Die Pflanzengattung Hahnenfuß (Ranunculus), auch Ranunkel genannt, gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die über 600 Arten der Gattung sind fast weltweit verbreitet.
Namensherkunft Der deutschsprachige Trivialname Hahnenfuß bezieht sich auf die vogelfußähnlichen Laubblätter. Er ist seit dem Mittelalter als hanenvuoz meist für Ranunculazeen mit drei- bis fünfteiligen Blättern belegt.Josef Domes: Anmerkungen zur Pharmakologie des Hahnenfusses. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 7, 1989, S. 337–338.
Beschreibung Vegetative Merkmale Hahnenfuß-Arten wachsen als einjährige oder ausdauernde krautige Pflanze. Die meisten Arten gedeihen terrestrisch, einige Arten als Sumpfpflanzen und wenige Arten als flutende Wasserpflanzen. Es können je nach Art knollige Speicherwurzeln, Rhizome, Stolonen oder eine knollige Stängelbasis ausgebildet werden. Der aufrechte, aufsteigende bis niederliegende, selten flutende Stängel ist meist beblättert.
Die meist wechselständig, sowohl grundständig als auch am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter können gestielt sein. Selten ist das oberste Blattpaar gegenständig (Ranunculus sect. Flammula). Der Blattstiel besitzt an seiner Basis eine Blattscheide. Die Blattspreite kann ungeteilt sein, meist ist sie mehr oder weniger tief geteilt. Der Blattrand ist glatt, gekerbt, gezähnt oder gesägt.
Blütenstand und Blüten Die Blüten stehen einzeln oder zwei bis fünfzig in end- oder seitenständigen, einfachen oder verzweigten, bis zu 25 cm großen, zymösen Blütenständen zusammen. Es können kleine bis große laubblattähnliche Hochblätter vorhanden sein.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch. Der Blütenboden (Receptaculum) ist mehr oder weniger konvex. Der Blütenboden bildet manchmal, beispielsweise bei Ranunculus angustisepalus ein Androgynophor. Es sind meist fünf (drei bis sieben) freie, 1 bis 15 mm lange Kelchblätter vorhanden, die meist grün, manchmal dunkelrot bis purpurfarben, gelb oder weiß sind; sie sind meist flach und meist schneller hinfällig als die Kronblätter. Sehr selten, bei Ranunculus angustisepalus besitzen die Kelchblätter Anhängsel, oder bei Ranunculus ficaria ist die Basis sackförmig. Die meist fünf (drei bis zehn) freien Kronblätter werden oft als Nektarblätter bezeichnet, sie sind genagelt, flach, mit einer Länge von 1 bis 26 mm lineal bis kreisförmig und besitzen an ihrer Basis eine Nektardrüse, die meist von einer Schuppe bedeckt ist. Die Nektarblätter sind oft gelb und durch Öltropfen in der äußersten Oberhaut innen lackglänzend, bei manchen Arten auch weiß, dann jedoch mit einem gelben Zentrum, sehr selten sind sie rot. Es sind meist viele, selten nur fünf bis zehn fertile Staubblätter vorhanden. Die meist vielen (4 bis 250) freien Fruchtblätter sind nur selten, beispielsweise bei Ranunculus podocarpus gestielt. Jedes Fruchtblatt enthält nur eine basale Samenanlage. Meist ist auch noch auf der Frucht ein Griffel erkennbar, selten ist keiner ausgebildet. Meist ist auf dem Griffel stigmatisches Gewebe verteilt, selten ist eine erkennbare Narbe ausgebildet.
Früchte und Samen Es stehen viele Achänen zusammen. Die kugeligen, eiförmigen oder zylindrischen, mehr oder weniger abgeflachten Achänen besitzen eine meist glatte, manchmal warzige oder stachelige Oberfläche und oft einen geraden oder gebogenen 0 bis 4,5 mm langen Fruchtschnabel (= der haltbare Griffel), manchmal sind sie an der Naht gerandet oder kantig. Die Achänen sind meist grün, nur bei Ranunculus melanogynus sind sie schwarz. Die Samen besitzen viel Endosperm und einen kleinen Embryo.
Vererbung Die Chromosomengrundzahl beträgt selten x = 7, meist x = 8. Bei Ranunculus kommen unterschiedliche Ploidie-Stufen vor. Apomixis und interspezifische Hybridisierung kommt bei vielen Gruppen vor (Beispielsweise Ranunculus polyanthemos-Gruppe, Ranunculus subg. Batrachium, Ranunculus sect. Pseudadonis).
mini|Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula)
Inhaltsstoffe und Giftigkeit Alle Ranunculus-Arten sind giftig (Protoanemonin). Aufgrund ihres beißenden Geschmacks werden sie vom Vieh gemieden. Die Giftstoffe werden jedoch durch Trocknen abgebaut, so dass Heu, welches getrocknete Hahnenfuß-Arten enthält, unschädlich ist. Abgemähte Stängel können bei Kontakt Hautreizungen hervorrufen (Wiesendermatitis).
Medizinisch angewendet wurden Hahnenfuß-Gewächse aufgrund ihrer ätzenden Wirkung (durch Ranunculin bzw. Ranunculol und Anemonin) vor allem bei einigen Hauterkrankungen. Insbesondere Asiatischer Hahnenfuß (Ranunculus asiaticus), Scharfer Hahnenfuß, Brennender Hahnenfuß (Ranunculus flammula) und Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus) wurden früher zur Behandlung von Feigwarzen, Hämorrhoiden und Hautgeschwüren eingesetzt.Josef Domes (1989) Im Mittelalter wurden einige Hahnenfußarten auch als Apium silvestre, Apium risus und „Wilder Eppich“ bezeichnet, wobei ursprünglich im Süden Ranunculus asiaticus, im Norden Ranunculus sceleratus, Ranunculus flammula und Gewöhnlicher Wasserhahnenfuß (Ranunculus aquatilis) in Betracht kommen.Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 158.
Standorte
Ranunculus-Arten gedeihen an trockenen bis feuchten Standorten und als flutende Wasserpflanzen. Sie kommen vom Tiefland bis in die hochalpine Höhenstufe vor. In den Tropen gedeihen sie allerdings nur in höheren Berglagen, fehlen jedoch im Tiefland.
mini|Ranunculus abnormis mini|Eisenhutblättriger Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius) mini|Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris) mini|Weißer Hahnenfuß (Ranunculus amplexicaulis) mini|Asiatischer Hahnenfuß (Ranunculus asiaticus) mini|Gebirgs-Hahnenfuß (Ranunculus breyninus) mini|Blüte vom Knolligen Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus) mit zurückgeschlagenen Kelchblättern mini|Ranunculus bullatus mini|Ranunculus bupleuroides mini|Ranunculus californicus mini|Kärntner Hahnenfuß (Ranunculus carinthiacus) mini|Spreizender Wasserhahnenfuß (Ranunculus circinatus) mini|Ranunculus cortusifolius mini|Ranunculus demissus mini|Ranunculus eschscholtzii mini|Flutender Hahnenfuß (Ranunculus fluitans) mini|Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis) mini|Grasblättriger Hahnenfuß (Ranunculus gramineus) mini|Ranunculus hebecarpus mini|Efeublättriger Wasserhahnenfuß (Ranunculus hederaceus) mini|Bastard-Hahnenfuß Ranunculus hybridus mini|Ranunculus hyperboreus mini|Blüte vom Illyrischen Hahnenfuß (Ranunculus illyricus) mit zurückgeschlagenen Kelchblättern mini|Wolliger Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus) mini|Zungen-Hahnenfuß (Ranunculus lingua) mini|Ranunculus lyallii, eine neuseeländische Art mini|Berg-Hahnenfuß (Ranunculus montanus) mini|Ranunculus ollissiponensis mini|Ranunculus ophioglossifolius mini|Ranunculus paludosus mini|Herzblättriger Hahnenfuß (Ranunculus parnassiifolius) mini|Ranunculus parviflorus mini|Schild-Wasserhahnenfuß (Ranunculus peltatus) mini|Ranunculus pollinensis mini|Ranunculus pseudomontanus mini|Zwerg-Hahnenfuß (Ranunculus pygmaeus) mini|Pyrenäen-Hahnenfuß (Ranunculus pyrenaeus) mini|Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus repens) mini|Rauer Hahnenfuß (Ranunculus sardous) mini|Gift-Hahnenfuß (Ranunculus sceleratus) mini|Seguier-Hahnenfuß (Ranunculus seguieri) mini|Schildblättriger Hahnenfuß (Ranunculus thora)
Systematik und Verbreitung Die Erstveröffentlichung des Gattungsnamens Ranunculus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 548. Der botanische Gattungsname Ranunculus leitet sich vom lateinischen Wort ranunculus für „Fröschlein“ ab, entweder, da viele der Arten besonders an feuchten Standorten gedeihen – dort, wo auch Frösche leben – oder wegen ihrer kaulquappenförmigen Früchte („Fröschlein“ = „Kaulquappe“). Als Lectotypus wurde 1913 Ranunculus auricomus L. festgelegt.
Die Gattung Ranunculus gehört zur Tribus Ranunculeae in der Unterfamilie Ranunculoideae innerhalb der Familie Ranunculaceae.
Die Gliederung der Gattung Ranunculus wird kontrovers diskutiert, bei manchen Autoren werden die Untergattungen als eigenständige Gattungen geführt; dies ist auch ein Grund für die große Bandbreite bei Angabe der Artenzahlen (von 300 bis über 600). Synonyme für Ranunculus s. l. sind: Aphanostemma , Arcteranthis , Batrachium , Casalea , Gampsoceras , Peltocalathos . Nach K. Emadzade et al. 2010 enthält die Tribus Ranunculeae eine große Gattung Ranunculus mit über 600 Arten und viele kleine, aus ihr, neu oder wieder ausgegliederte Gattungen mit insgesamt etwa 50 Arten.
Die Gattung Ranunculus ist mit über 600 Arten fast weltweit verbreitet und kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. Ranunculus-Arten gedeihen von tropischen bis in hocharktische Gebiete. Hauptverbreitungsgebiet sind die gemäßigten Gebiete der Nordhalbkugel. In Nordamerika kommen etwa 76 Arten vor. In Mitteleuropa kann man über 60 Arten finden. In China kommen 125 Arten vor, 66 davon nur dort.
Es gibt über 600 Ranunculus-Arten (Auswahl):
Ranunculus abchasicus : Sie kommt im Kaukasusraum vor. Ranunculus abnormis : Sie kommt auf der Iberischen Halbinsel vor. Ranunculus abortivus (Syn.: Ranunculus holmii , Ranunculus michiganensis , Ranunculus nitidus , Ranunculus ruderalis , Ranunculus abortivus var. acrolasius , Ranunculus abortivus var. eucyclus , Ranunculus abortivus var. indivisus , Ranunculus abortivus var. nitidus , Ranunculus abortivus var. typicus ): Sie ist in Nordamerika weitverbreitet. Ranunculus acaulis Ranunculus acetosellifolius : Dieser Endemit kommt in Spanien nur in der Sierra Nevada vor. Eisenhutblättriger Hahnenfuß oder Sturmhutblättriger Hahnenfuß (Ranunculus aconitifolius ) Ranunculus acriformis , Heimat: Westliche Vereinigte Staaten. Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris ) Ranunculus adoneus , Heimat: Westliche Vereinigte Staaten. Ranunculus adoxifolius : Sie kommt in Nepal, Sikkim und südöstlichen Tibet vor. Haken-Hahnenfuß (Ranunculus aduncus ): Sie kommt nur in Spanien, Frankreich und Italien vor. Ranunculus ailaoshanicus : Sie wurde 2007 erstbeschrieben. Sie wurde nur in Höhenlagen von etwa 2400 Metern in Jingdong sowie Ailao Shan in Yunnan gefunden. Ranunculus albertii : Sie kommt in Kasachstan und westliches bis zentrales Xinjiang vor. Ranunculus alismifolius : Sie kommt vom westlichen Kanada über die westlichen Vereinigten Staaten bis ins nördliche Mexiko vor. Ranunculus allegheniensis : Sie kommt in den östlichen Vereinigten Staaten vor. Ranunculus allenii : Sie kommt im nördlichen und östliche Kanada vor. Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris ) Ranunculus altaicus : Sie kommt in Kasachstan, Kirgisistan, Sibirien, in der Mongolei und im nördlichen Xinjiang vor. Ranunculus ambigens : Sie kommt in den Vereinigten Staaten vor. Weißer Hahnenfuß (Ranunculus amplexicaulis ): Sie gedeiht auf Matten in Höhenlagen von 1000 bis 2500 Metern in den Pyrenäen von Spanien und Frankreich. Ranunculus amurensis : Sie kommt in Russlands Fernem Osten, in der Inneren Mongolei und in Heilongjiang vor. Ranunculus andersonii , Heimat: Westliche Vereinigte Staaten. Ranunculus angulatus Ranunculus angustisepalus : Dieser Endemit gedeiht an Grashängen in Höhenlagen von etwa 3600 Metern nur im Bomi Xian im südöstlichen Tibet. Ranunculus apenninus Ranunculus apiifolius Gewöhnlicher Wasserhahnenfuß (Ranunculus aquatilis ) Ranunculus araraticus Ranunculus arizonicus : Sie kommt in Arizona, New Mexico und in Mexiko vor. Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis ) Er ist von Europa bis Südwestasien verbreitet. Beispielsweise in China ist er ein Neophyt. Asiatischer Hahnenfuß, Floristen-Ranunkel (Ranunculus asiaticus ), Heimat: Kreta, Zypern, Syrien, Israel, Türkei, Nordirak, Westiran, Nordafrika. Ranunculus aureopetalus Gold-Hahnenfuß (Artengruppe; Ranunculus auricomus agg.), mit zahlreichen Kleinarten, darunter: Ranunculus allemannii Kaschuben-Hahnenfuß oder Wenden-Hahnenfuß (Ranunculus cassubicus ) Ranunculus fallax