Die Österreichische Beteiligungs AG, kurz ÖBAG, verwaltet die Beteiligungen der Republik Österreich an einigen börsennotierten und nicht börsennotierten Unternehmen.Historischer Firmenbuchauszug zur ÖIAG, Firmenbuch Wien, FN 80286 v (ursprünglich: Handelsgericht Wien, HRB 36032). Abgerufen am 15. Jänner 2015. Die Gesellschaft ging 2019 aus der Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB) hervor,Kurier: Aus der Staatsholding ÖBIB wurde die ÖBAG. Artikel vom 15. Februar 2019, abgerufen am 16. Februar 2019. die wiederum im Jahr 2015 aus der Österreichischen Industrieholding Aktiengesellschaft (ÖIAG) hervorging.

Grundlagen Die Umwandlung geschah auf Basis der Novelle zum ÖIAG-Gesetz 2000. Das Gesetz formuliert die Ziele und den Auftrag der Bundesregierung an die ÖBAG: Die ÖBAG hat die Eigentümerinteressen des Bundes bei strategisch bedeutsamen Beteiligungen wahrzunehmen. Die ÖBAG nimmt Bedacht auf die Erhaltung und die Steigerung des Werts bedeutsamer Beteiligungen des Bundes im Interesse des Wirtschafts- und Forschungsstandorts und zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen in Österreich. Die Neuregelung verfolgt das Ziel einer verantwortlichen, auf nachhaltige und langfristige Wertschaffung ausgerichtete Leitung und Kontrolle von Beteiligungen des Bundes und ist damit den Interessen aller österreichischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler verpflichtet. Die ÖBAG setzt die strategischen Entscheidungen des Eigentümers effizient und professionell um.

Im Zentrum der Aktivitäten steht der Nutzen für den Bund und die österreichischen Steuerzahler. Als österreichischer Kernaktionär soll die ÖBAG – stellvertretend für die Republik – zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes beitragen. Die Unternehmen, an denen die ÖBAG beteiligt ist, bieten 36.500 Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente). Vom IHS wurde errechnet, dass sich diese Unternehmen unter Einrechnung mittelbarer Effekte für 4 % des österreichischen BIP verantwortlich zeigen.

Für das Jahr 2022 wurden rund EUR 1,6 Mrd. an Dividenden an das Ministerium für Finanzen ausgeschüttet, inklusive VERBUND und einer Sonderdividende von EUR 486 Millionen. Für das Jahr 2023 wurden EUR 1,67 Milliarden ausgeschüttet, für das Jahr 2024 EUR 1,26 Milliarden. Dieses Geld steht der Republik Österreich zur Verfügung, um die vielfältigen Aufgaben des Staates in unterschiedlichen Bereichen zu finanzieren.

Beteiligungen Logos der Beteiligungen150px|rechts|OMV 150px|rechts|Post150px|rechts|Telekom Austriarechts|150px|Casinos Austriarechts|150px|alternativtext=Logo des Funkturmunternehmens EuroTeleSitesrechts|150px|alternativtext=Logo des Unternehmens VERBUND Mit Stand Juli 2025 hielt die ÖBAG Beteiligungen an den folgenden Unternehmen: (sowie die dort verlinkten Seiten zu den einzelnen Beteiligungsgesellschaften) 31,50 % am Mineralölkonzern OMV 52,85 % an der Österreichischen Post 28,42 % an der Telekom Austria 28,42 % an der EuroTeleSites (Abspaltung von der Telekom Austria per 22. September 2023) 33,24 % an den Casinos Austria (Übernahme des Anteils der Münze Österreich per April 2015) 32,97 % an der APK-Pensionskasse 100,00 % an der GKB-Bergbau GmbH (Abwicklung von ehemaligen Bergbaubetrieben) 100,00 % an der IMIB Immobilien- und Industriebeteiligungen GmbH (Abwicklung des ehemaligen Voestalpine-Konzerns; die operativen Teile wurden privatisiert) 100,00 % an der Schoeller-Bleckmann GmbH (Abwicklung des ehemaligen Schoeller-Bleckmann-Konzerns; die operativen Teile wurden privatisiert) 100,00 % an der Bundesimmobiliengesellschaft (seit 1. Jänner 2019; )

§ 7a des ÖIAG-Gesetzes in der Fassung des Bundesgesetzes sieht ferner vor, dass ab 1. Jänner 2019 die ÖBAG die Anteile des Bundes an der Verbund AG verwaltet. Eine Übertragung der Verbund AG in das Eigentum der ÖBAG ist nicht möglich, da das Bundesverfassungsgesetz, mit dem die Eigentumsverhältnisse an den Unternehmen der österreichischen Elektrizitätswirtschaft geregelt werden, () vorsieht, dass die Mehrheit der Anteile am Verbund im (unmittelbaren) Bundeseigentum stehen müssen.

Die ÖIAG war unter anderem an den folgenden Unternehmen beteiligt: Austria Metall AG (AMAG) Austria Mikro Systeme International AG Austria Technologie & Systemtechnik AG Austrian Airlines (wurde 2009 an die Lufthansa AG verkauft) Böhler-Uddeholm AG Dorotheum Finanzmarktbeteiligung Aktiengesellschaft des Bundes (2008 gegründet; 2022 auf die Abbaumanagementgesellschaft des Bundes übertragen) Flughafen Wien AG Österreichische Staatsdruckerei Print Media Austria AG Schoeller-Bleckmann Stahlwerke Siemens AG Österreich SGP Verkehrstechnik Tabakregie (früher Austria Tabak) VA Technologie voestalpine

Dem Verkauf dieser Unternehmen gingen meist heftige Proteste sowohl aus der Politik als auch von Seiten der Gewerkschaften und Betriebsräte voraus.

Geschichte Verstaatlichte Industrie Österreichs Am 26. Juli 1946 beschloss der Nationalrat das erste Verstaatlichungsgesetz. Dieses erfolgte, um Unternehmen dem Einfluss sowjetischer Truppen zu entziehen, welche begannen, diese aus „Deutschem Eigentum“ zu beschlagnahmen. Als „Deutsches Eigentum“ galten nicht nur Betriebe, die von den Nationalsozialisten gegründet worden waren, wie beispielsweise die Linzer Hermann-Göring-Werke (die spätere VÖEST), sondern auch alte österreichische Staatsbetriebe, die vom Deutschen Reich übernommen worden waren, wie beispielsweise die Erste Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft. In Summe handelte es sich um Betriebe, die ein Fünftel der österreichischen Wertschöpfung ausmachten: die drei größten Banken des Landes, der gesamte Kohle- und Erzbergbau, die gesamte Mineralölförderung und -verarbeitung, alle wichtigen Betriebe der Schwerindustrie. Verwaltet wurde die verstaatlichte Industrie direkt von der Regierung und deren Ministerien.

Von der ÖIG zur ÖIAG Im Zuge von Reformen durch die Bundesregierung Klaus II wurde im Dezember 1966 mit dem ÖIG-Gesetz beschlossen, die treuhänderische Ausübung der Anteilsrechte der Republik an verstaatlichten Unternehmen an eine Gesellschaft zu übertragen.Bundesgesetz vom 16. Dezember 1966, BGBl. Nr. 23/1967 (ÖIG-Gesetz) Dem Auftrag des Gesetzgebers folgend, wurde im Jahr 1967 die Österreichische Industrieverwaltungs-Gesellschaft m.b.H. (ÖIG) gegründet.

Mit der ÖIG-Gesetz-Novelle 1969 von Anfang 1970 wurde beschlossen, die ÖIG in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.Umwandlung in die Aktiengesellschaft gemäß Artikel I (1) ÖIG-Gesetz-Novelle 1969 vom 21. Jänner 1970, BGBl. 47/1970, mit dem das ÖIG-Gesetz abgeändert und ergänzt wurde. Mit Satzung vom 7. Juli 1970 wurde am 29. Juli 1970 die zu 100 % im Eigentum der Republik stehende Österreichische Industrieverwaltungs Aktiengesellschaft am Handelsgericht Wien eingetragen, gleichzeitig wurden ihr auch die Anteilsrechte übertragen. Mit Mai 1972 wurde die Wiener Schwachstromwerke Gesellschaft m.b.H. in die ÖIAG verschmolzen.

Austrian Industries

Im Jahr 1989 wurden die wichtigsten Industriebeteiligungen der ÖIAG (wie AMAG, Chemie-Holding, Elektro- und Elektronik-Industrieholding, Maschinen- und Anlagenbauholding, OMV und VOEST-ALPINE) in die Austrian Industries, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der ÖIAG, eingebracht. Die Austrian Industries bildeten einen Konzern, der in seiner Gesamtheit hätte (teil-)privatisiert werden sollen. Dazu kam es jedoch nicht. Nach einer Reorganisation der Tochterunternehmen wurden das Konzernverhältnis aufgelöst und die Holding mit der Privatisierung der einzelnen Tochterunternehmen beauftragt. Im März 1994 wurde die Austrian Industries mit der ÖIAG verschmolzen.Artikel zur Austrian Industries AG im Lexikon aeiou.at, abgerufen am 6. Juni 2015.

Privatisierungen 1987 bis 2000 Chronologie gemäß Wirtschaftsblatt: In: Wirtschaftsblatt (Box Chronologie der Privatisierung), 6. September 2012.

1987–1989: Im November 1987 wurden 15 % der OMV (Österreichische Mineralölverwaltung; Mineralöl- und Chemiekonzern) verkauft, erstmals ging ein ÖIAG-Unternehmen an die Börse. Im September 1989 wurden weitere 10 % der OMV über die Börse verkauft 1992: Im Juli 1992 wurden 26 % der Simmering-Graz-Pauker Verkehrstechnik (SGP-VT) an die Siemens AG Österreich verkauft, im Dezember 1992 dann 49 % der VAE (VA Eisenbahnsysteme – alte und junge Aktien). 1993: Die Austria Mikro Systeme International (AMI) wurde im Juli 1993 mehrheitlich durch Verkauf von 74 % über die Börse privatisiert und in austriamicrosystems AG (AMS) (Unterpremstätten) umbenannt. Im November 1993 folgte der Verkauf von weiteren 25 % an der VAE (alte und junge Aktien) über die Börse. Damit befindet sich dieses Unternehmen mehrheitlich im Privatbesitz. Ebenfalls im November 1993 kaufte ein französisches Unternehmen 100 % der .A.S.A. Abfall Service. Im Dezember 1993 schließlich erfolgte der Verkauf von weiteren 48 % an der SGP-VT an die Siemens AG Österreich. 1994: Privatisierung der VA Technologie AG an der Börse (51 %) im Mai 1994. Dies stellt bis dahin die größte Kapitalmarkttransaktion in Österreich dar. Ebenfalls im Mai 1994 gehen 20 % der OMV an IPIC. Dadurch wird der ÖIAG-Anteil an der OMV auf 53 % reduziert. Bis Ende 1994 zieht sich die ÖIAG auf 50 % minus einer Aktie zurück. Die OMV ist mehrheitlich privatisiert. Im Juli 1994 wurden die restlichen 26 % an der AMS durch Privatplatzierung veräußert. Im November 1994 schließlich wurden AT & S (Austria Technologie & Systemtechnik) vollständig verkauft und die restlichen 26 % der VAE werden über die Börse verkauft. 1995: Im März wurden 27,3 % der Böhler-Uddeholm AG über die Börse und die Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG an die österreichische Berndorf AG verkauft. Im gleichen Monat wurde die Schoeller-Bleckmann Edelstahlrohr GesmbH in einem Management-Buy-out veräußert. Im Mai 1995 wurde die Bernhard Steinel Werkzeugmaschinen GmbH, Villingen (Deutschland) und im Oktober 1995 31,7 % der VA Stahl AG über die Börse verkauft. Im Dezember 1995 schließlich wurde die Weiler Werkzeugmaschinen GmbH & Co. KG im Zuge eines Management-Buy-out veräußert. 1996 Februar 1996: Verkauf von 4,6 % an der VA Stahl AG an einen institutionellen Investor. März 1996: 47,7 % der Böhler-Uddeholm AG werden im Zuge eines Secondary Public Offerings über die Börse veräußert. Böhler-Uddeholm ist jetzt mehrheitlich privatisiert. Mai 1996: 14,9 % der OMV AG werden im Zuge eines Secondary Public Offerings über die Börse verkauft. ÖIAG-Anteil an der OMV beträgt nur noch 35 %. Juni 1996: 100-prozentiger Verkauf der GIWOG-Wohnbaugruppe (inklusive Tochtergesellschaften SAG und GEMYSAG) an fünf österreichische gemeinnützige Wohnbaugesellschaften. Juli 1996: Verkauf von 77 % der VAMED an den deutschen Gesundheitskonzern Fresenius und 10 % an die Bank Austria. November 1996: 100-prozentiger Verkauf der VA Bergtechnik an die finnischen Unternehmen Tampella aus Tampere und deren Tochter Tamrock Oy. November 1996: 100 % der Austria Metall AG gehen an die Bietergruppe Hammerer / Constantia Packaging. 1997 Mai 1997: 100 % der Österreichischen Salinen gehen an die Bietergruppe Androsch/RLB OÖ/Thomanek. Juni 1997: 25 % und eine Aktie der Mobilkom Austria AG werden an den strategischen Partner STET International (= Konzerngesellschaft der Telecom Italia) verkauft. Der Verkauf lief über die PTBG (Post- und Telekombeteiligungsverwaltungsgesellschaft). Juni 1997 bis Jänner 1998: Über die PTBG werden insgesamt 4.354.000 Aktien der Bank Austria an der Wiener Börse verkauft. November 1997: Verkauf von 49,5 % an der Austria Tabak über die Börse. 1998 Februar 1998: Weitere 6.269.050 Aktien der Bank Austria werden durch die PTBG verkauft. Oktober 1998: 25 % und eine Aktie der Telekom Austria AG gehen an den strategischen Partner STET International, wiederum durch die PTBG. 1999: März 1999: 9,4 % an der Austria Tabak werden direkt an institutionelle Investoren verkauft (Blocktrade).