mini|Eine Statue zu Plancus’ Ehren, datiert 1580, im Hof des Basler RathausesZur Rezeption Plancus’ in Basel siehe Peter Litwan: Stadtgründer, Stammvater, Patron oder doch nicht? Basler Inschriften, Darstellungen und Texte aus fast einem halben Jahrtausend zu L. Munatius Plancus. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. Band 114, 2014, S. 235–259 (Digitalisat). Lucius Munatius Plancus (* um 87 v. Chr. in Tibur; † um 15 v. Chr. (?)) war ein römischer Feldherr, Konsul und Zensor. Nach seinen politischen und militärischen Anfängen unter Caesar amtierte er nach dessen Ermordung 44/43 v. Chr. als Statthalter des erst kurz zuvor eroberten Gallien. Im Machtkampf zwischen Marcus Antonius und dem von Cicero geführten Senat entschied er sich nicht eindeutig für eine Seite, sondern wartete ohne großes Engagement den Ausgang des Konflikts ab. Als die mit dem Abschluss des Zweiten Triumvirats erfolgte Einigung von Antonius mit Octavian (dem späteren Kaiser Augustus) zur Niederlage der Senatspartei und der Caesarmörder führte, schlug Plancus zunächst eine Laufbahn unter Antonius ein und wurde 42 v. Chr. Konsul sowie 39 v. Chr. Statthalter von Asia. Im Endkampf zwischen den Triumvirn wechselte er die Seiten und verriet Octavian den Aufbewahrungsort von Antonius’ Testament, dessen Inhalt Octavian daraufhin für seine Kriegspropaganda ausschlachten konnte. Schließlich machte Plancus noch eine politische Karriere unter Octavian nach dessen Sieg über Antonius und wurde 22 v. Chr. Zensor, hatte aber nur geringes Ansehen.

Herkunft und frühes Leben Der aus einem Rittergeschlecht stammende Lucius Munatius Plancus wurde in der in Latium östlich von Rom gelegenen Stadt Tibur geboren.Porphyrio zu Horaz, carmen 1,7,21; bestätigt wird diese Angabe durch eine Abbildung des Kampfes von Herkules, des Hauptgottes der Tiburtiner, mit dem farnesischen Stier auf einer Kupfermünze des Plancus. Das gleiche Pränomen Lucius führten auch sein Vater, Großvater und Urgroßvater.: L. Munatius Plancus L. f. L. n. L. pron. Plancus. Schon als Jugendlicher machte er die Bekanntschaft des berühmten römischen Redners Marcus Tullius Cicero, der wohl zu seiner soliden Bildung beitrug.Cicero, ad familiares 10,3,2; 13,29,1. Er wurde wohl schon vor 54 v. Chr. als erstes Mitglied seiner Familie in den Senat aufgenommen.

Laufbahn unter Caesar Plancus diente 54 v. Chr. als Legat Gaius Iulius Caesars in dessen Gallischem Krieg. Er sollte Belgien besetzen und schlug sein Lager vermutlich in der Nähe von Soissons auf. Im Oktober dieses Jahres zog er aber zur Überwinterung in das Gebiet der Karnuten, weil diese eine Rebellion vorzubereiten schienen.Caesar, Gallischer Krieg 5,24,3; 5,25,4. Sodann ist anzunehmen, dass er sich im Sommer 51 v. Chr. in Ravenna aufhielt.Cicero, ad familiares 8,1,4.

An der Seite Caesars kämpfte Plancus auch im anschließenden Bürgerkrieg gegen die Partei des Gnaeus Pompeius Magnus. 49 v. Chr. führte er unter dem Kommando des Gaius Fabius Krieg in Spanien, wurde aber vor dem etwas südlich der Pyrenäen gelegenen Ilerda hart bedrängt.Caesar, Bürgerkriege 1,40. Sodann beteiligte er sich 47 v. Chr. am Kampf in Afrika, konnte aber den Pompeianer Gaius Considius Longus nicht dazu überreden, die am Mittelmeer gelegene Hafenstadt Hadrumetum auszuliefern.Caesar, Afrikanischer Krieg 4.

Damals gehörte Plancus jedenfalls schon zu den engen Vertrauten Caesars und wurde daher von Cicero in einer Erbschaftssache für Gaius Ateius Capito um Hilfe ersucht.Cicero, ad familiares 13,29. Im Juni 46 v. Chr. nach Italien zurückgekehrt, wurde er im November des gleichen Jahres zu einem der acht Stadtpräfekten von Rom ernannt, die während Caesars Abwesenheit im spanischen Krieg unter Aufsicht des späteren Triumvirn Marcus Aemilius Lepidus die Geschäfte in der Hauptstadt leiten sollten. In dieser Funktion prägte er Goldmünzen.Roman Republican Coinage 1,475. 45 v. Chr. amtierte Plancus als Prätor.

Kurz vor seiner Ermordung bestimmte der Diktator, dass Plancus 44/43 v. Chr. Statthalter der Provinz Gallia Comata, also des gerade erst eroberten Galliens, werden sollte. Ferner designierte Caesar ihn zum Konsul für das Jahr 42 v. Chr.Cicero, ad familiares 10,1–26; In M. Antonium oratio Philippica 3,38; Cassius Dio, Römische Geschichte 46,29,6; Appian, Bürgerkriege 3,46; u. a. Plancus wurde nicht grundlos vorgeworfen, für diese hohen Posten weniger aufgrund besonderer Leistungen als wegen Liebdienerei gegenüber dem Diktator nominiert worden zu sein.Cicero, ad familiares 10,3,3. Aber noch vor Plancus’ Abreise aus Rom fiel Caesar dem Attentat der Verschwörer um Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus zum Opfer.

Lavieren im Kampf zwischen Marcus Antonius und dem Senat Am 17. März 44 v. Chr., zwei Tage nach Caesars Ermordung, akzeptierte Plancus den zwischen den Caesarianern und Caesarmördern ausgehandelten Kompromiss, nach dem Letzteren Amnestie versprochen wurde.Plutarch, Brutus 19. Damals wurde auch die Gültigkeit der noch vom Diktator verfügten Bestimmungen, so auch alle Ämterdesignationen für die folgenden Jahre, bestätigt. Daher behielt Plancus seine Provinz, in die er sich wohl nicht viel später begab. Der Historiker Appian berichtet, dass Plancus in Gallia Comata das Kommando über drei Legionen übernahm; falls dies richtig ist, muss er bis spätestens März 43 v. Chr. zwei weitere Legionen ausgehoben haben, da er zu diesem Zeitpunkt laut Cicero über fünf Legionen gebot.Appian, Bürgerkriege 3,46; Cicero, ad familiares 10,8,6.

Nach der Inschrift seines Mausoleums. hat Plancus die Kolonie Augusta Raurica (heute: Augst) gegründet. Dies muss 44 oder 43 v. Chr. während seiner gallischen Statthalterschaft erfolgt sein. Da indessen die archäologischen Zeugnisse dort erst im Jahre 6 v. Chr. einsetzen, ist das Projekt von Plancus in den Bürgerkriegswirren nach Caesars Ermordung entweder nicht über das Planungsstadium hinausgekommen oder die Gründung schlug fehl oder aber die Erstgründung befand sich auf dem Münsterhügel von Basilia, dem heutigen Basel.Zur Wiederentdeckung des Munatius Plancus und zu seiner Verehrung am Rheinknie im 16. Jahrhundert siehe Elisabeth Landolt: Die Statue des Munatius Plancus und der Bildhauer Hans Michel. In: Basler Stadtbuch (1980), S. 235–240; Stefan Hess, Die Suche nach dem Stadtgründer. In: Basler Magazin, Nr. 17, 26. April 1997, S. 8. Besser abgestützt ist hingegen die Gründung einer römischen Kolonie durch Plancus und Lepidus in Lugdunum (heute: Lyon) im Mai 43 v. Chr. Beide Gründungen folgten einem noch von Caesar ausgearbeiteten Kolonisationsprogramm. Ein vom Juni 43 v. Chr. stammender Brief des Plancus an Cicero bestätigt die Existenz des Dorfes Cularo (heute: Grenoble) in den Dauphiné-Alpen.

Als es noch im Verlauf des Jahres 44 v. Chr. zu immer heftigeren Spannungen zwischen dem Konsul Marcus Antonius und dem Senat unter Ciceros Führung kam, neigte Plancus zunächst eher der Senatspartei zu. Seit September 44 v. Chr. unterhielt er fast ein Jahr lang einen stetigen Briefwechsel mit CiceroCicero, ad familiares 10,1–24. und versprach ihm Unterstützung, wartete aber im Wesentlichen ab, wie sich der Konflikt zwischen Antonius und dem Senat entwickelte. Trotz seiner Versicherung, auf der Seite Ciceros zu stehen, scheint er auch Kontakt zu Antonius gesucht zu haben.Cicero, In M. Antonium oratio Philippica 13,44. Mittlerweile konnte er einige militärische Erfolge gegen die Räter nördlich des Bodensees erringen, wofür er als Imperator tituliert wurde.Cicero, In M. Antonium oratio Philippica 3,38; Triumphalakten; und .

Als Antonius den Caesarmörder Decimus Iunius Brutus Albinus in der norditalienischen Stadt Mutina (heute Modena) belagerte, trat Plancus in einem an den Senat gerichteten Brief ebenso wie Lepidus für eine Aussöhnung ein.Cicero, ad familiares 10,6. Vermutlich kalkulierte er dabei den damaligen Friedenswillen der Senatoren ein, die deshalb eine Delegation zu Antonius geschickt hatten. Ihre Meinung hatte sich jedoch bei der Ankunft von Plancus’ Schreiben am 20. März 43 v. Chr. schon wieder geändert und daher musste der gallische Statthalter heftige Kritik von Cicero einstecken.Cicero, ad familiares 10,6,1 f. Nach der Informierung über diesen Meinungsumschwung gab sich Plancus in einem neuen Brief dennoch weiterhin senatstreu.Cicero, ad familiares 10,8.

Anfang April 43 v. Chr. forderte der Senat Lepidus und Plancus auf, mit ihren Truppen zur Unterstützung nach Italien zu ziehen.Appian, Bürgerkriege 3,74; Cassius Dio, Römische Geschichte 46,29,6; Cicero, ad familiares 10,33,1. Vermutlich auf Grund dieses Befehls überquerte Plancus am 26. April wohl bei Vienne die Rhone,Cicero, ad familiares 10,9,3. um Decimus Brutus bei Mutina zu Hilfe zu kommen. Im Gebiet der Allobroger, wohl in der Nähe der heute in Südostfrankreich liegenden Stadt Cularo (jetzt Grenoble), erfuhr er von der Niederlage, die Antonius am 21. April in der Schlacht von Mutina gegen den Konsul Aulus Hirtius und den jungen Caesarerben Octavian (den späteren Kaiser Augustus) erlitten hatte. So stoppte Plancus seinen Marsch und suchte Lepidus, obwohl er zu diesem ein gespanntes Verhältnis hatte, auf die Seite Ciceros zu ziehen. Die entsprechenden Verhandlungen führten Marcus Iuventius Laterensis, Plancus’ Bruder Gaius Munatius Plancus sowie Gaius Furnius.Cicero, ad familiares 10,11,2 f. Aufgrund des dabei erzielten Fortschritts überquerte Plancus etwa am 11. oder 12. Mai die Isère. Das Auftauchen des Lucius Antonius bei Forum Iulii (heute Fréjus) veranlasste Plancus, zunächst seinem Bruder den Auftrag zu erteilen, mit 4000 Reitern vorauszueilen.Cicero, ad familiares 10,15,3. In den nächsten Tagen verharrte Plancus selbst aber in seinem Lager an der Isère. Zwei Gründe erscheinen als Erklärung für sein Abwarten plausibel: Einerseits Lepidus’ Antwort, er solle am Fluss bleiben, und andererseits die Benachrichtigung von der unsicheren Gesinnungstreue des Lepidus und dessen Soldaten.Cicero, ad familiares 10,18; 10,21.

Auf die Aufforderung des Lepidus hin brach Plancus am 18. Mai 43 v. Chr. auf, ohne aber die über die Isère führende Brücke abzubrechen, damit Decimus Brutus folgen konnte.Cicero, ad familiares 10,18,2; 10,18,4. Plancus zog nun Lepidus entgegen und errichtete seinen neuen Stützpunkt am Fluss Verdon im Respektabstand von etwa 20 km vom Lager des Antonius, der wiederum nicht weit von Lepidus entfernt lagerte. Am 29. Mai konnte Antonius den Lepidus überrumpeln und zur Vereinigung ihrer beiden Heere zwingen, die nun gegen Plancus vorrückten. Gerade noch rechtzeitig erfuhr Plancus von dieser Wendung, eilte rasch über die Isère zurück, zerstörte danach die darüberführende Brücke (4. Juni) und traf drei Tage später bei Cularo mit Decimus Brutus und dessen Truppen zusammen.Cicero, ad familiares 10,23,2 f. Der bisher mit Cicero verbündete Octavian weigerte sich jetzt aber, diesen beiden letzten dem Senat noch treu gebliebenen Heerführern Verstärkungen zuzuführen. So verharrten Brutus und Plancus bis mindestens Ende Juli an ihrer Position, da ihre Heere deutlich schwächer als jene des Antonius waren. Plancus gab Octavian die Schuld daran, dass Antonius sich mit Lepidus vereinigen konnte.Cicero, ad familiares 10,24,4; 10,24,6. Sicher stellte Plancus bei seiner Scheu vor einer militärischen Konfrontation auch die Kriegsmüdigkeit und den Verbrüderungswillen der Soldaten der verschiedenen Feldherren in Rechnung; dieser Umstand hatte Lepidus zum Anschluss an Antonius gezwungen.