Die Geschichte des Reisens beginnt mit der Sesshaftwerdung des Menschen. Zuvor waren noch alle Menschen Jäger und Sammler und hatten keinen festen Wohnsitz. Sie führten ständig Ortswechsel durch, vor allem wegen ihres Nahrungsbedarfs. Dieses Verhalten wird noch nicht als Reisen bezeichnet (ebenso wie das Verhalten von heute lebenden Menschen ohne festen Wohnsitz).
Antike Wahrscheinlich waren Wallfahrten die ersten echten Reisen. Für das alte Ägypten sind Wallfahrten zu den Tempeln der Gottheiten nachgewiesen. Bei den Griechen wurde zwischen Arbeit und Freizeit unterschieden, wobei Freizeit mit „schole“ und die Arbeit mit der Negation von Muße „a-scholia“ bezeichnet wurde.
Die höheren Schichten der griechischen Gesellschaft mussten keine körperliche Arbeit verrichten (Sklavenhaltergesellschaft) und konnten daher durch Lernen, Nachdenken und Gespräche (Rhetorik) Wissen und Weisheit erlangen. Aber auch die Sklaven und die Unterschicht verfügten über freie Zeit, die sie an ca. 60 Tagen im Jahr bei Olympischen Spielen oder anderen Festen verbrachten.
Auch das Reisen im Römischen Reich spielte eine bedeutende Rolle. Bei den Römern wurde der Begriff für Arbeit „neg-otium“ aus dem Begriff für Muße „otium“ abgeleitet. Die herrschende „Otium-Schicht“ hatte die Aufgabe, den Staat zu lenken, und konnte auch individuellen Annehmlichkeiten nachgehen. Die römische Oberschicht pflegte die Freizeit am Land oder am Meer zu verbringen und reiste dazu in ihre Villa urbana oder auch Villa maritima. Zahlreiche Villen befanden sich in Kampanien, rund um Rom und im nördlichen Teil der Adria, wie in Barcola bei Triest. Die Plebejer verfügten aufgrund der wirtschaftlichen Weiterentwicklung und der Sklavenhalterei ebenfalls über individuelle Freizeit, wobei die „Sprengkraft dieser freien ungebundenen Zeit von den Herrschenden bald erkannt wurde“. Aus diesem Grund organisierten sie „Brot und Spiele“ oder Wagenrennen im Circus Maximus, öffentliche Bäder sowie Parks und Sportarenen entstanden und veränderten auch architektonisch sichtbar das Stadtbild von Rom. Zu diesen Spielen reiste man auch von weiter her an, was dann als Reise gesehen werden kann.
Zur Römerzeit reiste man hauptsächlich zu Fuß. Nur wenige Privilegierte konnten sich eine Reise zu Pferd oder mit einem Gespann leisten. Dabei legte man zu Fuß pro Tag zwischen 25 und 35 Kilometer zurück, mit dem Wagen erreichte man bis zu 80 Kilometer und mit dem Pferd sogar noch etwas mehr. Die kaiserliche Post, der „cursus publicus“ bewältigte sogar bei eiligen Kurieren mehr als 200 Kilometer pro Tag.
Die Lage der Raststationen und Herbergen war auf das Straßennetz und die Bedürfnisse der Reisenden abgestimmt. An jeder Fernstraße gab es Raststationen und Herbergen, wo Pferde ausgewechselt, Wagen repariert und Reisende versorgt werden konnten. Dabei unterschied man zwischen „mansiones“, „stationes“, „mutationes“ und „hospitia“.
Die „mansiones“ (Einzahl: mansio) oder „stationes“ (Einzahl: statio) waren bereits sehr gut ausgestattete Gasthäuser mit Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, Stallungen und Versorgungslagern. „mansiones“ dienten ursprünglich zur Versorgung einer kaiserlichen Reisegesellschaft und „stationes“ waren die Dienstgebäude der Straßenpolizei.
An besonderen Stellen wie Flussübergängen oder Pässen gab es noch die „hospitia“. Sie boten auch für längere Zeit Unterkunft, wenn das Passieren des besonderen Streckenabschnittes nicht möglich war. Ansonsten war die erlaubte Aufenthaltsdauer in den an der Straße gelegenen Unterkünften auf maximal drei Tage begrenztQuelle: www.roemerstrasse-via-claudia.de.
Die Römer pflegten ihr Straßennetz im gesamten Reich. Das war für die rasche Verlegung von Truppen ebenso wichtig für die Kurierdienste. Profitiert haben davon aber auch die Pilger und Geschäftsreisenden.
Schiffsreisen führten vor allem im Mittelmeerraum zu den Provinzen der Römer. Das Mittelmeer wurde weniger als trennendes Element empfunden denn als verbindender Verkehrsweg, als „Mare Nostrum“. Man weiß auch von der Reisetätigkeit der ersten Christen, insbesondere der Apostel, die Kleinasien, Griechenland bereisten und bis nach Rom kamen. Doch gab es ausgedehnte Schiffsreisen, die bis an die Atlantikküste des heutigen Frankreichs und nach Großbritannien führten.
Vom Niedergang Roms bis zum Beginn des Mittelalters mini|Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana Nach dem Ende der römischen Herrschaft in Westeuropa verfielen die meisten Straßen. Eine Zeit lang gab es noch durch Reste des oströmischen Reiches in Italien (Ravenna, Aquileia) Reisewege. Dann folgte die Völkerwanderung. Nach der Völkerwanderung erholten sich die Länder nur langsam von ihren wirtschaftlichen und politischen Niedergängen.
Doch schon früh entwickelte sich zunächst aus kirchlichen Motiven eine rege Missionsreisetätigkeit, andererseits ein blühender Wallfahrts-Fremdenverkehr. Die Reliquien des Heiligen Jakobus sollen der Legende nach in Galicien, Nordspanien, in einem Boot an Land gespült worden sein und vom Einsiedler Pelagius 813 oder 822 am Berg Liberedón nach der Erscheinung himmlischer Lichter begraben worden sein: am campus stellae, dem Sternenfeld, heute Santiago de Compostela. Als maurische Heere 997 das Jakobusheiligtum zerstörten, setzte eine quasi politisch motivierte Wallfahrtsbewegung ein: Santiago de Compostela wurde zur christlichen Wallfahrtsstätte. Diese galt es zu bewahren, und man begann aus ganz Europa auf speziellen Wegen Wallfahrten zur organisieren: auf dem Jakobsweg.
Die wichtigsten Pilgerstraßen führten über Maria Einsiedeln entlang der Alpen nach Südfrankreich, wo von Norden her eine Straße von Maastricht, Brüssel und Paris kam. So zusammengeführt folgte der Weg über die Pyrenäen nach Spanien über Roncesvalles und Pamplona, Puente la Reina und Santo Domingo de la Calzada nach León und eben nach Santiago de Compostela.
In Deutschland waren zum Beispiel die Reliquien vom St. Wolfgang und Bischof Ulrich von Augsburg bereits Mitte des 10. Jahrhunderts Ziel von Pilgern. Dann setzten auch Reisen nach Rom ein. Hier waren es aber nicht nur Pilger, sondern auch Geschäftsleute und Touristen. Man reiste über die Alpen auf der Frankenstraße (Cisa-Pass, Pisa, San Miniato, Siena, Bolsena).
Das Mittelalter Entlang dieser Pilgerwege entstanden Handelszentren, die wiederum Handelsreisende hervorbrachten. Seewege entwickelten sich zu Reisewegen, hier sei die Seerepublik Venedig erwähnt. Die „Serenissima“ hatte regelmäßige Schiffsverbindung mit Konstantinopel; einer der großen Reisenden des ausgehenden Mittelalters war der Venezianer Marco Polo, der – nach eigenen Angaben – auf dem Landweg nach China reiste.
Pilger waren bis vor wenigen Jahrhunderten auf Kost und Logis in kirchlichen Herbergen angewiesen, da sie meist über kein Vermögen verfügten (Siehe auch: Martin Luthers Romreise (1510–1511)). Reisen im heutigen Sinne war lange Zeit dem wohlhabenden Teil der Bevölkerung vorbehalten. Insbesondere Reisen zu Bildungszwecken waren weitgehend ein Privileg des Adels, der seine Söhne auf sogenannte Kavaliersreisen schickte, sowie später ein Privileg des gehobenen Bürgertums. Erholungsreisen waren nicht bekannt. Diese kamen erst im 19. Jahrhundert auf – Thomas Cook gilt als der Erfinder der Pauschalreise, was aber angezweifelt wird.
Neuzeit Matthäus Merian war Anfang des 17. Jahrhunderts ein großer Wegbereiter der Reiseliteratur. So brachte er Reisebücher zu den fernöstlichen Ländern heraus. Die meisten Menschen vermieden es bis zur Neuzeit, zu reisen. Dies änderte sich nun. Es begannen Forschungsexpeditionen, Bildungsreisen und später auch Urlaubsreisen.
Entdecker und Forscher Christoph Kolumbus eröffnete mit der Wiederentdeckung der „Neuen Welt“ 1492 eine neue Dimension der Seereisen. Nach Kolumbus setzte eine Serie von Seereisen ein: Vasco da Gama entdeckte den Seeweg nach Indien, Ferdinand Magellan umsegelte als erster die Welt;
Alexander von Humboldt zählt zu den bekanntesten Forschern um 1800 und gilt als Mitbegründer der Geographie als empirischer Wissenschaft.
Die Grand Tour des Adels Hauptartikel: Grand Tour
Im 16. Jahrhundert kam in britischen Adelskreisen die sog. Grand Tour (Kavaliersreise) in Mode. Man schickte den Nachwuchs auf eine meist mehrjährige Reise nach Europa und insbesondere Italien, wo er seine Bildung und Sprachkenntnisse erweitern, Kontakte knüpfen sowie Prestige und Weltläufigkeit erwerben sollte. Später wurde diese Institution auch vom Adel anderer europäischer Staaten und schließlich von bürgerlichen Schichten aufgegriffen.
Schon bald blühten Herbergen und Gasthöfe entlang der Reisestrecken. Adelige Führungsschichten schufen so die Voraussetzungen dafür, dass Wegstrecken und die innere Sicherheit verbessert, Sommerresidenzen ausgebaut, Stadtzentren und Heilbäder gebildet werden konnten.
Die Briten wurden zu „Pionieren des Massentourismus“, denn je mehr sie zu einer mächtigen Kolonialmacht wurden, desto zahlreicher reisten sie in die großen Städte Italiens.
Bürgerliches Reisen Im Zeitalter der Romantik (1795–1840) vergrößerte sich die Zahl der Reisenden erheblich. Es kamen jene hinzu, die eine „Sehnsucht nach dem Unendlichen“ verspürten, sich vergnügen und selbst finden wollten. Dies entsprach der Denkweise dieses Zeitalters.
Da man in dieser Zeit sehr naturverbunden war, entdeckte man die Alpen als Reiseziel. So entstand 1857 der erste alpine Verein in England, der Alpine Club. Wandervereine gründeten sich, für die die Erkenntnis Goethes galt: „man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen“.
Die Geschäftswelt entdeckte nun auch, dass mit der steigenden Reiselust Gewinne erzielt werden konnten. In diesem Aufschwung wurde 1827 der erste deutsche Verlag für Reisehandbücher von Karl Baedeker gegründet. Da die Infrastruktur nicht genügend ausgebaut war, erlangten die Reisehandbücher eine hohe Bedeutung, denn sie enthielten wichtige Tipps und Informationen für die Reisevorbereitung. Bis dahin hatten vor allem zahlreiche Reisetagebücher diesem Zweck gedient, die von Reisenden selbst verfasst und dann oft auch gedruckt wurden.Als ein Beispiel sei hier nur genannt: Auf der Reise ins Paradies. Das Reisetagebuch von Heinrich und Christine Gondela aus dem Jahr 1802. Ediert, kommentiert, mit einem Nachwort und einem Register versehen von Michael Rüppel. Berlin 2015. ISBN 978-3-8477-0362-4. (Die Andere Bibliothek, Bd. 362.) Ein weiteres Beispiel für ein bereits zeitgenössisch im Druck erschienenes Reisetagebuchs ist etwa: Leonharti Rauwolfen der Arzney Doctorn, und bestelten Medici zu Augspurg. Aigentliche beschreibung der Raiß, so er vor diser zeit gegen auffgang inn die Morgenländer, fürnemlich Syriam, Iudæam, Arabiam, Mesopotamiam, Babyloniam, Assyriam, Armeniam &c. nicht ohne geringe mühe unnd grosse gefahr selbs volbracht: neben vermeldung vil anderer seltzamer und denckwürdiger sachen, die alle er auff solcher erkundiget, gesehen und observiert hat. Augsburg 1582. Im Vorwort weist der Autor explizit auf den Nutzen hin, den andere nachfolgende Reisende aus der Lektüre ziehen könnten. 1841 folgte die wahrscheinlich erste touristische Gruppenreise, die von Thomas Cook organisiert wurde. Im Jahr 1845 gründete Thomas Cook dann das erste Reisebüro in Leicester, England. 1863 wurde das erste Reisebüro in Deutschland von Carl Stangen in Breslau eröffnet. Dieses bot 1873 Reisen nach Ägypten an und 1878 sogar Weltreisen.
Mit Beginn der Industrialisierung versuchte das neue Bürgertum (Kapitalbürgertum) das adlige Freizeitverhalten zu kopieren (Theaterbesuche, Reisen), doch war es aber auch den neuen Zwängen der Leistungsgesellschaft und des Kapitalismus unterworfen.