Die 221. Infanterie-Division (ID) und spätere 221. Sicherungs-Division war ein militärischer Großverband der Wehrmacht.
Geschichte Einsatzgebiete Polen: September 1939 bis Mai 1940 Deutschland: Mai 1940 bis März 1941 (Oberrhein, Elsaß, Lothringen)
Aufstellung Die 221. Infanterie-Division wurde als Division der 3. Welle im Wehrkreis VIII durch den Landwehr-Kommandeur Breslau am 26. August 1939 im Rahmen der geheimen Mobilmachung aufgestellt.Tessin: Die Landstreitkräfte Bd. 8 1973 S. 103–104
Hierbei wurden gebildet:
Infanterie-Regiment 350 (durch Ausbildungs-Leiter Glatz 2) Infanterie-Regiment 360 (durch Ausbildungs-Leiter Ohlau) Infanterie-Regiment 375 (durch Ausbildungs-Leiter Breslau I) Artillerie-Regiment 221 Pionier-Bataillon 221 Panzerabwehr-Abteilung 221 Aufklärungs-Abteilung 221 Nachrichten-Abteilung 221 Divisionstruppen Nr. 221
Polenfeldzug Sie diente kurz danach als Divisionsreserve der 10. Armee und 8. Armee der Heeresgruppe Süd in Polen. Während des Überfalls auf PolensKriegsgliederung 1. September 1939 gelangte die 221. ID über Kalisch bis zur Bzura, wo im September 1939 die entscheidende Schlacht an der Bzura über die Niederlage der polnischen Armee entschied.
Besatzungstruppe Polen Nach Ende der Kampfhandlungen, wurde die 221. ID für Sicherungs- und Besatzungsaufgaben im besetzten Polen verwendet. Dabei unterstand sie als Verband der deutschen Sicherungstruppen beim XXXII. (32.) Armee-Korps dem Befehlshaber des Grenzabschnitt Mitte. Im Dezember 1939 erfolgte eine Umgliederung, indem die 4., 8. und 12. Kompanie jedes Infanterie-Regiments in Maschinengewehr-Kompanien umgewandelt wurden.Tessin: Die Landstreitkräfte Bd. 8 1973 S. 100–101
Für die Aufstellung der 197. Infanterie-Division wurden Stab und 1. Kompanie / Panzerabwehr-Abteilung schon am 23. Dezember 1939 abgegeben und die 3. Kompanie ging als 1. Kompanie / Pz.Abw.Abt. 222 zur 181. Infanterie-Division. Es folgten in den kommenden Monaten noch viele Abgaben, wie die Aufstellung des unabhängigen Pionier-Bataillon 656 am 22. Januar 1940 durch die 15. Kompanien, der Regimenter 350 und 375 und die 2. Kompanie / Pionier-Bataillon 221. Am 1. April 1940 verließen die II., III. und IV. Abteilung / Artillerie-Regiment 221 zusammen mit dem Stab den Verband und wurden zu II., III. und IV. Abteilung / Artillerie-Regiment 223, wobei die IV. Abteilung erst zum 1. Mai überstellt werden konnte, da diese bereits seit 1. März bei der 253. Infanterie-Division detachiert war. Ersetzt wurde diese Abgabe ab dem 22. April mit einem Stab vom Artillerie-Regiment 403, der II. Abteilung des Artillerie-Regiment 209 und der IV. Abteilung des Artillerie-Regiment 403. Erst im am 2. Oktober 1940 wurde eine neue III. Abteilung durch Zuführung der vorherigen I. Abteilung / Artillerie-Regiment 231 eingegliedert.
Frankreichfeldzug Die Division wurde in die OKH-Reserve berufen und Ende April 1940 für den Fall Gelb an den Oberrhein verlegt.
Im Juni 1940 überschritt sie in der Reserve der 7. Armee bei der Heeresgruppe C bei Marckolsheim den Rhein und besetzte das elsässische Colmar.
Beurlaubung Vom Juli 1940 bis März 1941 war die Division beurlaubt.
Auflösung und Verwendung zur Aufstellung von Sicherungs-Divisionen Im März 1941 erfolgte eine Wiedereinberufung und Aufteilung auf die Sicherungs-Divisionen 221, 444 und 454.
221. Sicherungs-Division Einsatzgebiete Deutschland: März bis Juni 1941 Ostfront, Zentralabschnitt: Juni 1941 bis Juli 1944
Aufstellung Die 221. Sicherungs-Division wurde am 15. März 1941 in Breslau im Wehrkreis VIII zu etwa einem Drittel aus Teilen der vorherigen 221. Infanterie-Division aufgestellt. Die Neuaufstellung als Sicherungs-Division dauert von März bis Mai 1941.
Die ersten Truppenteile waren:
verstärktes Infanterie-Regiment 350 (1942 bei der 2. Pz.Armee / 1944 bei der 3.Pz.Armee) I. Abteilung / Artillerie-Regiment 221 (3. Batterien) Wach-Bataillon 701Das Wach-Bataillon 701 wurde am 1. September 1940 im Westen aus dem III. / Festungs-Infanterie-Regiment A als Heerestruppe aufgestellt. Das Bataillon unterstand dem Militärbefehlshaber Frankreich, ab 1941 der 221. Sicherungs-Division. Am 1. Juni 1942 wurde das Bataillon zum Sicherungs-Bataillon 701 umbenannt. Am 8. Juni wurde das Bataillon während der Operation Seydlitz vernichtet Versorgungstruppen 221 mit Divisions-Nachschubführer 350 Stab Landesschützen-Regiment 45
zugeführt wurden später weiterhin:
Sicherungs-Regiment 45 (gebildet mit den Sicherungs-Bataillonen 302, 352 und 230 sowie dem Stab des Landesschützen-Regiment 45) am 15. Oktober 1942
Nachrichten-Abteilung 824 (aus Feld-Nachrichtenkommandantur 38) am 1. Dezember 1942 I. Bataillon / Polizei-Regiment 8 (aus Polizei-Bataillon 91) Reiter-Hundertschaft 221 (Winter 1942/43)
Durch die zeitweise Abgabe des Infanterie-Regiment 350 mit geringer Personalstärke versehen, wurden in den Jahren 1942 bis 1944 immer wieder weitere Verbände unterstellt, um die jeweils angewiesenen Einsätze im Hinterland der Front durchführen zu können.
Diese waren nach Jahren sortiert:
August 1942: Landesschützen-Regiment 27 mit den Sicherungs-Bataillonen 325, 706 und 862 August 1942: Landesschützen-Regiment 44 mit den Sicherungs-Bataillonen 573 und 701 Februar 1943: Grenadier-Regiment 930 Februar 1943: Sicherungs-Regiment 36 Februar 1943: Sicherungs-Regiment 183 Februar 1943: Ost-Bataillon 604 Februar 1944: Landesschützen-Regiment 75 mit den Sicherungs-Bataillonen 939, 598 und dem litauischen Bataillon Nr. 5 Februar 1944: Landesschützen-Regiment 34 mit den Sicherungs-Bataillonen 546, 468 und Festungs-Bataillon 659 Februar 1944: Landesschützen-Bataillon 446 Februar 1944: Landesschützen-Bataillon 791
Unternehmen Barbarossa Die Division wurde im Juni 1941 dem VII. Armee-Korps der 4. Armee bei der Heeresgruppe Mitte für den Angriffskrieg gegen die Sowjetunion zugeteilt und wurde im Raum Bialystok zum Einsatz gebracht. Hierbei folgte der Verband eng der Frontlinie des Zentralabschnitts. Im Juli 1941 wurde der Verband in die Reserve der 4. Armee überstellt und verblieb im Raum Bialystock.
Der Division wurde das Polizei-Bataillon 309 der Ordnungspolizei als ergänzender Verband zu Beginn des Angriffskrieges zugeteilt.Müller: Polizisten oder "Polizeisoldaten" 2019 S. 105
Sicherungsaufgaben im Rückwärtigen Heeresgebiet 1941
Von August bis Dezember 1941 verblieb die Division im Rückwärtigen Heeresgebiet Russland-Mitte der Heeresgruppe Mitte im Einsatz ohne einem Korps zugeteilt zu sein im Raum Bobruisk und Brjansk.
Raum Orel Durch den Rückzug der Wehrmacht nach dem gescheiterten Vorstoß auf Moskau kam sie im Januar 1942 mit dem LV. (55.) Armee-Korps bei der 2. Armee bei der Heeresgruppe Mitte im Raum Orel zum Fronteinsatz. Mit dem gleichen Korps erfolgte von Februar bis März 1942 die Unterstellung unter die Heeresgruppe Süd im gleichen Einsatzraum.
Sicherungsaufgaben im Rückwärtigen Heeresgebiet 1942
Nachdem es an der Front etwas ruhiger geworden war, wurde die 221. Sicherungs-Division aus dem LV. (55.) Armee-Korps entlassen und wieder direkt der Heeresgruppe unterstellt. Im Weiteren hatte sie bis zum 19. März 1942 alle ihre Einheiten aus der Front herauszulösen und ins sogenannte „Rückwärtige Heeresgebiet Russland-Mitte“ zu verlegen. Dort sollte sie, nach einer üblichen Auffrischung, in einer Quelle auch wohl als Art „Generalüberholung“Vgl. IfZ-Archiv, MA 1670: Kdr. Gen. d. Sich. Trp. u. Bfh. im Rückw. Heeresgebiet Mitte, Abt. I 2, Vermerk betr. „Stand der Aufstellung der 221. Div. am 19.3.1942“. bezeichnet, an mehreren Großunternehmen teilnehmen; den Unternehmen „München“ (19. März – 28. März 1942)BA-MA, RH 22/229: Kdr. Gen. d. Sich. Trp. u. Bfh. im Rückw. Heeresgebiet Mitte, Abt.la; Kriegstagebuch, Einträge vom 22. März 1942 ff. Generell hierzu Armstrong (Hrsg.), Soviet Partisans, S. 422 ff.; Pohl, Herrschaft, S. 286; Hürter, Heerführer, S. 434 f.; Munoz/Romanko, Hitler's White Russians, S. 199 ff.; Kreidel, Jagd auf Grischin, S. 45. Auch zum Folgenden. sowie „Hannover I und II“ (24. Mai – 30. Mai, bzw. 3. Juni-11./16. Juni 1942)IfZ-Archiv, MA 1670: XXXXIII. A.K., Abt. I a, „Befehl für die Beendigung des Unternehmens Hannover“ vom 16. Juni 1942; ebda., Bfh, im Rückw. Heeresgebiet Mitte, Åbt. 1 a, „Korps-Nr. Ferner 132“..
Säuberungen im rückwärtigen Heeresgebiet April bis Juni 1942 Beim schnellen Vorstoß deutscher Truppen in der zweiten Jahreshälfte 1941, war häufig sowjetische Kräfte in schwer zugängliche Räume beiderseits der Stoßachsen der deutschen Divisionen ausgewichen und hatten sich hinter den deutschen Frontlinien neu organisiert. Deutscherseits wurden oft alle gegnerischen Kräfte hinter der offiziellen Frontlinie als Partisanen und irreguläre Kämpfer betrachtet. In einem Raum östlich von Smolensk, der die Gegend um die Städte Jelnja, Drogobusch und Jarzewo umfasste hatte der sowjetische Generalleutnant Below ein Operationsgebiet für etwa 20.000 sowjetische Kämpfer geschaffen. Diese Kampfgruppe des Generalleutnants Below aus – regulären wie irregulären KämpfernAm 31. März 1942 meldete die 221. Sich. Div. über ihre Gegner: „Führer in den Haupt- und Stabsquartieren Offiziere. Mannschaften der Stäbe anscheinend reguläre Truppe, verstärkt bzw. ergänzt durch Partisanen, versprengte und frisch ausgehobenen Zivilisten. Auch habe man Angehörige der Luftlandetruppe“ festgestellt. (IfZ-Archiv, MA 1670: 221, Sich. Div., Abt. 1 a, Divisions-Befehl vom 3.4.1942, Anlage: Feindlage) – bildete aus deutscher Sicht das größte Partisanenzentrum im Rücken der deutschen Front und war sogar über einige Flugplätze mit der sowjetischen Seite verbundenVgl. Reinhardt, Die russischen Luftlandungen im Bereich der deutschen Heeresgruppe Mitte.. Wie groß und gut versorgt diese Truppen im Frühjahr 1942 waren und welche Probleme sie der Wehrmacht bereiteten, ist daran erkenntlich, dass es zur abschließenden Partisanenbekämpfung drei große militärische Unternehmen („Säuberungsunternehmen“)KTB OKW, Bd. II, S. 379 f. (Eintrag vom 24. Mai 1942) benötigt wurden.
Unternehmen München Beim Unternehmen München gelang es im März 1942 lediglich, die deutsche Garnison von Jelnja zu befreien, die seit Januar 1942 von den Partisanen eingeschlossen und abgeriegelt war.
Unternehmen Hannover I und II Erst mit den beiden folgenden Unternehmen Hannover I und II, für die das Ende der Schlammperiode Rasputiza das Signal gab, konnten die Deutschen Belows Kampfgruppe zerschlagen. Dazu war ein erhebliches Aufgebot nötig, insgesamt zwischen 40.000 und 45.000 Mann: das XXXXI. Panzer- und das XXXXIII. Armee-Korps mit jeweils drei Frontdivisionen, verschiedene Besatzungseinheiten, darunter die russische Freiwilligen-Brigade „Graukopf“, und eben die 221. Sicherungs-Division.
Die 221. Sicherungs-Division stand am südlichen Rand des gebildeten Kessels und sollte den Ausbruch der Truppen des Generals Below in südlicher und südwestlicher Richtung […] verhindern. Genau hier, an einer der schwächsten Stellen des deutschen Rings, brach Below jedoch mit verbliebenen 2.000 Kämpfern durch. Die 221. Sicherungs-DIvision verfügte nicht über die Kampfkraft einer Frontdivision, die erforderlich gewesen wäre einen koordinierten und verzweifelten Angriff größerer Truppenteile aufzuhalten.
Am Ende hatten die Deutschen etwa 5.000 Gegner getötet, weitere 11.000 gefangen genommen, selbst aber „nur“ 468 Tote und ca. 200 Vermisste verloren, allerdings kam es gerade bei der 221. Sicherungs-Division zu größeren personellen VerlustenAllein im April 1942 registrierte die Führung der 221. Sicherungsdivision 102 Gefallene u. 462 Verwundete. So viele Gefallene hatte diese Division in einem Monat während des Ostkrieges noch nie. Vgl. IfZ-Archiv, MA 1671: 221. Sich. Div., Abt. I a, Tagesmeldungen an den Kdr. Gen. d. Sich. Trp. u. Bfh. im Rückw. Heeresgebiet Mitte für die Zeit vom 24.3. bis 16. Juni 1942 sowie Kap. 2.5.