mini|Blick auf Marktheidenfeld 1896 mini|Blick auf Marktheidenfeld 2011 mini|hochkant|Pfarrkirche St. Laurentius
Marktheidenfeld (fränkisch: Hädefeld) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Main-Spessart. Die Stadt ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld, der neun Gemeinden angehören, nimmt aber selbst nicht an der Verwaltungsgemeinschaft teil.
Geographie Lage Die Kleinstadt liegt am Mainviereck an der Ostseite des Spessarts, geologisch an der Nahtstelle des Spessart-Rotsandsteingebiets zum Muschelkalkgebiet der Fränkischen Platte, die zwischen dem Mainviereck und dem Maindreieck auch als Marktheidenfelder Platte bezeichnet wird. Der topographisch höchste Punkt der Stadt befindet sich mit am Madenberg, nördlich von Michelrieth, der niedrigste liegt im Main auf .
Gemeindegliederung Marktheidenfeld hat neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Altfeld (Dorf) Eichenfürst (Weiler) Glasofen (Kirchdorf) Haunermühle (Einöde) Marienbrunn (Kirchdorf) Marktheidenfeld (Hauptort) Michelrieth (Pfarrdorf) Oberwittbach (Dorf) Zimmern (Pfarrdorf)
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Altfeld, Glasofen, Marienbrunn, Marktheidenfeld, Michelrieth, Oberwittbach und Zimmern.
Nachbargemeinden Triefenstein Kreuzwertheim Schollbrunn Esselbach Hafenlohr Rothenfels Neustadt am Main Roden Karbach Erlenbach bei Marktheidenfeld
Geschichte Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Für die Geschichte bis zur Gemeindebildung siehe Marktheidenfeld (Marktheidenfeld)#Bis zur Gemeindebildung.
20. Jahrhundert Während des Novemberpogroms 1938 kam es zu Ausschreitungen, bei denen mehrere jüdische Einwohner festgenommen und ins Gefängnis in Lohr eingeliefert wurden. Deren Eigentum wurde enteignet oder verkauft. Die obdachlosen jüdischen Bürger wurden zwangsweise im „Judenhaus“ in der Untertorstraße untergebracht. Anfang 1942 lebten noch neun jüdische Personen am Ort, diese wurden nach Izbica bei Lublin deportiert und dort ermordet. Insgesamt wurden 18 jüdische Bewohner Opfer des NS-Regimes. Seit 2018 erinnert eine stählerne „Koffer-Skulptur“ an die deportierten jüdischen Bürger. 2022 wurden vom Künstler Gunter Demnig zwölf Stolpersteine verlegt, die an die Opfer erinnern.
Am 8. April 1948 wurde Marktheidenfeld, das nach dem Krieg durch den Zuzug von Heimatvertriebenen rasch wuchs, zur Stadt erhoben. Mit der Auflösung des Landkreises Marktheidenfeld kam dessen Kreisstadt am 1. Juli 1972 in den neu gebildeten Landkreis Mittelmain, der zehn Monate später seinen endgültigen Namen Landkreis Main-Spessart erhielt.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinde Glasofen eingegliedert. Zimmern kam am 1. Juli 1974 hinzu. Es folgten Marienbrunn am 1. Januar 1975 sowie Altfeld (mit den am 1. Juli 1972 eingegliederten Orten Michelrieth und Oberwittbach) am 1. Januar 1976.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 2010 bis 2019 stieg die Einwohnerzahl um 246 Einwohner bzw. um 2,2 %.
Heutiges Stadtgebiet 1961: 6.849 Einwohner 1970: 8.364 Einwohner 1987: 9.421 Einwohner 1991: 10.207 Einwohner 1995: 10.593 Einwohner 2000: 10.803 Einwohner 2005: 11.091 Einwohner 2010: 10.901 Einwohner 2015: 10.967 Einwohner 2019: 11.213 Einwohner 2024: 11.402 Einwohner
Einwohnerzahlen von Kernstadt und Stadtteilen: Stadtteil Einwohnerzum 31.12.2024Marktheidenfeld (Kernstadt) 8987Altfeld 781Glasofen 414Marienbrunn 347Michelrieth 511Oberwittbach 178Zimmern 434Stadt Marktheidenfeld 11.652
Am 31. Dezember 2024 wohnten 8.987 Einwohner (77 %) in der Kernstadt, 2.665 Einwohner (23 %) in den übrigen sechs Stadtteilen. Die Gesamtzahl betrug 11.652 Einwohner.
Am 31. Dezember 2024 gab es 2.854 Wohngebäude in Marktheidenfeld und insgesamt 5.851 Wohnungen mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 102,4 m².
Altersstruktur der Marktheidenfelder Bevölkerung (Stand: 31. Dezember 2024): Unter 18 Jahren: 1.736 (15 % der Bevölkerung) 18–64 Jahre: 6.634 (58 % der Bevölkerung) 65 Jahre oder mehr: 3.032 (27 % der Bevölkerung)
Religion mini|Evangelisch-lutherische Kirche in Glasofen Am 15. Mai 2022 im Rahmen der Zensus-Erhebung verteilten sich die Konfessionszugehörigkeiten in Marktheidenfeld wie folgt: Römisch-katholisch: 4.458 (39,3 % der Gesamtbevölkerung von 11.357) Evangelisch: 2.229 (19,6 %) Sonstige und Konfessionslose: 4.670 (41,1 %)
Die Gemeindeteile Altfeld und Michelrieth sind der Hauptsitz der Religionsgemeinschaft Universelles Leben (UL).
Politik
Bürgermeister Seit dem 1. Mai 2020 ist der parteilose Thomas Stamm, nominiert durch die CSU, Erster Bürgermeister. Er wurde am 15. März 2020 mit 76,5 % der Stimmen als Nachfolger von Helga Schmidt-Neder (Freie Wähler; im Amt ab dem 1. Mai 2008) gewählt.Marktheidenfeld: Erdrutschsieg für Thomas Stamm, mainpost.de, abgerufen am 4. Dezember 2021. Bei den Kommunalwahlen am 8. März 2026 wurde er ohne Gegenkandidaten mit 91,2 % der Stimmen wiedergewählt.
2. Bürgermeister ist Christian Menig (CSU), 3. Bürgermeisterin ist Susanne Rinno (Die Grünen).
Steuereinnahmen Im Jahr 2019 beliefen sich die Steuereinnahmen der Gemeinde auf 28.566.000 €, den größten Anteil daran hatte mit 16.687.000 € die Gewerbesteuer.
Stadtrat mini|hochkant|Historisches Rathaus Der Stadtrat von Marktheidenfeld hat 24 Mitglieder.
Parteien / Wählergemeinschaften %2020Ergebnis Stadtratswahl 2020 Sitze2020 %2014Ergebnis der Kommunalwahl 2014 Sitze2014 %2008Ergebnis der Kommunalwahl 2008 Sitze2009 %2002Ergebnis der Kommunalwahl 2002 Sitze2002 FW Freie Wähler 20,0 5 39,8 10 38,5 9 32,9 8 CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 31,6 8 39,6 9 36,1 9 42,0 10 SPD SPD Bayern 11,2 2 20,6 5 19,7 5 19,8 5 Grüne Bündnis 90/Die Grünen Bayern 14,7 4 – – 5,8 1 5,3 1 proMAR proMAR 22,5 5 – – - - - - gesamt 100,0 24 100,0 24 100,0 24 100,0 24 Wahlbeteiligung in % 59,8 57,7 61,9 61,2
Städtepartnerschaften rand|20px|Frankreich Montfort-sur-Meu (Frankreich), seit 1988 rand|20px|Polen Pobiedziska (Polen), seit 2007
Weitere Partnerschaft Mit Germantown, Ohio (USA), gibt es seit 1979 lockere freundschaftliche Beziehungen.
Wappen
Öffentliche Einrichtungen Stadtverwaltung Marktheidenfeld Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld Außenstelle des Finanzamts Lohr a. Main Außenstellen des Landratsamts Main-Spessart in Karlstadt(Kfz-Zulassungsstelle, Kreisjugendamt, Staatliches Gesundheitsamt, Kreisbauhof) Außenstelle der Autobahn GmbH (Straßenmeisterei in Altfeld) Polizeiinspektion Marktheidenfeld Freiwillige Feuerwehren Marktheidenfeld, Altfeld, Glasofen, Marienbrunn, Michelrieth, Zimmern
Infrastruktur, Wirtschaft und Tourismus Verkehr Wasser: Der Main ist eine Bundeswasserstraße erster Ordnung, zuständig ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg.
Straße: Die Bundesautobahn 3 Nürnberg–Frankfurt verläuft in Ost-West-Richtung und schneidet die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Staatsstraßen 2299 und 2315 im Gemeindeteil Altfeld; die das Stadtgebiet querende Bundesstraße 8 dient als Autobahnzubringer.
ÖPNV: Ein vom Nahverkehr Mainfranken dicht ausgebautes Busnetz verbindet Stadt und Umland. Innerörtlich verkehrt ein Stadtbus auf einer Nord- und einer Südlinie, beide haben den Start- und Zielpunkt ZOB. Im Jahr 2010 wurden über 30.000 Fahrgäste gezählt. Zu den Stadtbustarifen kann man auch mit dem regionalen Linienverkehr von der Kernstadt in die Ortsteile oder umgekehrt fahren.
Luft: Im Stadtteil Altfeld befindet sich das Segelfluggelände Altfeld.
Schiene: Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Lohr–Wertheim wurde am 30. Mai 1976 eingestellt. Die Strecke, die am 1. Oktober 1881 durch die Bayerische Staatsbahn in Betrieb genommen worden war, führte auf der anderen Mainseite an Marktheidenfeld vorbei. Dort war damals der Bahnhof Marktheidenfeld, der größte zwischen den Start- und Endbahnhöfen. Die Strecke selbst war eingleisig, der Bahnhof in Marktheidenfeld hatte jedoch einen großzügigen Güterbahnhof mit Verladerampen und bis zu sieben parallel verlaufenden Gleisen. Auf der Trasse der alten Bahnstrecke verläuft heute großteils der Maintalradweg.Mainradweg, abgerufen am 20. April 2024.
Geldinstitute Sparkasse Mainfranken Würzburg Raiffeisenbank Main-Spessart eG HypoVereinsbank UniCredit Bank AG
Unternehmen WAREMA Renkhoff SE Die Firma WAREMA Renkhoff SE ist ein führender Hersteller von Sonnenschutztechnik in Europa. Sie wurde 1955 in Marktheidenfeld gegründet, wo sie auch heute noch ihren Hauptsitz hat.
Procter & Gamble Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble betreibt in Marktheidenfeld ein Werk seiner Tochterfirma Gillette, in dem elektrische Zahnbürsten hergestellt werden. Sein zentrales Auslieferungslager befindet sich im Ortsteil Altfeld. Der Betrieb wurde 1961 von der Braun AG gegründet, die 1967 von Gillette übernommen wurde.
Schleunungdruck GmbH 1949 wurde in Marktheidenfeld die Druckerei Schleunung gegründet. Über die Jahre ist das Unternehmen immer weiter in Marktheidenfeld gewachsen. Aktuell arbeiten ca. 190 Mitarbeiter für Schleunungdruck.
Sonstige Industrie Im Gemeindeteil Altfeld, nahe der Autobahn A 3, befinden sich die Gewerbegebiete Schlossfeld, Jöspershecklein und Söllershöhe mit vielen international tätigen Firmen, darunter beispielsweise der Automobilzulieferer HILITE, ein Werk des französischen Konzerns Schneider Electric, der Motorenhersteller Cummins und das Lebensmittelunternehmen Del Monte Foods.
Firmen wie Warema, Braun und Schleunungdruck erweiterten mehrfach und schufen Arbeitsplätze vor Ort in großer Zahl. Es folgten weitere Unternehmen wie Elau (heute Teil von Schneider Electric), Hilite, Okalux, Del Monte und Cummins. Dies brachte der Stadt nicht nur neue Einwohner, sondern auch einen kontinuierlichen Zuwachs an Gewerbesteuereinnahmen.
Das verarbeitende Gewerbe zählte 2019 20 Betriebe mit in der Regel 20 oder mehr Beschäftigten sowie sieben Betriebe des Bauhauptgewerbes und 15 Beherbergungsbetriebe mit zehn oder mehr Gästebetten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von 8.471 im Jahr 2006 auf 10.135 im Jahr 2014 und auf 11.765 (in 520 Betrieben) im Jahr 2019. 2019 waren unter den Beschäftigten 6833 (= 58 %) Pendler. Diese hohe Zahl an täglichen Einpendlern zeigt, dass Marktheidenfeld ein Arbeitsplatzzentrum für die Umlandgemeinden und den Verflechtungsbereich der Region darstellt.
Tourismus mini|Fassboden mit Bild des Hl. Georg, gefertigt vom Küfer Johann Valentin Reuss (1761–1800) aus Marktheidenfeld, 1794, Historisches Museum der Pfalz, Speyer Besonders in den Sommermonaten ist die Altstadt ein beliebtes Ziel von Radtouristen, die sowohl über den Main-Radweg als auch über den Main-Tauber-Fränkischen Rad-Achter und das Hafenlohrtal nach Marktheidenfeld gelangen. Zudem halten regelmäßig Flusskreuzfahrtschiffe am Mainufer, wodurch viele Touristen die Stadt am Main kennenlernen. Übernachtungsmöglichkeiten bieten zahlreiche Hotels und Pensionen sowie Campingplätze. Im Jahr 2019 wurden 77.554 Gästeübernachtungen gezählt, davon 22 % von Gästen aus dem Ausland.
Das im Jahr 2012 eröffnete Erlebnisbad Wonnemar musste Ende 2020 wegen Insolvenz der Betreibergesellschaft schließen. Eine Wiedereröffnung verzögerte sich aufgrund ungeklärter Rechtsfragen, 2025 fiel das Bad nach einem längeren Rechtsstreit in die städtische Hand zurück und wurde am 1. Juli 2025 als M2 – Bad am Maradies wiedereröffnet.
Landwirtschaft 2016 gab es insgesamt 34 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Gesamtfläche von 1728 ha. Nur noch geringe wirtschaftliche, aber große kulturelle Bedeutung hat der Weinbau. Auch wenn in Marktheidenfeld nur noch wenige Menschen vom Weinbau leben, bleibt er für die Selbstwahrnehmung und die lokale Lebensart weiterhin wichtig. Marktheidenfelder Lagen sind der Kreuzberg und der Rebschnittgarten. In den umliegenden Gemeinden Triefenstein (Homburg und Lengfurt) und Erlenbach ist der Weinbau noch von großer Bedeutung.
Bildung und Kultur