mini|Logo mini|Festspielhaus Erl (2014) mini|Passionsspielhaus Erl (2014)
Die Tiroler Festspiele Erl in Erl in Tirol in Österreich sind ein seit 1998 jährlich stattfindendes Opern- sowie Konzertfestival mit einer Sommer- und seit 2012 einer Wintersaison.
Die Sommersaison dauert 25 Tage, in der Regel beginnend am ersten Donnerstag im Juli. Seit 2012 wird das Sommerprogramm ergänzt durch eine Wintersaison, die normalerweise vom 26. Dezember bis zum 6. Januar dauert.
Im Jahre 2017 wurden die Festspiele um zwei Festivalwochenenden erweitert: vor Palmsonntag bzw. Ostern durch ein verlängertes Wochenende zunächst als „Klaviertage“, dann ab 2025 als „Ostern in Erl“; am ersten Oktoberwochenende durch drei Tage, die zunächst „Erntedank“ hießen und seit 2024 unter dem Namen „Ausklang“ firmieren.
Geschichte Die Tiroler Festspiele Erl wurden 1997 vom Dirigenten Gustav Kuhn und Andreas Schett, dem Gründer der Musicbanda Franui, gegründet und im Juli 1998 mit der Aufführung von Das Rheingold eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt Gerard Mortier, der damals Intendant der Salzburger Festspiele war. Kuhn war in Erl als Dirigent, Regisseur und künstlerischer Leiter tätig. Im Jahr 2005 wurde Hans Peter Haselsteiner Präsident der Tiroler Festspiele. Im Juli 2026 wurde er in dieser Position bis Mitte 2031 bestätigt.
Gespielt wurde bis 2012 im 1959 eröffneten, von dem Tiroler Architekten Robert Schuller entworfenen Passionsspielhaus, in der Pfarrkirche, im Gasthaus „Blaue Quelle“ / „Blue Quelvet“ sowie an diversen Außenspielorten wie zum Beispiel dem Kranzhorn oder auf dem Inn an der Staustufe.
Während der Passionsspiele Erl, die alle sechs Jahre stattfinden, stand den Tiroler Festspielen ihr zentraler Austragungsort, das Passionsspielhaus, nicht zur Verfügung. Daher wurde 2002 in Kufstein und 2008 in Innsbruck gespielt. Dieser Umstand führte dazu, dass die Idee eines eigenen Festspielhauses in direkter Nachbarschaft des Passionsspielhauses aufkam. So begann im Oktober 2010 der Bau des Festspielhauses, auch um moderne Proben- und Aufführungsbedingungen für die Festspiele zu gewährleisten. Das Gebäude des Architekturbüros Delugan Meissl hat eine schwarze Fassade, die aus komplex angeordneten Faserzementtafeln besteht.
Das Festspielhaus wurde am 26. Dezember 2012 eröffnet, und zwar mit Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg. Im Sommer 2013, dem Jahr der Jubiläumspassion (400 Jahre Passion), kam der Vorteil des eigenen Festspielhauses erstmals zum Tragen: Während im Passionsspielhaus die Erler Mitbürger die Passionsgeschichte auf die Bühne brachten, fanden nebenan im Festspielhaus die Tiroler Festspiele Erl Sommer mit Verdis Trilogia popolare zu dessen 200. Geburtstag statt, obwohl auch der Erler Hauptkomponist Wagner seinen 200. Geburtstag feierte. Im Sommer 2014, als zum ersten Mal beide Häuser bespielt werden konnten, wurde zuerst Bartóks Herzog Blaubarts Burg szenisch im Festspielhaus gegeben, und nach der Pause Carl Orffs Carmina Burana im Passionsspielhaus.
Gastspiele führten die Tiroler Festspiele Erl u. a. 2005 nach Santander und 2015 nach Peking und Shanghai; im Oktober 2015 waren die Tiroler Festspiele Erl mit den szenischen Erstaufführungen in China von Die Meistersinger von Nürnberg und Tristan und Isolde beim Beijing Music Festival vertreten.. Artikel vom 23. Oktober 2015.
Das Programm der Tiroler Festspiele Erl umfasst in der Sommersaison etwa 30 Veranstaltungen von Opern über Konzerte bis hin zu Kammermusikabenden, die jährlich über 20.000 Zuschauer haben. Bespielt werden seit Sommer 2014 beide Häuser im neuen „Festspielbezirk Erl“, Festspiel- und Passionsspielhaus. In der alljährlich vom 26. Dezember bis 6. Januar dauernden Wintersaison bietet das Programm im Festspielhaus rund 14 Veranstaltungen mit Opern und Konzerten im Hauptprogramm und Liederabenden sowie Kammermusik in der Reihe der „Specials“. Knapp 10.000 Besucher zählen die Festspiele seit Beginn jährlich im Winter.
Die im April 2017 erstmals durchgeführten „Klaviertage“ ergänzten bis 2024 das Programm der Festspiele am Palmsonntags-Wochenende von Donnerstag bis Sonntag um ein viertägigens Festival, das sich der Klaviermusikliteratur widmete. 2018 und 2019 schloss sich am darauffolgenden Karsamstag eine szenische Aufführung von Wagners Parsifal an. Seit 2025 findet dieses Bühnenweihfestspiel seinen festen Platz in der neuen Ostersaison.
Im Rahmen des Österreichischen Musiktheaterpreises 2017 wurden die Festspiele im Juni 2017 als bestes Festival ausgezeichnet.Musiktheaterpreis: Erstmals Kategorie für Off-Musiktheater. In: Salzburger Nachrichten. 10. Mai 2017, abgerufen am 1. Juni 2017.
Seit 2017 gibt es vor dem ersten Sonntag im Oktober Konzerte, die zunächst unter dem Titel „Erntedank“ liefen. Die ersten Ausgabe war Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet und gipfelte in der Aufführung seines Il re pastore. Seit 2024 heißt diese Herbstsaison „Ausklang“, wird von dem Festspiel-Mitbegründer Andreas Schett kuratiert und entwickelt an meistens drei Konzerten pro Abend eigene Programme zwischen Klassik, Jazz, Volks-, Welt- und Popularmusik.
Zwischen 2018 und 2020 wurde das Festspielhaus von dem Innsbrucker Architekten Hanno Schlögl um Funktionsbereiche wie Probebühne, Werkstätten, Kulissenlager, Büros, einen neuen Kartenverkauf und einen Hubschrauberlandeplatz erweitert.
Ende Juli 2018 gab es an vier aufeinander folgenden Abenden die Wiederaufnahme von Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen,Stefan Weiss: Festspiele Erl: Intendant Gustav Kuhn stellt seine Funktion ruhend. Der Standard, Artikel vom 30. Juli 2018, abgerufen am 1. August 2018. bei denen Gustav Kuhn zum letzten Mal am Pult stand.
Denn im Februar 2018 berichtete der Tiroler Publizist Markus Wilhelm von Vorwürfen finanzieller Unregelmäßigkeiten beim Festival, nämlich betreffend die prekären Arbeitsbedingungen der größtenteils aus Osteuropa stammenden Musikerinnen und Musiker (professionelle Musiker aus Belarus wurden beispielsweise mit einem Tagessatz von 35 € entlohnt). In seinen Worten ergab sich der „Verdacht auf Lohndumping, auf Lohnwucher, Scheinselbständigkeit, Abgabenhinterziehung, auf Verstoß gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz, Arbeitsverfassungsgesetz, Arbeitszeitgesetz, Arbeitsruhezeitgesetz, Urlaubsgesetz, auf Umgehung des Dienstvertrages, Aushebelung des Urheberrechtsgesetzes usw.“ In weiteren Artikeln beschäftigte sich Wilhelm mit massiven Anschuldigungen gegenüber Intendant Gustav Kuhn, dem eine Reihe sexueller Übergriffe auf Musikerinnen vorgeworfen wurde, dazu noch mit anderen finanziellen Auffälligkeiten, etwa signifikanten Geldströmen aus dem Festivalbudget an die italienische Firma von Kuhns Partnerin ohne quantifizierbare Gegenleistungen. In der Folge strengten Gustav Kuhn, dessen Partnerin, der Präsident und Mäzen der Festspiele Hans Peter Haselsteiner, die Tiroler Festspiele Erl sowie der einbringende Anwalt der Kläger Michael Krüger insgesamt 18 Prozesse gegen Markus Wilhelm an. Durch eine Spendenaktion konnte Wilhelm sämtliche Gerichtsprozesse, die größtenteils zu seinen Gunsten ausgingen und von ihm in seinem Blog publizistisch dokumentiert wurden, finanziell stemmen. Nach Abschluss des letzten Prozesses resümierte ein Ö1-Journal-Beitrag, Wilhelm habe in einem „Paradefall sogenannter Einschüchterungs- oder SLAPP-Klagen zur Verhinderung kritischer Berichterstattung widerstanden“.Blogger Wilhelm gewinnt endgültig gegen Haselsteiner, Österreich 1, Journal um 8, 27. April 2022
Überprüfungen der Geschäftsgebaren des Festivals führten zu erheblichen Nach- und Strafzahlungen. Am 31. Juli 2018 musste Intendant Gustav Kuhn sein Amt nach den Vorwürfen der sexuellen Belästigung von Musikerinnen der Festspiele ruhend stellen, am 24. Oktober trat er von all seinen Funktionen zurück; in weiterer Folge wurde Bernd Loebe als sein Nachfolger vorgestellt. Im November 2019 urteilte die Gleichbehandlungskommission des österreichischen Kanzleramts, dass es zweifelsfrei zu sexuellen Belästigungen durch Kuhn gekommen sei. Dennoch wurde im März 2020 das Ermittlungsverfahren gegen Kuhn eingestellt, da in den meisten Fällen „ein allfällig strafrechtlich relevantes Verhalten bis zum Beginn der Ermittlungen bereits verjährt [...] oder [...] zum fraglichen Tatzeitpunkt nicht strafbar“ gewesen sei.
Nachdem im Zuge der Stiftungsgründung 2017 der Aufsichtsrat aufgelöst worden war, wurde Anfang 2020 vom Stiftungsvorstand der Tiroler Festspiele Erl einer Empfehlung des Landesrechnungshofes folgend die neuerliche Einsetzung eines Aufsichtsrates beschlossen. Diesem gehörten damals Hans Peter Haselsteiner, Maria Fekter, Brigitte Winkler-Komar, Barbara Rizzoli-Ellenhuber und Waltraud Orthner an.
Seit 2018 gibt es am Mühlgraben gegenüber dem Festspielhaus eine „Künstler Herberge“, in der Mitarbeitende während der Proben- und Festspielzeiten wohnen. Gleichzeitig wurde in der Nähe der beiden Aufführungshäuser eine Tiefgarage, ein Präsidentenhaus und ein Premierenhaus eröffnet. Zurzeit wird die inzwischen „Künstler:innen Residenz“ genannte Anlage um einen zusätzlichen Trakt vergrößert.
Im Oktober 2018 wurde der langjährige Intendant der Oper Frankfurt Bernd Loebe zum Konsulenten und ab 2019 zum Leiter der Festspiele ernannt. Die Position des künstlerischen Leiters sei im Frühjahr ausgeschrieben worden, es hätten sich auch 15 Männer und 7 Frauen beworben; Bernd Loebe habe sich nicht beworben, sondern sei vom Präsidenten Haselsteiner angesprochen worden. Die Festspiele im Winter 2018/19 und im Sommer 2019 wurden von Kuhns ehemaligem Stellvertreter Andreas Leisner interimistisch geleitet. Er setzte eine für Erl neue Oper auf den Spielplan: Die Vögel von Walter Braunfels.
Loebe führte eine neue Preisstruktur mit zusätzlichen günstigeren Preiskategorien ein und setzte auf unbekanntere Opern, Solisten und Dirigenten. Gleichwohl kündigte er Den Ring des Nibelungen im Passionsspielhaus in der Regie von Brigitte Fassbaender und der Dirigentin Joana Mallwitz an. Im März 2023 wurde bekannt, dass Loebe die Festspiele 2025, und im Mai 2023, dass er sie bereits Ende der Sommersaison 2024 verlassen werde, weil er nicht an dem offenen Bewerbungsverfahren für seine Nachfolge als Bewerber teilnehmen wolle.
Anfang Juni 2023 wurde Jonas Kaufmann als dessen Nachfolger ab September 2024 vorgestellt. Offiziell ging der Sänger als klarer Sieger der Findungskommission hervor; es gibt aber auch die Meldung, dass der Präsident der Tiroler Festspiele Hans Peter Haselsteiner die Findungskommission gebeten habe, ihr Hearing abzubrechen und Jonas Kaufmann, der sich nicht beworben hatte, zum Intendanten zu ernennen. Andreas Leisner, der ehemalige Stellvertreter von Gustav Kuhn und Interimsintendant im Winter 2018/19 und Sommer 2019, wurde Künstlerischer Betriebsdirektor und Geschäftsführer. Casting Director wurde Ilias Tzempetonidis, Chefdirigent Asher Fisch. Für die Spielzeit 26/27 wurden Preiserhöhungen angekündigt: die günstigsten Karten für szenische Opernaufführungen steigen von 30 € auf 70 €, eine Steigerung von 133 %.
Opernaufführungen Jahr Winter Sommer 2018Christian Spitzenstaetter: Stillhang (Uraufführung)Beomseok Yi & Stefano Teani (Musik), Robert Prosser (Texte): Maximilian (Uraufführung)Gioachino Rossini: L'occasione fa il ladroVincenzo Bellini: La SonnambulaGioachino Rossini: ErmioneRichard Wagner: Tannhäuser,Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung 2017Gioachino Rossini: Il barbiere di SivigliaGiacomo Puccini: La BohèmeGioachino Rossini: SemiramideRichard Wagner: LohengrinWolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte 2016Gioachino Rossini: L'italiana in AlgeriGiuseppe Verdi: La traviata (Wiederaufnahme)Gioachino Rossini: Guglielmo Tell