Die Clusius-Gämswurz (Doronicum clusii), auch Zottige Gämswurz genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Gämswurzen (Doronicum) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie kommt in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas vor.
Beschreibung
mini|Blütenkorb im Detail mit Strahlen- und Scheibenblüten mini|Blütenkorb von der Seite mit Korbhülle
Vegetative Merkmale Die Clusius-Gämswurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimetern erreicht. Sie bildet ein kriechendes, geschmackloses Rhizom. Der aufsteigende oder aufrechte Stängel ist im unteren Teil beblättert und besonders oben behaart.
Die Laubblätter sind besonders am Rand mit dünnen, kraus, wollig behaart und außerdem mit dickeren, langen, spitzen Haaren besetzt. Die Laubblätter sind buchtig gezähnt bis ganzrandig, die Grundblätter sind nicht herzförmig, aber plötzlich in den Stiel verschmälert mit einem leicht geflügelten Blattstiel, die Stängelblätter sind halbstängelumfassend und sitzend.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Pro Stängel ist meist nur ein Blütenkorb vorhanden, der einen Durchmesser von 3,5 bis 6 Zentimeter besitzt. Die Hüllblätter sind mit Wimperzotten und Wollhaaren besetzt. Die Blüten sind gold-gelb. Die Zungenblüten sind 2 bis 3 Millimeter breit.
Die Achänen sind zehnrippig, 2 Millimeter lang und besitzen alle einen Pappus.
Die Chromosomenzahl beträge 2n = 60 oder 120.
mini|Steirische Gämswurz (Doronicum stiriacum) Unterscheidung verwandter Arten Es gibt zwei nahe verwandte Arten, die oft als Artengruppe Doronicum clusii agg. zusammengefasst werden: Clusius-Gämswurz (Doronicum clusii ): Sie ist diploid. Ihre Blätter sind fast kahl und nur auf den Mittelnerven behaart. Die Köpfchenstiele und die Hülle sind dicht drüsenhaarig. Sie ist verbreitet von der Kreuzeckgruppe bis zu den Seealpen und kommt in Mitteleuropa in Kärnten, Salzburg (Oberpinzgau), Tirol, Vorarlberg, Liechtenstein, Schweiz und in Südtirol vor. Steirische Gämswurz (Doronicum stiriacum , Syn.: Arnica stiriaca , Doronicum clusii subsp. stiriacum , Doronicum clusii subsp. villosum ): Sie ist tetraploid. Die Blätter sind auch auf der Fläche zottig behaart. Die Köpfchenstiele und die Hülle sind locker drüsenhaarig. Sie kommt besonders in den Zentralalpen und in den Karpaten vor. In Mitteleuropa hat sie Vorkommen in Kärnten (Gurktaler Alpen), Salzburg (Lungau) und in der nördlichen Steiermark.
Ökologie Als Bestäuber wurde der Falter Kleiner Fuchs (Aglais urticae) beobachtet.
mini|Habitus und Blütenkörbe Vorkommen Das Verbreitungsgebiet der Clusius-Gämswurz liegt in den Gebirgen Mittel-, Süd- und Südosteuropas. Es gibt Fundortangaben für Frankreich, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Slowenien, Polen, die Slowakei, Rumänien und die Ukraine. Sie wächst in Höhenlagen über 2000 Meter auf lang schneebedeckten, kalkarmen Böden, Silikatschutt, mageren Rasen und in Felsspalten. Die Clusius-Gämswurz ist gesellig und nicht häufig. Sie ist eine Charakterart des Oxyrietum aus dem Verband Androsacion alpinae.
In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil von einer Höhenlage von 2150 Meter zwischen Rothornspitze und Mutte bis zu einer Höhenlage von 2392 Meter am Gipfel der Rothornspitze auf. In Graubünden erreicht sie am Piz Linard sogar eine Höhenlage von 3275 Meter.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+ (feucht), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 1 (alpin und nival), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Taxonomie Die Erstveröffentlichung erfolgte 1773 unter dem Namen (Basionym) Arnica clusii durch Carlo Allioni in Auctarium ad Synopsim Methodicam Stirpium Horti Regii Taurinensis Seite 18. Die Neukombination zu Doronicum clusii wurde 1828 durch Ignaz Friedrich Tausch in Flora; oder (allgemeine) botanische Zeitung Band 11, Seite 178 veröffentlicht. Weitere Synonyme für Doronicum clusii sind: Doronicum hirsutum Das Artepitheton clusii ehrt den niederländischen Arzt und Botaniker Charles de l’Écluse (1526–1609), latinisiert Carolus Clusius, Professor der Botanik in Leiden.
Trivialnamen Im deutschsprachigen Raum werden oder wurden für diese Pflanzenart, zum Teil nur regional, auch die Trivialnamen Gelbe Gamsblüh (Lungau), Gamswurz (Tirol) und Johanneswurzel im Raum von Ober-Bayern und Teilen Österreichs verwendet.
Quellen Literatur
Einzelnachweise Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 41, eingescannt. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 950. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 617. Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 724–725. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. Werner Greuter, 2006+: Compositae (pro parte majore) In: Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (ed.): Compositae.: Datenblatt Doronicum clusii In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Gerald Parolly: Asteraceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 792.
Weblinks
Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt Doronicum clusii Mittelmeer- und Alpenflora.
Kategorie:Gämswurzen Kategorie:Alpenflora