Onagawa (jap. , -chō) ist eine Kleinstadt im Landkreis Oshika der japanischen Präfektur Miyagi.
Bekannt ist die Stadt für das Kernkraftwerk Onagawa, das sich teilweise auch im angrenzenden Ishinomaki befindet.
Geographie links|mini|Urbanes Gebiet von Onagawa 1975 (Luftbild in Farbe), erstellt vom MLIT Onagawa befindet sich am nördlichen Ende der Oshika-Halbinsel ostwärts entlang der Sanriku-Riasküste an der Onagawa-Bucht (, -wan).
Im Innersten der Onagawa-Bucht liegt der Hafen von Onagawa, während der Rest der Küstenlinie zahlreiche kleine Fischerdörfer beherbergt. Die Bucht öffnet sich im Osten zur Pazifikküste, besitzt einen 2,5 km breiten Buchteingang und eine Gesamtfläche von 12,1 km².
Vorgelagert sind die beiden bewohnten Inseln Enoshima (; 0,36 km²) und Izushima (; 2,68 km²). Bei Enoshima liegen noch weitere unbewohnte Eilande. Die gesamte Küste gehört zum Minamisanriku-Kinkazan-Quasinationalpark. Die bewohnten Flächen beschränken sich auf kleinere Küstenabschnitte und die Täler des Kitakami-Berglandes, so dass der größte Teil des Gemeindegebietes bewaldet ist. Östlich der Stadt befindet sich der 7,2 km² große See Mangokuura (). Durch die Stadt fließt der namensgebende Onagawa („Frauenfluss“).
Ausgenommen der Küste wird Onagawa von der Großstadt Ishinomaki umschlossen, die 2005 aus der Vereinigung der umliegenden Gemeinden entstand. Seitdem ist Onagawa auch die einzige Gemeinde im Landkreis Oshika.
Die Vielzahl an V-förmigen Buchten an der Sanriku-Küste macht diese besonders anfällig für Tsunamis, indem sie bewirken, dass die Tsunami-Energie konvergiert und verstärkt wird. Die Onagawa-Bucht gilt als typisches Beispiel für eine der V-Form nahekommend ausgeformte Bucht, die an der Mündung der Bucht breit und tief, am Ende der Bucht jedoch schmaler und flacher ist, und möglicherweise die Wellenhöhe von Tsunamis verstärken kann, wie beim Tōhoku-Erdbeben 2011., 総務省消防庁 (Fire and Disaster Management Agency) des 総務省 (Ministry of Internal Affairs and Communications), März 2013, hier in Kapitel 2 (第2章 地震・津波の概要 ) das Unterkapitel 2.2 (2.2 津波の概要(1)) (), S. 40, Abbildung 2.2-11 ("V 字型の典型的な場所の例(女川町").
Geschichte Onagawa wurde am 1. April 1889 zur Dorfgemeinde (mura) ernannt. Am 1. April 1926 erfolgte die Aufstufung zur Kleinstadt (chō).
Die Hauptindustrie der von Bergen und Meer umgebenen Stadt Onagawa war die Fischerei, und viele Fischer siedelten sich in der Stadt an. Als die japanische Fischereiindustrie in den 1970er Jahren zu schrumpfen begann, traf die Stadt die Entscheidung, sich als Standort für ein Kernkraftwerk anzubieten. So gesellten sich Beschäftigte der Bau- und Versorgungsindustrie als Einwohner der Stadt hinzu. Die Stadt nutzte die Subventionen für die Beherbergung des Kernkraftwerks sowie die Steuereinnahmen von mit dem Kernkraftwerk in Verbindung stehenden Unternehmen dazu, einen selbsttragenden Kreislauf einzurichten: sie errichtete Sport- und Touristeneinrichtungen und zog auswärtige Besucher an, die dann wiederum ihr Geld in Onagawa ausgaben. Als die Nachbarstadt Stadt Ishinomaki im Jahr 2005 mit sechs umliegenden Städten fusionierte und zweitgrößte Stadt in der Präfektur Miyagi wurde, entschied sich die Stadt Onagawa unabhängig zu bleiben und verweigerte den Anschluss an die Stadt Ishinomaki. Als Folge dieser Entscheidung verblieb Onagawa wie eine Enklave inmitten der Stadt Ishinomaki.Mayuka Yamazaki (unter Mitarbeit von Fumika Yoshimine and Hiroko Yanagisawa): "Rebuilding the Tsunami-Stricken Onagawa Town", [Juli 2013 ?]. ETIC (Entrepreneurial Training for Innovative Communities) > Disaster Recovery Leadership Development Project > Case Studies from Tohoku > Case3 (URL: https://www.etic.or.jp/recoveryleaders/en/wp-content/uploads/Rebuilding-Onagawa.pdf)
Onagawa hatte – wie viele andere ländlich geprägte japanische Städte – mit Problemen wie Rückgang und rascher Alterung der Bevölkerung zu kämpfen. Zur Weiterbildung besuchten junge Menschen die High Schools und darauffolgend das College der nahe gelegenen Stadt Ishinomaki, ohne aber danach wieder in die Stadt Onagawa zurückzukehren. Die Bevölkerung der Stadt Onagawa halbierte sich von 20.000 im Jahr 1965 und 16.000 im Jahr 1980 auf schließlich 10.000 Einwohner in den Jahren 2010 und 2011. Der Anteil der älteren Bevölkerung (über 65 Jahre alt) betrug rund ein Drittel.Mayuka Yamazaki (unter Mitarbeit von Fumika Yoshimine and Hiroko Yanagisawa): "Rebuilding the Tsunami-Stricken Onagawa Town", [Juli 2013 ?]. ETIC (Entrepreneurial Training for Innovative Communities) > Disaster Recovery Leadership Development Project > Case Studies from Tohoku > Case3 (URL: https://www.etic.or.jp/recoveryleaders/en/wp-content/uploads/Rebuilding-Onagawa.pdf). Mit Verweis auf: "Onagawa’s Statistics FY 2012", S. 10, "Onagawa’s plan on welfare for the elderly – business plan of nursing care", March 2013, S. 10. Die vom Tōhoku-Erdbeben 2011 ausgelöste Tsunamikatastrophe verstärkte diesen stark ausgeprägten Bevölkerungsrückgang weiter. Bis 2019 fiel die Bevölkerungszahl auf rund 6.500 ab, womit Onagawa japanweit zu den Gemeinden mit dem steilsten Bevölkerungsabfall zählte.
Erdbeben- und Tsunamikatastrophen +Vergleich der Bilanzen von völlig zerstörten Häusern und Opfern in Onagawa für die Katastrophen von 1896, 1933, 1960 und 2011 (Online veröffentlicht am 15. August 2017). Mit Verweis auf: Tadashi Nakasu, Yuichi Ono, Wiraporn Pothisiri: Forensic investigation of the 2011 Great East Japan Earthquake and Tsunami disaster: a case study of Rikuzentakata, Disaster Prevention and Management, 26 (3) (2017), S. 298–313, doi:10.1108/DPM-10-2016-0213. Katastrophenereignis Völlig zerstörte Häuser Zahl der Todesopfer Quelle Meiji 1896 (Erdbeben und Tsunami) 10 1 Shōwa 1933 (Erdbeben und Tsunami) 56 1 Chile 1960 (Erdbeben und Tsunami) 192 0 Tōhoku 2011 (Erdbeben und Tsunami) 2939 850 Anmerkung: Die Zahl der Todesopfer für die Tōhoku-Katastrophe 2011 errechnet sich aus den Gesamtzahlen der Toten und Vermissten des 153. FDMA-Schadensberichts vom 8. März 2016 abzüglich der Zahlenangaben katastrophenbedingter Todesfälle,Mit dem Ausdruck „disaster-related deaths“ hat die Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency) offiziell eine Kategorie für solche Fälle definiert, in denen der Tod Folge indirekter Schäden war, die durch Erdbeben, Tsunami und Nuklearkatastrophe verursacht waren. (Quelle: (Online veröffentlicht am 22. Dezember 2017); Lizenz: Creative Commons Attribution Non Commercial (CC BY-NC 4.0).) die von der Wiederaufbaubehörde (Reconstruction Agency, RA) ermittelt wurden.
Historische Tsunami-Erfahrungen und Gegenmaßnahmen Die Stadt Onagawa verfügte vor dem Tōhoku-Tsunami von 2011 über zwei Wellenbrecher, die nach dem Chile-Tsunami von 1960 erbaut worden und rund 1,5 km östlich des Hafens am Eingang der Bucht gelegen waren, jeder mit einer Länge von 300 m und in einer maximalen Tiefe von 28 m. Zwischen den beiden Wellenbrechern war eine Lücke von 150 m freigelassen worden.
Tōhoku-Erdbeben und -Tsunami 2011
Ausmaß der Überflutung und Schäden Das Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 löste einen Tsunami aus, der etwa 34 Minuten später, um 15:20 Uhr, in Onagawa eintraf. Der Tsunami erreichte in Onagawa eine Überflutungshöhe von 14,8 m. (Online veröffentlicht am 21. Mai 2011). Nach anderen Angaben überschritt die maximale Überflutungshöhe in der Stadt 16 m, begünstigt durch die Ostströmung des Tsunamis bei gleichzeitiger Ost-Exponierung der Bucht von Onagawa. (Online veröffentlicht am 27. März 2012). Der Tsunami überflutete drei Quadratkilometer und 48 Prozent der Fläche in den Wohngebieten Onagawas. Dabei wurde ein großer Teil des Stadtgebietes zerstört, einschließlich 12 der 25 Tsunami-Notunterkünfte (alle an Orten über 6 m Höhe). Die Zahl der völlig zerstörten Wohngebäude wird mit 2924 beziffert. Von den 4.607 dem Tsunami ausgesetzten Gebäuden im Überflutungsgebiet der Stadt Onagawa wurden 3.459 zerstört und fortgespült, was einer Quote von 75,1 % entspricht, der zweithöchsten Quote in der Präfektur Miyagi nach der Stadt Minamisanriku.
Die beiden Wellenbrecher, die am Eingang der Bucht von Onagawa zum Schutz des Hafens von Onagawa gegen hohe Windwellen errichtet worden waren, wurden bis auf wenige nahe am Land an jeder Seite der Bucht gelegene Caissons völlig vom Tsunami zerstört. Obwohl der Wellenbrecher nicht auf die Kräfte von Tsunamis ausgelegt worden war, war sein völliges Versagen nicht erwartet worden.
In dem im nordöstlichen Teil der Bucht von Onagawa gelegenen Dorf Takenoura, bei dem es sich hauptsächlich um ein kleines Fischerdorf handelt, wurde das gesamte Gebiet vom Tsunami überflutet, trotz des Wellenbrechers im Eingang der Bucht und eines sich 1,75 m über das Bodenniveau erhebenden Seawalls vor dem Dorf. In dem Dorf wurden auf der landwärtigen Seite des Seawalls Überflutungshöhen von 11,05 m und 8,73 m sowie auf der seewärtigen Seite von 11,91 m gemessen. Der Wellenbrecher erlitt Teilschäden, wobei der obere Teil des Wellenbrechers an vielen Stellen zerstört war.
Ein aus zwei Wagen bestehender Zug der Ishinomaki-Linie stand zum Zeitpunkt des Erdbebens abfahrtbereit am Bahnhof der JR-East-Station Onagawa. Der Tsunami riss diesen Zug mit sich fort, ebenso wie einen weiteren Zug, der für einige Thermalquellen-Einrichtungen genutzt wurde. Von den beiden Zügen aus der zweiwägigen Formation driftete der eine ungefähr 200 m fort und wurde vollständig zerstört, während der andere 100 m weiter landeinwärts trieb und auf einem Friedhof zu stehen kam, der auf einem Hügel lag. Zudem wurden das Bahnhofsgebäude und die Eisenbahnstrecke schwer beschädigt.
Entlang der Küstenlinie der Onagawa-Bucht entsprachen die gefundenen Tsunamispuren einer Tsunamihöhe von über 10 m. Am innerst gelegenen Teil der Onagawa-Bucht drang der Tsunami über einen Kilometer landeinwärts vor und folgte dabei den engen Tälern, die sich in die Küstenhügel einschneiden, von denen die Stadt Onagawa umgeben ist. Die Tsunamiwoge stieg auf annähernd 18 m an und überragte fast alle Gebäude des Gebietes mit Ausnahme derer auf einer zentral gelegenen Hanglage., Earthquake Engineering Research Institute (EERI). Wenngleich die Stadt Onagawa auch über einen höher gelegenen und weniger vom Tsunami betroffenen Teil verfügte, war das Hauptgebiet der Stadt doch um den Hafen herum gelegen. Rund um den Hafen von Onagawa wurden viele Gebäude, einschließlich der Stahlbetonbauten, teilweise oder völlig zerstört. Im urban entwickelten Bereich waren alle Holzgebäude bis zu 400 m im Landesinneren eingestürzt, und die meisten Stahlskelettbaugebäude erlitten mittlere bis schwere Schäden und stürzten zusammen. Viele Stahlbeton-Gebäude erlitten moderate Schäden, einige wurden durch Umkippen stark beschädigt. Umsturz und Verdriftung mehrgeschossiger Stahlbeton- oder Stahlskelettgebäude
In der Stadt Onagawa kam es zu einigen der überraschendsten Befunden an Gebäudeschäden während der Tōhoku-Katastrophe. In den Städten Onagawa und Miyako wurden mindestens acht Gebäude aus Stahlbeton oder Stahlkonstruktion gefunden, die vom Tsunami umgestürzt und fortgerissen worden waren. Neben Onagawa und Miyako kam es auch in Ōtsuchi in mindestens einem Fall zu einem ähnlichen Umkippen eines Stahlbeton-Gebäudes.