mini|hochkant=1.3|Blick vom Altenberg nach Nordosten über Niederstetten im Tal des Vorbachs auf Schloss Haltenbergstetten auf dem Talsporn Lämmerberg zwischen den Tälern von Vorbach (von links nach rechts) und Frickentalbach (von hinten nach vorn) Niederstetten () ist eine Landstadt in Hohenlohe im fränkischen Nordosten von Baden-Württemberg, die dem Main-Tauber-Kreis angehört.Main-Tauber-Kreis: Städte und Gemeinden, main-tauber-kreis.de, abgerufen am 25. Oktober 2014.
Geographie mini|hochkant|Doline Häften
Geographische Lage Niederstetten liegt im Tal des Vorbachs, eines Nebenflusses der Tauber. Die zehn Stadtteile Niederstettens befinden sich im Südosten des Main-Tauber-Kreises. Einen Großteil des 104,06 Quadratkilometer großen Stadtgebiets nimmt der Südzipfel des vom Muschelkalk geprägten Naturraums Tauberland ein. Im Südosten des Stadtgebiets, auf der Hohenloher-Haller Ebene, steigt das Gelände am Rand des Poppenholzes auf an. Im Südwesten ragt das Stadtgebiet in die Kocher-Jagst-Ebenen hinein. Die tiefste Stelle des Stadtgebiets befindet sich am Austritt des Aschbachs auf die Markelsheimer Gemarkung bei etwa 242 m ü. NHN. Als Naturschutzgebiete sind der Erlenbruchwald beim Lichteler Landturm, die Oberrimbacher Erdfälle und der Wildentierbacher Berg ausgewiesen. Die Stadt ist als Kleinzentrum eingestuft und gehört seit Anfang 1973 zum Main-Tauber-Kreis.
Stadtgliederung Zu Niederstetten gehören neben der Kernstadt Niederstetten die ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Stadtteile Adolzhausen, Herrenzimmern, Oberstetten, Pfitzingen, Rinderfeld, Rüsselhausen, Vorbachzimmern, Wermutshausen und Wildentierbach.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 337–343.
Zur ehemaligen Gemeinde Adolzhausen das Dorf Adolzhausen () mit den abgegangenen Ortschaften Dunkenrodvgl. Hartmut Schäfer: Die abgegangene Siedlung Dunkenrod, Gemeinde Niederstetten-Adolzhausen, Main-Tauber-Kreis. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 6. Jg. 1977, Heft 2, S. 70–75. (PDF 1,3 MB) (mit Adolzhausen vereinigt), Lindlein (?), Radolzhausen, Reckertsfelden und Schöntal. Zur ehemaligen Gemeinde Herrenzimmern das Dorf Herrenzimmern () mit dem Gehöft Untere Mühle () sowie die abgegangenen Ortschaften Greifenbronn und Helmpach. Zu Niederstetten die Kernstadt Niederstetten () mit dem Wohnplatz Am Flugplatz (), den Weilern Eichhof (), Ermershausen () und Sichertshausen (), dem Wohnplatz Haltenbergstetten (), dem Gehöft Rehhof () und den Häusern Dreischwingen () und Neuweiler () sowie der abgegangenen Ortschaft Schafhof. Zur ehemaligen Gemeinde Oberstetten das Dorf Oberstetten () mit dem Weiler Weilerhof (), dem Gehöft Höllhof (; teilweise auch zu Wildentierbach) und den Häusern Fuggersmühle (), Reutalmühle () und Stegmühle (). Zur ehemaligen Gemeinde Pfitzingen das Dorf Pfitzingen (). Zur ehemaligen Gemeinde Rinderfeld das Dorf Rinderfeld () mit den Weilern Dunzendorf () und Streichental () sowie den abgegangenen Ortschaften Kunzenweiler und Wieset. Zur ehemaligen Gemeinde Rüsselhausen das Dorf Rüsselhausen (). Zur ehemaligen Gemeinde Vorbachzimmern das Dorf Vorbachzimmern (). Zur ehemaligen Gemeinde Wermutshausen das Dorf Wermutshausen () mit dem Weiler Ebertsbronn () sowie den abgegangenen Ortschaften Hohenweiler und Raweg (Lage wird nur in Wermutshausen vermutet). Zur ehemaligen Gemeinde Wildentierbach das Dorf Wildentierbach () mit den Weilern Hachtel (), Heimberg () und Wolkersfelden (), dem Hof Schönhof (), dem Wohnplatz Landturm () und dem Gehöft Höllhof (; teilweise auch zu Oberstetten).
Schutzgebiete In Niederstetten gibt es vier Landschafts- und drei Naturschutzgebiete:Reinhard Wolf, Ulrike Kreh (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. Thorbecke, Ostfildern 2007. Landschaftsschutzgebiet Gewann Sensen und Tal nordöstlich Eichswiesen: 4,8 ha; Gemarkung Niederstetten; seit 1992. Landschaftsschutzgebiet Niederstetten: 1786,0 ha; Gemarkung Niederstetten; seit 1992. Landschaftsschutzgebiet Weikersheim: 2718,0 ha; Gemarkungen Bad Mergentheim, Creglingen, Niederstetten und Weikersheim; seit 1993. Landschaftsschutzgebiet Creglingen: 2027,9 ha; Gemarkungen Creglingen, Niederstetten und Weikersheim; seit 1997. Naturschutzgebiet Erlenbruchwald beim Lichteler Landturm: 0,84 ha; Stadt Niederstetten, Gemarkung Rinderfeld Naturschutzgebiet Oberrimbacher Erdfälle: 71,2 ha; Stadt Creglingen, Gemarkung Oberrimbach, Stadt Niederstetten, Gemarkung Wildentierbach und Stadt Schrozberg, Gemarkung Spielbach, Landkreis Schwäbisch Hall Naturschutzgebiet Wildentierbacher Berg: 37,5 ha; Stadt Niederstetten, Gemarkung Niederstetten
Die FFH-Gebiete Taubergrund Weikersheim-Niederstetten und Jagsttal Langenburg-Mulfingen liegen teilweise auf der Gemarkung von Niederstetten. Daneben gibt es auf dem Gebiet der Stadt Niederstetten insgesamt 49 als Naturdenkmal geschützte Objekte.
Daneben liegen noch neun Wasserschutzgebiete in der Gemarkung der Stadt Niederstetten.
Naturdenkmale mini|Lenzeiche Lenzeiche bei Sichertshausen. Eiche mit abgestützten Ästen und einem Umfang in Brusthöhe von 6,75 m (2015). Die Lenzeiche wurde vom Kuratorium Nationalerbe-Bäume der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft am 19. Oktober 2025 zum Nationalerbe-Baum ausgezeichnet.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Niederstetten.
Geschichte Mittelalter Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Niederstetten im Jahre 780 in den Traditiones Fuldenses, dem Schenkungsbuch des Klosters Fulda, aus Anlass eines Zehntstreits zwischen Bischof Wolfgar von Würzburg und Abt Ratgar von Fulda. Die Geschichte Niederstettens ist mit der um das Jahr 1200 erbauten Burg, dem jetzigen Schloss Haltenbergstetten, eng verbunden. Am 14. September 1340 wurde Ulrich von Bruneck von Kaiser Ludwig IV. das Stadtrecht für Haltenbergstetten (heute: Niederstetten) verliehen und die Stadt mit dem Stadtrecht von Gelnhausen bewidmet.Karl Schmerbach: Der Oberhof Gelnhausen. In: Geschichtsblätter für Stadt und Kreis Gelnhausen 1966, S. 13–33 (19). 1367 verlieh Kaiser Karl IV. Niederstetten die Stadtrechte. Zunächst durch lehnsrechtlich bedingten Besitzwechsel im Mittelalter. Im Jahre 1366 erwarb Götz von Hohenlohe-Speckfeld Burg und Stadt, dessen Geschlecht 1412 ausstarb.
Neuzeit Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zum Schloss Haltenbergstetten umgebaut. Durch Erbschaft folgten nach den Herren zu Hohenlohe die Grafen von Castell, die Schenken von Limpurg, die Herren von Rosenberg und Hatzfeld (1641–1794), das Hochstift Würzburg und ab 1803 die Fürsten zu Hohenlohe-Jagstberg, die das Schloss Haltenbergstetten bis heute besitzen. 1806 fiel die Stadt im Zuge der Mediatisierung an das Königreich Württemberg, wo sie ab 1810 zum Oberamt Gerabronn (ab 1934 Kreis Gerabronn) gehörte und nach dessen Auflösung 1938 während der NS-Zeit in Württemberg dem Landkreis Mergentheim zugeschlagen wurde. Nach Pierer’s Universal-Lexikon hieß der Ort bis 1807 Haltenbergstetten.Pierer’s Universal-Lexikon, zeno.org, abgerufen am 8. August 2015.
Im April 1945 wurde Niederstetten durch Angriffe amerikanischer Jagdbomber und Artilleriebeschuss zur Hälfte zerstört. mini|Wildentierbach mit seiner Wehrkirche
Da Niederstetten nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Stadt somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Gemeindereform Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Oberstetten, Pfitzingen und Vorbachzimmern nach Niederstetten eingemeindet. Am 1. Februar 1972 folgten Rinderfeld und Wildentierbach, am 1. April 1972 Adolzhausen, am 1. Juli 1972 Herrenzimmern und Rüsselshausen und am 1. Januar 1974 Wermutshausen. Der Landkreis Mergentheim wurde aufgelöst und Niederstetten kam mit all seinen Ortsteilen am 1. Januar 1973 zum neugebildeten Main-Tauber-Kreis, der im ersten Jahr der Zugehörigkeit noch Tauberkreis hieß.
Einwohnerentwicklung Die Gesamtbevölkerung der Stadt Niederstetten entwickelte sich wie folgt: Jahr Bevölkerung 1961 4987 1970 5270 1991 5432 1995 5611 2005 5476 2010 5222 2015 4822 2020 4800
Quellen: Gemeindeverzeichnis und Angaben des Statistischen Landesamtes
Religionen Jüdische Gemeinde Niederstetten Bereits im Mittelalter lebten Juden in Niederstetten. Die Entstehung der neuzeitlichen jüdische Gemeinde geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Diese bestand bis zur Zeit des Nationalsozialismus.Alemannia Judaica: Niederstetten (Main-Tauber-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge, alemannia-judaica.de, abgerufen am 5. Dezember 2015.
Politik mini|Rathaus mit Schimmelturm Gemeinderat In Niederstetten wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Diese garantiert den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen. Aus dem Hauptort Niederstetten kommen mindestens neun Gemeinderäte, aus den weiteren neun Ortsteilen – Adolzhausen, Herrenzimmern, Oberstetten, Pfitzingen, Rinderfeld, Rüsselhausen, Vorbachzimmern, Wermutshausen und Wildentierbach – kommt jeweils mindestens ein Gemeinderat. Der Gemeinderat hat normalerweise 18 Mitglieder. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate (Ausgleichssitze) verändern. 2024 besteht er aus 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
+ Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 Allgemeine Wählervereinigung (AWV) 66,71 % 12 61,5 %, 12 Sitze CDU 0 % 0 27,4 %, 5 Sitze SPD 13,05 % 2 11,1 %, 2 Sitze Zukunft Niederstetten 20,24 % 4 0 %, 0 Sitze Wahlbeteiligung: 69,35 % (2019: 66,0 %)
Bürgermeister Am 8. März 2026 wurde Sebastian Mayer mit 66,6 % der Stimmen zum nächsten Bürgermeister gewählt. Heike Naber erhielt 8,3 %. Mayer trat das Amt am 1. Mai 2026 an.
Vor ihm war Heike Naber Bürgermeisterin. Sie wurde am 4. Februar 2018 zur Bürgermeisterin von Niederstetten gewählt. Bei einer Wahlbeteiligung von 68,0 % hatte Naber die Wahl mit 54,8 % gegen sechs weitere Bewerber für sich entscheiden können. Sie trat ihren Dienst am 2. Mai 2018 im Rathaus Niederstetten an.
Nach verschiedenen kommunalrechtlichen Verstößen durch die Bürgermeisterin Heike Naber sprach das Landratsamt Main-Tauber-Kreis am 27. April 2021 eine vorläufige Amtsenthebung gegen sie aus. Dem ersten Bürgermeister-Stellvertreter Harald Dietz oblag seit der vorläufigen Amtsenthebung Nabers die Führung der Amtsgeschäfte. Der Gemeinderat wählte Simon Michler, den bisherigen Bürgermeister von Edingen-Neckarhausen, zum Amtsverweser ab dem 1. Oktober 2022. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim erklärte in seiner letztinstanzlichen Entscheidung die vorläufige Amtsenthebung von Bürgermeisterin Naber für nicht verhältnismäßig und ließ eine Revision gegen das Urteil nicht zu. Nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils konnte Naber auf ihre Stelle als Bürgermeisterin zurückkehren.