Das Schocken (im bayerischen Oberland auch Pfrandern) ist ein besonders in Westfalen und im Rheinland verbreitetes Würfelspiel, das in Kneipen als Trinkspiel von mindestens zwei Spielern gespielt wird. Dabei ist es üblich, dass der Verlierer eines Spiels die nächste Runde Bier bezahlt. In Hessen ist dieses Spiel auch unter dem Namen Jule, in Niedersachsen auch als Mörkeln oder Knobeln, in Schleswig-Holstein und Hamburg als Maxen (nicht zu verwechseln mit Mäxchen) und in der Städteregion Aachen als Meiern bekannt. Der Spiegel bezeichnet es als das Würfelspiel des Reviers.Klaus Brinkbäumer: Der Chef und sein Boss. In: Der Spiegel. Nr. 41, 6. Oktober 2003.

Beschreibung Die Spielweise ist von Region zu Region unterschiedlich, daher wird an dieser Stelle nur eine von vielen Varianten näher beschrieben. Abweichungen, sofern bekannt, sind als Ergänzung in Klammern hinzugefügt.

Vorbereitung / Spielmaterial mini|hochkant=0.8|Schockbesteck mit 13 Strafsteinen, darunter der größere Markierungsstein der 1. Hälfte Jeder Spieler erhält einen Würfelbecher und drei Spielwürfel. Weiterhin werden für die Verteilung der „Strafpunkte“ 13–17 Spielsteine oder auch Bierdeckel sowie idealerweise ein zusätzlicher andersartiger Markierungsstein benötigt, der im Saarland als Huub bezeichnet wird (häufig ein halber, durchgebrochener Bierdeckel). Letzterer wird dafür verwendet, den Verlierer der ersten Hälfte zu markieren. Häufig kommt ein Besteck zum Einsatz, das aus den Spielsteinen sowie einer Vorrichtung zu ihrer Aufbewahrung besteht.

Struktur des Spiels Ein gesamtes Spiel besteht aus zwei Hälften, bei Bedarf einem zusätzlichen Finale, einer Art Stechen, sofern die Hälften von zwei unterschiedlichen Spielern verloren wurden. Eine Hälfte oder auch das Finale besteht aus mindestens einer, meistens jedoch mehreren Spielrunden und ist dann beendet, wenn einer der Spieler sämtliche Spielsteine gesammelt hat. Dieser Spieler hat damit diesen Teil des Spieles verloren. Verliert ein Spieler beide Hälften einer Runde, nennt man das in der Regel einen Blattschuss.

Spielablauf einer Hälfte oder des Finales In einer einzelnen Runde wird reihum gewürfelt. Sie wird von dem Spieler begonnen, der die vorangegangene Runde verloren hat. Wird das Spiel frisch gestartet, kann durch einfaches Auswürfeln entschieden werden, wer anfängt. Der erste Spieler kann nun, nachdem sämtliche Spieler ihren ersten Wurf getätigt haben, ohne dabei ihren Würfelbecher umzudrehen, bis zu insgesamt dreimal würfeln. Dabei ist, unabhängig von der Anzahl der Würfe, entscheidend, dass der jeweils zuletzt getätigte Wurf der nachfolgenden Spieler vom Becher verdeckt bleibt. Dies ist für den ersten Spieler nur für den evtl. dritten Wurf verbindlich. Entscheidet sich also der erste Spieler dafür, den ersten Wurf „stehen zu lassen“, ist für die übrigen nicht ersichtlich, welche Augenzahlen sich unter ihrem eigenen Becher verbergen. Die vom ersten Spieler vorgegebene Anzahl der Würfe ist für alle weiteren Mitspieler verbindlich und darf in dieser Runde nicht mehr überschritten werden.

Entscheidet sich der erste Spieler nach dem Betrachten seines ersten Wurfes dafür, weiterzuspielen, ist es seine freie Entscheidung, ob, und wenn ja, welche und wie viele Würfel er auf dem Tisch stehen lässt, um nach seinem letzten Wurf einen möglichst hohen Gesamtwurf zu erhalten. Ist sein Becher zum dritten Mal umgedreht oder hat er vorzeitig entschieden, dass sein Gesamtwurf ihm genügt, ist der nächste Spieler an der Reihe. Sofern nicht ein einziger Wurf die Vorgabe ist, dreht dieser nun seinen Becher um und betrachtet seinen ersten Wurf. Danach erfolgt der Ablauf analog zum ersten Spieler, bis die Runde mit dem letzten Wurf des letzten Spielers beendet ist.

Abschließend wird der Reihe nach „aufgedeckt“ und geprüft, welcher Spieler den jeweils höchsten bzw. niedrigsten Wurf insgesamt hat. Bei Übereinstimmungen gilt der spätere Wurf der Runde als „nachgelegt“ (oftmals angewandte Redewendung hier: „Mit ist Schitt“) und somit als geringwertiger (es sei denn, er schafft denselben Wurf mit weniger Würfen). Nun bestimmt der höchste Wurf, welche Anzahl von Strafpunkten (vgl. Tabelle unten) der Spieler mit dem niedrigsten Wurf erhält. Dabei wird, solange noch Spielsteine im ursprünglichen Stock vorhanden sind, aus ebendiesem verteilt, danach erhält der Verlierer einer Runde seine Strafsteine vom entsprechenden Gewinner. Die erhaltenen Strafsteine legt der entsprechende Spieler offen vor sich ab. Sind nicht mehr genügend Steine im Stock oder beim Gewinner verfügbar, so erhält der Verlierer lediglich sämtliche Steine, die noch vom Gewinner vergeben werden können.

Eine Ausnahme stellt dabei der so genannte Schock aus (1,1,1 – s. Tabelle) dar, bei dem der Verlierer sofort sämtliche Strafsteine erhält und damit die Hälfte oder das Finale verloren hat.

Sind aus dem Stock sämtliche Spielsteine verteilt, müssen nur noch diejenigen Spieler die Hälfte zu Ende spielen, die bereits Strafpunkte gesammelt haben. Das Finale wird nur von den betroffenen zwei Spielern ausgespielt.

Bewertung der Würfe In aufsteigender Reihenfolge gilt:

Bezeichnung BeispieleAnzahl StrafsteineBezeichnung im RheinlandBezeichnung in HessenBezeichnung in WestfalenBezeichnung in der PfalzBezeichnung in SH/HHBezeichnung im SaarlandBezeichnung in NiedersachsenEinfacher Wurf2,2,1 (bzw. 5,2,1); 6,2,1 … bis 6,6,51 StrafsteinHausnummer (2,2,1 heißt auch „DDR-Schock“ oder „Honecker“, in der Region Düsseldorf bis Köln und im Lipperland auch als „Schalke“ oder „Bonekamp“). Der höchste einfache Wurf (665) heißt im Rheinischen mancherorts „Siebzig“.Einfacher Wurf (2,2,1 wird auch als „Pipi“ oder „Honecker“ bezeichnet)3,3,1 heißt in Porta Westfalica auch „Rekort“ Im Münsterland (Lüding­hau­sener Raum) heißt der niedrigste Wurf (2,2,1) auch „Willi Landgraf“

2,2,1 wird im Westmünsterland auch als „Aal“ bezeichnet. (2,2,1 wird auch als „Mini Max“ bezeichnet)

2,2,1 heißt auch „Engbert“.Straßen1,2,3 bis 4,5,62 bis 3 StrafsteineStraße (bzw. Stroß)StraßeStreet, StraßeStraßeStraßeStraße (bzw. Stroß)StraßeGeneräle2,2,2; 3,3,3 … bis 6,6,63 StrafsteineBombe, Jenny, Ochse, Pasch (6,6,6 auch als „drei Deutsche“)Drei Dicke, Jenny, der Name der Mutter und die Höhe der Zahl (Elke 4)Kacka, General, Pasch, Drei Harte, General Major, BombeBock, Brattsch, JennyHarterGeneral (engl. ausgesprochen), JennyGeneralSchock 2 bis 61,1,2; 1,1,3 … bis 1,1,62 bis 6 Strafsteine,je nach Höhe des SchocksSchock 2 bis 6 (Schock 2 wird auch als „Schock Doof“ bezeichnet)Max 2 bis 6, Schock 2 bis 6 (Schock 2 wird auch als „Schock Doof“ bezeichnet)Schock 2 bis 6 (Schock 2 wird auch als „Schock Doof“ oder als „Erdbeerschock“ bezeichnet)Schock 2 bis 6 (Schock 2 wird auch als „Schock Doof“ bezeichnet)Max 2 bis 6Schock 2 bis 6 (Schock 2 wird auch als „Schock Doof“ bezeichnet)Schock 2 bis 6 (Schock 2 wird auch als „Schock Doof“ bezeichnet)„Schock Aus“1,1,1sämtliche Strafsteine„Schock Out“, Aus, Outie heraus, Meier-Aus„Schock Out“, Aus, Schock, Moor, LuftschockOut/Aus oder Schock Out/Aus, Luftschock (sofern in einem Wurf erzielt)„Schock Aus“ oder „Aus“General oder Max AusSchock Aus„Schock Out“ oder „Schock Laule“Block6,4,10Block

Besonderheiten und regionale Zusatzregeln Bewertung der Würfe Bei der Bewertung der Straßen gibt es mehrere Varianten: Im ersten Fall sind sie aufsteigend sortiert (2,3,4 höher als 1,2,3 usw.), im zweiten Fall sind alle Straßen gleichwertig. Hinzu kommt die Variante, bei der die zuerst gewürfelte Straße höher gewertet wird. Verbreitet ist auch die Variante, dass die Wertigkeit der Straße sich danach richtet, mit welchem Wurf sie erzielt wurde (Straße im ersten Wurf ist höher als Straße im zweiten Wurf).

In einigen Regionen wird der Wurf 4,2,1 als Jule oder auch scharfe Sieben bezeichnet. Er wird in der Wertigkeit zwischen Schock-Sechs und Schock-Aus eingereiht und mit sieben Strafsteinen bewertet.

Nach den Standardregeln ist 2,2,1 der schlechteste Wurf. Ihm kommen jedoch regional unterschiedliche Bedeutungen zu. In der Umgebung von Trier, wo er die Hille genannt wird, muss ein Spieler, der ihn „Hand“ wirft, sofort eine Runde ausgeben. In anderen Regionen gilt 2,2,1 als Neuner, der als zweithöchster Wurf eingeordnet und mit neun Strafsteinen bewertet wird. Im westfälischen Raum wird dieser Wurf in einigen Regionen auch als Siebener (sieben Strafsteine) und der Wurf 3,3,1 als Achter (acht Strafsteine) bewertet. Im ostwestfälischen Raum wird dieser Wurf auch als Nutte bezeichnet und mit neun Strafsteinen bewertet.

Regionale Unterschiede bestehen bei der Bewertung, wenn in einer Wurfrunde als höchster Wurf ein Schock 2 und dazu noch ein General gewürfelt wurden. Je nach Regelauslegung wird der General als höherer Wurf gewertet, da er einen Wert von drei Spielsteinen besitzt (im Vergleich zu den zwei Spielsteinen des Schock 2).

Regionale Bewertungen und Zusatzregeln Dortmund In Dortmund wird üblicherweise mit 2 Hälften mit jeweils 13 Deckeln gespielt. Es wird zu Beginn die erste Hälfte und dann die zweite Hälfte ausgespielt. Verliert ein Spieler beide Hälften, hat er das Spiel verloren. Verlieren zwei Spieler je eine Hälfte, müssen diese einen Spielverlierer ausspielen. Spieler, die unaufmerksam sind und nicht aufpassen, können sich auch in Spiele, aus denen sie nach der Verteilung der Deckel vom Baum schon ausgeschieden sind, wieder einwürfeln. Das gilt auch für die Entscheidung um das Gesamtspiel. Ittop-sche Regel: „Wenn du die Würfel verwirrst, dann würfelst du was du brauchst“.

Zusatzwürfe und Bezeichnungen

Die erste Runde beginnt häufig klassisch, d. h. es gelten nur Schocks. Die Zusatzwürfe 4,2,1, 2,2,1 und 3,3,1 werden vor dem Spiel vom jeweiligen Verlierer der Vorrunde angesagt, um ihre Wertigkeit zu erhalten. Anschließend erhält man bei einer Jule (4,2,1) als Verlierer 7 Strafsteine, beim Kurler Busch (2,2,1) 9 Strafsteine und beim Drei-Einunddreißig (3,3,1) 10 Strafsteine.

Falls die 2,2,1 nicht angesagt wurde und somit der schlechteste Wurf im Spiel ist, wird dieser als Nutte, Gurke oder Lünen-Süd bezeichnet. In manchen Kneipen wird der Wurf Jule als Bochumer Krankheit bezeichnet und abgelehnt. Darüber hinaus gibt es noch die Variante mit 2 Würfeln, bei welcher der dritte Würfel fiktiv ist und in die eigene Rechnung durch den Spieler ergänzt werden muss. Bsp: 6, 4 gewürfelt + fiktive 5 = Straße. Der Schock Aus wird umgangssprachlich gerne als Zwölf-Deckel-Trick oder Dreizehn-Deckel-Trick bezeichnet. Der General wird mancherorts auch als Bombe bezeichnet. Der Schock-2 wird häufig Schock-Doof genannt.

Pflücken

In einigen Knobelrunden wird vor dem Spiel angesagt, ob mit Pflücken oder ohne Pflücken gespielt wird. Bei ersteren dürfen Zusatzwürfe, Straßen, Generäle und Nummernwürfe zusammengeworfen werden. Bei weiteren zählen die Würfe, welche aus der Hand geworfen wurden, je nach Augenhöhe mehr.

Bsp. Pflücken: Spieler 1: 3,3,3 (zusammengelegt), Spieler 2: 2,2,2 (aus der Hand) – Spieler 2 liegt mit seinem General-2 tiefer als 1 mit seinem General-3 und verliert

Bsp. ohne Pflücken: Spieler 1: 3,3,3 (zusammengelegt), Spieler 2: 2,2,2 (aus der Hand) – Spieler 1 hat gepflückt und somit nur den Nummernwert 3,3,3, während 2 einen General-2 hat.

Blind

Bei Blind wird im ersten Wurf geworfen, Blind angesagt und anschließend bei Beendigung der Runde hochgehoben. Es darf vom Spieler, der Blind angesagt hat, kein zweites Mal geworfen werden. Der Wurf zählt als höchster Wurf doppelt an Strafsteinen.

Weitere Spielwechsel

Selten wird in Knobelrunden je nach Ansage des Verlierers zu anderen Würfelspielvarianten wie Lügen oder Böse-16 gewechselt.

Bochum In manchen Bochumer Kneipen gibt es eine Variante mit 27 Strafsteinen.

Darüber hinaus wird auch eine Variante gespielt, bei der 2,2,1 als „Baby Schock“ bezeichnet wird. Wird dieser Wurf im Finale in der letzten Runde aus der Hand geworfen, sticht er sogar einen „Schock Out“ und wird als „Baby Schock Out Hand“ bezeichnet.

Soest