mini|Schulgebäude (Haus II) am Theaterplatz mini|Ehemaliges Schulgebäude (Haus III) am Theaterplatz
Das Ernst-Abbe-Gymnasium ist eines von drei Gymnasien der Stadt Eisenach in Thüringen. Namensgeber der Schule ist der 1840 in Eisenach geborene Physiker und Sozialreformer Ernst Abbe, welcher einst Schüler dieses Gymnasiums gewesen ist.
Im September 2018 beging das Gymnasium sein 175-jähriges Jubiläum, und im Jahr 2022 wurde das Schulgebäude 100 Jahre alt. Beide Jubiläen waren Anlass zur Publikation von je einer Festschrift des Fördervereins des Ernst-Abbe-Gymnasiums.
Zur Schultradition gehört seit 1966 die feierliche Übergabe der Abitur-Zeugnisse alljährlich im Festsaal des Palas der nahe gelegenen Wartburg.
Die Schule wurde 1843 gegründet. Von 1950 bis zur Friedlichen Revolution in der DDR war sie Erweiterte Oberschule und für den Altsprachenunterricht (Latein und Griechisch) in den DDR-Bezirken Erfurt, Gera und Suhl zuständig (mit angegliedertem Internat in der Fritz-Koch-Straße 5). Sie war eine von neun Schulen der DDR, die altsprachlichen Unterricht anboten (Latein und Altgriechisch).Das waren DDR-weit diese neun Erweiterten Oberschulen: Heinrich-Schliemann-Schule in Berlin, Humboldt-Schule in Potsdam, Kreuzschule in Dresden, Thomasschule zu Leipzig, Gerhart-Hauptmann-Schule in Zwickau, Ernst-Abbe-Schule in Eisenach, Latina August-Hermann-Francke in Halle, Humboldt-Schule in Magdeburg und Herder-Schule in Rostock. - Quelle:
Gegenwart Ausstattung und Angebote Die Schule ist ein auf Naturwissenschaften und Sprachen ausgerichtetes staatliches Gymnasium in Schulträgerschaft der Stadt Eisenach. Als Fremdsprachen werden Englisch, Französisch, Latein und Spanisch angeboten.
Das Gymnasium verfügt über das Hauptgebäude in der Wartburgallee (Haus 1) mit Chemielabor, zwei Physikräumen, Informatikraum, einen Kunstraum, einen Musikraum, einen Geographieraum, einen Arbeitsraum mit PCs für Lehrer und Schüler, eine Sporthalle und den Abbe-Klub. Das Haus II am Theaterplatz – etwa 600 m nördlich gelegen – ist ausgestattet mit einem Physikraum, einem Informatikraum, einem Kunstraum, einem Musikraum, einem Geographieraum, einer Sporthalle und dem Mensch–Natur–Technik–Raum (kurz MNT-Raum); alle Unterrichtsräume sind digital ausgestattet. Ebenfalls am Theaterplatz lag das Haus III, es wurde bereits vor 2010 wegen der desolaten Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert als Schulgebäude aufgegeben. Schon 1952 wurde die Gründerzeitvilla Fritz-Koch-Straße 5 von der Kreisschulverwaltung erworben und als Internat genutzt, hier waren die auswärtigen Schüler untergebracht, die Villa wurde auch für Freizeitveranstaltungen genutzt.
Seit Dezember 2025 erhält das Hauptgebäude einen Erweiterungsbau (Südflügel) auf dem angrenzenden Gelände an der Grimmelgasse. In diesem Zusammenhang wird auch die historische Turnhalle saniert und deren lange verborgene Original-Kassettendecke freigelegt.
Förderverein und schuleigene Stiftung Der Förderverein Ernst-Abbe–Schule zu Eisenach e. V. wurde 1990 von Schülern des Ernst-Abbe-Gymnasium gegründet. Weiterhin geben die Schüler des Gymnasiums eine Schülerzeitung heraus, der Redaktion gehören Schüler aller Klassenstufen an. Die Zeitschrift behandelt neben aktuellen Themen aus Gesellschaft und Politik auch schulische und regionale Ereignisse. Sie soll Anregungen für den Schulalltag geben und als Diskussionsgrundlage für Unterricht und Freizeit dienen.
Darüber hinaus fördert auch die im Jahr 2006 gegründete „Klaus R. Gähring und Renate Gähring, geb. Heinrich Stiftung“ das Ernst-Abbe-Gymnasium. Aus den Zinsen des Kapitals dieser schuleigenen Stiftung werden Anschaffungen für das naturwissenschaftliche Profil der Schule zu Ehren des Wissenschaftlers, Unternehmers und Sozialreformers Ernst Abbe finanziert.
Geschichte 19. Jahrhundert Am 10. März 1843 beschloss der Eisenacher Stadtrat die Gründung einer Realschule für Kinder weniger begüterter Eltern, die am 11. Juli 1843 eröffnet wurde. Die ersten Schulräume befanden sich in der Eisenacher Bürgerschule an der Esplanade oberhalb des Eisenacher Marktplatzes.
Schulleiter war ab 1848 Karl Mager. 1850 wurde das erste eigene Schulgebäude in der heutigen Schmelzerstraße 19 bezogen. Nachdem die Schule ab 1862 als Realgymnasium nach preußischem Vorbild unterrichtete, wurde am 24. Juni 1863, dem Geburtstag des Großherzogs Carl Alexander, der erste Schulneubau in der Schmelzerstraße eingeweiht. Durch den Abriss umliegender Gebäude konnte der Bau um einen Turnplatz erweitert werden. Während des Deutschen Kriegs 1866 diente das Schulgebäude als Truppenquartier. Durch die steigende Einwohnerzahl Eisenachs stieg auch die Schülerzahl, weshalb in den 1870er Jahren Teile der Unterrichtsräume ausgelagert werden mussten. Verdienste um den Aufbau des naturwissenschaftlichen Unterrichts erwarb sich Ferdinand Senft, der von 1843 bis 1875 an der Schule lehrte. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts waren vom weiteren Ausbau der Schule geprägt, um die Jahrhundertwende wurden rund 250 Schüler unterrichtet.
20. Jahrhundert 1909 kam es in Eisenach zur Gründung einer neuen Realschule, die im Zuge der Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Wartburgallee am 9. November 1922 mit dem Realgymnasium zu einem neunklassigen Realgymnasium verschmolzen wurde. Der Neubau an der Grimmelsgasse und gegenüber der Eisenacher Brauerei AG war von der schlechten wirtschaftlichen Lage der Zeit gekennzeichnet, der Geldmangel führte auch zum Verzicht auf den Bau einer Aula. Auf Initiative des neuen Direktors Fritz Kühner wurde das Gymnasium nach einem seiner bedeutendsten Absolventen, dem Wissenschaftler Ernst Abbe benannt. Durch eine Partnerschaft mit den Zeiss-Werken in Jena profitierte in den folgenden Jahren die technische Ausstattung der Schule mit Geräten wie Mikroskopen oder Projektoren.
Während des Zweiten Weltkrieges starben bereits zwischen 1939 und 1943 über 120 Schüler und Lehrer der Schule. Durch Bombardierungen erlitt das Schulgebäude mehrere Beschädigungen. Zeitweise wurden in Teilen des Gebäudes Verwundete untergebracht, die Schule diente als Lazarett. ( (PDF; 4,9 MB) als Digitalisat)
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die pädagogische Neugestaltung nach dem Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule von 1946; und gefolgt vom Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesens in der Deutschen Demokratischen Republik vom 2. Dezember 1959 und der DDR-Schulreform wurde das Ernst-Abbe-Gymnasium endgültig zur Oberschule sozialistischer Prägung umgestaltet.
1950 wurde Eisenachs evangelisches Martin-Luther-Gymnasium zwangsweise aufgelöst. Es gelang den Kirchenvertretern jedoch, die staatlichen Stellen dazu zu bewegen, dass die alten Sprachen an der Ernst-Abbe-Schule weiter unterrichtet wurden. Diese fungierte damit bis zur politischen Wende und friedlichen Revolution 1989 als zentrale Erweiterte Oberschule für den so genannten altsprachlichen C-Zweig (= Unterricht in Latein ab Klasse 9 und Altgriechisch ab Klasse 11) für die DDR-Bezirke Erfurt, Suhl und Gera. Viele spätere Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen und der katholischen Kirche gingen dort zur Schule, auch zahlreiche spätere Ärzte, Philologen, Archäologen und Historiker legten hier ihr Abitur ab.
Von etwa 1950 bis 1990 gehörte zur Erweiterten Oberschule für die nicht aus Eisenach stammenden Schüler das Internat in der früheren Villa Sophia in der Fritz-Koch-Straße 5 am Prinzenteich – diese wurde ursprünglich im Auftrag von Julius Friedrich Holtz von Otto March entworfen und 1894 bezugsfertig.
Nach 1990 wurde die Schule zum Staatlichen Gymnasium mit insgesamt vier Gebäuden (= die oben erwähnten Häuser I–III sowie das Gebäude des heutigen Luthergymnasiums).
21. Jahrhundert Derzeit gibt es neben dem Hauptgebäude in der Wartburgallee ein weiteres Schulgebäude am Theaterplatz. Beide Bauwerke stehen unter Denkmalschutz.
Seminarschule Von 2005 bis 2023 hatte das Gymnasium auch die Funktion als Seminarschule:
Im Jahre 2004 erhielt das Ernst-Abbe-Gymnasium als erste Einrichtung in Thüringen vom Kultusministerium den Auftrag, in der Nachfolge des geschlossenen Studienseminars in Eisenach die Ausbildung künftiger Gymnasiallehrer in der 2. Phase der Lehrerausbildung (Referendariat) in Theorie und Praxis zu übernehmen.
Nach einjähriger Vorbereitung startete das Gymnasium 2005 als Seminarschule. Damit wurde die Ausbildung in der Theorie (Fachdidaktik, Methodik, Pädagogik, Psychologie, Verwaltung), die an einem Studienseminar stattfindet, mit der Praxis des Unterrichtens am gleichen Standort in der Schule verbunden.
Die betreuenden Fachleiter unterrichteten ebenfalls an diesem Gymnasium und waren zugleich Betreuer und Berater. Der Betreuungsumfang und die individualisierte Ausbildung verbesserten sich deutlich.
2009 wurde ein Ausbildungsverbund mit dem Elisabeth-Gymnasium in Eisenach geschlossen und 2017 in der Region mit dem Gymnasium Ruhla sowie 2022 mit Bad Salzungen, Vacha und Gerstungen erweitert. Dieses Beispiel der gymnasialen Seminarschule wurde in Thüringen auf alle weiteren Schularten (Grund- und Regelschule, Berufliche Schulen) übertragen.
Mit der Wieder-Einrichtung eines großen Studienseminars in Eisenach 2023 wurde die Seminarausbildung am Ernst-Abbe-Gymnasium geschlossen und an der neuen Institution fortgesetzt.
Konzept und Leitbild Das Konzept des Ernst-Abbe-Gymnasiums hat zwei Säulen: MINT-EC-Schulehttps://www.mint-ec.de/schulnetzwerk/digitale-netzwerkkarte/: Das Ernst-Abbe-Gymnasium ist seit 2008 Mitglied des nationalen Excellence Schulnetzwerkes MINT-EC und fördert damit besonders intensiv die Studien- und Berufsorientierung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Soziales Lernen: Am Ernst-Abbe-Gymnasium wird Soziales Lernen als schulinternes Fach in den Klassenstufen 5 bis 8 unterrichtet. Dort üben die Heranwachsenden den selbstbewussten und respektvollen Umgang miteinander und in der Gesellschaft.
Das Leitbild der Einrichtung lautet – mit Bezug auf den Schulnamen Abbe – Anspruchsvoll Bilden Bewusst Erziehen.
Schulleiter 1848–1852 Karl Mager 1852–1887 Gustav Köpp 1887–1923 Hermann Fredrichs 1923–1934 Fritz Kühner 1934–1939 Andernacht 1939–194? Ferdinand Hartan 1945–194? Waldemar Schiffmann 1950–1959 Hans Beyer 1960–1962 Erwin Janke 1962–1965 Paul Paetzold 1967–1990 Hans Winkel 1990–1994 Günter Schmidt 1994–1996 Günter Straßburg 1996–2003 Gerhard Lorenz 2003–2011 Günter Straßburg († 19. Juli 2011) 2011–2015 Angela Kraft 2015–2026 Elke Menzel
Bedeutende Pädagogen Friedrich Koch (1813–1872), Philologe und Grammatiker, unterrichtete von 1843 bis 1872 an der Schule Ferdinand Senft, Lehrer für Naturkunde 1843 bis 1875 Karl Mager, Rektor von 1848 bis 1852 Anton Ott, Lehrer für Altgriechisch und Latein von 1952 bis 1988
Bekannte einstige Schüler Friedrich Moritz Stapff (1836–1895), Geologe Ernst Abbe (1840–1905), Wissenschaftler, Unternehmer, Sozialreformer Fritz Deubel (1898–1966), Geologe Rudolf Meinhold (1911–1999), Geophysiker Hans Fleischer (1919–1986), Fahrzeugdesigner Rudolf Nitsche (1922–1996), Physikochemiker, Kristallograph und Hochschullehrer Claus Oefner (1938–2017), Musikwissenschaftler Christian Führer (1943–2014), Theologe, langjähriger Pfarrer der Nikolaikirche (Leipzig) Matthias Doht (* 1958), Oberbürgermeister der Stadt Eisenach (2006–2012) Dirk Schnell (* 1959), Handballer Gerry Kley (1960–2021), FDP-Politiker, Gesundheitsminister in Sachsen-Anhalt (2002–2006) Alexander Blume (* 1961), Musiker Thorsten Merten (* 1963), Schauspieler Martin Verges (* 1965), Theaterregisseur und Autor Almuth Märker (* 1966), Kustodin der Papyrus- und Ostrakasammlung der Universitätsbibliothek Leipzig Friedemann Stengel (* 1966), Theologie-Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Stefan Wolter (* 1967), Historiker und Autor
Literatur