mini|Die Luftfahrtindustrie entwickelt und produziert Fluggeräte, Systeme und Technik. Hier ist die Produktionslinie eines BAE Hawk (Variante McDonnell Douglas T-45 Goshawk für die U.S. Navy) aus dem Jahr 1988 in Long Beach zu sehen. Der Hawk wird noch immer gebaut. Zur Luftfahrtindustrie zählen alle Institutionen, Organisationen und Unternehmen sowie deren Produktionsstätten, die am Flugzeugbau beteiligt sind. Dazu zählen die Erstausrüster und Zulieferer von Fluggeräten, insbesondere Luftfahrzeugen aller Bauarten. Weitere Systeme (auch am Boden) sind Luftverkehrsanlagen, Flugsicherungstechnik uvm.
Die Branche wird auch einfach als Luftfahrt bezeichnet. Für Transportunternehmen und Flugzeugbetreiber siehe Fluggesellschaften. Das ingenieurwissenschaftliche Fachgebiet ist die Luft- und Raumfahrttechnik.
Branche In der Luftfahrtindustrie wird zwischen zivilem und militärischem Einsatzbereich unterschieden. Einige Unternehmen sind in beiden Bereichen aktiv, andere nur in einem der beiden. Auftraggeber und Abnehmer sind in der Regel Fluggesellschaften bzw. die Luftstreitkräfte.
Militärische Fluggeräte als Teil des Wehrmaterials werden in der Regel von spezialisierten Rüstungsunternehmen entwickelt, erprobt und hergestellt. Zu den Produkten gehören die Kampfflugzeuge, Mehrzweckkampfflugzeuge, Militärhubschrauber, Trägersysteme oder unbemannte Systeme. Im Bereich der Wehrtechnik gehören auch Raketenwaffen zu den entwickelten Waffensystemen. Der Industriezweig, der in der Raumfahrt tätig ist, entwickelt beispielsweise Raumsonden oder Satelliten.
Forschung und Entwicklung zielen auf neue Technologien, höhere Transportleistung und Effizienz, bessere Umweltverträglichkeit und mehr Passagierkomfort künftiger Luftfahrzeuge ab.
Die größten Messen der Luftfahrtindustrie sind in Europa die Paris Air Show und die Farnborough International Airshow. Die bedeutendste deutsche Luftfahrtmesse ist die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin.
Geschichte
Luftfahrtindustrie in Deutschland Durch Protagonisten und Firmen wie Huth, Müller, Rumpler, Fokker, Junkers, Aviatik und andere entwickelte sich seit 1909 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs eine leistungsfähige deutsche Luftfahrtindustrie, deren kontinuierliche Weiterentwicklung nach 1918 durch den Versailler Vertrag behindert wurde. Die erst am 1. März 1935 offiziell gegründete Luftwaffe der Wehrmacht war zuvor jahrelang im Geheimen aufgebaut worden. Ihre Aufrüstung war 1935 in vollem Gange. Anfang 1933 arbeiteten in allen deutschen Flugzeugwerken zusammen nur knapp 4000 Mann; 1938 waren es 204.100 (Näheres und Quellen hier).
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die industrielle Flugzeug-Großserienfertigung 1956 mit der Dornier Do 27. Der Umsatz der deutschen Luftfahrtindustrie konnte einen stetigen Zuwachs verzeichnen und betrug im Jahr 2007 18,75 Mrd. Euro. Dabei entfielen 13 Mrd. Euro auf die zivile Teilbranche und 5,75 Mrd. Euro auf den militärischen Sektor. Parallel dazu entwickelte sich die direkte Beschäftigtenzahl auf 77.440 im Jahr 2007, ergänzend sind weitere Arbeitsstellen in der Allgemeinen Verwaltung zu finden.vgl. BDLI e. V. (Hrsg.), BDLI Jahresbericht 2007, Berlin, S. 70. Der Forschungs- und Entwicklungsanteil in der Luftfahrtindustrie betrug 2007 fast 17 Prozent des Umsatzes. Die Bundesregierung unterstützt mit dem Luftfahrtforschungsprogramm seit 1995 die Luftfahrtindustrie. Für die Periode 2007–2013 plante man 2007 Ausgaben in Höhe von 590 Mio. Euro.vgl. BDLI e. V. (Hrsg.): BDLI Jahresbericht 2007, Berlin, S. 11,16
Die deutsche Luftfahrtindustrie ist stark regional konzentriert in Ballungszentren. Schwerpunkte bilden der Raum Hamburg (Airbus), wo jeder dritte Beschäftigte der deutschen Luftfahrtindustrie arbeitet, sowie Augsburg, Bremen und München. Auch bei den Regionen Frankfurt und Berlin / Brandenburg kann (trotz deutlichem Abstand) von einer Relevanz für die Luftfahrtindustrie gesprochen werden. Im Raum Augsburg befinden sich zudem einzelne Zulieferer von Carbon-Komponenten. Die Universität Augsburg betreibt Forschung und Entwicklung in der Luft- und Raumfahrttechnik.
Laut Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) arbeiten (Stand 2026) rund 130.000 Personen in dem Industriezweig. Zum Vergleich: Dies ist etwas so viel wie in der deutschen Rüstungsindustrie mit rund 135.700 direkt Beschäftigten laut dem Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV).
Luftfahrtindustrie in der Schweiz Den Startschuss für die Schweizer Luftfahrtindustrie setzte die Gründung der Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein durch eine Produktionsverlagerung von Dornier.
Organisationen Es gibt eine Reihe von Interessensorganisationen in Deutschland und international. Dazu zählen:
Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR)
In der Forschung und Entwicklung ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig. In den USA siehe das American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA).
Unternehmen und Institutionen
Unternehmen und Institutionen in Europa
Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm (EUSPA) Airbus Europäische Weltraumorganisation (ESA) MBDA NHIndustries
Unternehmen und Institutionen in Deutschland (oder Tochter in)
Airbus Behr Breezer Aircraft Broetje-Automation Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) Deutsche Aircraft Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Diehl Aerospace Diehl Aircabin Extra Aircraft Grob Aircraft Hensoldt HyImpulse IABG Isar Aerospace Leistritz Liebherr Lilium Lufthansa Technik MT Aerospace MTU Aero Engines OHB Premium Aerotec Recaro Rheinmetall Rocket Factory Augsburg Rockwell Collins (United Technologies Corporation) Rolls-Royce Deutschland (nicht zu verwechseln mit der Rolls-Royce Power Systems) Saarschmiede Schaeffler-Gruppe Zeppelin Luftschifftechnik
Unternehmen und Institutionen in Österreich
Aerospace and Mechanical Engineering Services (AMES) FACC AG Diamond Aircraft RUAG Aerospace Austria
Unternehmen und Institutionen in der Schweiz
Pilatus Aircraft RUAG
Unternehmen und Institutionen in Italien
Agenzia Spaziale Italiana (ASI, Italienische Weltraumagentur) Centro Italiano Ricerche Aerospaziali (CIRA, Italienisches Zentrum für Luft- und Raumfahrt-Forschung) Comando delle Operazioni Spaziali (COS, Kommando Weltraumoperationen) Raumfahrtzentrum Fucino Leonardo Telespazio Avio ATR Piaggio Aerospace Tecnam Alpi Aviation CH7 Helisport
Unternehmen und Institutionen in Großbritannien
Airbus BAE Systems Britten-Norman-Group GKN Aerospace Marshall Group Martin Baker Aircraft Company Rolls-Royce Group Swift Aircraft UK Space Agency
Unternehmen und Institutionen in Frankreich
Airbus ArianeGroup Avions de Transport Régional CNES DAHER Dassault Aviation Figeac Aero Groupe Latécoère Ratier-Figeac Safran Thales ThrustMe
Unternehmen und Institutionen in den USA
American Institute of Aeronautics and Astronautics (AIAA) Blue Origin Boeing Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) Firefly Aerospace General Dynamics (GD) Honeywell International Lockheed-Martin (LM) NASA Northrop Grumman (NG) Rocket Lab RTX Corporation (Raytheon) SpaceX Textron United Launch Alliance (ULA) United States Space Force (USSF) Virgin Galactic
Unternehmen und Institutionen in China
602nd Aircraft Design Institute Aviation Industry Corporation of China (AVIC) Chengdu Aircraft Design Institute China Aerospace Science and Industry Corporation (CASIC) China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC) Comac Deep Blue Aerospace Galactic Energy Geespace ISpace Jiuzhou Yunjian (JZYJ) LandSpace MinoSpace OneSpace Orienspace Space Pioneer Spacety TCab Tech
Kontroversen Eine große Rolle spielt die Entwicklung des US-Dollars im internationalen Tätigkeitsfeld, da der Verkauf über diese Währung abgewickelt wird. Laut einer Umfrage der BDLI haben Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern mit jedem Cent Verschlechterung des US-Dollars einen Ertragsverlust von mehr als 5 Prozent im operativen Geschäft zu verzeichnen. Dies ist besonders kritisch zu betrachten bei der Entwicklung des Dollars in den letzten Jahren.
Von den Forschungsentwicklungen der Luftfahrtindustrie profitieren des Weiteren auch andere Branchen. Erfahrungen in der Aerodynamik und des Leichtbaus fließen auch in den Fahrzeugbau oder bei Schnellbahnen ein.
Siehe auch
Deutsche Flugsicherung (DFS) Militärischen Flugbetrieb
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Flugzeugbau Kategorie:Industriezweig Kategorie:Wirtschaftszweig