mini|hochkant=1.2|alt=Pornodarstellerin PussyKat masturbiert mit einem Fächer auf einer Bühne während viele aus dem überwiegend männlichen Publikum mit Kameras filmen| Die Venus-Award-Gewinnerin und Pornodarstellerin PussyKat bei einer Liveshow auf der Venus Berlin 2014. Sie masturbiert mit einem Fächer. Ein Pornodarsteller ist eine Person, die Sexualpraktiken für interessierte fremde Betrachter zeigt. Diese werden meist für Video- und Printmedien sowie für das Internet aufgenommen. Vereinzelt kommen auch Live-Darbietungen auf einer Bühne vor. Für besonders populäre Darsteller sind Begriffe wie Pornostar oder Pornoqueen gebräuchlich.
Geschichte mini|alt=Verschiedene schwarz-Aufnahmen, die nackte oder sich entkleidende Frauen zeigen|Bilder aus verschiedenen Filmen Johann Schwarzers um das Jahr 1906 Anfänge Die Geschichte des Berufes Pornodarsteller ist mit der Geschichte des Pornofilms eng verknüpft. Einer der ersten nachweisbaren Filme ist die französische Produktion Zum goldenen Ecu oder Die gute Herberge aus dem Jahr 1908. Einer der Pioniere des Pornofilms war der österreichische Filmproduzent Johann Schwarzer, der zwischen 1906 und 1910 52 erotische Kurzfilme schuf. Auch in den 1920er Jahren wurden erotische Stummfilme gedreht, wobei es sich stets um Softcore-Produktionen handelte. In dieser Phase des Pornofilms lassen sich die Akteure allerdings noch nicht als Darsteller im Sinne eines Berufs erfassen, denn Personen, die in den Filmen auftraten, blieben in der Regel anonym oder gaben sich Pseudonyme. Letzteres ist auch bis heute noch in der Branche üblich.
Es dauerte noch Jahrzehnte, bis sich der Beruf des Pornodarstellers etablierte. Grund hierfür war auch, dass die Verbreitung von Pornografie in vielen Ländern lange Zeit sanktioniert wurde. Als erstes Land der Welt legalisierte Dänemark am 1. Juli 1969 die Verbreitung von Bild-Pornografie. Dies war der Startschuss für das sogenannte Golden Age of Porn. Erstmals schafften es pornografische Filme, bei denen auch alle Mitwirkenden aufgelistet waren, wie Blue Movie oder Boys in the Sand in öffentliche Kinos.
Geschichte seit 1972 Als erste öffentlich wahrgenommene Schauspielerin, die sich auf das Genre Pornofilm spezialisierte, trat 1972 Linda Lovelace auf die Bühne. Der Welterfolg Deep Throat verhalf ihr zu internationaler Bekanntheit. Nachdem in den 1970er Jahren in Amerika der Versuch gescheitert war, die Tätigkeit des Pornodarstellers als Prostitution zu definieren und somit zu kriminalisieren, bildete sich allmählich der Berufsstand des Pornodarstellers heraus. Der größte Unterschied zu Schauspielern besteht darin, dass Pornodarsteller bis heute gesellschaftlich stigmatisiert werden.
In West-Deutschland wurde die Pornografie 1975 legalisiert und somit ein im Vergleich zu heute relativ kleiner Arbeitsmarkt für Pornodarsteller geschaffen. Das Vorführen von Pornofilmen war nur in eigens für Erwachsene und zu diesem Zweck gedachten Sexkinos erlaubt. Dadurch wurden Angebot und Nachfrage klein gehalten. Gleiches galt für die USA. Pornodarsteller an sich, also Personen, die im Hardcore-Bereich tätig sind, wurden bis zum Ende der 1980er Jahre nicht vom öffentlichen Leben beachtet und aus ihm verdrängt. Auch wenn die Tätigkeit legal war, so war sie doch verdrängt und geächtet, ähnlich wie die Prostitution oder der Pornofilm an sich.
Der Siegeszug der Videotechnik in den 1980er Jahren brachte eine deutliche Vergrößerung der Produktion und somit des Arbeitsmarktes für Pornodarsteller mit sich. Prominente aus dieser Zeit sind u. a. Teresa Orlowski, Sibylle Rauch und Traci Lords.
Der Boom der Branche seit den 1990er Jahren verbreiterte den Arbeitsmarkt kontinuierlich. Zudem widerfuhr Pornodarstellern seit der Gründung des Privatfernsehens eine zunehmende allgemein-mediale Aufmerksamkeit. Sein offener und voyeuristischer Umgang mit Tabuthemen brachte den Bereich Pornofilm und somit auch Pornodarsteller in die mediale Öffentlichkeit. Michaela Schaffrath oder Dolly Buster etablierten sich als Late-Night-Talkshow-Gäste. Auch Reportagen für die Sendezeit nach 22 Uhr beschäftigen sich gerne mit dem Thema.
Generation Porno mini|alt=Ein Mann und eine Frau beim Drehen einer Sexszene|Darsteller bei Dreharbeiten (2009) Einen weiteren Einschnitt in das Berufsbild des Pornodarstellers brachte die Weiterentwicklung des Internets seit dem Ende der 1990er Jahre mit sich. Die Webcam-Technologie führte dazu, dass Webcam-Chats auf den Markt kamen. Hier zeigen Darsteller erotische oder pornografische Inhalte in eigener Regie bzw. in Interaktivität mit dem Kunden. Darüber hinaus wurden im Laufe der Zeit immer extremere Sexualpraktiken gezeigt – so gehört heute etwa Analverkehr zum Standard.
Heutzutage ist Pornografie im Internet für so gut wie alle Menschen frei und kostenlos verfügbar. Die Allgegenwärtigkeit pornografischer Inhalte führte dazu, dass das Schlagwort „Generation Porno“ geprägt wurde. Der Konsum von Pornofilmen und damit der Bedarf an Darstellern steigt kontinuierlich an. Gleichzeitig bergen diese Entwicklungen auch enormes Potenzial für einige Darsteller: So erlangte etwa Mia Khalifa weltweit Bekanntheit durch einen einzigen Pornofilm, in dem sie einen Hidschāb trägt, während sie Sex hat.
Mit dem Aufkommen des Plattformkapitalismus ist auch die Tätigkeit als Pornodarsteller komplexer geworden. Plattformen wie OnlyFans oder mydirtyhobby ermöglichen es so gut wie jeder erwachsenen Person, eigene erotische oder pornografische Inhalte online zum Verkauf anzubieten. Zeitgleich besteht durch Pornowebsites wie Pornhub ein schier unermessliches Angebot an Pornografie, die kostenfrei zur Verfügung steht. Der Markt für pornografische Inhalte ist deswegen hart umkämpft und die verschiedenen Darsteller konkurrieren untereinander um die begrenzte Aufmerksamkeit ihrer Zielgruppe. „Nur“ Pornofilme zu drehen ist daher heute nicht mehr ausreichend, Darsteller sind außerdem auf ein umfassendes Personal Branding und die zusätzliche Vermarktung der eigenen Person auf Social Media angewiesen.
Rechtliche Rahmenbedingungen Deutschland Gemäß §180 StGB muss ein Darsteller volljährig sein. StGB Dies konnte allerdings nicht den Vertrieb von im Ausland produzierter Pornografie mit minderjährigen oder auch nur scheinbar minderjährigen (sogenannten scheinjugendlichen) Darstellern verhindern. Daher wurde aufgrund einer Rahmenrichtlinie der EU von 2003 das Strafgesetzbuch mit Wirkung zum 5. November 2008 durch Änderung von §184b und Neuaufnahme von §184c StGB dahingehend ergänzt, dass auch die Verbreitung solcher pornographischer Schriften (und damit nach § 11 StGB auch Filmen, Bildern und dergleichen) strafbewehrt ist, die sexuelle Handlungen an Kindern und Jugendlichen wiedergeben oder wirklichkeitsnah darstellen. Das bedeutet, dass Pornodarsteller nicht nur tatsächlich volljährig sein müssen, sondern auch deutlich als solche erkennbar sein sollten. Abgesehen von dieser Regelung für Scheinjugendliche ist entsprechend zur Verbreitung auch der bloße Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften strafbar.
Eine Übertragung von Krankheiten kann in Deutschland sowohl strafrechtliche StGB als auch zivilrechtliche BGB Folgen haben.
Das Bundesverfassungsgericht stellte in der Mutzenbacher-Entscheidung vom 27. November 1990 fest, dass eine klare Trennung von Kunst und Pornografie nicht möglich ist., Rz. 29 Unabhängig davon ist weiterhin die Definition des OLG Düsseldorf einschlägig. Danach handelt es sich bei Pornografie um „grobe Darstellungen des Sexuellen, die in einer den Sexualtrieb aufstachelnden Weise den Menschen zum bloßen, auswechselbaren Objekt geschlechtlicher Begierde degradieren. Diese Darstellungen bleiben ohne Sinnzusammenhang mit anderen Lebensäußerungen und nehmen spurenhafte gedankliche Inhalte lediglich zum Vorwand für provozierende Sexualität“.Neue Juristische Wochenschrift 1974, 1474.
Da Pornografie in Deutschland nicht als Kunst definiert wird, werden Pornodarsteller auch nicht als Mitglieder in der Künstlersozialkasse aufgenommen. (PDF; 224 kB) Dies bedeutet, dass Pornodarsteller sozialversicherungsrechtlich bzw. steuerrechtlich wie Freiberufler oder Selbstständige behandelt werden.
Schweiz In der Schweiz ist es erlaubt, mit 16 Jahren als Pornodarsteller aufzutreten. Es ist aber ein Arbeitsvertrag nötig (Sozialleistungen), der von den Eltern unterschrieben werden muss.
USA Die Darsteller von Pornofilmen können in aller Regel nicht Mitglied der Schauspielergewerkschaft werden. Alternativ steht ihnen die 1998 gegründete Adult Industry Medical Health Care Foundation und Adult Industry Assistance Fund zur Verfügung.
Gesundheit Pornodarsteller tragen durch ihr beruflich bedingtes Sexualverhalten ein erhöhtes Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Erkrankungen zu infizieren. Dadurch, dass sie häufig ungeschützten Geschlechtsverkehr mit vielen und ständig wechselnden Partnern haben, steigt nicht nur das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, sondern auch Hepatitis und andere Krankheiten, die ein teilweise erhebliches Gesundheitsrisiko darstellen, können leicht übertragen und verbreitet werden.
Des Weiteren tragen besonders riskante Sexpraktiken zu einer Erhöhung des Infektionsrisikos bei. Hierzu zählt z. B. ungeschützter Analverkehr. Safer Sex, also die Verwendung von Kondomen, hat etwa seit dem Jahre 2000 deutlich abgenommen. Pornodarsteller müssen in aller Regel selbst dafür sorgetragen, das Risiko einer Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit so gering wie möglich zu halten und wenden hierfür zumeist einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit auf, da professionelle Strukturen zum Infektionsschutz oft fehlen.
HIV Eine jüngere Problematik stellt die Tendenz dar, häufiger Szenen zu drehen, die nicht mehr mit dem üblichen Cumshot auf Bauch, Rücken oder Gesicht enden, sondern damit, dass Sperma in Vagina oder Anus verbracht wird (sogenannter Creampie), was das Risiko einer möglichen Übertragung von HI-Viren für den „Empfänger“ der Samenflüssigkeit um ein Vielfaches potenziert. Aber auch die Schleimhäute im Auge ermöglichen es den HI-Viren, in den Körper einzudringen. Auch infiziertes Sperma, welches in den Mund gelangt, kann zu einer HIV-Übertragung führen, insbesondere bei kleineren Wunden am Zahnfleisch. Das Risiko ist beim Schlucken höher, weil die Rachenschleimhaut viel dünner und empfindlicher als die relativ robuste Mundschleimhaut ist. Die Rachenschleimhaut kann Viren leichter aufnehmen. Daher sollte Sperma zur Verminderung des Infektionsrisikos nicht geschluckt, sondern unmittelbar sofort wieder ausgespuckt werden. Beim vaginalen Oralverkehr (Cunnilingus) hängt das Infektionsrisiko von der Sekretionsmenge ab; es ist gering bis sehr gering.
Da auch negative HIV-Tests keine absolute Sicherheit bieten – sie spiegeln lediglich den Stand von vor drei Monaten oder drei Wochen sicher wider –, bleibt allen Beteiligten nur, sich auf die strikte Einhaltung der Safer-Sex-Regeln außerhalb des Drehbereiches selbst zu verpflichten.
In den 1980er Jahren kam es in den USA zu ersten Aidserkrankungen in der Pornoindustrie. Die bekanntesten Opfer waren John Holmes und Al Parker. Besonders problematisch war, dass sie ihre Infektion verheimlichten und bis zu ihrem Tod weiter Filme drehten, wodurch andere Darsteller gefährdet wurden.
Im Jahre 1998 wurde bekannt, dass Marc Wallice sechs weibliche Akteure mit HIV infiziert hatte. Dies führte zu der Gründung der Adult Industry Medical Health Care Foundation.