mini|Blick über Weikersheim zur Tauber mini|Luftbild von Schloss und Altstadt Weikersheim Weikersheim () ist eine Stadt im Main-Tauber-Kreis im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs.Main-Tauber-Kreis: Städte und Gemeinden.Main-Tauber-Kreis; abgerufen am 25. Oktober 2014 Weikersheim ist ein Unterzentrum in der Region Heilbronn-Franken.
Geographie mini|Gemarkung und Lage der Stadt Weikersheim
Geographische Lage Der staatlich anerkannte Erholungsort Weikersheim liegt an der Einmündung des Vorbachs in die Tauber, etwa zehn Kilometer östlich von Bad Mergentheim.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Osten an die bayerischen Orte Röttingen und Tauberrettersheim, im Südosten an die Stadt Creglingen, im Süden an Niederstetten, im Westen an Bad Mergentheim und im Nordwesten und Norden an Igersheim.
Stadtgliederung Zu Weikersheim gehören neben der Kernstadt Weikersheim die ehemals selbstständigen Gemeinden und heutigen Stadtteile Elpersheim, Haagen, Honsbronn, Laudenbach, Nassau, Neubronn, Queckbronn und Schäftersheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 357–364 → siehe auch: Liste der Gemarkungen im Main-Tauber-Kreis
Zur ehemaligen Gemeinde Elpersheim gehören das Dorf Elpersheim (), der Gewerbepark Tauberhöhe (auch Wohnplatz Kreuzstraße) () sowie die abgegangenen Ortschaften Bolzhausen, Mutzenbronn, Reicheltzheim und Taubersberg. Zur ehemaligen Gemeinde Haagen gehören das Dorf Haagen () sowie die abgegangene Ortschaft Wessenberg. Zur ehemaligen Gemeinde Honsbronn gehören das Dorf Honsbronn () und der Weiler Bronn (). Zur ehemaligen Gemeinde Laudenbach gehören das Dorf Laudenbach () und der Wohnplatz Bergkirche (). Zur ehemaligen Gemeinde Nassau gehören das Dorf Nassau (), der Weiler Lichtenhöfe () und das Gehöft Louisgarde () sowie die abgegangenen Ortschaften Niederhausen, Poppenbronner Hof, Scheinhof, Schüleinshof (Schülleshof) und Spechtshof. Zur ehemaligen Gemeinde Neubronn gehören das Dorf Neubronn () und der Weiler Oberndorf () sowie die abgegangene Ortschaft Degelbronn. Zur ehemaligen Gemeinde Queckbronn gehört das Dorf Queckbronn (). Zur ehemaligen Gemeinde Schäftersheim gehören das Dorf Schäftersheim () und das im Juli 1992 abgebrannte Gehöft Scheinhardtsmühle () sowie die abgegangene Ortschaft Hohenloch (angeblich). Zur Stadt Weikersheim in den Grenzen vor der Gemeindereform der 1970er Jahre gehörten die Stadt Weikersheim (), der Weiler Aischland () und der Wohnplatz Karlsberg ().
Schutzgebiete In Weikersheim gibt es zwei Landschafts- und ein Naturschutzgebiet:Reinhard Wolf, Ulrike Kreh (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. Thorbecke, Ostfildern 2007. Landschaftsschutzgebiet Weikersheim: 2718,0 ha; Gemarkungen Bad Mergentheim, Creglingen, Niederstetten und Weikersheim; seit 1993. Landschaftsschutzgebiet Creglingen: 2027,9 ha; Gemarkungen Creglingen, Niederstetten und Weikersheim; seit 1997. Die Steinriegellandschaft zwischen Weikersheim und Elpersheim ist ein 77,3 Hektar umfassendes Naturschutzgebiet. Dieses liegt auf den Gemarkungen Weikersheims und Elpersheims.
Daneben gibt es auf dem Gebiet der Stadt Weikersheim insgesamt 20 als Naturdenkmal geschützte Objekte.
Die FFH-Gebiet Taubergrund Weikersheim-Niederstetten und Westlicher Taubergrund liegen teilweise auf dem Gebiet der Stadt Weikersheim. Auf der Weikersheimer Gemarkung liegen daneben noch sechs Wasserschutzgebiete.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Weikersheim.
Geschichte Mittelalter Als Herren „von Wighartesheim“ treten die späteren Herren von Hohenlohe erstmals 1153 urkundlich auf. Der Ort selbst ist altes Reichsgut und wurde bereits 837 in einer Urkunde des Klosters Fulda erstmals erwähnt als Besitz des Würzburger Dienstmanns Wipert von Wichhartesheim. Er kam durch Schenkung im 12. Jahrhundert an das Kloster Comburg, welches Weikersheim als Lehen an die späteren Herren von Hohenlohe vergab. 1244 erwarben diese den Eigenbesitz an der Burgherrschaft.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. A. Kröner Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 860
Weikersheim ist der älteste Stammsitz des Hauses Hohenlohe, dessen 1153 erwähnter Stammvater Konrad sich noch „von Weikersheim“ nannte. Erst in der nächsten Generation nahm der 1178 erwähnte „Albertus de Hohenloch“ den Namen der Burg Hohlach an. Von den im 13. Jahrhundert aufgespaltenen Linien des Hauses, Hohenlohe, Weikersheim und Brauneck, blieb im 15. Jahrhundert nur die Linie Weikersheim übrig.
Die Siedlung im Vorfeld der Burg erhielt 1313 Stadtrecht und Mauer, war zunächst Allodialgut der Herren von Hohenlohe, dann aber ab 1345 Lehen des Klosters Fulda, ab 1392 Lehen des Bistums Würzburg. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Stadt Objekt zahlreicher Verpfändungen und befand sich erst ab 1468 in dauerndem Besitz der Herrschaft.
Neuzeit Weikersheim fiel in der Erbteilung 1585 durch das Los an Graf Wolfgang II. von Hohenlohe, der anschließend die mittelalterliche Wasserburg zur repräsentativen Residenz im Stil der Renaissance ausbauen ließ.
1610 hob der Graf die Leibeigenschaft in Weikersheim gegen eine Ablösesumme von 1400 Gulden auf.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg, A. Kröner Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 861
Im Dreißigjährigen Krieg verbündete sich Graf Georg Friedrich von Hohenlohe mit König Gustav Adolf von Schweden. Deshalb kam Weikersheim 1637 per Dekret des Kaisers zum Deutschen Orden und erst durch den Westfälischen Frieden 1648 wieder in den Besitz des Hauses Hohenlohe.
Der Bereich vor dem Schloss wurde bereits am Ende des 17. Jahrhunderts in die Planungen einer künftigen Umgestaltung einbezogen, von 1710 bis 1712 durch die Anlage eines auf die gegenüberliegende Stadtkirche ausgerichteten repräsentativen Marktplatzes grundlegend verändert. 1729 wurden die Arkaden als stadtseitiger Zugang zum Schloss errichtet.
Mit dem Tod des letzten Weikersheimer Grafen Karl Ludwig von Hohenlohe 1756 verlor die Stadt ihre Funktion als Residenz und kam über das Fürstentum Hohenlohe-Öhringen 1806 im Rahmen der Mediatisierung aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses an das Königreich Württemberg. Das Landstädtchen Weikersheim wurde dem Oberamt Mergentheim unterstellt.
Weikersheim zur Zeit des Nationalsozialismus In der Wahl vom 5. März erhielt die Partei NSDAP in Weikersheim über 70 Prozent der abgegebenen Stimmen, in Elpersheim und Schäftersheim über 80 Prozent der Stimmen, was entsprechend mit NS-Beflaggung des Rathauses gefeiert wurde.Hartwig Behr: Zur Geschichte des Nationalsozialismus im Altkreis Mergentheim 1918–1949. Niederstetten 2020 (2. unveränderte Auflage), S. 92. Am 25. März 1933 wurden Paul von Hindenburg, der im September 1926 im Zuge eines Manövers den Fürsten von Hohenlohe-Langenburg vor dem Schloss Weikersheim traf, wie Adolf Hitler zu Ehrenbürger der Stadt ernanntHartwig Behr: Zur Geschichte des Nationalsozialismus im Altkreis Mergentheim 1918–1949. Niederstetten 2020 (2. unveränderte Auflage), S. 103. Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Weikersheim 1938 zum Landkreis Mergentheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Weikersheim Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum 1945 neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Weikersheim nach dem Krieg Das Schloss Weikersheim wurde 1967 vom Land Baden-Württemberg erworben, in den folgenden Jahren restauriert und steht heute zur Besichtigung offen.
Nach der Auflösung des Landkreises Mergentheim im Rahmen der Kreisreform wurde Weikersheim 1973 dem neu gebildeten Main-Tauber-Kreis zugeschlagen.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden von 1972 bis 1975 acht bis dahin selbstständige Gemeinden nach Weikersheim eingemeindet. Am 1. Januar 1972 wurden die Gemeinden Queckbronn und Schäftersheim sowie am 1. März 1972 Elpersheim eingemeindet. Am 1. Mai 1972 folgte die Eingemeindung von Honsbronn, am 15. Juli 1972 die von Neubronn, am 1. September 1972 die von Nassau und am 1. Januar 1974 die von Laudenbach. Die jüngste Eingemeindung erfolgte mit der von Haagen am 1. Januar 1975.
Nach seinem Rücktritt vom Amt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten gründete Hans Filbinger, der als früherer NS-Marinerichter zunehmend in Kritik geraten war, 1979 auf Schloss Weikersheim das „Studienzentrum Weikersheim“, das sich mit Tagungen und Veröffentlichungen zu rechtskonservativen Themen der Erhaltung des Kulturerbes Deutschlands und Europas verpflichtet sieht.
Einwohnerentwicklung Die Gesamtbevölkerung der Stadt Weikersheim entwickelte sich wie folgt: Jahr Bevölkerung 1961 6953 1970 7309 1991 7054 1995 7260 2005 7577 2010 7431 2015 7324 2020 7439
Quellen: Gemeindeverzeichnis und Angaben des Statistischen Landesamtes
Religionen Christentum Weikersheim ist seit der Einführung der Reformation 1541 durch Graf Wolfgang I. von Hohenlohe vorwiegend evangelisch geprägt. Es war Sitz des Kirchenbezirks Weikersheim der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, bis dieser 2024 im Kirchenbezirk Hohenlohe aufging. Neben den vier evangelischen Pfarrämtern gibt es aber auch zwei römisch-katholische Pfarrämter und die Volksmission entschiedener Christen mit zwei PastorenstellenWebsite der Volksmission abgerufen am 2. Mai 2013 in der Stadt. mini|Der jüdische Friedhof Weikersheim
Jüdische Gemeinde Weikersheim In Weikersheim bestand eine jüdische Gemeinde bereits im Mittelalter, die jedoch mehrmals im Zusammenhang mit Judenverfolgungen (1298, 1336/37 und 1349) vernichtet wurde. 1455 wurde die Niederlassung von Juden in Weikersheim verboten. Die neuzeitliche jüdische Gemeinde entstand um 1637 und existierte bis zur Shoa.Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge. Alemannia Judaica; abgerufen am 2. Dezember 2015.
Von 1832 (nach einer Neueinteilung der württembergischen Rabbinate) bis 1914 war Weikersheim Sitz eines Bezirksrabbinates.
Politik Gemeinderat mini|Das Rathaus Weikersheim
Der Gemeinderat in Weikersheim hat normalerweise 18 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderäte führen die Bezeichnung Stadträtin/Stadtrat.Stadt Weikersheim: Hauptsatzung, § 3. (PDF); abgerufen am 5. Juli 2019. Die Zahl der Mitglieder kann sich durch Ausgleichssitze erhöhen (gesamt 2024: 20 Sitze; 2019: 21; 2014: 20). Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Dabei garantiert die Unechte Teilortswahl den Ortsteilen eine festgelegte Anzahl von Sitzen: Aus Weikersheim kommen mindestens neun, aus Elpersheim (mit Honsbronn/Bronn), Laudenbach (mit Haagen) und Schäftersheim (mit Nassau) jeweils mindestens drei Räte, aus Neubronn/Oberndorf (mit Queckbronn) kommt mindestens ein Gemeinderat.Stadt Weikersheim: Hauptsatzung, § 15. (PDF); abgerufen am 2. Juli 2019.
Die Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen zu 2019):Stadt Weikersheim, Gemeinderatswahl 2024, Amtliches Endergebnis
Gemeinderat 2024 2019 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Stimmenanteil Sitze CDU 46,6 % 9 47,0 % 10 SPD/Unabhängige Bürger (UB) 19,2 % 4 23,5 % 5 FWV – – 29,5 % 6 Bürgerliste Weikersheim (BLW) 18,7 % 4 – – GO! Grün und Offen 15,5 % 3 – – Wahlbeteiligung 67,9 % 65,1 %
Bürgermeister mini|Bürgermeister Nick Schuppert auf einer Solidaritätsveranstaltung für die Menschen in der Ukraine, März 2022