mini|250px|Das Logo der Filmgesellschaft United Artists (UA), auch United Artists Pictures, United Artists Films oder (nach dem Börsengang 1957) United Artists Corporation genannt, ist eine US-amerikanische Filmgesellschaft. Sie wurde 1919 mit der Absicht gegründet, Filmschaffenden mehr kreative Freiheit zu gewähren – wie zum Beispiel Unabhängigkeit von Filmproduzenten. Seit 2023 ist sie ein Tochterunternehmen von Amazon MGM Studios.
Geschichte Zusammenfassung mini|Fotomontage: Unterzeichnung des Gründungsvertrags von United Artists; v. l. n. r.: D. W. Griffith, Mary Pickford, Charlie Chaplin und Douglas Fairbanks, im Hintergrund zwei Anwälte mini|Liste der Aktionäre von United Artists am 16. März 1920
United Artists (UA) wurde am 5. Februar Mary Pickford Foundation 1919 von den Stummfilmgrößen Charles Chaplin, Douglas Fairbanks Sr., Mary Pickford und David Wark Griffith gegründet. Zuerst war United Artists nur ein Vertrieb für unabhängige Filmproduktionen der beteiligten Künstler – daher auch der Firmenname –, welche ohne die Abhängigkeiten von Produzenten z. B. im Studiosystem drehen wollten. Doch schließlich entwickelte sich die UA in den 1950er Jahren zu einem Studio, das selbst Filme produzierte. Verantwortlich für die Veränderung der Geschäftspolitik waren die neuen Eigentümer unter Führung von Arthur Krim und Robert Benjamin.
Bis 1967 war UA ein selbständiges Unternehmen unter der Leitung verschiedener Manager und einer wechselnden Eigentümerstruktur. 1957 ging das Studio an die Börse, zehn Jahre später erwarb das Versicherungsunternehmen Transamerica Corporation die Mehrheit an der Filmgesellschaft. Nach dem finanziellen Misserfolg des Films Heaven’s Gate wurde UA 1981 an Kirk Kerkorians Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) verkauft. Seither wird das Studio als Tochterunternehmen von MGM und dessen wechselnden Eigentümern kontrolliert. Damit einher gingen auch Wechsel in der firmenpolitischen Ausrichtung von UA.
2005 erwarb ein von der Sony Corporation of America geführtes Konsortium MGM und damit auch UA. Das Studio ist seitdem Teil des Konzernbereichs Sony Pictures Entertainment. Ab 2007 wurde UA von dem Schauspieler Tom Cruise und der Produzentin Paula Wagner geleitet. Wagner verließ das Studio im August 2008.Paula Wagner plans to step down at United Artists, Artikel von Claudia Eller in der Los Angeles Times vom 14. August 2008, abgerufen am 1. November 2008.
Gründung des Verleihunternehmens mini|Erstes UA-Logo von 1919 mini|alternativtext=Aktie der United Artists Studio Corporation über 999 Anteile zu je 100 $, ausgestellt am 4. September 1929 auf Mary Pickford Fairbanks und rückseitig im Original von ihr unterschrieben (unteres Bild)|Aktie der United Artists Studio Corporation über 999 Anteile zu je 100 $, ausgestellt am 4. September 1929 auf Mary Pickford Fairbanks und rückseitig im Original von ihr unterschrieben (unteres Bild) Die Gründung von United Artists war eine Reaktion auf Versuche der damals führenden amerikanischen Filmproduzenten, ein Kartell zu bilden und die in ihren Augen überhöhten Gagen von Schauspielern und Regisseuren zu senken. Als Charles Chaplin, Douglas Fairbanks sen., Mary Pickford und David Griffith 1918 von diesen Plänen erfuhren, entstand die Idee, eine Firma ins Leben zu rufen, die den Künstlern die Kontrolle über ihre eigenen Kinofilme ermöglichen und ihre unabhängigen Filmproduktionen vertreiben sollte. Die formelle Gründung fand am 17. April 1919 statt. Hiram Abrams wurde der erste Präsident des Unternehmens.
Es wurde vereinbart, dass UA alle künftigen Filme der vier Gründungsmitglieder in den Verleih bringen sollte. Bevor es aber dazu kam, mussten sie zunächst ihre Verpflichtungen gegenüber ihren bisherigen Studios erfüllen. Der erste Vertrag sah vor, dass jeder Teilhaber des Unternehmens fünf neue Kinofilme pro Jahr produzieren sollte. Der wachsende Aufwand und die damit steigenden Kosten von Filmproduktionen machten dies aber illusorisch. Zur geringen Zahl an exklusiven Produktionen kamen die hohen Fixkosten des Filmverleihs. Daher verkaufte David Griffith 1924 seinen Anteil an UA den drei übrigen Teilhabern.
1925 wurde mit Joseph Schenck ein erfahrener Produzent als Präsident des Unternehmens verpflichtet. Er schloss noch im selben Jahr Verträge mit unabhängigen Filmproduzenten wie Samuel Goldwyn, Howard Hughes, Walt Disney, Alexander Korda, Walter Wanger und Darryl F. Zanuck, die ihre Filme nun über UA in den Verleih brachten. Außerdem sollten Schencks familiäre Verbindungen – dazu zählten seine Frau Norma Talmadge, deren Schwestern Constance Talmadge und Natalie Talmadge und deren Ehemann Buster Keaton – dazu beitragen, den jährlichen Filmoutput zu steigern.
UA erhielt für den Verleih von Filmen eine Gebühr, die niedriger war als bei den übrigen Filmgesellschaften Hollywoods. Anders als UA waren diese auch meist im Besitz von Kinotheatern. Schenck überzeugte die Firmeninhaber von der Notwendigkeit, eigene Kinos zu betreiben und gründete die eigenständige Tochterfirma United Artists Theatres.
Zusammen mit Darryl F. Zanuck gründete Schenck 1933 die Filmproduktionsfirma 20th Century Pictures. Auch deren Filme wurden bis 1935 über United Artists verliehen, als die 20th Century mit der Fox Film Corporation zur 20th Century Fox fusionierte.
Zwischen den drei übrig gebliebenen Gründern entstanden in den 20er und 30er Jahren Differenzen über die Ausrichtung der Firma. Mit der Erfindung des Tonfilms endeten die Karrieren von Fairbanks und Pickford. Chaplin nahm sich viel Zeit für neue Filmproduktionen und stellte erst 1940 mit Der große Diktator seinen ersten reinen Tonfilm her.
Transformationsphase In den 1940er Jahren verließen viele unabhängige Produzenten das Verleihunternehmen. Dadurch sank die Anzahl an verliehenen Filmen, und UA fuhr Verluste ein.
Im Februar 1951 übernahmen zwei neue Manager die Leitung der Filmfirma: Arthur Krim und Robert Benjamin vereinbarten mit den verbliebenen Eignern, Mary Pickford und Charlie Chaplin, dass sie die Geschäfte von UA fünf Jahre lang führen sollten. Wenn das Verleihunternehmen dann profitabel gewesen wäre, sollten beide die Möglichkeit erhalten, es zu erwerben. Da Mary Pickford nach dem Ende ihrer Schauspielerkarriere nichts zu verlieren hatte, war sie mit dieser Vereinbarung einverstanden. Chaplin verkaufte seine Anteile an UA erst, nachdem er Probleme mit der US-amerikanischen Einwanderungsbehörde bekommen hatte und um sein Vermögen in den USA fürchten musste.
Mit der Neuausrichtung des Unternehmens durch Krim und Benjamin stieg die Zahl der jährlichen Neuproduktionen. Dazu kamen neue wirtschaftliche und künstlerische Beziehungen zu Produzenten wie Walter Mirisch, Alberto Grimaldi, Michael Todd und Harold Hecht, zu Regisseuren wie Stanley Kramer, Billy Wilder, Stanley Kubrick, John Frankenheimer, Norman Jewison, Joseph L. Mankiewicz, Sergio Leone und John Huston sowie zu Darstellern wie Burt Lancaster, Steve McQueen und Gregory Peck.
1957 ging UA an die Börse und firmiert seitdem als United Artists Corporation. Die durch den Börsengang eingenommenen Gelder wurde in den Aufbau einer Musik- und einer TV-Sparte – United Artists Records und United Artists Television – gesteckt. 1966 bauten die Musikproduzenten Sonny Lester und Phil Ramone das Sublabel Solid State auf, das bis 1969 bestand.
Mit einem zuerst auf sechs Filme ausgelegten Distributionsvertrag mit den Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman und deren Produktionsfirma Eon Productions Ltd. begann die Symbiose zwischen United Artists und James Bond. Eine weitere Filmreihe hat ebenfalls in diesem Jahrzehnt ihren Ursprung: die Pink-Panther-Reihe (die ersten beiden Teile wurden von der Mirisch Corporation produziert und nur von UA verliehen).
Mit Gründungen von Tochterunternehmen in Frankreich (Les Productions Artistes Associés) und Italien (Produzioni Europee Associati (PEA)), die sich zugleich der Produktion von lokalen Kinofilmen widmeten als auch den Vertrieb dieser und anderer Filme (für die UA Distributionsverträge abgeschlossen hatte) übernahmen, wuchs die Marktmacht des Unternehmens auch auf dem europäischen Kontinent.
Besitzerwechsel 1967 erwarb der Konzern Transamerica Corporation UA mit dem Ziel, einen Mischkonzern zu schaffen, dessen Tochterunternehmen unterschiedliche Wertschöpfungsketten aufweisen und nicht miteinander im Wettbewerb stehen. Andererseits sollte das glamouröse Image des Filmunternehmens auf die Muttergesellschaft abstrahlen.
1973 wechselte der UA-Vertriebschef Eric Pleskow auf den Posten des Präsidenten der Filmgesellschaft. Mike Medavoy wurde der Produktionschef des Unternehmens. Medavoy löste David Picker ab. Dieser war als unabhängiger Produzent an den Kinofilmen Lenny, Lauter nette Mädchen und 18 Stunden bis zur Ewigkeit für die UA verantwortlich.
Die Manager der Filmfirma UA gaben mit der Übernahme ihre Autonomie auf. Das Management der Filmfirma bedauerte den Verkauf an die Transamerica Corporation sehr. Vergeblich wurde immer wieder versucht, die Geschäftsleitung der Mutterfirma von einer Trennung zu überzeugen. Als am 16. Januar 1978 ein Artikel über das Scheitern der Trennungsverhandlungen und die Zusammenarbeit der beiden Firmen miteinander im Magazin Fortune erschienen war, trat die fünfköpfige Führungsriege der UA wenige Tage später zurück. Zusammen mit Warner Bros. wurde sofort die Gründung der Orion Pictures Corporation bekannt gegeben.
Von 1951 bis zum Jahr des Ausstiegs aus dem Unternehmen wurde UA von Arthur Krim als Vorstandsvorsitzenden geführt. Das nun folgende Management setzte sehr stark auf die Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Cimino (dessen letzter Film Die durch die Hölle gehen mit mehreren Oscars ausgezeichnet wurde) bei der Produktion des Filmes Heaven’s Gate. Die sich hinziehenden Dreharbeiten trieben das Budget des Westerns in die Höhe. Aber die neue Mannschaft der UA wollte nicht in die Autonomie des Filmemachers eingreifen – mit gravierenden Folgen für die Zukunft des Unternehmens.
Während der 1970er Jahre stellte UA drei Jahre nacheinander den Oscar-Gewinner in der Kategorie Bester Film: 1976: Einer flog über das Kuckucksnest 1977: Rocky 1978: Der Stadtneurotiker Für diesen Filmoutput war noch das alte UA-Management unter Arthur Krim, Robert Benjamin, Eric Pleskow, Mike Medavoy und Bill Bernstein verantwortlich.
Übernahme durch Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) 1980 wurde die Firma nach dem Flop mit Heaven’s Gate und einer Rückbesinnung des Firmenbesitzers Transamerica Corporation auf seine Kernfelder Versicherung und Finanzgeschäfte an MGM verkauft. Das neue Unternehmen firmierte als MGM/UA Communications Co.; United Artists (UA) musste sein internationales Vertriebsnetz aufgeben, da MGM schon einen Vertriebsvertrag für das nichtamerikanische Ausland mit der Cinema International Corporation (CIC) abgeschlossen hatte. Auch die Produktionsaktivitäten in Europa wurden eingestellt.
Die Cinema International Corporation wurde 1981 in United International Pictures umbenannt und kümmerte sich um den Kinoverleih der Filme der MGM und deren Tochterunternehmen UA, Universal Pictures und Paramount Pictures. Die drei Partner waren gleichberechtigte Anteilseigner, die mit United International Pictures eine Marktmacht gegenüber den Kinotheatern besaßen. Die Europäische Gemeinschaft wollte dies unterbinden, und die beiden Kontrahenten UIP und EG einigten sich auf eine Ausnahmeregelung für den Filmverleih.
Die geschäftlichen Beziehungen zu MGM begannen im Jahr 1973. UA schloss in jenem Jahr einen auf zehn Jahre angelegten Vertrag über den Vertrieb der MGM-Filme in den nordamerikanischen Kinos ab. Das Fiasko mit Heaven’s Gate und der Versuch seitens der Transamerica Corporation, sich von ihrer Filmfirma zu trennen, kamen für MGM zur rechten Zeit. Man war wieder im Besitz eines Verleihapparates und konnte so an dem wirtschaftlichen Erfolg der kommenden Filmstaffel partizipieren.
United Artists unter Kirk Kerkorian