Florina ( , albanisch Follorinë/Follorina, bulgarisch/mazedonisch ) ist eine Gemeinde und Stadt in der nordgriechischen Verwaltungsregion Westmakedonien. Zur Gemeinde Florina zählen vier Gemeindebezirke mit insgesamt 45 Ortschaften, darunter auch die bis 2010 eigenständigen Gemeinden Kato Klines, Meliti und Perasma.

Geographie, Klima und Geologie Geographie Die Gemeinde Florina befindet sich im nordwestlichen Bereich des griechischen Festlandes, östlich des Dreiländerecks zwischen Albanien, Nordmazedonien und Griechenland. Die Stadt Florina ist ca. 37 km Luftlinie von dem Dreiländereck entfernt. Das Gemeindegebiet Florinas umfasst die nördliche Hochebene von Eordea (auch als Bitola-Florina-Kozani-Becken bezeichnet) bzw. die Ebene von Lynkestis, die sich nach Norden in Richtung Bitola fortsetzt, wo die Staatsgrenze zu Nordmazedonien das Gemeindegebiet begrenzt. Im Westen steigt das Gebiet in die Berge des nördlichen Pindos-Gebirges an, die Massive des Varnoundas und des Vigla trennen Florina von der Gemeinde Prespes. Im Südwesten bildet der Verno die Grenze zur Gemeinde Kastoria. Ein rund 30 Kilometer langer Höhenzug grenzt Florina von der südwestlich gelegenen Gemeinde Amyndeo ab. Im Nordosten reicht ein wenige Kilometer breiter Streifen bis zum Voras-Massiv; hier befindet sich die Grenze zu Zentralmakedonien mit den Gemeinden Almopia und Edessa.

Nordöstlich des Vitsi (1927 m) im Verno-Massiv liegt die höchste Siedlung der Gemeinde Florina, die Ortschaft Koryfi, auf einer Höhe von 1350 m gefolgt von der Ortschaft Trivouno (Höhe von 1180 m) und Akritas (Höhe 1020 m).

mini|links|Der im Sommer fast ausgetrocknete Sakoulevas im Stadtzentrum Die Gewässer Florinas sammeln sich im Sakoulevas oder Lyngos, der von Westen kommend die Stadt Florina durchfließt und nach Norden über die Crna Reka und den Vardar in die Ägäis entwässert. Nebenflüsse des Sakoulevas sind der Paliorema, der ihm aus dem Voras-Massiv von Nordosten zufließt sowie der Palio, der aus dem nordwestlichen Gemeindegebiet kommend, in den Sakoulevas mündet. Der höchste Punkt der Gemeinde Florina ist der Gipfel Voras (2525 m) im Nordosten; am Austritt des Sakoulevas aus dem Gemeindegebiet befindet sich mit 580 m ü. d. M. die tiefste Stelle des Gemeindegebiets.

Der zentrale Teil des Gemeindegebiets wird durch die landwirtschaftliche Nutzung der Hochebene von Florina geprägt. Entsprechend dem Anbau von Getreide, Baumwolle und anderen landwirtschaftlichen Produkten ist dieser Teil des Gemeindegebietes seitens des Menschen entsprechend gestaltet und weist wenig ursprüngliche Landschaftsmerkmale auf. Im Westen des Gemeindegebietes dominiert die urbane Landschaft der Stadt Florina mit dichter Bebauung. Neben Gebäuden mit Ursprung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weist die Stadt Florina noch relativ viele Gebäude aus dem 19. Jahrhundert auf, welche als Spiegelbild der damaligen landestypischen Architektur aufgefasst werden können. Bereits unmittelbar westlich der Stadt Florina wechselt mit den Gebirgszügen von Varnoundas und Verno sowie dem Fluss Sakoulevas zwischen den Bergmassiven das Landschaftsbild erheblich. Dieser Teil des Gemeindegebietes besteht aus Laub- und Mischwäldern an den Berghängen. Die landwirtschaftliche Nutzung beschränkt sich auf das schmale Tal des Sakoulevas. Nennenswerte Binnengewässer wie künstliche und/oder natürliche Seen hat die Gemeinde Florina nicht.

Klima mini|Klimadiagramm von FlorinaGeoklima 2.1

Die Stadt und die Gemeinde Florina sind aufgrund ihrer Lage auf dem griechischen Festland den Bedingungen trockenen kontinentalen Klimas unterworfen.A. Oikonomidou Summer thermal comfort in traditional buildings of the 19th century in Florina, north-western Greece. Presented at International Conference “Passive and Low Energy Cooling for the Built Environment” May 2005, Santorini, Greece (auf Englisch) Die Sommer sind warm bis heiß und relativ kurz; die Winter kalt und relativ lang.

Die Durchschnittstemperaturen pro Tag in Florina betrugen im Juni 19,7 °C, im Juli 22,0 °C und im August 21,9 °C. Nach Angaben des Griechischen Wetterdienstes war die durchschnittlichen Temperaturen pro Tag 21,0 °C im Juni, 23,1 °C im Juli und 22,5 °C im August. Die gemittelten Maximaltemperaturen pro Tag betrugen im Juni 26,2 °C, im Juli 28,8 °C und im August 14,2 °C. Die gemittelten Minimaltemperaturen pro Tag betrugen im Juni 12,5 °C, im Juli 14,4 °C und im August 14,2 °C. Im Juni fielen an durchschnittlich 7,4 Tagen Regen, im Juli an 6,1 Tagen und im August an 5,8 Tagen mit einer mittleren Niederschlagsmenge von 37,3, 34 und 31 mm. Die mittlere Luftfeuchtigkeit belief sich auf 59,8 %, 57,4 % und 58,3 %.

Die täglichen Durchschnittstemperaturen im Winter sind im November 7,9 °C, im Dezember 3,8 °C, im Januar 0,4 °C, im Februar 2,8 °C und im März 6,2 °C. Entsprechend ist die Heizperiode: nach einer Untersuchung im Zeitraum von 1983 bis 1987 wurde in Florina 217 Tage pro Jahr geheizt. Die Heizperiode begann im September und endete im Mai. Die Niederschlagsmenge beläuft sich über ein Jahr summiert auf 813 mm. In 10 von 12 Monaten eines Jahres überschreitet die Niederschlagsmenge 50 mm; in den Monaten Oktober und November 100 mm. Niederschläge im Winter sind in Florina auch Schneefälle, welche ein beachtliches Ausmaß erreichen können. Auch im März und April können in Florina Schneefälle auftreten.Pressemitteilung der Athens News Agency (ANA) vom 30. März 1997 (auf Englisch)

Die maximale in Florina gemessene Temperatur betrug 40,8 °C, die minimale −21,4 °C.hnms.gr: (griechisch) mini|Blick auf die Stadt Florina von einem westlich gelegenen Berg.

Geologie Die Gemeinde Florina liegt in der Pelagonischen Zone, welche das griechische Festland von Nordnordwest nach Südsüdost durchzieht.Birte Anders: The Pre-Alpine Evolution of the Basement of the Pelagonian Zone and the Vardar Zone, Greece. Dissertation. Johannes-Gutenberg Universität Mainz, Mainz 2005, S. 22. In der Region der Gemeinde Florina weist diese Zone unterschiedliche geologische Bestandteile auf. Die Stadt Florina selbst sowie alle Gemeindegebiete und -bezirke, die sich östlich des Verno-Massivs in der Ebene befinden, gründen sich auf Ablagerungen aus dem Erdzeitalter des Tertiärs und Quartärs.J. Steenbrink, F. J. Hilgen, W. Krijgsman, J. R. Wijbrans, J. E. Meulenkamp: Late Miocene to Early Pliocene depositional history of the intramontane Florina–Ptolemais–Servia Basin, NW Greece: Interplay between orbital forcing and tectonics. In: Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology. Volume 238, 2006, S. 151–178, S. 152. doi:10.1016/j.palaeo.2006.03.023 Die Gemeindegebiete, die auf den Hängen und Höhen des Verno-Massivs liegen, gründen sich auf Schiefer und Gneise aus dem Palaiozoikum. Die Gneis-Gesteine aus Florina wurden auf ein Alter von 692 bis 706 bzw. 698 bis 731 Millionen Jahre bestimmt (Erdzeitalter des Neoproterozoikum).Birte Anders: The Pre-Alpine Evolution of the Basement of the Pelagonian Zone and the Vardar Zone, Greece. Dissertation. Johannes-Gutenberg Universität Mainz, Mainz 2005, S. iii. Sie stellen dabei die Überreste aus einem Terran – dem Florina-Terran – dar, der in der Erdvergangenheit ein aktiver kontinentaler Rand am nördlichen Rand des Kontinents Gondwana gewesen war.

Wie das gesamte Griechenland ist die Gemeinde Florina erdbebengefährdet. Das bisher stärkste beobachtete Erdbeben in der Region erreichte auf der Richterskala eine Stärke (Magnitude, M) von 6,6.I. D. Banitsiotou, T. M. Tsapanos, V. N. Margaris, P. M. Hatzidimitriou: Estimation of the seismic hazard parameters for various sites in Greece using a probabilistic approach. In: Natural Hazards and Earth System Sciences. Volume 4, 2004, S. 399–405, S. 400. Nach der vierstufigen Erdbebenrisiko-Klassifikation (basierend auf der Wahrscheinlichkeit schwerer Erdbeben, wobei I geringe und IV sehr hohe Wahrscheinlichkeit bedeutet) gehört Florina zur Zone II nach der Einteilung entsprechend den Erdbebenschutzgesetzen Griechenlands von 2003 (zum Vergleich: Athen III, Thessaloniki III, Zakynthos IV, Korinth IV, Syros I, Naxos I).I. D. Banitsiotou, T. M. Tsapanos, V. N. Margaris, P. M. Hatzidimitriou: Estimation of the seismic hazard parameters for various sites in Greece using a probabilistic approach. In: Natural Hazards and Earth System Sciences. Volume 4, 2004, S. 399–405, S. 404.

Geschichte Durch Funde und Ausgrabungen ist belegt, dass das Gebiet Florinas mindestens seit 6000 v. Chr. bewohnt ist.

Antike Im antiken Griechenland wurde das heutige Gebiet um Florina Lynkestis (Lynkistis) genannt. Der Name Lynkestis rührt vom griechischen Wort Lynkos bzw. Lykos(Wolf) her. Lynkestis beschrieb den südwestlichen Teil Makedoniens und grenzte an Illyrien.Harry Thruston Peck: Lyncestis. In: Harpers Dictionary of Classical Antiquities. 1898. Online zugreifbar mittels des Perseus-Projekts der Tufts University. Zugriff am 23. Oktober 2007 (auf Englisch) Die Bewohner, die Lynkestai (Sg. Lynkestes) sollen Illyrer gewesen sein. 1997 wurden bei Ausgrabungen in unmittelbarer Nähe der Kirche Agios Pantelimonas bei Florina Überreste der Akropolis der antiken Siedlung Iraklia Lyngistis (Heraklia Lynkestis oder Heraclea Lyncestis) gefunden. Die Siedlung Heraklea Lynkestis befand sich an der Grenze der Region Lynkestis zu Illyrien.Harry Thruston Peck: Heraclēa. In: Harpers Dictionary of Classical Antiquities. 1898. Online zugreifbar mittels des Perseus-Projekts der Tufts University. Zugriff am 23. Oktober 2007 (auf Englisch) 391 v. Chr. übernahm König Argeos von Lynkestis für kurze Zeit die Macht über ganz Makedonien. Der makedonische König Philipp II. eroberte die Lynkestis erneut und fügte sie dem makedonischen Königreich hinzu. Verschiedene bedeutende Persönlichkeiten des makedonischen Königreichs stammten aus Lynkestis: Leonatos, Pelagos, Aeropos, Krateros sowie Eurydike, die Mutter Philipps II. und Großmutter Alexanders des Großen. Die faktische Oberhoheit über das heutige Florina übernahmen die Römer nach der makedonischen Niederlage bei der Schlacht von Pydna 168 v. Chr. 148 v. Chr. wurde Heraklia Lynkestis (heutiges Florina) wie das restliche Nordgriechenland zur römischen Provinz. Heraklia Lynkestis war eine wichtige Zwischenstation der römischen Via Egnatia von Byzanz über Thessaloniki nach Dyrrachium.

Mittelalter Byzantinische Epoche Die Teilung des Römischen Reichs 395 n. Chr. brachte das Gebiet der heutigen Gemeinde Florina unter die Kontrolle des oströmischen Reichs, des späteren Byzantinischen Reichs. Im Mittelalter war das Gebiet der heutigen Gemeinde Florina Teil der Region Pelagonien. Die mittelalterliche Region Makedonien befand sich weiter östlich auf der Balkanhalbinsel.

Unter der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Justinian I. wurde Florina als Iraklia Lakkou bezeichnet. Im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. siedelten sich Slawen und Bulgaren im Rahmen ihrer Landnahme auf dem Balkan in Pelagonien an. Unter den bulgarischen Herrschern Malamir und Presian I. wurde Pelagonien im 9. Jahrhundert Teil des ersten Bulgarischen Reichs. Im 10. Jahrhundert gelang dem byzantinischen Reich die Rückeroberung der Gebiete. Der byzantinische Kaiser Basileios II. und der bulgarische Zar Samuel lieferten sich auf dem Gebiet der Ortschaft Skopos 1017 eine bewaffnete Auseinandersetzung.