Neuseeländisches Englisch ist die Variante der englischen Sprache, die in Neuseeland gesprochen wird. Neuseeländisches Englisch zeichnet sich vor allem durch eine vom britischen und amerikanischen Englisch auffällig abweichende Aussprache aus, vor allem bei den Vokalen wie dem /ɪ/-Laut in Wörtern wie kit oder fish. Daher witzeln manche Australier, dass Neuseeländer fish and chips wie fush and chups aussprechen. Auch der Vokal in Wörtern wie pen oder bet wird im neuseeländischen Englisch anders als z. B. im britischen und amerikanischen Englisch artikuliert, so dass er fast an ein [ɪ] in kit erinnert. Diese Eigenheit führt gelegentlich zu Missverständnissen zwischen Neuseeländern und Englischsprechern aus anderen Ländern, weil pen eher wie pin und bet eher wie bit klingt.
Außerdem enthält der Wortschatz des neuseeländischen Englisch einer Reihe von Wörtern, die aus dem entlehnt sind. Das bekannteste Beispiel ist sicher Kiwi, das auch Eingang in andere Varianten des Englischen und in andere Sprachen wie das Deutsche gefunden hat. Andere Lehnwörter aus dem beziehen sich auf die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt Neuseelands. Viele geografische Namen stammen ebenfalls aus dem , z. B. und Tiwai Point.
Geschichte
Die ersten Einwohner Neuseelands waren die , die aus der pazifischen Inselregion Polynesien stammten und Neuseeland um 925 unserer Zeitrechnung entdeckten. Um 1150 kann man von fest etablierten Siedlungen der auf Neuseeland ausgehen. Der erste Europäer, der Neuseeland entdeckte, war der Niederländer Abel Tasman 1642.Laurie Bauer, Paul Warren: New Zealand English: phonology. In: Kate Burridge, Bernd Kortmann (Hrsg.): Varieties of English 3. The Pacific and Australasia. Mouton de Gruyter, Berlin/New York 2008, ISBN 978-3-11-019637-5, S. 39.
Bis zur Ankunft der englischen Siedler war die einzige Sprache, die auf den neuseeländischen Inseln gesprochen wurde. Die Geschichte des Englischen in Neuseeland begann mit der Ankunft Captain Cooks 1769-1770. Ab 1790 folgten dann europäische Walfänger und Händler, die in Neuseeland siedelten. Neuseeland wurde jedoch erst 1840 offizielle Kolonie Großbritanniens, nach dem Vertrag von Waitangi zwischen der britischen Krone und -Häuptlingen. Darauf folgte eine rasch zunehmende Immigration von europäischen Siedlern, von nur 2000 im Jahr 1840 über 25.000 im Jahr 1850. 1900 waren es bereits 750.000 Immigranten.David Crystal: English as a Global Language, 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-53032-3, S. 41.
Man unterscheidet in der Regel drei Einwanderungswellen nach Neuseeland, von denen jede einen Einfluss auf das Englisch in Neuseeland hatte. Die erste Phase war von 1840 bis 1860, während der eine Reihe von Organisationen Siedler nach Neuseeland brachten. So etablierte z. B. die New Zealand Company erste Siedlungen im heutigen Wellington und Nelson, hauptsächlich mit Siedlern aus London und dem Südosten Englands. Auf der Südinsel wurde Otago von schottischen Einwanderern besiedelt, während frühe Siedler in Canterbury eher anglikanisch waren. Die zweite Phase begann 1860, als in Neuseeland Gold gefunden wurde. Den Goldfunden folgte eine dramatisch ansteigende Zahl von Einwanderern, vor allem in Otago und an der Westküste der Südinsel. Viele dieser Einwanderer stammten aus Australien. Die dritte Einwanderungswelle begann 1870, als man versuchte, die Einwanderung staatlich zu steuern. Viele Einwanderer aus dieser Zeit stammten aus dem Süden Englands. 1890 überstieg die Zahl der in Neuseeland geborenen Neuseeländer die Zahl der Einwanderer. Ab diesem Punkt, so kann man annehmen, ist der Einfluss der geborenen Neuseeländer auf die englische Sprache größer als die der Einwanderer aus Großbritannien und Australien.Laurie Bauer, Paul Warren: New Zealand English: phonology. In: Kate Burridge, Bernd Kortmann (Hrsg.): Varieties of English 3. The Pacific and Australasia. Mouton de Gruyter, Berlin/New York 2008, ISBN 978-3-11-019637-5, S. 39–40.
Obwohl es einige Aussagen zur Herkunft der Immigranten nach Neuseeland gibt, muss man wissen, dass diese nur grobe Schätzungen sind. Linguisten und Historiker können dafür lediglich auf Schiffsaufzeichnungen, Militäraufzeichnungen und Todesfallregister zurückgreifen. Auch die Schiffsaufzeichnungen sind nicht notwendigerweise verlässlich, weil man nicht davon ausgehen kann, dass alle Passagiere eines Schiffes, das in einem englischen Hafen startete, notwendigerweise Engländer sind. Auch gab es lange keine direkten Schiffslinien nach Neuseeland, so dass viele Immigranten zunächst in Australien landeten.Elizabeth Gordon, Lyle Campbell, Jennifer Hay, Margaret Maclagan, Andrea Sudbury, Peter Trudgill: New Zealand English: Its Origins and Evolution. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-64292-2, S. 37.
Klar ist jedoch, dass Neuseeland anfänglich fast ausschließlich von Briten besiedelt wurde. Die am häufigsten zitierten Zahlen zur Einwanderung in Neuseeland sind die Ergebnisse der Volkszählung in Neuseeland von 1871. Danach stammten 51 % der Einwanderer aus England (wobei zu vermuten ist, dass darunter auch Waliser waren), 27,3 % aus Schottland und 22 % aus Irland.Elizabeth Gordon, Lyle Campbell, Jennifer Hay, Margaret Maclagan, Andrea Sudbury, Peter Trudgill: New Zealand English: Its Origins and Evolution. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-64292-2, S. 44.
Die soziale Herkunft der frühen Siedler war relativ homogen, viele der Immigranten hatten einen Hintergrund als Arbeiter oder landwirtschaftliche Beschäftigte oder stammten aus der unteren Mittelschicht.Elizabeth Gordon, Lyle Campbell, Jennifer Hay, Margaret Maclagan, Andrea Sudbury, Peter Trudgill: New Zealand English: Its Origins and Evolution. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-64292-2, S. 51. Im Gegensatz zu Australien war Neuseeland auch keine Sträflingskolonie, so dass die Großzahl der Einwanderer Siedler waren. Auch regionale Unterschiede bildeten sich im neuseeländischen Englisch nur wenige heraus, mit der Ausnahme der Südinsel Neuseelands, wo sich eine größere Zahl von Schotten niederließ.
Als wichtige historische Einflussfaktoren auf das neuseeländische Englisch sind schließlich noch das Englisch in Australien sowie das zu nennen. Durch die engen Beziehungen zwischen Neuseeland und Australien und durch die Einwanderung vieler Australier nach Neuseeland haben neuseeländisches und australisches Englisch einige Ähnlichkeiten. Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist jedoch eine deutliche Auseinanderentwicklung zu beobachten.Laurie Bauer, Paul Warren: New Zealand English: phonology. In: Kate Burridge, Bernd Kortmann (Hrsg.): Varieties of English 3. The Pacific and Australasia. Mouton de Gruyter, Berlin/New York 2008, ISBN 978-3-11-019637-5, S. 40.David Blair: Das Englische in Australien und Neuseeland. In: Rüdiger Ahrens, Wolf-Dietrich Bald, Werner Hüllen: Handbuch Englisch als Fremdsprache. Erich Schmidt, Berlin 1995, ISBN 3-503-03067-0, S. 43.
dürfte die wichtigste nicht-europäische Sprache sein, die auf das neuseeländische Englisch Einfluss hatte. Im Gegensatz zu Australien bildete sich in Neuseeland kein Pidgin, das als Verständigungsmittel zwischen und Neuseeländern europäischer Herkunft diente. Das lag zum einen daran, dass es in Neuseeland mit eine einheitliche Sprache und Kultur gab, mit denen die europäischen Siedler konfrontiert waren, nicht eine Vielzahl von Gruppierungen, Sprachen und Dialekten wie in Australien. Außerdem erhielten die schon früh Zugang zum neuseeländischen Bildungssystem und erlernten so Englisch, während umgekehrt neuseeländische Beamte lernten. Durch den engen Kontakt des Englischen mit gingen viele Lehnwörter aus dem in die englische Sprache in Neuseeland ein.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten: eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 169.
Das neuseeländische Englisch in Abgrenzung zu anderen Varietäten des Englischen wie dem britischen Englisch wurde erstmals 1912 von Frank Swinnerton beschrieben, der das neuseeländische Englisch als „sorgfältig moduliertes Gemurmel“ beschrieb. Vermutlich gab es schon zuvor Unterschiede, die wohl früh entstanden sind, bedingt durch den Einfluss der Sprache der auf das Englische, speziell Namen für Orte und für Pflanzen und Tiere, die einzigartig in Neuseeland sind und deshalb im Englischen keine entsprechende Bezeichnung hatten.Robert McCrum, William Cran, Robert MacNeil: The Story of English, 3. Auflage. Penguin, London 2002, ISBN 0-14-200231-3.
Regionale und soziale Variation Regionale Unterschiede sind eher gering. Es gibt zwar unter Laien die Ansicht, dass es deutliche regionale Unterschiede gibt, aber diese wurden durch linguistische Forschungen bisher nicht belegt. Die einzige Ausnahme ist der Süden der Südinsel, wo man einen unterscheidbaren Akzent hört, der sich durch ein gerolltes ‚r‘ auszeichnet, der sogenannte Southland burr. Dieser Akzent geht auf die vielen schottischen Einwanderer in diesem Gebiet zurück.Elizabeth Gordon, Margaret Maclagan: Regional and social differences in New Zealand: phonology. In: Kate Burridge, Bernd Kortmann (Hrsg.): Varieties of English 3. The Pacific and Australasia. Mouton de Gruyter, Berlin/New York 2008, ISBN 978-3-11-019637-5, S. 66.
Soziale Klassenunterschiede sind im neuseeländischen Englisch deutlich hörbar. So unterscheidet die Sprachwissenschaft zwischen Cultivated New Zealand English, General New Zealand English und Broad New Zealand English, die jeweils höheren, mittlern und unteren sozialen Klassen zugeordnet werden können. Die Unterschiede zwischen diesen Varianten sind vor allem in den Vokalen hörbar, wobei Cultivated New Zealand English am nächsten zur britischen Standardaussprache Received Pronunciation (RP) ist und Broad New Zealand English am weitesten davon entfernt ist.Elizabeth Gordon, Margaret Maclagan: Regional and social differences in New Zealand: phonology. In: Kate Burridge, Bernd Kortmann (Hrsg.): Varieties of English 3. The Pacific and Australasia. Mouton de Gruyter, Berlin/New York 2008, ISBN 978-3-11-019637-5, S. 69–71.
Phonetik und Phonologie Konsonanten Die Konsonanten des neuseeländischen Englisch entsprechen in etwa dem, was man aus dem britischen Englisch kennt:Jennifer Hay, Margaret A. Maclagan, Elizabeth Gordon: New Zealand English. Edinburgh University Press, 2008, ISBN 978-0-7486-2530-7, S. 17. bilabial labio-dental dental alveolar post-alveolar retroflex palatal velar uvular pha-ryngal glottal stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. Plosive Nasale Vibranten Taps/Flaps Frikative Affrikate t͡ʃ d͡ʒ Approximanten laterale Approximanten
Es gibt jedoch einige Phänomene, die für das neuseeländische Englisch charakteristisch sind: Das neuseeländische Englisch ist nicht-rhotisch. Ausnahme ist die Südregion der Südinsel, wo es durch den Einfluss des schottischen Englisch der Einwanderer auch rhotische Varianten des Englischen gibt. Die phonetische Realisation von /r/ variiert, neben [r] findet man auch leicht retroflexe r-Laute [ɹ].
Vokale Monophthonge Die Vokale des neuseeländischen Englisch entsprechen etwa den Vokalen des britischen Englisch, allerdings mit einigen Abweichungen in der konkreten phonetischen Realisierung. Die folgenden Darstellungen folgen dem Linguisten Laurie Bauer und anderen, die die IPA-Symbole für die Beschreibung der neuseeländischen Vokale angepasst haben:Laurie Bauer, Paul Warren, Dianne Bardsley, Marianna Kennedy, George Major: New Zealand English. In: Journal of the International Phonetic Association, 37 (1), Jahrgang 2007, doi:10.1017/S0025100306002830, S. 98–100.
+ Monophthonge Vorne Zentral Hinten Kurz Lang Kurz Lang Kurz Lang Geschlossen e iː ʉː ʊ oː Mittel ɛ ə ɵː ɒ Offen ɐ ɐː