mini|Rehgeweih auf Lodenmantel
Eine Jagdtrophäe ist ein als Zeichen einer erfolgreichen Jagd verwendetes Körperteil eines erlegten Tieres. Traditionsgemäß steht es dem Erleger des Tieres zu. Einigen Trophäen kommt auch jagdrechtliche Bedeutung zu, so z. B. im Rahmen von Abschussplänen.
Arten von Jagdtrophäen mini|Spiegelfeder des Eichelhähers
Zu den typischen Jagdtrophäen gehören Geweihe, Hörner und Zähne von Säugetieren, zum Beispiel die Eckzähne („das Gewaff“ des Keilers oder „die Grandeln“ des Rothirsches), die Krallen verschiedener Greifvögel und Vogelfedern, beispielsweise die Spiegelfedern des Eichelhähers oder die Schwanzfedern des Fasans. Ebenfalls als Trophäen gesammelt werden Felle von Mardern, Füchsen und Bären, sowie Pfoten von Füchsen und Hasen.
Als Trophäen werden üblicherweise nur Körperteile selbst erlegter Tiere verwendet. Der bekannte Spruch „Schmücke Dich nicht mit fremden Federn!“ weist darauf hin.
Bedeutung im Jagdrecht Abschusspläne werden teilweise nach der Trophäe eingeteilt, so etwa in Bayern beim Rotwild oder Gamswild. Die Vorlage der Trophäen ist in Bayern als letztem deutschen Bundesland verpflichtend. Dabei sind auch Trophäen vorzulegen, die nicht von erlegten, sondern von tot aufgefundenen Tieren stammen ().
Verwendung
mini|Hut mit verschiedenen Jagdtrophäen, ausgestellt im Jagdmuseum Schloss Wolfstein mini|Gerahmtes Präparat eines Rothirschkopfes (Eissprossenzehner) auf rotem Hintergrund im Saal von Schloss Rothestein, Hessen
Jagdtrophäen gelten bei vielen Jägern als begehrte Sammlerstücke, als Vorzeigeobjekte und als Statussymbol. Bei begehrten Trophäen übersteigt der Preis für die Trophäe häufig den Wert des Wildbrets. Für die Abschusserlaubnis „starker“ Rothirsche werden weltweit Preise von mehreren tausend Euro bezahlt. Viele Tierarten werden für das eigene Heim oder für Naturkundemuseen präpariert und ausgestopft.
Nicht grundsätzlich kommt als Trophäen verwendeten Körperteilen auch die Bedeutung einer Trophäe zu. So wird ein Gamsbart häufig als traditioneller Hutschmuck, Knöpfe aus Horn oder Pelze auch von Personen getragen, die die Tiere nicht selbst erlegt haben.
Elfenbein oder das Horn der Nashörner sind Beispiele für begehrte Rohstoffe die aus erlegten Tieren gewonnen werden, aber nicht automatisch die Funktion einer Jagdtrophäe erfüllen.
Künstliche Selektion
Die Jagdzeiten richten sich weltweit und auch in Deutschland unterschiedlich bei einigen Wildarten mit Geweih oder Horn nach der Trophäenbildung, d. h. erst wenn die Trophäe im jagdlichen Sinne richtig entwickelt ist. Das ist in den jeweiligen Jagdgesetzen und Verordnungen festgelegt.
Geweihträger Um erwünschte Trophäen zu erhalten, erfolgen Abschüsse von Rothirschen nach einer Zuchtwahl. Neben der Qualität der Äsung und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere sei maßgeblich die Erbinformation für die Ausprägung des Geweihs verantwortlich. Um „schlecht“ veranlagte Tiere von der Reproduktion auszuschließen, werden bevorzugt auch heute noch junge und schwache Hirsche erlegt, welche „unterlauscherhoch auf haben“ (Geweih kürzer als Ohren), während junge Hirsche mit gut ausgeprägtem Geweih geschont werden: sie werden erst zum Höhepunkt ihrer Geweihbildung geerntet und könnten in der Zwischenzeit ihre Gene in die Population einbringen.Egon Wagenknecht: Rehwildhege mit der Büchse. Neumann, Leipzig/Radebeul 1983, ISBN 3-7888-0380-0, S. 187–203. Sinngemäß gilt diese früher als „Aufartung“ bezeichnete Methode seit dem Reichsjagdgesetz von 1934 auch heute noch bei Cerviden. Zumindest bei Rehwild hat diese Zuchtwahl heute sehr viel weniger Bedeutung. In den meisten Landesjagdgesetzen der deutschen Bundesländer gibt es lediglich noch zwei Unterscheidungsklassen: nach Alter einjährige sowie zweijährig und ältere Böcke. Inzwischen gibt es in einigen Bundesländern Erweiterungen der Jagdzeiten, die auf die Trophäenentwicklung keine Rücksicht nehmen.
Beim Rothirsch ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Abschuss von Kronenhirschen (das Ende des Geweihs weist mindestens drei Spitzen auf) ab dem Erntealter von zehn Jahren erlaubt. Verstöße sind in Österreich und der Schweiz Gegenstand zahlreicher Gerichtsverfahren.Konrad Jeker: Von nicht jagdbaren, einseitigen Kronenhirschen und hinkenden Vergleichen. In: strafprozess.ch, abgerufen am 24. Oktober 2013.Bundeskanzleramt Österreich: Bundeskanzleramt Rechtsinformationssystem. Abgerufen am 24. Oktober 2013.
Der Rehwildabschuss unterliegt heute keiner gesetzlichen Vorgabe zur Form der Trophäe mehr. Der Abschuss von Rehböcken ist in Deutschland zum Teil nur bis Mitte Oktober gestattet, da die Böcke im Herbst ihr Geweih verlieren. Die Neubildung dauert bis zum späten Frühjahr. Mit April oder Mai beginnt die neue Jagdzeit. Als erstes Bundesland änderte Rheinland-Pfalz im Jahr 2013 die Jagdzeitregelung dahingehend, dass hier die Jagdzeit für Rehe geschlechts- und altersneutral am 31. Januar endet.Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Rheinland-Pfalz Nr. 13 vom 20. August 2013. S. 293. In weiteren Bundesländern wurde die Jagdzeit verlängert, teils bis Ende Februar.Schon- und Jagdzeiten in Deutschland auf: schonzeiten.de, abgerufen am 11. März 2021.
Hornträger Bei Hornträgern wie Gams, Mufflon oder Steinbock wird die lebenslange, kontinuierliche Entwicklung der Hörner als Entscheidungskriterium für einen Abschuss herangezogen. Beispielhaft für einen frühzeitigen Abschuss eines Muffelwidders sei der „Einwachser“ erwähnt. Bei diesem wächst die Spitze der Rundung entweder eines Horns oder beider Seiten nicht parallel zum Hals, sondern in Richtung Hals oder Kiefer.
Kritik mini|Jagdtrophäensammlung von Maximilian Graf von Arco-Zinneberg (1811–1885), dem „Adlergraf“, im Palais Arco-Zinneberg
Der Trophäenkult, wie eine Fixierung des Jagdwesens auf Trophäen auch genannt wird, ist Gegenstand öffentlicher sowie jagdinterner Kritik.
Die oben dargelegte "künstliche Selektion" orientiert sich an rein subjektiven Kriterien aus der Sicht der Jagenden. Die Ausbildung der Trophäe ist weder ein Aspekt der Überlebensfähigkeit des Individuums noch des Artenschutzes. Der Zustand des Lebensraumes überlagert die möglichen Effekte der Zuchtwahl bei der Ausprägung der Trophäe.Christian Ammer, Torsten Vor, Thomas Knoke, Stefan Wagner: Der Wald-Wild-Konflikt. Analyse und Lösungsansätze vor dem Hintergrund rechtlicher, ökologischer und ökonomischer Zusammenhänge. Göttinger Forstwissenschaften – Band 5, Göttinger Universitätsverlag: Göttingen 2010, ISBN 978-3-941875-84-5, Volltext online (PDF)
Horst Stern formulierte 1971 in seinen Bemerkungen über den Rothirsch:
mini|Ausstellungswand bei der (Pflicht-)Trophäenschau des Bezirks Kufstein, Österreich im Jagdjahr 2012/13
Der Ökologische Jagdverband sieht in der Institution Trophäenschau keine uralte Tradition, vielmehr sei diese Mode „vor ca. 100 Jahren […] nach dem Prinzip: Das Schlechte muss weg und das Gute darf bleiben“ eingeführt worden. Der Beurteilung des im Jagdgebiet lebenden Wildes wird die Trophäenschau nicht gerecht, weil regelmäßig nur der Kopfschmuck männlicher Tiere ausgestellt wird.Alle Jahre wieder oder Trophäenkult in Reinkultur. Pressemitteilung des ÖJV vom 21. Juni 2004 auf pressrelations.de. Abgerufen am 24. Oktober 2012.
Ein im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) und der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) erstelltes und 2010 veröffentlichtes Gutachten zum Wald-Wild-Konflikt sieht unter deutschen Jägern eine weiterhin starke Fixierung auf Trophäen bzw. Geweihträger und eine daraus resultierende Ungleichbehandlung von Tierarten. Die z. T. mehrere Monate währende Wildfütterung, Zuchtwahl beim Abschuss und gelegentlich auch medikamentöse Behandlung des Wildes zwecks „Trophäenhege“ wird als Gefährdung des Wildtiercharakters der betroffenen Tierarten gewertet. Die Trophäenschauen, in neuerer Zeit oft auch als Hegeschauen bezeichnet, werden im Hinblick auf die Abschussplanung und -erfüllung als ungeeignetes Instrument bewertet.
Die Bedeutung von Jagdtrophäen kann so weit gehen, dass gezüchtete Tiere in „Jagdreviere“ gebracht werden, wo sie von zahlungskräftigen Kunden erlegt werden. Jagdtourismus ist meistens mit entsprechenden Trophäen verbunden.
Literatur Fritz Nüßlein u. a.: Das praktische Handbuch der Jagdkunde. 16. Auflage. BLV, München 2006, ISBN 3-8354-0020-7. Christian Ammer, Torsten Vor, Thomas Knoke, Stefan Wagner: Der Wald-Wild-Konflikt. Analyse und Lösungsansätze vor dem Hintergrund rechtlicher, ökologischer und ökonomischer Zusammenhänge. Göttinger Forstwissenschaften – Band 5, Göttinger Universitätsverlag: Göttingen 2010, ISBN 978-3-941875-84-5, Volltext online (PDF). Richard Blase: Die Jägerprüfung: Das Lehr-, Lern- und Nachschlagewerk für Ausbildung und Praxis. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-494-01336-5. Walter Frevert, Friedrich Türcke (Hrsg.): Das jagdliche Brauchtum: Jägersprache, Bruchzeichen, Jagdsignale und sonstige praktische Jagdgebräuche in Vergangenheit und Gegenwart. Parey, Berlin 1995, ISBN 3-490-29212-X. Bernd Herrmann, Klaus-Steffen Saternus: Biologische Spurenkunde: Band 1: Kriminalbiologie. Springer, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-71110-0. Hubertus Hiller: Jäger und Jagd: zur Entwicklung des Jagdwesens in Deutschland zwischen 1848 und 1914. Waxmann Verlag, 2003, ISBN 3-8309-1196-3. Olgierd E. J. Kujawski: Jagdtrophäen: Gewinnung, Behandlung, Bewertung. BLV, 2005, ISBN 3-405-16848-1. Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon. Augsburg 2000, ISBN 3-8289-1579-5, S. 796 ff.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Jagdliches Brauchtum Kategorie:Auszeichnungsart