Die Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), genannt auch Euphorbien,Vgl. etwa www.botanischergarten.univie.ac. bilden eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Malpighienartigen (Malpighiales). Die Familie Euphorbiaceae s. str. enthält nur noch etwa 300 Gattungen mit etwa 7500 Arten und ist von den gemäßigten bis zu den tropischen Gebieten weltweit verbreitet.

Beschreibung Habitus und Blätter Wolfsmilchgewächse sind extrem vielgestaltig. Sie wachsen als ein-, zwei-, mehrjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen oder sind verholzende Pflanzen, die als Halbsträucher, Sträucher oder Bäume wachsen.

Die Pflanzenteile können kahl oder behaart sein. Sie enthalten manchmal weißen oder farbigen Milchsaft. Die Sprossachsen und Äste sind weich und krautig oder holzig oder manchmal sukkulent. Sie sind unbewehrt oder manchmal dornig.

Die Laubblätter sind meist wechselständig, manchmal gegenständig, selten wirtelig, gewöhnlich gestielt, manchmal schildförmig, einfach oder zusammengesetzt, ganzrandig, gelappt oder gezähnt. Nebenblätter sind häufig auffallend, manchmal dornig, drüsig oder völlig reduziert.

mini|250px|Diagramm eines Dichasialzweiges von Euphorbia mit drei Cyathien mini|Blütendiagramme von Mercurialis annua; links männliche, rechts weibliche Blüte

Blütenstände und Blüten Die Blüten sind immer getrenntgeschlechtig. Die Arten können einhäusig (monözisch) oder zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtig sein. Die Blütenstände können end- oder achselständig, zymös, rispig, traubig, ährenförmig oder mit extrem reduzierten Blüten in involukralen Scheinblüten (Cyathien) sein.

Die kleinen, eingeschlechtigen Blüten sind gewöhnlich radiärsymmetrisch. Der Kelch (Calyx) besteht aus drei bis sechs Kelchblättern (Sepalen) oder Zipfeln, manchmal fehlend. Die Blütenkrone besteht aus drei bis sechs Kronblättern (Petalen), manchmal fehlend. Nektardrüsenscheiben sind oft vorhanden. Staubblätter gibt es je ein bis drei männliche Blüten (100 bis 1000). Die Antheren reißen gewöhnlich längs auf, Pistillodium oft vorhanden. Staminodien sind nur manchmal vorhanden. Der sitzende oder gestielte Fruchtknoten ist oberständig, er kann selten ein- bis drei- und bis 20-kammerig, mit einer Samenanlage pro Fruchtknotenkammer, sein. Es sind gewöhnlich drei Griffel vorhanden.

Früchte und Samen Es werden meist aufreißende, dreilappige Kapselfrüchte, gelegentlich steinfruchtartige Früchte mit fleischigem Exokarp und holzigem Endokarp gebildet. Die Samen sind mit oder ohne Caruncula.

Inhaltsstoffe Der bei den sukkulenten Arten der Gattung vorhandene Milchsaft (Latex) ist oft toxisch und dient als Wundverschluss und Fraßschutz. Unter den Inhaltsstoffen sind die hautreizenden Di- und Triterpenester und die cyanogenen Glykoside erwähnenswert.

Die Samen und der Milchsaft enthalten giftiges Euphorbon. Diese haben eine starke örtliche Reizwirkung auf die Haut und die Schleimhäute mit Gewebszerstörung. Bei Kontakt mit den Augen bestehen deshalb besondere Gefahren. Die Wurzelknollen einiger Wolfsmilchgewächse wie die Maniokknolle enthalten außerdem Glykoside wie das Cyanoisopropyl-Glukopyranosid Linamarin, welches im menschlichen Körper Blausäure hervorruft.

Wichtige Gattungen mit einigen ausgewählten Arten Wolfsmilch (Euphorbia): Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) (alter Name: Poinsettia), Christusdorn (Euphorbia milii), viele sukkulente Arten, viele in Mitteleuropa heimische Arten. Kautschukbaum (Hevea brasiliensis) Jatropha mit der Purgiernuss. Wunderbaum (Ricinus) Manihot, wichtige Nahrungsmittel in den Tropen; Maniok oder auch Yuka, Kassave oder Tapiokapflanze genannt. Aleurites mit dem Lichtnussbaum. Sebastiania pavoniana, die „Springbohne“ Milchbäume (Synadenium)

Häufige Vertreter der Wolfsmilchgewächse in Mitteleuropa gehören zur Gattung Euphorbia, zum Beispiel: die Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), Sonnenwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia) und die Bingelkräuter (Mercurialis).

Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Familie Euphorbiaceae wurde 1789 unter dem Namen „Euphorbiae“ durch Antoine Laurent de Jussieu in Genera Plantarum. S. 384–385 aufgestellt. Der wissenschaftliche Name der Typusgattung Euphorbia leitet sich her von Euphorbos, einem Leibarzt des Königs Juba II von Mauretanien (etwa 50 v. Chr. bis 23/24 n. Chr.).

Äußere Systematik Die Familie Euphorbiaceae gehört zur Ordnung der Malpighiales. Die Gattungen der früheren Unterfamilie Oldfieldioideae wurde als Familie Picrodendraceae abgespalten von der Familie Euphorbiaceae. Aus der früheren Unterfamilie Phyllanthoideae wurden die Familie Phyllanthaceae, ihre Tribus Drypeteae wurde die Familie Putranjivaceae und ihre Tribus Centroplaceae wurde 2009 die neue Familie Centroplacaceae. Seit die Gattungen der Pandaceae, Phyllanthaceae, Picrodendraceae, Putranjivaceae, Peraceae und Centroplacaceae von der Familie Euphorbiaceae s. l. abgetrennt wurden, gilt die Familie Euphorbiaceae s. str. als monophyletisch.

mini|Tribus Acalypheae Subtribus Acalyphinae: Katzenschwänzchen (Acalypha hispida), eine Zimmerpflanze mini|Tribus Acalypheae Subtribus Claoxylinae: Claoxylon sandwicense mini|Tribus Acalypheae Subtribus Macaranginae: Macaranga peltata mini|Tribus Acalypheae Subtribus Macaranginae: Macaranga tanarius mini|Tribus Acalypheae Subtribus Mercurialinae: Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) mini|Tribus Acalypheae Subtribus Ricininae: Wunderbaum (Ricinus communis) mini|Tribus Acalypheae Subtribus Rottlerinae: Mallotus japonicus mini|Tribus Acalypheae Subtribus Rottlerinae: Mallotus philippinensis mini|Tribus Adelieae: Leucocroton havanensis mini|Tribus Chrozophoreae: Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Chrozophora tinctoria mini|Tribus Ampereae: Monotaxis grandiflora mini|Tribus Epiprineae: Epiprinus mallotiformis mini|Tribus Omphaleae: Illustration von Omphalea triandra mini|Tribus Plukenetieae: Blütenstand von Dalechampia spathulata

Innere Systematik Die Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae s. str.) wird meist in vier Unterfamilien gegliedert: Cheilosoideae, Acalyphoideae, Crotonoideae und Euphorbioideae. Nur bei Euphorbioideae ist der typisch weiße (in seltenen Fällen gelbe) Milchsaft vorhanden. Nach genetischen Untersuchungen wurde eine Gliederung in fünf bis neun Unterfamilien nahegelegt, aber nicht formal vollzogen. Vorgeschlagen wurde etwa eine zusätzliche Unterfamilie Peroideae.

Die vier Unterfamilien mit ihren Tribus, Subtribus und etwa 300 Gattungen mit etwa 7500 Arten: Unterfamilie Acalyphoideae Unterfamilie Acalyphoideae : Tribus Acalypheae : Subtribus Acalyphinae: Gattung Acalypha : Die etwa 450 Arten sind in tropischen bis subtropischen Gebieten weltweit verbreitet. Subtribus Adrianinae: Gattung Adriana : Die etwa zwei Arten kommen in Australien vor. Subtribus Claoxylinae: Gattung Claoxylon : Die etwa 114 Arten kommen in den Tropen und Subtropen vor. Gattung Claoxylopsis : Die nur drei Arten kommen in Madagaskar vor. Gattung Discoclaoxylon : Die etwa vier Arten sind im tropischen Afrika verbreitet. Gattung Erythrococca : Die etwa 41 Arten kommen in Afrika und Arabien vor. Gattung Micrococca : Sie enthält etwa zwölf Arten, die in Afrika, Madagaskar, auf der Arabischen Halbinsel und im tropischen Asien vorkommen. Subtribus Cleidiinae : Gattung Cleidion : Die etwa 32 Arten sind in der Neotropis, im tropischen Afrika, in Madagaskar, in Asien und auf Inseln des südwestlichen Pazifik weit verbreitet. Gattung Sampantaea : Sie enthält nur eine Art: Sampantaea amentiflora : Sie kommt von Thailand bis Kambodscha vor. Gattung Wetria : Die nur zwei Arten kommen vom tropischen Asien bis ins nördliche Australien vor. Subtribus Dysopsidinae: Gattung Dysopsis : Die etwa drei Arten kommen von Costa Rica bis Chile und den Juan-Fernández-Inseln vor. Subtribus Lasiococcinae : Gattung Homonoia : Die nur drei Arten sind im tropischen Asien beispielsweise in China verbreitet. Gattung Lasiococca : Die etwa fünf Arten kommen von Indien bis Hainan und in Malesien vor. Gattung Spathiostemon : Die nur zwei Arten kommen von Thailand bis Papuasien vor. Subtribus Lobaniliinae : Gattung Lobanilia : Die etwa sieben Arten kommen nur auf Madagaskar vor. Subtribus Macaranginae : Gattung Macaranga : Die etwa 300 Arten sind in den Tropen und Subtropen verbreitet. Subtribus Mareyinae : Gattung Mareya : Die etwa vier Arten sind in Afrika verbreitet. Gattung Mareyopsis : Die nur zwei Arten sind im tropischen Afrika verbreitet. Subtribus Mercurialinae: Gattung Leidesia : Sie enthält nur eine Art: Leidesia procumbens : Sie kommt von der Demokratischen Republik Kongo bis Südafrika vor. Gattung Bingelkräuter (Mercurialis , Syn.: Cynocrambe , Discoplis , Synema Dulac.): Die acht bis zehn Arten sind in Eurasien, mit einem Schwerpunkt im Mittelmeerraum verbreitet. Gattung Seidelia : Die nur zwei Arten kommen in Südafrika vor. Subtribus Ricininae: Gattung Ricinus : Sie enthält nur eine Art: Wunderbaum (Ricinus communis ): Diese Art ist nur aus Kultur bekannt, aber es wird vermutet, dass sie aus dem nordöstlichen Afrika stammt. Subtribus Rottlerinae: Gattung Avellanita : Sie enthält nur eine Art: Avellanita bustillosii : Sie kommt nur in Chile vor. Gattung Hancea (inklusive Cordemoya und Deuteromallotus ): Die etwa 18 Arten kommen von Südchina bis ins tropische Asien und auf Inseln im westlichen Indischen Ozean vor. Gattung Mallotus (Syn.: Coccoceras, Neotrewia , Octospermum und Trewia ): Die etwa 122 Arten sind vom tropischen Afrika bis zu den Inseln im westlichen Pazifik verbreitet. Gattung Rockinghamia : Die nur zwei Arten sind im tropischen Australien verbreitet. Tribus Adelieae : Gattung Adelia : Die etwa zehn Arten kommen von Texas bis in die Neotropis vor. Gattung Crotonogynopsis Pax: Die nur zwei Arten sind in Afrika verbreitet. Gattung Enriquebeltrania : Die nur zwei Arten kommen im südlichen Mexiko vor. Gattung Lasiocroton : Die etwa fünf Arten kommen auf karibischen Inseln von den Bahamas und Kuba bis Haiti und Jamaika vor. Gattung Leucocroton : Die etwa 28 Arten kommen nur auf Kuba vor. Tribus Agrostistachydeae : Gattung Agrostistachys : Die etwa sechs Arten sind im tropischen Asien verbreitet. Gattung Chondrostylis : Die nur zwei Arten sind in Indochina und Malesien verbreitet. Gattung Cyttaranthus : Sie enthält nur eine Art: Cyttaranthus congolensis : Sie kommt im tropischen Afrika vor. Gattung Pseudagrostistachys : Die nur zwei Arten sind im tropischen Afrika verbreitet. Tribus Alchorneae: Subtribus Alchorneinae: Gattung Alchornea (Syn.: Coelebogyne ): Die etwa 50 Arten gedeihen in vielen tropischen bis subtropischen Gebieten. Gattung Aparisthmium : Sie enthält nur eine Art: Aparisthmium cordatum : Sie kommt von Costa Rica bis ins tropische Südamerika vor. Gattung Bocquillonia : Die etwa 14 Arten kommen nur in Neukaledonien vor. Gattung Bossera : Sie enthält nur eine Art: Bossera cristatocarpa : Sie kommt auf Madagaskar vor. Gattung Orfilea : Die etwa vier Arten kommen auf Inseln im westlichen Indischen Ozean vor. Subtribus Conceveibinae : Gattung Conceveiba (Syn.: Gavarretia und Polyandra ): Die etwa 14 Arten sind in Südamerika verbreitet. Tribus Ampereae: Gattung Amperea : Die etwa acht Arten kommen in Australien vor. Gattung Monotaxis : Die etwa acht Arten kommen in Australien vor. Tribus Bernardieae : Gattung Adenophaedra : Die nur drei Arten kommen von Costa Rica bis zum tropischen Südamerika vor. Gattung Amyrea : Die etwa elf Arten kommen auf Madagaskar und den Komoren vor. Gattung Bernardia : Die etwa 73 Arten sind in der Neotropis weitverbreitet. Gattung Discocleidion : Sie enthält nur eine Art: Discocleidion rufescens : Sie gedeiht über Kalkstein in Höhenlagen von 200 bis 1000 Metern in den chinesischen Provinzen westliches Anhui, Gansu, nördliches Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hubei, Hunan, Shaanxi, Shanxi sowie östliches Sichuan.