Die Lungenklinik Heckeshorn ist eine Lungenklinik in Berlin, benannt nach dem Heckeshorn am Großen Wannsee, ursprünglich gelegen im Ortsteil Wannsee des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Sie ist heute ein Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie. Die Klinik wurde 1947 als Tuberkulose-Krankenhaus am Wannsee, nahe der Colonie Alsen, gegründet und ist seit 2004 Teil des Helios Klinikums Emil von Behring im Ortsteil Zehlendorf, in dem sie sich seit 2007 vollständig befindet. Die Klinik ist mit 210 Betten (davon 40 im Bereich Thoraxchirurgie und 20 Betten in der Pädiatrie) und ca. 16.000 stationären und ambulanten Behandlungen pro Jahr das größte Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie in der Region Berlin-Brandenburg.Vgl. Bertelsmann Stiftung: (abgerufen am 15. Februar 2011). Siehe auch: Helios Kliniken: Klinikführer. Erweiterter Qualitätsbericht 2009/2010. Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin

Im April 2012 nahm die Klinik ihr 65-jähriges Bestehen zum Anlass, ihre historische Bibliothek wiederzueröffnen und in einer Festveranstaltung den ehemaligen Ärztlichen Direktor und langjährigen Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose e. V. (DZK), Robert Loddenkemper, zu ehren.Vgl. Pressemitteilung vom 10. April 2012; abgerufen am 22. November 2015 Eine im Internet zugängliche Festschrift versammelt auf über 200 Seiten eine Bibliografie aller Publikationen, die in den vergangenen 65 Jahren an der Klinik entstanden sind.

Geschichte mini|Verwaltungsgebäude der Lungenklinik Heckeshorn in Berlin-Wannsee, 1950er Jahre mini|Liegehalle der Lungenklinik Heckeshorn, 1950er Jahre

Die nach dem Zweiten Weltkrieg grassierende Tuberkulose-Epidemie, von der in Berlin allein 65.000 Menschen betroffen waren, war der Anlass zur Gründung des Tuberkulose-Krankenhauses Heckeshorn am 1. April 1947.Vera Seehausen, Torsten T. Bauer, Dirk Kaiser, Robert Loddenkemper (Hrsg.): Von der Phthisiologie zur Pneumologie und Thoraxchirurgie: 60 Jahre Lungenklinik Heckeshorn. Stuttgart/New York: Thieme 2007, S. 13 Ihren Standort fand die Klinik auf dem von der amerikanischen Besatzungsmacht freigegebenen Gelände der ehemaligen Reichsluftschutzschule, bestehend aus mehreren Klinkerbauten und Holzbaracken, die zu Liegehallen umfunktioniert und später durch Flachbauten ersetzt wurden. Die Klinik bestand aus vier klinischen Abteilungen (Diagnostik, Innere Medizin, Chirurgie, Pädiatrie) sowie einem Zentrallabor für Mikrobiologie, einem klinisch-chemischen Labor und den Instituten für Röntgenologie und Pathologie.

Auf dem Gelände am Heckeshorn steht bis heute ein in den 1940er Jahren errichteter Hochbunker mit einer eigenen Sendemastanlage, die während der Berlin-Blockade 1948/1949 drahtlose Fernsprechverbindungen nach Westdeutschland ermöglichte. Im Bunker war anfangs die Pathologie untergebracht, später diente er als Lagerraum und als ABC-geschütztes Notfallkrankenhaus.

Der Erste Ärztliche Leiter in Heckeshorn war Karl Auersbach (1946–1963), gefolgt von Karl Ludwig Radenbach (1964–1983), Robert Loddenkemper (1983–2005) und Dirk Kaiser (seit 2006).Vera Seehausen, Torsten T. Bauer, Dirk Kaiser, Robert Loddenkemper (Hrsg.): Von der Phthisiologie zur Pneumologie und Thoraxchirurgie: 60 Jahre Lungenklinik Heckeshorn. Stuttgart/New York: Thieme 2007, S. 13–20

Schwerpunkte Heckeshorn gehörte neben den Kliniken Havelhöhe und Hohengatow zu den wichtigsten Tuberkulose-Krankenhäusern in West-Berlin und hatte gute Kontakte zur amerikanischen Besatzungsmacht.Vera Seehausen, Torsten T. Bauer, Dirk Kaiser, Robert Loddenkemper (Hrsg.): Von der Phthisiologie zur Pneumologie und Thoraxchirurgie: 60 Jahre Lungenklinik Heckeshorn. Stuttgart/New York: Thieme 2007, S. 14 Das ermöglichte dem Krankenhaus als erster Klinik in Berlin den Zugang zu dem erstmals in den USA angewandten Antibiotikum Streptomycin, dem damals wirksamsten Medikament gegen Tuberkulose.

Bis heute ist die Tuberkulose-Bekämpfung zwar ein Schwerpunkt der Lungenklinik Heckeshorn,Daniela Martens: Zehlendorfer Zauberberg. In: Der Tagesspiegel, 15. August 2010 (abgerufen am 25. Januar 2011) jedoch hat sich Heckeshorn seit Anfang der 1960er Jahre zu einer Lungenfachklinik für alle pneumologischen Erkrankungen herausgebildet. Als erste Klinik Deutschlands führte Heckeshorn 1964 unter der Leitung Karl Ludwig Radenbachs das aus angloamerikanischen Ländern stammende Department-System ein,Vera Seehausen, Torsten T. Bauer, Dirk Kaiser, Robert Loddenkemper (Hrsg.): Von der Phthisiologie zur Pneumologie und Thoraxchirurgie: 60 Jahre Lungenklinik Heckeshorn. Stuttgart/New York: Thieme 2007, S. 16; Karl Ludwig Radenbach (u. a.): Fünf Jahre Department-System in einer Spezialklinik. In: Deutsches Ärzteblatt 1969; 66: S. 3075–3081 das den engen interdisziplinären Austausch aller unter selbstständiger Leitung stehenden Abteilungen der Klinik zum Ziel hatte und damals ein Novum in der ansonsten streng hierarchisch geprägten Krankenhausstruktur darstellte. Kern dieses Konzepts waren regelmäßige Patientenvorstellungen und fachliche Diskussionen aller Abteilungen in gemeinsamen klinischen Konferenzen, um Diagnostik und Therapie zu koordinieren und zu verbessern.

Die Lungenklinik Heckeshorn kann einige Pionierleistungen vorweisen: die endobronchiale Radiotherapie mit Kobalt,Hans-Jürgen Brandt, Werner Schlungbaum: Die endobrachiale Bestrahlung des Bronchuskarzinoms. Strahlentherapie 1958; 105: S. 207–217 erstmals durchgeführt von Hans-Jürgen Brandt, später die endobronchiale Laser- in Kombination mit der Brachytherapie, die perthorakale Implantation von Radio-Gold-Seeds von Günter Freise,Günter Freise: Die Behandlung des peripheren Bronchialkarzinoms mit Radio-Gold-Implantation. Fortschr. Röntgenstr. 1971; 114: S. 232–238 die Einführung der Thoraxzytologie, die Entwicklung der diagnostischen Thorakoskopie (Hans-Jürgen Brandt, Jutta Mai, Robert Loddenkemper), die in Deutschland erste nächtliche Heimbeatmung bei chronischer respiratorischer Insuffizienz 1983,Robert Loddenkemper, H. Grosser, Jutta Mai: Nächtliche Heimbeatmung bei Patienten mit chronischer respiratorischer Insuffizienz infolge Thoraxdeformität und neuromuskulärer Schwäche. Prax. Klein. Pneumol. 1987; 41: S. 445–448 die Initiierung von multizentrischen Studien und der Aufbau der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für die Therapie von Lungenkrankheiten e. V. (WATL, 1964).Vera Seehausen, Torsten T. Bauer, Dirk Kaiser, Robert Loddenkemper (Hrsg.): Von der Phthisiologie zur Pneumologie und Thoraxchirurgie: 60 Jahre Lungenklinik Heckeshorn. Stuttgart/New York: Thieme 2007, S. 99

Von 1996 bis 2009 war in der Lungenklinik Heckeshorn auch das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) angesiedelt, das sich heute in direkter räumlicher Nachbarschaft des Hauptstadtbüros der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie befindet., abgerufen am 25. Januar 2011

Nach mehreren Trägerwechseln gehört Heckeshorn seit 2004 zur Helios Kliniken GmbH. 2007 fand die Klinik – begleitet von starken Protesten gegen eine befürchtete Schließung, in deren Verlauf sich der Verein Freunde der Lungenklinik Heckeshorn gründete, abgerufen am 25. Januar 2011 – ihren neuen Standort auf dem Gelände des Helios Klinikums Emil von Behring, führt aber ihren Namen Lungenklinik Heckeshorn weiter.

Struktur mini|Haupteingang des Helios Klinikums Emil von Behring, der heutige Standort der Lungenklinik Heckeshorn

Klinik für Pneumologie Die Klinik für Pneumologie wird seit 2006 von Torsten Bauer geleitet. Zu ihr gehören das Zentrum für Schlaf- und Beatmungsmedizin (Weaning), eine Palliativstation, eine Anlaufstelle für stationäre und ambulante Versorgung von Patienten mit Tuberkulose und nicht-tuberkulösen Mykobakteriosen, eine zentrale Anlaufstelle für ambulante Patienten sowie die bezirkliche Beratungsstelle für Patienten mit Tumoren der Atmungsorgane (Geschwulstberatung). Weitere Spezialgebiete sind die Infektiologie (mit eigenem Immunlabor) mit einem Schwerpunkt bei den Pneumonien und den Exazerbationen der COPD, die Allergologie, die Diagnostik und Therapie von Pleuraergüssen und Lungenfibrosen sowie seltenere Lungenerkrankungen wie die Sarkoidose oder die Langerhans-Zell-Histiozytose. Die Klinik verfügt außerdem über eine interventionelle Endoskopie sowie ein modern ausgestattetes Lungenfunktionslabor. Nach Eröffnung der Strahlenklinik steht heute das komplette Therapiespektrum für den Lungenkrebs und andere intrathorakale Tumoren zur Verfügung., und , abgerufen am 25. Januar 2011

Regelmäßig finden im Frühjahr die Pneumologischen Praxistage in der Lungenklinik Heckeshorn statt, organisiert vom Bundesverband der Pneumologen (BdP), der Bundesarbeitsgemeinschaft Pädiatrische Pneumologie e. V. (BAPP) und dem Verband des Pneumologischen Assistenzpersonals (VPAD).http://www.pneumologische-praxistage.de/ Stand: 31. Mai 2011

Klinik für Thoraxchirurgie Die Klinik für Thoraxchirurgie stand von 1985 bis 2013 unter der Leitung von Dirk Kaiser, dem am 1. Mai 2013 Joachim Pfannschmidt nachfolgte, der zuvor an der Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg tätig war. (Stand: 30. April 2013) Die meisten Lungenkrebs-Operationen im Raum Berlin/Brandenburg werden in der Lungenklinik Heckeshorn vorgenommen.Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz: Fallzahlen operativer Krebsbehandlungen in Berliner Krankenhäusern im Jahr 2009. 5. Aktualisierung der Darstellung gemäß Krankenhausplan 2010. Berlin November 2010, S. 12. Helios Kliniken: Geschäftsbericht 2008. Medizin Wissen Finanzen. Berlin (ISBN 978-3-937539-16-4), S. 109 Die Letalitätsrate bei den OPs liegt bei 1,4 Prozent und weist damit im internationalen Vergleich eine der niedrigsten Todesraten auf. Weitere Spezialgebiete sind die Metastasenchirurgie mit dem Laser, die Behandlung des Pneumothorax und des Pleuraempyems.www.helios-kliniken.de Leistungsspektrum, abgerufen am 25. Januar 2011

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin Heckeshorn ist eine der wenigen Lungenkliniken Deutschlands mit einer eigenen Kinderabteilung:helios-kliniken.de zu Kinder- und Jugendmedizin, abgerufen am 25. Januar 2011 Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Pneumologie und Allergologie unter der Leitung von Michael Barker – verfügt über eine spezielle Mukoviszidose-Sprechstunde und eine Kinder-Rettungsstelle.

Den drei Klinikbereichen angegliedert sind das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, das Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Laboratoriumsmedizin sowie das Institut für Pathologie und das Institut für Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung (PET-Zentrum Berlin-Süd).

Seit April 2009 ist die Lungenklinik Heckeshorn ein zertifiziertes Lungenkrebszentrum, ein zertifiziertes Thoraxchirurgisches Zentrum und ein Klinisches Zentrum für Infektiologie.HElmo s Kliniken: Helios Klinikum Emil von Behring – Lungenklinik Heckeshorn. Das Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie. Berlin 3/2010, S. 4

Ausgewählte Kooperationen Tumor-Zentrum Berlin e. V. WATL – Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für die Therapie von Lungenkrankheiten e. V. Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie Charité: Medizinische Klinik m.S. Infektiologie und Pneumologie (Direktor: Norbert Suttorp) Immanuel Krankenhaus Berlin-Wannsee

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