mini|Franz von Mercy
Franz Freiherr von Mercy, Herr zu Mandre und Collenberg (* 1597 in Longwy, Lothringen; † 3. August 1645 in Alerheim) war kaiserlicher und kurbayerischer Kriegsrat, Generalfeldmarschall, Kämmerer und Statthalter zu Ingolstadt, und ab 1643 Oberbefehlshaber der bayerischen Armee im Dreißigjährigen Krieg. Mercy gilt als einer der fähigsten Heerführer seiner Zeit, ihm gelangen große Erfolge gegen französische Heere, die er mehrfach am Einfall in Süddeutschland hinderte und über den Rhein zurückdrängte.
Leben und Wirken Mercy wurde um 1597 in Longwy geboren und entstammte einem alten lothringischen Adelsgeschlecht. Als seine Eltern gelten Pierre Ernest de Mercy († 1619), Gouverneur von Longwy und Kammerherr des Herzogs Karl. III von Lothringen, und Judith du Hautoy († nach 1666), Tochter eines französischen Kammerherrn. Mercy war das zweitälteste Kind und hatte wohl insgesamt neun Geschwister. Zwei Brüder erreichten ebenfalls hohe Ränge in der kaiserlichen oder bayerischen Armee, der ältere Bruder Heinrich (* 1596; † 1656/59) stieg im kaiserlichen Militärdienst bis zum Feldmarschallleutnant auf, während der jüngere Bruder Kaspar häufig gemeinsam mit oder unter Franz diente und 1644 als kurbayerischer Generalwachtmeister vor Freiburg fiel. Andere jüngere Brüder waren Maximilian, der dem Benediktinerorden beitrat, Ludwig (* 1614), der 1633 als Hauptmann bei der Verteidigung von Konstanz tödlich verwundet wurde, und Pierre Ernest (II., * 1617), Abbé des Klosters Acey. Über die weiteren Brüder Anton und Errard sowie die beiden Schwestern ist wenig bekannt.Andreas Pechtl: Nochmals Grimmelshausens „tapferer General“ Franz von Mercy. Anmerkungen und Ergänzungen zum Beitrag von Martin Ruch. In: Simpliciana, XXXI, 2009, Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, S. 479–504.
Frühe Karriere mini|Konstanz widerstand im Jahr 1633 unter Mercys Führung einer schwedischen Belagerung
Schon in jungen Jahren begann Mercy seinen Waffendienst wohl im Heer der Katholischen Liga, womöglich unter dem späteren Herzog Karl IV. von Lothringen, und wechselte in den Anfängen des Dreißigjährigen Kriegs in kaiserliche Dienste. Um 1625 war Mercy Hauptmann im Regiment des Obristen Hannibal von Schauenburg geworden und hatte einen Hof in der Reichsstadt Gengenbach erworben, 1626 wurde er als Kammerherr des Erzherzogs Leopolds V. von Tirol bezeichnet.Martin Ruch: Grimmelshausens „tapferer General“ Franz von Mercy und der Mercy’sche Hof in Gengenbach. In: Simpliciana, XXX, 2008, Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, S. 162–164. 1631 kämpfte er als Obristwachtmeister mit Auszeichnung in der Schlacht bei Breitenfeld nahe Leipzig, in der die Kaiserlichen jedoch eine schwere Niederlage erlitten und Mercy selbst verwundet wurde. 1633 war er Obrist eines Regiments in Konstanz, das er erfolgreich gegen Angriffe der Schweden unter Gustaf Horn verteidigte. Für seinen am 6. Oktober 1633 kurz nach dem letzten Sturmangriff der Schweden im Alter von 19 Jahren an seinen Verletzungen gestorbenen Bruder Ludwig ließ Franz von Mercy ein heute noch erhaltenes, kunstvolles Bronzeepitaph im Konstanzer Münster anfertigen.
Am 2. März 1634 geriet Mercy in einem Gefecht bei Thann gegen den Rheingrafen Otto Ludwig von Salm-Kyrburg-Mörchingen für kurze Zeit in feindliche Gefangenschaft.Bernd Warlich: Salm in Kirburg, Mörchingen und Tronecken, Otto Ludwig, Wild- und Rheingraf von in: Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen, Chroniken und Berichten; abgerufen am 28. April 2020 Bald darauf wurde er ausgetauscht und konnte von April an monatelang die Stadt Rheinfelden gegen ein schwedisches Heer unter dem Befehl des Rheingrafen halten. Mercy übergab die Stadt erst am 29. August gegen freien Abzug der Garnison dem Feind, nachdem seinen Verteidigern der letzte Proviant ausgegangen und eine Hungersnot ausgebrochen war. Durch seine lange Verteidigung Rheinfeldens und das folgende zögernde Aufbrechen des Rheingrafen kam dieser zu spät in Nördlingen an, um die dortige Niederlage noch abzuwenden.
Von 1635 bis 1638 diente Mercy als Generalwachtmeister in der Armee Karl von Lothringens im Elsass und der Freigrafschaft Burgund, um im später als Zehnjährigen Krieg bezeichneten Teilkonflikt des Dreißigjährigen Kriegs die dortigen habsburgischen Gebiete zu verteidigen. Im Jahr 1636 plante das in Lothringen und Burgund stationierte kaiserliche Heer unter Matthias Gallas von Süden her einen Angriff auf Paris, wurde dabei jedoch von französischen Truppen unter Bernhard von Sachsen-Weimar aufgehalten. Mercy nahm im Zuge dieser Kämpfe an der Belagerung von Colmar, am erfolgreichen Entsatz des französisch belagerten Dole 1636 und an der 1637 gegen Bernhard von Sachsen-Weimar verlorenen Schlacht bei Gray teil.
In Bayerischen Diensten mini|Die Einnahme Höxters zum Abschluss des Feldzugs 1640 mini|Die Belagerung Neunburgs im Jahr 1641
Ende September 1638 trat Mercy im Range eines Generalfeldzeugmeisters in bayerische Dienste. Anfang 1639 stand er mit seinen Truppen bei Reutlingen, von wo aus er im Juli nach Hüfingen zog, um die Belagerung der Festung Hohentwiel durch die verbündeten Kaiserlichen unter Geleen abzuschirmen. Am 30. Juli eroberte Mercy Blumberg, danach inspizierte er den Hohentwiel, den er als in einem direkten Angriff uneinnehmbar einschätzte. Als ein französisch-weimarisches Heer unter Henri II. d’Orléans-Longueville die Pfalz angriff, zogen Mercy und Geleen ihm nach Norden entgegen. Bei Speyer gingen sie über den Rhein und verschanzten sich. Nachdem Kavallerieüberfälle auf Franzosen und Weimarer erfolglos blieben, rückten diese im November nach Norden in den Rheingau ein. Kaiserliche und Bayern folgten ihnen und warfen den Gegner wieder über den Rhein zurück. Dabei konnten sie bis zu 1500 gegnerische Soldaten gefangen nehmen. Weil Grundeis den Bau einer Schiffsbrücke verhinderte und in der verheerten linksrheinischen Pfalz kein Proviant zu erwarten war, beendeten Mercy und Geleen ihre Operationen mit der Rückeroberung von Alzey und Bacharach durch kleinere Heeresabteilungen, während ein Großteil ihrer Truppen nach Württemberg in Winterquartiere ging.
Im Frühjahr 1640 verstärkte Mercy das kaiserliche Hauptheer unter Erzherzog Leopold Wilhelm und Ottavio Piccolomini gegen die Schweden unter Johan Banér, die sich auf dem Rückzug aus Böhmen an der Saale mit den Weimarern sowie den Hessen unter Melander und den Lüneburgern unter Klitzing vereinigt hatten. Mercy marschierte aus Franken heran und erreichte Ende Mai Hildburghausen. Als sich die Gegner nach Südwesten wandten, konnten Kaiserliche und Bayern unmittelbar vor ihnen Neustadt an der Saale besetzen und damit am Eindringen in Franken hindern. Die Schweden und ihre Verbündeten gingen im Juli entlang der Werra bis nach Eschwege zurück. Kaiserliche und Bayern rückten im August über Hersfeld nach Fritzlar vor, ihre Gegner weiter zurückdrängend bis nach Wildungen. Nachdem sie im September auch durch Melchior von Hatzfeldt und Mercys Oberbefehlshaber Joachim Christian von der Wahl aus Westfalen sowie durch Geleen vom Rhein aus verstärkt wurden, drängte Erzherzog Leopold Wilhelm auf eine Hauptschlacht gegen die Gegner. Da diese einer Schlacht auswichen, rückte der Erzherzog vor Höxter, das er Anfang Oktober einnahm. Erschöpfung der eigenen Armee und Mangel an Proviant führten dazu, dass Kaiserliche und Bayern einen Großteil ihrer Truppen wieder über Hessen zurückzogen. Mercy verteilte seine Truppen über den Winter im Südwesten Deutschlands und nahm sein Hauptquartier in Dinkelsbühl.
Im Januar 1641 hatte Mercy die Aufgabe, mit seinen Truppen den Reichstag in Regensburg vor einem Angriff der Schweden unter Banér zu schützen, nachdem ein schwedischer Stoßtrupp die vereiste Donau hatte überwinden können. Als das schwedische Hauptheer aus dem Norden eintraf, war die Eisdecke der Donau jedoch überraschend aufgetaut und es musste den Rückzug antreten. Bei der Verfolgung der Schweden nach Böhmen traf der kaiserlich-bayerische Vortrab unter Mercys Bruder Kaspar bei Neukirchen auf die schwedische Nachhut unter Erik Slang, die Kaspar nach Neunburg vorm Wald werfen und dort einschließen konnte, wo das kaiserlich-bayerische Heer unter Piccolomini und Franz von Mercy anschließend die Schweden gefangen nahm. Banér selbst konnte knapp vor Mercy und Piccolomini über den Preßnitzer Pass nach Sachsen entkommen. Weiter auf den Fersen der Schweden, musste Mercy am 1. Mai in Zeitz das Kommando an seinen Vorgesetzten Wahl übergeben. Die Schweden schlossen sich ohne den auf dem Weg verstorbenen Banér dem lüneburgischen Belagerungsheer vor Wolfenbüttel an. Kaiserliche und Bayern rückten zum Entsatz der Festung an. In einem Hinterhalt nahm Mercy am 28. Juni 500 Belagerer gefangen. Am nächsten Tag befehligte er den linken Flügel in der Schlacht gegen Schweden, Weimarer und Lüneburger, die sich aber nicht aus ihren Stellungen vertreiben ließen. Erst nachdem Kaiserliche und Bayern zahlreiche Städte im Umland eingenommen hatten, gaben ihre Gegner im September die Belagerung Wolfenbüttels auf. Nach der Einnahme Einbecks und der vergeblichen Belagerung Göttingens ging das kaiserlich-bayerische Heer im November in Winterquartiere.
1642 nahm Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen Franz von Mercy unter dem Gesellschaftsnamen Der Anzeigende in die Fruchtbringende Gesellschaft auf. Zur gleichen Zeit wurden auch andere kaiserliche und bayerische Generäle wie Piccolomini und Kaspar von Mercy in die Gesellschaft aufgenommen, maßgeblich wohl dadurch begründet, dass die anhaltinischen Fürstentümer in dieser Zeit Aufmarschgebiet der kaiserlichen Truppen waren, die bis Anfang 1642 vom bayerischen Heer begleitet wurden, und der Fürst sich davon eine schonendere Behandlung des Landes versprach.Martin Ruch: Grimmelshausens „tapferer General“ Franz von Mercy und der Mercy’sche Hof in Gengenbach. In: Simpliciana, XXX, 2008, Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, S. 163. Nach der Trennung von den Kaiserlichen erhielt Franz von Mercy den Befehl über die in Schwaben stehenden bayerischen Truppen. Im Laufe des Jahres 1642 gelang es ihm, die gegnerischen Truppen aus Schwaben und Teilen des Breisgaus bis hin zu den Waldstädten zu vertreiben.
Bayerischer Oberbefehlshaber gegen Turenne und Enghien mini|Bei Tuttlingen geriet 1643 fast das gesamte gegnerische Heer in Mercys Gefangenschaft Im folgenden Jahr 1643 hinderte Mercy die Armee der Weimaraner unter dem französischen Marschall Guébriant an einem Einfall in Bayern, am 31. Mai wurde Mercy für seine Leistungen zum Feldmarschall ernannt. Als Nachfolger des gesundheitlich angeschlagenen Wahl übernahm er auch den Oberbefehl über die gesamte bayrische Armee. Am 24. November 1643 befehligte Mercy ein vereinigtes Heer der Bayern zusammen mit Kaiserlichen unter Melchior von Hatzfeldt und Lothringern unter Herzog Karl, das in der Schlacht bei Tuttlingen die weimaranischen Truppen unter Befehl des Generals Rantzau in ihren Quartieren überfiel und dabei nahezu das gesamte feindliche Heer vernichtete.