geschätzt, zwischen 50.000 und 60.000 Personen verfügen über passive Kenntnisse der aragonesischen Sprache.Otto Winkelmann: Die romanischen Minderheitensprachen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. 1996, S. 189.
Sprachgeschichte Der Ausdehnung des Römischen Reiches auf die Iberische Halbinsel folgte auch die Verbreitung des Latein. Ungeachtet der Romanisierung lässt sich die Ausbreitung der aragonesischen Sprache im Wesentlichen auf die Reconquista und die Gebietserweiterungen des Königreichs Aragón zurückführen. Der älteste überlieferte Text in (west-)aragonesische Sprache sind die vermutlich in der Region La Rioja oder in Navarra entstandenen Glosas Emilianenses. Es handelt sich um eine ca. 977 entstandene Bilingue, in der ein sakraler vulgärlateinischer Text in romanischer Volkssprache kommentiert wurde, da er offenbar zu diesem Zeitpunkt anders nicht mehr verstanden wurde. Bis vor einigen Jahren betrachtete man die Glossen, die auch einige baskische Wörter enthalten, meist als ein frühes Zeugnis der spanischen Sprache ().H. J. Wolf: Las glosas emilianenses otra vez, in: Revista de Filología Románica, Universidad Complutense, Madrid, Nr. 14, Vol. 1, 1997, S. 597–604.
Das Königreich Aragón erlangte im 13. Jahrhundert seine größte Ausdehnung bis an die Grenze der heutigen autonomen Region Murcia. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Sprache nach Norden bis in die Pyrenäentäler zurückgedrängt. Dieser Prozess dauerte bis in das 19. Jahrhundert an. Ausschlaggebend dafür war die Einführung des Kastilischen als offizielle Sprache der Diplomatie durch Karl I. von Spanien im Jahr 1536, weshalb sich das Aragonesische nicht zu einer Hochsprache entwickeln konnte.Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 13–16.
Die Zeit der Franco-Diktatur (1939–1975) verhinderte später die Verwendung regionaler Sprachen sowie lokale Autonomiebestrebungen. Mit der beginnenden Demokratisierung nach der Zeit Francos rückten erneut regionale Werte und Besonderheiten in den Mittelpunkt. Die spanische Regierung beendete mit einer neuen Verfassung die Unterdrückung der sprachlichen Minderheiten und stellte sie der spanischen Sprache gleich. Darüber hinaus veranlasste die Regionalregierung von Aragón weitere Maßnahmen zum Schutz der regionalen Sprachvarietäten.Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 16f. Diese wurden allerdings mit der Verabschiedung des „Sprachengesetzes von Aragón“ (Ley de Lenguas de Aragón), am 9. Mai 2013 durch das aragonesische Regionalparlament unter Führung des Partido Popular beschlossen, aufgeweicht. Dort wird die Sprache mit dem Glottonym lengua aragonesa propia de las áreas pirenaica y prepirenaica (eigene aragonesische Sprache der Pyrenäen- und Vorpyrenäenregion, LAPAPYP) bezeichnet.
Varietäten Die aragonesische Sprache zeichnet sich durch eine Vielzahl von Dialekten aus, die von dem Kastilischen und dem Katalanischen beeinflusst werden.Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 17. Die jeweiligen Varietäten lassen sich in vier Teilgebiete unterscheiden:
Westaragonesisch (westlich des Flusses Aragón bis an die Grenze zu Navarra, umfasst die Täler Val d’Ansó, Val d’Echo, Aragüés del Puerto und Jaca)Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 24.: cheso, ansotano, chaquésTeresa Echenique Elizondo, Juan Sánchez Méndez: Las lenguas de un reino. Historia lingüística hispánica. 2005, S. 177. Zentralaragonesisch (zwischen den Flüssen Gállego und Cinca, im Süden von den Flüssen Basa und Guarga begrenzt): panticuto, bergotés, belsetán, tensino Ostaragonesisch (zwischen den Flüssen Cinca und Ésera)Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 25.: chistabín, fobano, benasqués, grausino, focense, estadillano Südaragonesisch (umfasst das Gebiet von Somontano de Barbastro und Huesca)Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 24f.: somontanoTeresa Echenique Elizondo, Juan Sánchez Méndez: Las lenguas de un reino. Historia lingüística hispánica, 2005, S. 178.
Phonologie mini|alt=Animated territorial map of Spain|Die Ausbreitung der Aragonesischen Sprache. Vokale Der Vokalbestand des Aragonesischen ist mit dem des Kastilischen identisch. /a/ - Bsp.: palla, faba, taca /e/ - Bsp.: meter, rete, perera /i/ - Unterscheidung in den palatalen Bereich [i] – Bsp.: ibón, filo; den Bereich der Halbvokale [i] – Bsp.: pai (kastilisch: padre), foi (kastilisch: hago) und den des Halbkonsonanten [j] – Bsp.: ubierto, tiengo (kastilisch: tengo) /o/ - Bsp.: plorar, montelón /u/ - Unterscheidung in den velaren Bereich [u]: nuquera, otular; den Bereich der Halbvokale [u̯] mit zwei Diphthongierungen au und eu – Bsp.: augua, aspeuto und den des Halbkonsonanten [w] mit drei Diphthongierungen ua, ue und ui – Bsp.: tuara, mueso, muitoFrancho Nagore Laín: Gramática de la lengua aragonesa, 1989, S. 38.
Konsonanten Die okklusiven, stimmlosen, intervokalischen Konsonanten der lateinischen Epoche wurden beibehalten. Bsp.: espata (kastilisch: espalda), comito (kastilisch: comida), apierto (kastilisch: abierto), capeza (kastilisch: cabeza) Es erfolgt die Sonorisierung der stimmlosen Konsonanten beim Zusammentreffen mit nasalen und liquiden Lauten. Bsp.: aldo (kastilisch: alto), blango (kastilisch: blanco)Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 30f.
Okklusive Konsonanten /p/ - Bsp.: palla (kastilisch: paja), emplir (kastilisch: llenar) /t/ - Bsp.: taca (kastilisch: mancha), rete (kastilisch: red) /b/ - Bsp.: biega (kastilisch: viga), debán (kastilisch: delante) /d/ - Bsp.: dien (kastilisch: diente), cado (kastilisch: madriguera) Phoneme /k/ und /g/ okklusiv, velar und stimmlos realisiert Verwendung der Grapheme ⟨c⟩ und ⟨g⟩ vor den Vokalen [-a], [-o], [-u] und den Konsonanten [l], [r], Bsp.: caxa (kastilisch: caja), cuco (kastilisch: gusano), gurrión (kastilisch: gorrión) Verwendung der Nexus qu und gu vor den Vokalen [-e] und [-i], Bsp: quera (kastilisch: carcoma), guito (kastilisch: inquieto)Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 31f.
Frikative und affrikative Konsonanten Das frikative, stimmlose, labiodentale Phonem /f/ und das interdentale /θ/ wird durch die Grapheme ⟨f⟩ und ⟨z⟩ realisiert. Bsp.: forato (kastilisch: agujero, hoyo), fer (kastilisch: hacer), zarrar (kastilisch: cerrar), zorze (kastilisch: ratón, roedor) Das frikative stimmlose Phonem /x/ wird durch das Graphem ⟨j⟩ dargestellt. Bsp.: majo (kastilisch: majoNach Rafael Sánchez Ferlosio ein Aragonismus im Spanischen, vgl. Altos Estudios Eclesiásticos, .) joriar (kastilisch: orear) Das affrikative, palatale, stimmlose /ʧ/ wird durch ⟨ch⟩ repräsentiert. Bsp.: chelo (kastilisch: hielo), chugar (kastilisch: jugar) Das frikative, präpalatale, stimmlose Phonem /ʃ/ wird durch das Graphem ⟨x⟩ realisiert. Bsp.: baxo (kastilisch: bajo), alox (kastilisch: alojamiento)Francho Nagore Laín: Gramática de la lengua aragonesa, 1989, S. 40.
Nasale Phoneme Die stimmhaften, nasalen, bilabialen Phoneme /m/ und alveolaren /n/ sowie das palatale /ɲ/ werden durch die Grapheme [m],[n] sowie [ñ] realisiert. Bsp.: muito (kastilisch: mucho), erenzio (kastilisch: herencia), añada (kastilisch: año)Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 33.
Laterale Phoneme Das alveolare, laterale, stimmhaftes /l/ wird durch das Graphem ⟨l⟩ dargestellt, Bsp.: lolo (kastilisch: abuelo) Das palatale, laterale, stimmhafte /ʎ/ wird durch das Graphem ⟨ll⟩ realisiert, Bsp.: biello (kastilisch: viejo)
Vibranten Der einfache alveolare Vibrant /r/ wird mit dem Graphem ⟨r⟩ bezeichnet. Intervokalisch – Bsp.: zuro, corcho, farsante Endsilbe – Bsp.: niérbol, zarza, meter Das finale [-r] wird nicht realisiert. Bsp.: fer-lo (kastilisch: hacerlo) wird [] gesprochen. In der finalen Konsonantengruppe ⟨-rs⟩ wird das ⟨r⟩ nicht gesprochen: Bsp.: flors (kastilisch: flores) wird [] gesprochen. Der doppelte alveolare Vibrant /r/ wird in der intervokalischen Stellung grafisch als ⟨rr⟩ realisiert. Bsp.: fierro (kastilisch: hierro)Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 33f.
Morphosyntaktische Merkmale Artikel Es werden die bestimmten Artikel o/os (mask. Sg./Pl.) und a/as (fem. Sg./Pl.) verwendet. Bsp.: o zucre (kast.: el azúcar), a tabierna (kast.: la taberna), os chemecos (kast.: los gemidos), as garras (kast.: las piernas)Francho Nagore Laín: Gramática de la lengua aragonesa, 1989, S. 51. Die unbestimmten Artikel un/unos (mask. Sg./Pl.) und una/unas (fem. Sg./Pl.) sind mit denen des Kastilischen identisch.Torsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 36.
Genus Viele Substantive, die auf [-or] enden, sind feminin. Bsp.: a fridor (kast.: el fresco), a clamor (kast.: el barranco) Zahlreiche Substantive, deren Bedeutung vom Kastilischen abweichen, haben deshalb ein anderes Genus. Bsp.: o chordón (kast.: la famburesa), o maitín (kast.: la mañana) Zudem existieren Substantive, die sich lexikalisch vom Kastilischen nicht unterscheiden, allerdings ein anderes Genus aufweisen. Bsp.: a fin (kast.: el fin), o costumbre (kast.: la costumbre) Für den Gebrauch der Substantive und Adjektive wird das finale [-a] für die Kennzeichnung des femininen Wortbestands verwendet sowie das finale [-o] für die Benennung der maskulinen Wörter. Die Kongruenz in Numerus und Genus der Substantive und Adjektive unterscheiden sich nicht vom Kastilischen.Francho Nagore Laín: Gramática de la lengua aragonesa, 1989, S. 63.
Plural Normalerweise wird das Substantiv durch ein finales [-s] erweitert. Bsp.: chóben – chobens (kast.: jovenes), mon – mons (kast.: montes) Endet das Substantiv auf einen Vokal, wird die Pluralform wie im Kastilischen gebildet. Bsp.: onso – onsos, fillo – fillos Wenn das Substantiv auf [-ero] endet, erfolgt die Pluralbildung mit [-ers]. Bsp.: entero – enters, minero – miners Die Deklination erfolgt bei vielen Substantiven unregelmäßig. So wird z. B. die Singularendung auf [-t] und [-d] durch [-z] ersetzt. Bsp.: purpút – purpúz, negrút – negrúz Endet das Substantiv auf [-ch], [-x], [-z], [-s], wird die Pluralform mit [-es] gebildet. Bsp.: pex – pexes, zorz – zorzesTorsten Sotta: Einheit und Diversität der aragonesischen Dialekte. Eine morphologische und lexikalische Untersuchung. 2010, S. 37.
Possessivpronomen Die Pronomina und possessive Adjektive haben dieselbe Form. Bei der Verwendung des Possessivpronomens als Adjektiv wird der Artikel dem Possessivpronomen vorangestellt. Bsp.: o mío libro (kast.: mi libro), a mía casa (kast.: mi casa) Weitere Formen: o tuyo – o tuyo fillo (kast.: tu hijo), a tuya chirmana (kast.: tu hermana) o suyo – o suyo auto (kast.: su auto), a suya tufa (kast.: su melena)