mini|Die Bucht von Étretat Die Normandie ( ) ist eine französische Region. Sie gliedert sich in das untere Seinegebiet (die frühere Region Haute-Normandie) nordwestlich von Paris und das Land in Richtung Westen (frühere Region Basse-Normandie) mit der Halbinsel Cotentin.

Zum Herzogtum Normandie gehörten auch die Kanalinseln, heute Krondomänen des britischen Königshauses. Zwischen Pointe de Barfleur und Cap de la Hève erstreckt sich die Baie de Seine, die markanteste Bucht der Normandie. Das Herzogtum begann als Lehen an den Wikingeranführer Rollo durch den westfränkischen König Karl (911). Rollos Nachfahren gelang die Eroberung Englands. Die Herzöge der Normandie waren bis 1087, von 1106 bis 1144 und ab 1154 dann auch Könige von England, das Herzogtum Normandie kam während des Hundertjährigen Kriegs unter die Herrschaft der französischen Könige. Mit der Einrichtung der Départements im Gefolge der Französischen Revolution und der Schaffung der zwei Regionen Haute-Normandie und Basse-Normandie 1972 war die Normandie keine politische Einheit mehr, die Frage der Wiedervereinigung der Normandie blieb jedoch auf der politischen Tagesordnung und wurde am 1. Januar 2016 im Zuge der Neuordnung der französischen Regionen vollzogen.

Zur Region Normandie gehören die französischen Départements Calvados (Nr. 14), Eure (27), Manche (50), Orne (61) und Seine-Maritime (76).

In der Normandie leben Menschen (Stand: ). Die größte Stadt der Region ist Le Havre ( Einwohner), gefolgt von der Hauptstadt Rouen ( Einwohner), Caen ( Einwohner) und Cherbourg-en-Cotentin ( Einwohner).

Geografie Geologie mini|links|Kliffküste von les Vaches Noires Die Normandie liegt hauptsächlich im Pariser Becken. Allerdings gehört die Westnormandie zum armorikanischen Massiv.

Die Geologie der Normandie erstreckt sich vom Paläoproterozoikum bis zum Quartär. In Jobourg kommen die ältesten Gesteine Frankreichs zum Aufschluss. Webseite Lithothèque de Normandie (französisch) Diese mehr als zwei Milliarden Jahre alte Gneise sind auch in der Vogtei Guernsey zu finden. Das Roche d’Oëtre ist eine der malerischsten Landschaften des armorikanischen Massivs. Die Landschaften im armorikanischen Massiv oder im Pariser Becken sind unterschiedlich. Webseite Lithothèque de Normandie An der Grenze zwischen beiden geologischen Einheiten, in Laize-la-Ville bei Caen, sind zwei Diskordanzen zu beobachten: die Cadomische und Variszische Diskordanz.Diskordanzen in Laize-la-Ville Webseite Lithothèque de Normandie (französisch) Im Pariser Becken sind zahlreiche Fossilien zu finden. Das Bajocium hat seinen Namen ebenso wie Bayeux von dessen gallo-römischen Stadtnamen Bajocae. Die Kliffküste von les Vaches Noires ist für ihre Fossilien bekannt.

Verkehrsanbindung mini|Die Städte mit den normannischen Namen Die Normandie wird von den Bahnstrecken Paris-Saint-Lazare-Rouen-Le Havre, Paris-Saint-Lazare–Caen–Cherbourg und auch von der Bahnstrecke Paris-Montparnasse–Argentan–Granville durchquert. Die Bahnstrecke Lison–Lamballe verbindet Caen mit Rennes, und somit die Normandie mit der Bretagne. Die Autobahn A13 verbindet Paris über Rouen mit Caen.

Städte Die bevölkerungsreichsten Städte der Normandie sind:

Stadt Einwohner (Jahr) Département Le Havre () Seine-Maritime Rouen () Seine-Maritime Caen () Calvados Cherbourg-en-Cotentin () Manche Évreux () Eure Sotteville-lès-Rouen () Seine-Maritime Saint-Étienne-du-Rouvray () Seine-Maritime Dieppe () Seine-Maritime Le Grand-Quevilly () Seine-Maritime Alençon () Orne

Geschichte mini|hochkant=1.4|Die Region Normandie und angrenzende Départements vor dem Hintergrund der gleichnamigen Provinz des Ancien Régime (Provinznamen kursiv)

mini|Klosterberg Mont-Saint-Michel

Zwischen 58 und 51 v. Chr. eroberte Gaius Iulius Caesar die Region und nannte das Gebiet Lugdunensis secunda. Als erste Städte entstanden Constantia, Augusta und Rotomagus. Ab dem späten 4. Jahrhundert gehörten die befestigten Städte und Kastelle an der Küste zum Limes der sog. Sachsenküste, dessen Besatzungen unter dem Befehl eines Dux tractus Armoricani et Nervicani standen.Arnold Hugh Martin Jones, John Robert Martindale, 1971, S. 504–505 Gregor von Tours erwähnt für die 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts die Niederlassung von Sachsen um Augustodurum in der heutigen Normandie. 486/87 siegten die Franken unter dem Merowinger Chlodwig über den letzten gallo-römischen Heerführer Syagrius und besetzten die gallischen Gebiete nördlich der Loire. Chlodwig gründete in Rouen einen Bischofssitz. Im 7. und 8. Jahrhundert kam es zu Klostergründungen in Jumièges, St. Ouen und St. Wandrille. 709 gründete der Bischof von Avranches das Kloster auf dem Mont-Saint-Michel. Im Jahre 841 wurde Rouen von den Normannen gebrandschatzt.

Zu ihrem heutigen Namen kam die Normandie im Mittelalter als Heimstatt der Normannen, die sich als Volksstamm aus einheimischen „französischen“ Bewohnern und hinzugekommenen Wikingern gebildet hatten. Nach Ausweis der Sprach- und Ortsnamenforschung stammte die Mehrzahl der ansässig gewordenen Wikinger aus Dänemark, ein kleinerer Teil aus Norwegen. Es ist anzunehmen, dass deren Frauen fast sämtlich aus der ansässigen heimischen Bevölkerung stammten.Vgl.: Die weiblichen Urahnen der heutigen Isländer stammen fast alle von der Insel Irland, wo die Wikinger, die nach Island segelten, ihre Frauen raubten bzw. mitnahmen.

Die Geschichte des Herzogtums Normandie begann, als der vermutlich aus Norwegen stammende Wikingerjarl Rollo (Gånge Rolf), der das Gebiet der Seine um Paris verwüstet hatte, im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte von Karl dem Einfältigen die Normandie mit der Grafschaft Rouen im Zentrum als Lehen zugesprochen bekam (911). Er wurde so in den westfränkischen „Staat“ eingebunden und sollte die Normandie gegen weitere Überfälle von außen kommender Wikinger verteidigen (seine Aufmerksamkeit vom Binnenland zur Küste verlagern).

Rollos Nachfahr Wilhelm, Herzog der Normandie, gelang 1066 die Eroberung Englands, was ihm den Beinamen „der Eroberer“ einbrachte. Er ließ sich daraufhin zum König von England krönen. Die Herzöge der Normandie blieben bis 1087 und waren von 1106 bis 1144 und ab 1154 auch Könige von England, ehe die Normandie 1204 während eines Krieges vom französischen König Philipp II. erobert wurde. Während des Hundertjährigen Kriegs (1337–1453) war sie von 1346 bis 1360 und nochmals von 1415 bis 1450 von englischen Truppen besetzt.

Während des Zweiten Weltkriegs war die Normandie von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Küste der Basse-Normandie diente den West-Alliierten als Landungszone für die lange geplante Eröffnung der zweiten Front gegen Nazi-Deutschland. Die nun folgende Invasion Operation Overlord begann in der Nacht auf den 6. Juni 1944 mit einer beachtlichen Armee aller drei See-, Heeres- und Luftstreitkräfte. Vor allem Caen litt sehr unter den Kämpfen. Nachdem die United States Army, die Briten, Kanadier, Polen und französische Truppen anderthalb Monate lang die deutschen Verbände mühsam von der Küste weg ins Landesinnere zurück drängten, um sie im Kessel von Falaise vernichten zu können, brachen Reste der geschlagenen deutschen Armeen am 25. Juli 1944 aus dem Kessel in östliche Richtung Paris aus. Im Zuge nachrückender alliierter Truppen wurde schließlich 30 Tage später die Befreiung von Paris (25. August 1944) möglich und nach neun Monaten endlich ganz Westeuropa.Chester Wilmot: Der Kampf um Europa. Büchergilde Gutenberg, Zürich 1955, S. 247–455.

Wappen und Flagge der historischen Provinz Wilhelm der Eroberer soll eine Fahne von Papst Alexander II. erhalten haben. Sie findet sich auf dem Teppich von Bayeux. Es sollte ein Zeichen päpstlichen Schutzes sein und war weder an den Herzog noch an das Herzogtum geknüpft. Es wird aber vermutet, dass Wilhelm der Eroberer tatsächlich eine Fahne benutzte. Sie soll weiß und mit einem blau gerandeten Goldkreuz versehen gewesen sein.

Ein Wappen für die Normandie wurde erst zur Zeit der Kreuzzüge und der Herrschaft der Plantagenêt eingeführt. Dieses Wappen war ursprünglich ein blauer Schild mit sechs goldenen Leoparden gewesen. Es wurde in einen roten Schild mit drei goldenen Leoparden, das Wappen von Richard Löwenherz, geändert. Nach 1204 wurden die Leoparden auf zwei reduziert und sechs Jahrhunderte blieb dies das Wappen der Normandie, bis anlässlich der bevorstehenden 1000-Jahr-Feier der Normandie sich der so genannte „Leopardenstreit“ entzündete.

Der Leopardenstreit Viele lokale Dichter und einige Historiker, vor allem aber Lokalpatrioten, sahen den Schild mit drei Leoparden als das eigentliche Wappen der Normandie an. Es war das Wappen, das auch auf Guernsey und Jersey in Gebrauch ist. Dieses sollte auch an die anglo-normannischen Herzöge und Könige als Schöpfer des modernen Englands anknüpfen. Sie sahen das Wappen mit nur zwei Leoparden als eine Folge der Eroberung der Normandie durch die Zentralmacht in Paris an. Die drei Leoparden waren unbestreitbar ein Ausdruck des Stolzes und des Wunsches nach Autonomie. Gegenwärtig ist diese Version im Bereich der Halbinsel Cotentin bevorzugt. Der Streit um die Zahl der Leoparden ist im Laufe des 20. Jahrhunderts versandet.

Der Flaggenvorschlag 1920 Um den Streit um die Zahl der Leoparden zu umgehen, starteten Lokalpatrioten eine Kampagne für eine eigene normannische Flagge. Sie begann in den 1920er Jahren mit einem Artikel im Bulletin des Normands de Paris. Professor Jean Adigard Des Gautries, ein Experte für Namenforschung für Skandinavien und die Normandie, befürwortete eine besondere Flagge, da Wappen und Flagge unterschiedliche Funktionen hätten. Die drei Leoparden sollten nur als Banner verwendet werden. Der Vorschlag fand keine breite Zustimmung, da die Patrioten zu sehr an den Leoparden hingen. Die Diskussion kam 1954 erneut auf. Diesmal waren es junge Leute um die Zeitschrift Viking, die von 1949 bis 1958 erschien. Dort wurde auf die unterschiedlichen Fahnen der Normandie-Regimente im Ancien Régime mit verschiedenen Farbkombinationen um ein weißes Kreuz herum hingewiesen, die aber wegen der monarchischen Tendenz und dem Mangel an Akzeptanz im Volk nicht weitergeführt werden konnten.

Der erste Vorschlag bestand in einer roten Fahne mit einem gelben skandinavischen Kreuz und auf der Rückseite mit zwei oder drei Leoparden. In Cherbourg wurde sie in der Wiking-Woche von 1955 gezeigt, sogar auf dem Rathaus wehte sie. Aber sie setzte sich trotz eifrigen Bemühens der Zeitung Viking nicht durch. Ein Grund war, dass sie der Signalflagge „R“ des internationalen Flaggenalphabets glich. Ein weiterer Grund war, dass diese Flagge während des Dritten Reichs von der norwegischen 'Nationalen Sammlung' der Quisling-Regierung verwendet worden war. Der dritte Grund war, dass die Separatistenbewegung, die Schonen von Schweden hatte lösen wollen, diese Fahne verwendet hatte. Die Verwendung dieser Fahne hätte die erstrebten guten Beziehungen zu den skandinavischen Ländern belasten können. Als vierter Grund wird angeführt, dass diese Fahne 1917 auch von der finnischen Unabhängigkeitsbewegung geführt worden und somit mit der finnischen Geschichte verknüpft war.

St.-Olavs-Flagge Vor diesem Hintergrund wurde 1974 ein neuer Flaggenvorschlag ausgearbeitet. Sie sollte an Olav den Heiligen erinnern, der in Rouen getauft worden war. Es handelte sich um das rote, gelb umrandete skandinavische Kreuz auf rotem Tuch. Es wurde von der Association française d’études internationale de vexillologie gut geheißen und in die Bücher Flags Through the Ages and Across the World von Whitney Smith (1975) und World Encyclopedia of Flags von Alfred Znamierowski (1999) sowie in andere zahlreiche vexillologische Abhandlungen aufgenommen. Einige Patrioten mochten allerdings von den Leoparden nicht lassen und setzten sie ins obere Liek. Auch in dieser Form ist sie verbreitet, insbesondere auf Aufklebern. Die Stadt Falaise verwendet sie als Fahne. Offiziell ist diese Flagge aber nie geworden.

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