Motta di Livenza (venezianisch: Mota) ist eine Gemeinde (comune) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Treviso am Ostrand der oberitalienischen Region Venetien. Sie liegt an der Grenze zum Friaul in einer Schwemmlandschaft, die dort von dem Fluss Livenza durchzogen wird. Über diesen insgesamt 111 km langen Fluss, der bei Caorle in die Adria mündet, bestand schon früh eine Anbindung an den Mittelmeerhandel.

Mottas Geschichte reicht bis in keltische und römische Zeit zurück, wobei sie durch die Lage an der Livenza an den Mittelmeerhandel und an den über die Alpen und ostwärts angebunden war. In der Spätantike und im Frühmittelalter gehörte die Stadt den Reichen der Ostgoten, Langobarden und Franken an, unterstellte sich 1291 der Republik Venedig, der sie endgültig ab 1388 bis 1797 angehörte. Nach mehrfachem Wechsel zwischen napoleonischer und österreichischer Herrschaft kam das Gebiet 1866 an Italien. Während der beiden Weltkriege wurde die Stadt stark zerstört, auch wurde bis in die 1970er Jahre hinein der Stadtkern weitgehend abgerissen.

Geographie Geologie mini|Der Nordosten Italiens mit seinen von den Alpen getränkten Schwemmfächern, Satellitenbild von 2010 Das Gebiet gehört zu den großen Schwemmfächern (megafan), den vor allem die Flüsse zwischen Piave und Tagliamento bilden – dabei durchzieht die Livenza das Gebiet zwischen diesen beiden Schwemmfächern. Die Wässer fließen aus den umgebenden Gebirgszügen aus bis zu 1800 m über dem Meeresspiegel bis zur Küste, wobei sie vielfach in ein komplexes Lagunensystem münden. Infolgedessen entstand ein Schwemmland, das zeitlich weit ins Holozän und partiell bis ins Pleistozän zurückreicht. Dieses birgt in den oberen Metern große Mengen organischen Materials, in den tieferen vornehmlich Sand feinen bis mittelgroben Charakters, Schluff und Silt. Das Gleichgewicht zwischen Ablagerung und Erosion wurde im 19. Jahrhundert durch menschliche Eingriffe verändert.

Die Morphologie weist zwar einen allgemeinen Höhenverlauf auf, der sukzessive zum Meer hin abfällt, ist aber auch durch einen Hauptflusshügel mit geringer Höhe gekennzeichnet, durch die die Livenza fließt. So sind die Gebiete entlang der Flüsse seit langem stärker miteinander verbunden, als die Flussgebiete untereinander. Die Bonifikationen ab dem 19. Jahrhundert betrafen vor allem das Hinterland, aber auch Teile der Lagunenränder, erstreckten sich aber auch entlang der Flussläufe, während die sandigen Gebiete dazwischen weniger betroffen waren. Die Höhe der Erhebungen entlang des Livenza-Ufers variiert zwischen etwa 10 m im nördlichen und bis etwa 5 m im südlichen Abschnitt. Die Höhenunterschiede liegen bei 5–7 m im Vergleich zur umgebenden Landschaft. Der beständige Zulauf von Gebirgswasser durch die Livenza und auch durch kleinere Flüsse hat zur Folge, dass die für küstennähere Gebiete typische Gefahr der Bodenversalzung äußerst gering ist. Dies ist für die Landwirtschaft von größter Bedeutung. Dabei ist dieses Gleichgewicht überaus fragil und muss bei Baumaßnahmen, etwa von Straßendämmen, Wasserleitungen und Aquädukten, Kanälen, Gräben und Eisenbahnstrecken berücksichtigt werden.Omar Fagarazzi: Relazione geologica, San Stino di Livenza, o. J. (online, PDF).

Nachbarkommunen, Gemeindestruktur Im Norden grenzt Motta an Meduna di Livenza, im Nordwesten an Gorgo di Monticano, im Westen an Chiarano, im Süden an Cessalto, im Südosten an San Stino di Livenza, schließlich im Osten an Annone Veneto. Die Gemeinde, die sich durchschnittlich 9 m über den Meeresspiegel erhebt (mit Schwankungen zwischen 2 und 11 m), erstreckt sich über eine Fläche von 37,78 km². mini|Die Livenzabrücke im Jahr 1917 Motta und die zu dem Städtchen gehörenden Ortsteile entstanden im Umfeld der Livenza, des Flusses, der für den Handel von größter Bedeutung war. Dabei lässt die Struktur zwei Zentren erkennen, eines unmittelbar am alten Flusslauf der Livenza, Livenza vecchia genannt, das zweite weiter westwärts. Während der Westteil um die Kirche Madonna dei Miracoli entstand, bildete der Dom den Kern des älteren Stadtteils.

Die Kommune besteht aus den Ortsteilen San Giovanni, Malintrada, Villanova und Lorenzaga. Eine Reihe von Ortsteilen und frazioni kennzeichnet das verstreute Städtchen, von denen sich die meisten westlich der Livenza, also auf der rechten Flussseite befinden, sieht man von Lorenzaga ab. Neben Motta selbst sind Meduna di Livenza im Norden und Lorenzaga weiter flussabwärts (auf der linken Seite der Livenza) hervorzuheben, wobei Lorenzaga seit 1485 Teil des Gebietes von Motta ist.

Ebenso wie Lorenzaga lässt sich San Giovanni (flussaufwärts) mindestens bis 148 v. Chr. zurückverfolgen, also bis zum Bau der Via Postumia. Der Ortsteil, die frazione, erhielt ihren Namen nach der ersten Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht war und die im frühen 4. Jahrhundert entstand. 452 wurde der Ort samt Kirche von den Hunnen unter Attila zerstört, erneut von den Ungarn am Ende des 9. Jahrhunderts.

Malintrada, südwestlich von Motta gelegen, ist mit seinen etwa 850 Einwohnern die jüngste der frazioni von Motta. Erst 1992 wurden die Siedlungen entlang der Strada provinciale nach Chiarano in den Rang einer Frazione erhoben. Unbesiedelt war das Gebiet dennoch nicht. So wurden Münzen aus römischer Zeit in Redigole Vecchia gefunden, die sich heute im Museum von Oderzo befinden. Der Nane, etwa ‚Schlechter Zugang‘, bezog sich auf das große Moor von Motta. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog für begrenzte Zeit die Stadtverwaltung von Motta in den unzerstörten Ortsteil um.

Flora und Fauna Die Flora entlang der Livenza stellt eine zuweilen schüttere Ufervegetation dar. Die dort vertretenen Baumarten sind vor allem Weiden, Pappeln und Schwarzerlen, die in einigen Abschnitten mit mehr oder weniger erhaltenen Beständen von Eichen, Ulmen oder Eschen verbunden sind. Meist besteht eine dichte Strauchvegetation aus Hartriegel, Viburnum, Weißdorn, aber auch Hopfen, Waldreben und Liguster. Das Schwemmland jenseits der Flussufer wird teilweise von krautigen Graslandschaften beherrscht, die aus Gründen des Gewässerschutzes geschützt sind. Das Gleiche gilt für die Böschungsbereiche. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft hat allerdings zum Verschwinden des Artenreichtums beigetragen (Piano delle acque comunale – Motta di Livenza (TV). Verifica di Assoggettabilità alla procedura VAS. Rapporto Ambientale Preliminare, Motta di Livenza 2018, S. 111). Dementsprechend artenarm sind die unmittelbar agrarwirtschaftlich genutzten Gebiete. In den weniger intensiv oder traditioneller genutzten Gebieten, etwa nördlich des Monticano, bestehen noch ganze Heckensysteme, die dem Artenreichtum zugutekommen.

Ähnliches gilt für die Fauna, die über Jahrzehnte verarmte. Dabei sind die Schmetterlingspopulationen regelrecht eingebrochen. Parks existieren im Gemeindegebiet nicht, doch bestehen kleine Schongebiete, wie im südlichen Monticano, die allerdings keinerlei Verbindung zueinander aufweisen. Dabei handelt es sich um Zone di Protezione Speciale und Siti di Importanza Comunitaria, wie der Flusslauf der Livenza, oder der des unteren Monticano im Süden der Gemeinde. Pflanzengemeinschaften wie Ranunculion fluitantis spielen inzwischen eine zentrale Rolle, denn derlei Inseln sollen wieder stärker über Korridore miteinander in Verbindung gebracht werden, wobei Pufferzonen eine erhebliche Rolle zukommt.

Geschichte

Entstehung in der Antike: Veneter, keltische Carni, Römer mini|Keltische Stämme in Oberitalien Die Stadt hat zwar römische Wurzeln, doch war das Gebiet zuvor von Kelten (links der Livenza) und Paläovenetern bewohnt. Der Fluss Livenza, der die Gebiete dieser beiden Gruppen trennte, war ein wesentlicher Grund, an dieser Stelle eine Stadt zu gründen. Veneter lassen sich aber nicht nur an der Livenzabrücke belegen (Motta), sondern auch dort, wo der Monticano in die Livenza mündet. Dieses überschwemmungssichere Gebiet war bereits in der Eisenzeit besiedelt. mini|Bartolomeo Montagna: Darstellung des frühesten in der Region tätigen Bischofs Prosdocimus aus dem frühen 16. Jahrhundert 42 v. Chr. besetzten die Römer das keltische Gebiet, wobei dort der Stamm der Carni siedelte. Bereits 148 v. Chr. hatten die Römer die Via Postumia gebaut, eine Brücke überquerte die Livenza. Dort entstand der Kern einer Stadt, die im Jahr 313 den Namen Johannes des Täufers annahm. Der Stadtteil Lorenzaga, auf der anderen Seite der Livenza, entstand erst wenige Jahrzehnte vor Christi Geburt. Die dominierenden Städte der Region waren allerdings Opitergium und Concordia. Der Legende nach soll der hl. Markus den Bischof Prosdocimo eingesetzt haben, um das Evangelium zu predigen. Dabei erschien er auch im späteren Motta.

Zufällige archäologische Funde bestätigen die römische Anwesenheit, so etwa eine Säule aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts aus Motta. Auch fand sich ein (verschollenes) Schwert vom Typ Sauerbrunn. In Villanova wurde ein Pflug aus dem 2. Jahrhundert entdeckt, ebenso wie Gefäße, darunter eine Amphore.Piano delle acque comunale – Motta di Livenza (TV). Verifica di Assoggettabilità alla procedura VAS. Rapporto Ambientale Preliminare, Motta di Livenza 2018, S. 126.

Ostgoten, Langobarden (5. Jahrhundert bis 774) Mit der Auflösung des Weströmischen Reiches fiel das Gebiet zunächst an Odoaker (476), danach an die Ostgoten unter Theoderich I. Im Verlauf der Eroberung durch das Oströmische Reich unter Justinian dürfte auch Motta spätestens in den 550er Jahren wieder römisch geworden sein.

Doch bereits kurz nach dem Einzug der Langobarden in Italien, vielleicht im Jahr 569, erschienen neue Eroberer an der Livenza. Dabei wurde das Territorium geteilt, denn für knapp ein Jahrhundert blieb das Gebiet östlich des Flusses oströmisch-byzantinisch. Mit der Eroberung auch dieses Gebietes im Jahr 664 entstand bis 774 ein zusammenhängendes Territorium bis zum Ende des Langobardenreichs.

Franken (ab 774), Aufspaltung (Bistum Ceneda, Patriarchat Aquileia) Das Gebiet rechts der Livenza fiel mit der Eroberung des Langobardenreiches an die Franken, bzw. die Bischöfe und Grafen von Ceneda, später der Da Camino (nach 1000). Das Gebiet links des Flusses kam hingegen an das Patriarchat Aquileia, womit diese Gebietsteilung sich erneut einstellte. Erst 1204 kam es zu einem Friedensschluss, aus dem die Marca Trevigiana als politische Einheit hervorging, die Mark Treviso. mini|links|Das Patriarchat Aquileia um 1250 Im 10. Jahrhundert wurde eine Burg mit mindestens vier Türmen errichtet, denn die Siedlung hatte keine Ummauerung. Geschützt war sie nur durch die Flussläufe und einen Kanal. Ab 936 soll der Dom entstanden sein, der im 16. Jahrhundert neu gebaut wurde. Grabungen am Ende des 20. Jahrhunderts erwiesen eine Besiedlung rund um den Dom mit dichter Bebauung spätestens seit dem 14. Jahrhundert. Mangels weiterer Grabungen lässt sich der Umfang der älteren, etwa der antiken Siedlung nicht ermessen.

Die Stadt lebte zunehmend vom wachsenden Handel zwischen der Metropole Venedig und den Städten jenseits der Alpen, was dazu führte, dass neben dem Stadtzentrum um den Dom ein zweiter Stadtkern entstand. Doch nicht nur der Handel verband die Orte an der Livenza mit der Adria und damit mit Venedig, sondern auch unmittelbarere Beziehungen. So geht aus einer Urkunde Kaiser Ottos I. hervor, dass eines der bedeutendsten Klöster Venedigs, San Zaccaria, in der Gemeinde Lorenzaga Grundbesitz erhalten hatte, Äcker und Weinberge. Auch der Doge Pietro IV. Candiano und seine zweite Ehefrau Waldrada besaßen in der Region Grund. Er ließ das „castrum“ von Oderzo zerstören, das das Hinterland von Piave und Livenza beherrschte, und damit die ostalpinen Handelswege. Um 1064 besaß das Kloster San Zaccaria nicht nur Güter in Motta, sondern auch in Lorenzaga.

Republik Venedig (1291–1797) mini|hochkant=1.2|Basilica Madonna dei Miracoli